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Veröffentlicht am 04.03.2019

Negativität überwiegt leider

Café Engel
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Wie sehr hatte ich diesem Buch entgegengefiebert! – Erhoffte ich mir doch eine Familiengeschichte vor dem historischen Hintergrund des Zweiten Weltkriegs; Mutter und Tochter, die um die Existenz ihres ...

Wie sehr hatte ich diesem Buch entgegengefiebert! – Erhoffte ich mir doch eine Familiengeschichte vor dem historischen Hintergrund des Zweiten Weltkriegs; Mutter und Tochter, die um die Existenz ihres kleinen Künstler-Cafés kämpfen und dem Elend die Stirn bieten; eine geheimnisvolle, bildschöne Cousine aus Ostpreußen, die nach ihrer Flucht plötzlich auf der Bildfläche erscheint und für Verwirrung sorgt – all das in Kombination mit dramatischen Kriegserlebnissen, den üblichen Irrungen und Wirrungen der Liebe und möglichst vielen spannenden Hintergrundinformationen dazu, wie die (vom Nazi-Regime verfolgten) Künstler/innen dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte erlebt haben… Leider hat mich dieses Werk relativ enttäuscht zurückgelassen und rein gar nicht fesseln, geschweige denn emotional berühren können. Schlimmer noch, gegen Mitte der Geschichte musste ich mich regelrecht zum Weiterlesen aufraffen (- was bei mir eine absolute Seltenheit ist; ich liebe es, zu lesen und insbesondere das Genre der historischen (Frauen-)Romane ist meine Leidenschaft -). Letztendlich überwogen die Neugier (darauf, wie die bis dahin unbefriedigenden Handlungsstränge wohl aufgelöst werden würden) und die Hoffnung (darauf, dass eine unerwartete Wendung doch noch dazu führen würde, mir die Figuren näherzubringen). Nach Abschluss des Romans musste ich allerdings feststellen, dass mir die Charaktere nach wie vor größtenteils unsympathisch, im Idealfall gleichgültig waren.

Ich horchte also in mich hinein. Was war schiefgelaufen? (Immerhin hatte ich dieses vielversprechende Buch, dessen wunderschönes Cover mich verzaubert hatte, so gerne mögen wollen.) Die Leseprobe hatte mich durch eine einnehmende Leichtigkeit beeindruckt: ein flüssiger Schreibstil, detaillierte, bildreiche Beschreibungen, die gekonnt die Atmosphäre des Café Engel einfangen und Optimismus pur – trotz Vorboten des Krieges. Ein wundervoller Start in die Handlung! Man lernt die sympathische Familie Koch kennen, die das besagte Café - Treffpunkt der Wiesbadener Schickeria – bewirtschaftet und ist gespannt, was das Schicksal für sie und ihre Freunde bereithalten wird. Diese Leichtigkeit ist im Laufe der Geschichte leider völlig abhandengekommen. Natürlich ist mir bewusst, dass während eines Krieges nicht die Glücksgefühle überwiegen, sondern dass sich tragische Szenen abspielen. Jedoch habe ich schon weitaus schwerwiegendere Kriegsberichte gelesen (in denen z.B. der harte Lazarett-Alltag einer Kriegskrankenschwester geschildert wurde; Amputationsbeschreibungen inklusive), die auch von schlimmen Verlusten handelten und dennoch keineswegs gänzlich in Negativität versanken, sondern stets das Gute hervorhoben, die Hoffnung, die Freude am Leben. Hier hingegen hatte ich das Gefühl einer dunklen Wolke, die während des Lesens permanent über meinem Kopf hing.

Viele der Figuren unterlaufen eine Wandlung in ihrem Wesen, die alles andere als positiv ist. Gerade Julia, eine Jüdin, die von der Familie Koch vor den Nazis versteckt wird, hätte ich aufgrund ihrer grenzenlosen Selbstwertunterwanderung und Naivität, die mich kochen hat lassen vor Wut, am liebsten schütteln wollen. Sie ist nicht der einzige Charakter, über den ich mich maßlos aufgeregt habe. Ob unerklärliche und wenig authentische 180-Grad-Wendungen, oder schlichtweg unangenehme Charakterzüge – gegen Ende waren mir die meisten Figuren egal.

