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Veröffentlicht am 16.08.2022

Sommerleichte Urlaubslektüre für Katzen-Fans

Ein Sommer mit Hemingways Katzen
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Ich war wild entschlossen, diesen Roman zu lieben. Eine Feel-Good-Story mit tierischen Protagonisten … vor der traumhaft schönen Kulisse Key Wests. Das klingt doch automatisch nach einem herrlichen 5-Sterne-Read, ...

Ich war wild entschlossen, diesen Roman zu lieben. Eine Feel-Good-Story mit tierischen Protagonisten … vor der traumhaft schönen Kulisse Key Wests. Das klingt doch automatisch nach einem herrlichen 5-Sterne-Read, oder?

𝗦𝗲𝘁𝘁𝗶𝗻𝗴:
Es gibt viel zu wenige Romane, die hier spielen! Key West, Florida - man muss es einfach selbst mal erlebt haben. Pastellfarbene Holzhäuschen, majestätische Kolonialbauten, Palmen, türkisfarbenes Wasser, malerische Sunsets, fruchtige Cocktails … dafür muss man aber auch Touristenhorden in Kauf nehmen, eine unerträgliche Luftfeuchtigkeit und Hühner, jede Menge Hühner. Ich kann persönlich bezeugen: In fast jedem (Vor-)Garten, am Straßenrand, auf öffentlichen Plätzen - überall gackert oder kräht ein Federvieh. Auf den ersten Seiten dieser Geschichte begegnet uns ebenfalls direkt ein Hahn, der mit seinem selbstbewussten Kikeriki die Morgensonne begrüßt, daher: volle Punktzahl in Sachen Authentizität.

"Wer braucht da einen Wecker? […] Wenn dieser Hahn kräht, folgt jeder seinem Ruf. Am Ende sogar die Sonne."

𝗛𝗮𝘂𝗽𝘁𝗳𝗶𝗴𝘂𝗿:
Laura war mir sympathisch, blieb insgesamt jedoch (verglichen mit anderen Romanfiguren) ein etwas blasser Charakter - das lag in meinen Augen nicht an ihrer reizenden Person, sondern an der Vielzahl der Nebenfiguren (und deren eigenen Plots) sowie an der Tatsache, dass der spezielle Schreibstil für eine gewisse Distanz sorgte. Vielleicht bin ich mittlerweile lediglich zu sehr an Romane gewöhnt, die in der Ich-Perspektive geschrieben sind, wer weiß.

𝗛𝗮𝗻𝗱𝗹𝘂𝗻𝗴:
Die kreative Grundidee zur Rahmenhandlung dieses Werks ist definitiv mal was anderes. Sie ist übrigens von wahren Begebenheiten inspiriert (Stichwort: Hurrikan "Irma"), wurde zu Unterhaltungszwecken aber angereichert mit fiktiven Elementen. Der Trubel im Hemingway-Haus bzw. die Katzenperspektiven hätten mir handlungstechnisch völlig ausgereicht. Doch hinzu kamen diverse Subplots - z.B. um die entzückende Taxifahrerin "Mama Marley" (= meine Lieblingsfigur), die um Laura balzenden Männer, Lauras Chefin Margarita … Für mich waren es unterm Strich zu viele Baustellen, hier wäre weniger mehr gewesen. So herrschte eine gewisse Unruhe, was nicht recht zum eigentlich chillig-entspannten Insel-Vibe passten wollte.

𝗦𝗰𝗵𝗿𝗲𝗶𝗯𝘀𝘁𝗶𝗹:
"Auf der südlichsten Amsel der Florida Keys passiert jeden Morgen etwas wirklich Lustiges. Die Sonne weigert sich aufzugehen. Wie ein schläfriger Tourist, der am Vorabend ein paar Margaritas zu viel hatte, versteckt sie ihr Gesicht hinter einer Wolkendecke und versucht, den Lärm der Frühaufsteher da unten auszublenden."