Dieser Roman besteht aus unverhältnismäßig vielen verschiedenen Perspektiven, die abwechselnd in Kapitel unterteilt sind. Einerseits erhält man als Leser somit einen Einblick die Gedanken einer Vielzahl von Figuren. Bei mir war es allerdings so, dass ich aufgrund der großen Menge an Erzählperspektiven (- die dazu noch in verschiedene Zeitebenen unterteilt sind, was anfangs ein wenig verwirrend war -) von jeder Figur ein wenig, aber von keiner genügend Tiefe wahrgenommen habe. Dieser Eindruck zog sich durch die gesamte Handlung und so blieb die emotionale Distanz bis zur letzten Seite bestehen, leider. Den krönenden Abschluss bildet dann ein Ausklang, der wie mit dem Vorschlaghammer erzwungen scheint – als müsse man schnell zu einem Rundum-Ende gelangen.

Bleibt der Schreibstil auch weiterhin flüssig, wird er doch seines ursprünglichen Optimismus beraubt und ist bestenfalls als neutral zu beschreiben. Mit dem Wortlaut des Klappentextes, auf den die Autoren oftmals kaum Einfluss haben, bin ich nicht einverstanden, da er meines Erachtens irreführend ist. Die Zeitspanne, in der Hilde und Luisa sich endlich begegnen ist relativ kurz, unmittelbar vor dem Ende des Werkes. Der Roman endet also genau dort, wo er laut Beschreibung seinen Hauptfokus hätte haben sollen. Ehrlich gesagt, werde ich die Folgeromane dieser Trilogie mit ziemlicher Sicherheit nicht lesen.

Fazit: Schade, schade. Dieses Werk hat leider all das, was viele Nicht-Leser von historischen Romanen mit diesem Genre assoziieren: unnahbare Figuren, zu denen man keinen Bezug aufbauen kann, verwirrende Zeitsprünge, und eine ermüdende Langatmigkeit, die das Werk unnötig in die Länge zieht.

Veröffentlicht am 30.11.2018

Ein Muss für Fans von historischen Romanen und Familiensagas à la Downton Abbey

Das Palais Reichenbach
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Berlin, 1926. In der ostdeutschen Metropole pulsiert das kulturelle Leben. Die Schrecken des Ersten Weltkrieges verblassen langsam, sind nicht mehr omnipräsent. Es ist eine neue Zeit angebrochen, in der ...

Berlin, 1926. In der ostdeutschen Metropole pulsiert das kulturelle Leben. Die Schrecken des Ersten Weltkrieges verblassen langsam, sind nicht mehr omnipräsent. Es ist eine neue Zeit angebrochen, in der es gilt, das Leben zu feiern und an erdrückenden Konventionen zu rütteln. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist tiefer denn je und das mittellose Volk begehrt auf: es verlangt die Enteignung des Adels.
Dramatische Zeiten liegen vor der vornehmen Familie Reichenbach und am Ende des Jahres 1926 wird nichts mehr so sein, wie es einmal war.

Autorin Josephine Winter hat ein mitreißendes historisches Werk erschaffen, das mich restlos begeistert hat! Bereits das wunderschöne, in warmen Goldtönen gehaltene Cover sprüht vor glamourösem Esprit und die Abbildung weckt die Neugier darauf zu erfahren, auf welche Weise das Schicksal der elegant gekleideten jungen Dame mit dem imposanten Stadtpalais zusammenhängen mag. Sowohl die exquisite Schriftart des Buchtitels als auch die dekorativen Ornamente am Rande des Covers erinnern an schillernde Filmplakate und erzeugen einen hochwertigen Eindruck. Vage tauchen Bilder der aus dem Jahre 2013 stammenden Verfilmung des großen F. Scott Fitzgerald Klassikers „The Great Gatsby“ vor dem inneren Auge auf.

Im Fokus des Romans steht das Klassensystem der Weimarer Republik, welches am Beispiel der hochverschuldeten Fürstenfamilie Reichenbach, die mit aller Macht an ihrem distinguierten Ruf festzuhaltenden versucht, eindrucksvoll beschrieben wird. Jedes Familienmitglied hat eine andere Vorstellung davon, wie das finanzielle Desaster am besten abzuwenden sei. Familienoberhaupt Fürst Paul, der an das Ehrgefühl der Bürger/innen appellieren möchte, sieht sich zudem mit einem aufbegehrenden Sohn konfrontiert: Prinz Fridolin befürwortet die Ansichten der (antisemitischen) Deutschnationale Volkspartei, erhofft sich durch deren Unterstützung eine Rückkehr zur Monarchie - unabhängig davon, was diese Entwicklung für seinen besten Freund, den Juden Levi, bedeuten mag. Fürstin Juliane hingegen setzt alles daran, ihre drei Kinder vorteilhaft zu verheiraten - wahre Liebe ist ein Luxus, den sich die Familie nicht leisten kann und es müssen Opfer gebracht werden. Dies gilt auch für die Angestellten des Hauses, deren Essensrationen rigoros gekürzt werden bei gleichzeitiger Erhöhung des Arbeitspensums eines jeden Individuums. Einzig Prinz Georg und Prinzessin Ina leben unbekümmert in den Tag - so scheint es. Allerdings verbirgt jeder von ihnen ein Geheimnis, das die ungeschriebenen Gesetze der damaligen Gesellschaft aus den Fugen heben und für einen Eklat sorgen könnte.

Die leider so oft mit historischen Romanen einhergehende Langatmigkeit eines Werkes bleibt hier gänzlich aus, stattdessen wird die Spannung gekonnt bis zum Schluss aufrechterhalten. Spielerisch lässt die Autorin mit detaillierten Beschreibungen und authentischen, zeitgerechten Dialogen die Goldenen Zwanziger Jahre in der Weltstadt Berlin auferstehen und verzaubert mit tiefgründigen, emotional ansprechenden Charakteren. Besonders den sanftmütigen Prinzen Georg sowie die frisch verliebte Prinzessin Ina habe ich aufgrund ihrer Liebenswürdigkeit und Aufgeschlossenheit gegenüber Neuerungen sofort ins Herz geschlossen. Auch die elegante Dame des Hauses, Fürstin Juliane, ist mir nach und nach auf ganz eigensinnige Weise ans Herz gewachsen. Bemerkenswert hierbei ist nicht nur, dass die Leserschaft sich mühelos in die Gedankengänge der liebevoll gestalteten Protagonisten/innen hineinversetzen kann, sondern auch, dass J. Winter großen Wert darauf gelegt hat, neben dem Schicksal der privilegierten Familie ebenso das Lieben und Leiden des Hauspersonals mit gleicher Sorgfalt und emotionaler Intensität zu schildern. Witzige Nebencharaktere, die zum Teil in bester Berliner Mundart brillieren, tragen angenehm zum Gesamteindruck der Geschichte bei. Als ehemalige Einwohnerin Berlins hat es mich gefreut, über vertraute Straßenzüge und Plätze zu lesen. Einen bedeutenden Nebenspielplatz der Handlung nimmt das inzwischen leider zerstörte Künstlerlokal “Das Romanische Café“ ein, das einst als Anlaufstelle für Künstler/innen (und solche, die es werden wollten) galt.
Die Autorin scheut sich nicht, gewisse Fragen unbeantwortet zu lassen und die Phantasie der Leser/innen anzuregen. Die Sprache ist klar und die kunstvoll ineinander verflochtenen Handlungsstränge ergänzen sich zu einem wohlstrukturierten Gesamtwerk.

Den überaus flüssigen Schreibstil kann ich nicht genügend loben - selten habe ich einen historischen Roman gelesen, bei dem trotz erschütternder Schicksalsschläge und überraschender Wendungen ein Gefühl der Leichtigkeit überwiegt - das Leben geht weiter, weil es eben muss und weil es nicht anders kann; dies spiegelt sich auch in der bildreichen Wortwahl wider, die keine dauerhafte Tragik zulässt, sondern vielmehr das Leben und die Liebe zelebriert.

Fazit: Das Werk hat mich positiv beschwingt, ergriffen und faszinierter denn je mit dieser interessanten Epoche zurückgelassen. Ein Roman über Liebe, Loyalität, Familie und Freundschaft. Ganz großes Kino - besser geht es nicht! Zweifelsohne zählt „Das Palais Reichbach“ fortan zu meinen Lieblingswerken, daher gibt es eine uneingeschränkte und begeisterte Leseempfehlung von mir!

Veröffentlicht am 15.04.2019

Spannende Story, die aber besser umgesetzt hätte werden können

Das Verschwinden der Stephanie Mailer
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20 Jahre sind vergangen, seitdem ein grausiger Mehrfachmord das kleine Städtchen Orphea an der amerikanischen Ostküste in seinen Grundfesten erschüttert hatte – der damalige Bürgermeister und seine Familie ...