Den Einstieg, welcher aus der Sicht eines allwissenden Erzählers einen gemütlichen Morgen auf Key West beschreibt, fand ich großartig. Wenn im Anschluss ein Cut und ein Wechsel zur Ich-Perspektive Lauras erfolgt wäre (- worauf ich gehofft hatte bzw. wovon ich eigentlich ausgegangen war -), hätte es perfekt gepasst. Doch irgendwie erschienen mir die diversen Perspektivwechsel in dieser Story nicht rund, man flipperte hin und her. Dafür fand ich die Dialoge gleichermaßen realistisch wie humorvoll.

𝗪𝗮𝘀 𝗶𝗰𝗵 𝘀𝗼𝗻𝘀𝘁 𝗻𝗼𝗰𝗵 𝗴𝗲𝗿𝗻𝗲 𝗺𝗼𝗰𝗵𝘁𝗲:
Die Covergestaltung passt perfekt zur Handlung und zum Genre, ebenso die witzigen Kapitelüberschriften à la "«Sie sind hoffentlich nicht allergisch gegen Katzen?!»".
Die Namen der polydaktylen Fellnasen (sie haben 6 statt den üblichen 5 Zehen an den Pfoten) orientieren sich an ihren jeweiligen Wesenszügen - Chew-Chew, Whiskey, Spinderella … super süß!


𝐅𝐚𝐳𝐢𝐭: Starke 3 ½ ✰ ✰ ✰
Hier kommen Katzen-Fans voll auf ihre Kosten; auch als angenehm unterhaltsame, sommerleichte Urlaubslektüre für Zwischendurch eignet sich die Geschichte hervorragend.

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Veröffentlicht am 16.08.2022

Netter Regencyroman für Zwischendurch - mit kleinen Schwächen

Eine Liebe in Blackmoore
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Ich muss zugeben: Beinahe hätte mich das Cover abgeschreckt. Selbst mir (als Fan von Romanzen, in denen es gerne mal übertrieben kitschig zugehen darf) war die Gestaltung einen Hauch too much. Zum Vergleich: ...

Ich muss zugeben: Beinahe hätte mich das Cover abgeschreckt. Selbst mir (als Fan von Romanzen, in denen es gerne mal übertrieben kitschig zugehen darf) war die Gestaltung einen Hauch too much. Zum Vergleich: Das Cover vom ebenfalls bei Piper erschienenen Regencyroman "Ashington - Verliebt in einen Earl" gefällt mir wesentlich besser. Letztlich siegte meine Neugier, denn der Klappentext klang vielversprechend … und weckte eine gewisse Erwartungshaltung.

Was ich mir erhoffte: Flirts, Herzklopfen, tiefe Gefühle, Romantik eben - nicht zwingend heiße Szenen à la Bridgerton, aber zumindest humorvolle Leichtigkeit. Das Werk hatte in meinen Augen unheimlich viel Potential: vom Friends-to-Lovers-Trope über herrlich nervige Nebenfiguren, die einen zur Weißglut treiben, bis hin zur großen Frage, wie die Autorin das scheinbar unabwendbare Unglück in ein Happy End verwandeln wird (von dem ich aufgrund des Genres und der Covergestaltung ganz selbstverständlich ausgegangen bin). Doch abgesehen vom wundervoll angenehmen Schreibstil, welcher sich durch einige bezaubernde Gedanken-Formulierungen und eine glaubwürdige Wortwahl in den Dialogen auszeichnet, fällt mir spontan nur ein einziger positiver Fakt zur Story an sich ein: die glaubwürdige Beschreibung der Freundschafts-Dynamik zwischen Kate und Sylvia.