20 Jahre sind vergangen, seitdem ein grausiger Mehrfachmord das kleine Städtchen Orphea an der amerikanischen Ostküste in seinen Grundfesten erschüttert hatte – der damalige Bürgermeister und seine Familie sowie eine jungen Joggerin, die scheinbar nur zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen war, waren auf gewaltsame Weise aus dem Leben gerissen worden. Die Erleichterung der Gemeinde war groß, als die damaligen leitenden Polizisten Jesse Rosenberg und Derek Scott letztlich den Täter dingfest machen konnten. Zwei Jahrzehnte später verkündet die junge und bis in die Haarspitzen motivierte Journalistin Stephanie Mailer dem verdutzten Jesse, dass ihres Erachtens der Polizei damals ein folgenschwerer Fehler unterlaufen sei…der wahre Täter sei ungestraft davongekommen. Doch dank einer geheimen Quelle, von der sie sich aussagekräftige Beweise erhofft, werde sie nun den Fall wieder ins Licht der Öffentlichkeit rücken – was für die Cops durchaus peinlich werden könnte, die laut Stephanie damals den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen hätten. Jesse Rosenberg ist zunächst einmal alles andere als begeistert – sein Ruhestand steht kurz bevor und das Letzte was er gebrauchen kann ist eine wichtigtuerische Journalistin, die meint ihm sagen zu müssen, wie er seine Arbeit hätte verrichten sollen. Aber dennoch lässt ihn der Gedanke nicht ganz los… Könnte seine Einheit vor 20 Jahren tatsächlich solch einen schwerwiegenden Fehler begangen haben? Nein, unmöglich! Doch plötzlich verschwindet Stephanie Mailer, scheint wie vom Erdboden verschluckt. Kann dies nur Zufall sein? Oder ist sie der gefährlichen Wahrheit zu nahegekommen und soll nun daran gehindert werden, die Identität des tatsächlichen Täters zu enthüllen…? Jesse bleibt keine Wahl – er nimmt die Ermittlungen wieder auf.
Als Szenerie ist die Nobel-Region der malerischen Hamptons, Zuhause und Wahlheimat der elitären finanziellen Oberschicht Amerikas, gewählt worden. Zwischen Strandvillen und exklusiven Shopping-Boulevards führen die Anwohner dort ein beschauliches Leben, das wenig mit dem Alltag der Normalverdiener oder gar verarmten Bevölkerung der USA gemein hat – und ausgerechnet hier in diesem friedvollen, mit sich selbst beschäftigten Örtchen finden nun solche Verbrechen statt, die ansonsten immer nur woanders passieren… Ein Skandal! Der Autor zeigt damit auf, dass Verbrechen tatsächlich überall geschehen können, unabhängig vom sozialen Milieu.
Die Kapitel sind abwechselnd aus der Perspektive unterschiedlicher Charaktere geschrieben; der Autor beleuchtet die gegenwärtigen Ereignisse sowie die Geschehnisse der Vergangenheit aus allerlei verschiedenen Perspektiven, was einerseits dem Leser einen größeren Einblick in das Ganze verschafft und gleichzeitig dazu verleitet, eigene Theorien zum potentiellen Täter und wahren Tathergang herzustellen – nur um diese dann mit der nächsten unvorhergesehenen Wendung wieder völlig in Frage zu stellen und von Neuem zu rätseln. So wird man des Öfteren auf die falsche Fährte gelockt und kann sich hinsichtlich der Charaktere nie vollständig sicher sein, ob sie nicht doch etwas verbergen. Dadurch, dass stets aus der Ich-Perspektive erzählt wird, muss man sich als Leser schon genau konzentrieren, was mich in meinem regulären Lesetempo ein wenig gebremst hat.
Nach einem rasanten Start, der die Leser direkt in die Geschehnisse hineinkatapultiert (- hierbei möchte ich besonders hervorheben, wie authentisch der anfängliche innere (Gewissens-)Konflikt des angehenden Ruheständlers Jesse geschildert worden ist -), kam mir das Entwicklungstempo im Mittelteil eher ein wenig gedrosselt vor, da hier mehr Fokus auf die Hintergründe/Lebensumstände und Schicksale der einzelnen Figuren gelegt worden ist, was sich zum Ende dahingehend auszahlt, dass sich alles schlüssig zusammenfügt. Mit den vielen thematischen Nebenschauplätzen (Eheprobleme, Drogen, etc.) geht das Werk für mich über einen normalen Krimi weit hinaus. Meine Lieblingsfigur war übrigens die neu zugezogene Polizeibeamtin Anna, die sich zunächst einmal auf dem Revier behaupten muss.
Der Schreibstil ist stets sehr klar und flüssig und besticht durch die Intensität, mit der der Autor sich der Ausarbeitung der einzelnen Figuren widmet. Jedoch tritt die eigentliche Ermittlung dabei ab und zu in den Hintergrund. Hinsichtlich der Dialoge war ich nicht vollständig überzeugt – gerne hätte es ein wenig emotionaler sein dürfen; ich könnte mir allerdings vorstellen, dass der - meines Erachtens - zu unkonventionelle Tonfall (angesichts der ernsten Themen) eventuell bewusst als Auflockerungselement gewählt worden war.
Für meinen Geschmack hätte es auch ein bisschen weniger (dafür mehr chronologisches) Hin-und-Her-Switchen zwischen den Zeitebenen sein können, aber das ist nur meine persönliche Empfindung; es hielt sich insgesamt schon noch im Rahmen. Schlimmer fand ich die Erkenntnis, wie offensichtlich schlampig bzw. unlogisch bei den damaligen Ermittlungen des Vierfachmordes vorgegangen worden war – das so etwas tatsächlich auch im echten Leben passieren kann ist schon sehr beängstigend.
Fazit: Ein wenig zu komplex für meinen Geschmack mit zu viel Nebeninformationen (– ich bevorzuge eher Geschichten mit mehr Fokus auf die Hauptfiguren -), die zwar für entsprechende Verwirrung (und somit zum großen Rätselraten) beitrugen, den Roman für mich aber insgesamt etwas zu langatmig wirken ließen. Dennoch: volle 3 Sterne für den spannenden Plot!

Veröffentlicht am 14.04.2019

Ein entzückender, witziger Familienroman

Weibersommer
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Heike Wanner hat es mal wieder geschafft, mich mit ihren Schreibkünsten völlig vom Hocker zu reißen – dies ist nach "O du fröhliche Weibernacht" bereits das zweite Werk, das ich von der Autorin lesen durfte ...

Heike Wanner hat es mal wieder geschafft, mich mit ihren Schreibkünsten völlig vom Hocker zu reißen – dies ist nach "O du fröhliche Weibernacht" bereits das zweite Werk, das ich von der Autorin lesen durfte und innerhalb eines Tages verschlungen habe! Unheimlich liebevolle Charaktere, authentische Dialoge, eine originelle Handlung, spannende Familiengeheimnisse, jede Menge Humor und natürlich ganz viel Gefühl… Herz, was willst du mehr?!

Als ihr geliebter Onkel Horst überraschend das Zeitliche segnet, beschließen die Schwestern Marie-Louise (= Lou) und Anne-Marie zusammen mit ihrer Cousine Lisa-Marie, sich vorübergehend um dessen Bauernhof zu kümmern – all seine Tiere müssen schließlich versorgt werden. Auf diese Weise können Horsts Schwestern, die Mütter der drei Maries, ihre geplante Kur antreten und in Ruhe trauern. Wer nun ein oberflächliches Werk à la 'verwöhnte Großstädterinnen regen sich über Kuhmist auf' erwartet, der sei beruhigt – dieser wundervoll tiefgründige Roman enthält zwar zahlreiche witzige Elemente (Stichwort: "Zahnseide"), aber noch viel mehr feine Zwischentöne. In luftig-leichter Manier beschreibt die Autorin, wie die drei gänzlich unterschiedlichen Cousinen (eine gestresste Vollzeitmutter mit Eheproblemen, eine erfolgreiche Innenarchitektin, die das scheinbar perfekte Leben führt und eine romantisch veranlagte Buchladen-Besitzerin, die in Online-Single-Börsen nach der großen Liebe sucht) mit ihren konträren Lebensansichten zunächst ständig aneinander anecken und letztlich erkennen, dass nichts stärker ist als der Zusammenhalt ihrer Familie. Zudem kommen sie einem Geheimnis auf die Spur, welches Onkel Horst plötzlich in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt…

Die Familiendynamik wird sehr realitätsnah widergegeben und ich habe mich tatsächlich in jede der Cousinen problemlos hineinversetzen können. Die Autorin hat sich mit diesem Wohlfühlroman, der einem beim Lesen einfach in Lächeln ins Gesicht zaubert, selbst übertroffen. Dank der sensationell angenehmen Schreibweise, die mich gleich die Story eintauchen ließ, fühlte mich während der Lektüre wie auf einem Kurzurlaub in Pfronten (wo ich auch im echten Leben schon einmal einen Urlaub verbracht habe und daher nur bestätigen kann, wie gelungen H. Wanner die idyllische Atmosphäre und die wunderschöne Natur der Region eingefangen hat). Auch der sympathische Allgäuer Dialekt ist miteingeflochten worden und findet eine würdige Vertreterin in der neugierigen Nachbarin Traudl Hösle.

Das Gute-Laune-Werk spielt zwar im Sommer, kann aber das ganze Jahr über gelesen werden und machte mir direkt Lust auf ein paar Tage auf dem Bauernhof – um Hühnerställe werde ich allerdings einen Bogen machen…nicht, dass mir noch ein "Akihito"-Hahn vor die Füße flattert!

Fazit: Herrlich unbeschwerte Unterhaltung zum Schmunzeln und Träumen! Absolute Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 14.04.2019

So verworren, zäh und langatmig, dass es einen gruselt!

Der Leuchtturmwärter
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Dieser Kriminalroman war leider überhaupt nichts für mich. Aufgrund des Klappentextes hatte ich mir eine gänzlich andere Geschichte erwartet:

"Schriftstellerin Erica Falck hat mit ihren Zwillingen alle ...

Dieser Kriminalroman war leider überhaupt nichts für mich. Aufgrund des Klappentextes hatte ich mir eine gänzlich andere Geschichte erwartet:

"Schriftstellerin Erica Falck hat mit ihren Zwillingen alle Hände voll zu tun, seit ihr Mann Patrik wieder im Polizeidienst ist. Sie findet kaum Zeit für ihre Schulfreundin Annie, die gerade in das idyllische Fischerdorf Fjällbacka zurückgekehrt ist. Annie zieht in das kleine Haus auf der Leuchtturminsel vor der Küste. Dort soll es nachts spuken, und dunkle Legenden ranken sich um den Ort. Annie scheint es nicht zu stören, vor allem als Mats, ihre erste große Liebe, zu ihr zurückkehrt. Doch dann wird Mats brutal ermordet. Patrik und Erica beginnen zu ermitteln."

Bereits der Einstieg zieht sich wie Kaugummi und gestaltet sich unheimlich anstrengend zu lesen – zig Perspektiven etlicher Hauptcharaktere, Nebenfiguren und deren diverser Familienangehöriger wechseln sich innerhalb der einzelnen Kapitel ab; es herrscht ein heilloses Durcheinander, auch im Hinblick auf die verschiedenen Nebenplots. Die in der Inhaltsangabe erwähnte Freundschaft zwischen Erica und Annie hat im Grunde nie existiert, da Erica zu Schulzeiten eher eine stille Bewunderin der coolen Annie gewesen war, aber mehr auch nicht. Folglich kann von potentieller Wiedersehensfreude keine Rede sein – und wo wir gerade dabei sind, auch nicht von aktiver Mithilfe: Erica stolpert eher aus Neugier in die Ermittlungen ihres Gatten hinein.
Bereits nach wenigen Kapiteln war mir der Hintergrund zu Annies Situation sowie zu ihrem Sohn klar, da die Wortwahl diesbezüglich einfach zu bewusst gewählt worden war; von da an wartete ich im Grunde nur noch auf die Auflösung. Was Mats angeht, erfährt man ja bereits aus der Inhaltsangabe, dass er ermordet werden wird – ein Jammer, denn er und seine Eltern waren mir mit am sympathischsten. Von der ersten großen Liebe, die Mats und Annie einmal verbunden haben soll, spürt man allerdings herzlich wenig. Dafür werden die familiären Hintergründe sämtlicher Nebenfiguren im Detail ausgebreitet; kaum ein Thema, das nicht auch noch auf Krampf untergebracht wird: eine Fehlgeburt aufgrund eines Unfalls, häusliche Gewalt und Frauenhäuser, Drogen, allerlei Familienprobleme…und obendrein Geister, die auf der Insel herumspuken und dem Krimi jeglichen Realitätsbezug rauben. Gekrönt wird das Ganze von Rückblenden in das späte 19. Jahrhundert, als die Insel (Annies Rückzugsort) von einer jungen Frau namens Emelie, die in einer unglücklichen Ehe mit dem Leuchtturmwärter Karl gefangen ist, bewohnt wird. Selten war ich so erleichtert gewesen, ein Buch endlich beenden zu können.
Die zwei Sterne vergebe ich ausschließlich aufgrund des emotionalen Schreibstils und der guten Ausarbeitung der einzelnen Personen. Den überladenen Plot, den (fehlenden) Spannungsaufbau, die chaotische Aufeinanderfolge der Szenen sowie das bestenfalls langweilige, aber eher enttäuschende Ende nehme ich von der Bewertung aus.