Blackmoore, das Setting dieses klassisch anmutenden, in einer für Frauen ziemlich restriktiven Epoche spielenden Romans, erinnerte mich entfernt an Jane Austens "Northanger Abbey" (wenn auch leider weniger atmosphärisch beschrieben): ein altes englisches Herrenhaus/Landschloss mitten in der Natur, voller Geheimnisse - und Geheimgänge, in denen man sich unbeobachtet näherkommen kann ... Bei solch einer interessanten Location wäre das quasi schon die halbe Miete gewesen.

Ich hätte mir eine andere Fokus-Aufteilung gewünscht: intensivere Beschreibungen des Settings, mehr Flair, und stattdessen einen Hauch weniger Drama und Gemeinheiten. All die Intrigen waren mir schlichtweg zu viel, ich hatte permanent Mitleid mit der weiblichen Hauptfigur, deren Umfeld (bis auf Henry) sich konsequent weigert, sie mit dem Namen "Kate" anzusprechen. (Spoiler: Kitty weist gefühlt auf jeder dritten Seite jemanden darauf hin, dass sie lieber "Kate" genannt werden möchte.)

Eigentlich war Kitty/Kate, so naiv und stur sie manchmal auch war, mir sympathisch; an ihrer Figur lag es also nicht, dass das Werk mich nicht 100%ig packen konnte. Sie träumt davon, mit ihrer Tante nach Indien zu reisen (mutig, vor allem zur damaligen Zeit), ihre Frau Mama (- die zu Kates Blamage regelmäßig mit allem flirtet, was männlich und NICHT Kates Vater ist -) möchte sie lieber vorteilhaft verheiraten - nicht etwa im Sinne von 'mein geliebtes Kind soll finanziell abgesichert sein', sondern 'wenn du dir keinen reichen Kerl schnappst, habe ich all die Jahre umsonst mit dir vergeudet'. Charming, oder?! Glückliche Kindheit: Fehlanzeige. Kates einziger Lichtblick sind ihre Freunde, die Geschwister Sylvia und Henry Delafield. Abgesehen davon, dass das Verhalten von Mama Worthington taktlos und peinlich ist, ruiniert es Kates Aussichten auf eine lohnenswerte Verbindung, zumal auch Kates älterer Schwester Eleanor ein zweifelhafter Ruf nacheilt.

Kennt ihr das Gefühl von hilfloser Wut? Man möchte aus der Haut fahren, weiß aber, dass jede Reaktion dieser Art die Situation noch verschlimmern würde, also beißt man die Zähne zusammen, obwohl man innerlich brodelt. Genauso fühlt die Heldin sich sehr, sehr oft in diesem Roman. An ihrer Stelle hätte ich mindestens in zwei Situationen die Contenance verloren: zu Beginn der Handlung, als ihre Mutter ihr die Reise nach Blackmoore verbieten möchte, sowie im Umgang mit Sylvias neuer BFF. (Stichwort: als Mitgefühl getarntes herablassendes Verhalten - geht gar nicht!) Kein Wunder, dass Kate gerne mal durchs Fenster flüchtet, um in Ruhe durchatmen zu können.

𝐅𝐚𝐳𝐢𝐭: 3 ½ ✰ ✰ ✰

Eine plottechnisch überschaubare Regency-Romanze, die mich aufgrund kleiner Schwächen nicht gänzlich überzeugen konnte, aber dennoch insgesamt gut unterhalten hat. Was Mozart, Faust und stumme Vögel mit der Geschichte zu tun haben, müsst ihr selbst herausfinden!

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Veröffentlicht am 14.08.2022

Der Titel ist Programm - leider

Some Mistakes Were Made
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Es sollte nicht sein. Dieses Buch und ich haben nicht zusammengefunden. Ich wollte es lieben, ehrlich - das Cover ist traumhaft schön, der Klappentext las sich spannend und die ersten paar Seiten reichten ...

Es sollte nicht sein. Dieses Buch und ich haben nicht zusammengefunden. Ich wollte es lieben, ehrlich - das Cover ist traumhaft schön, der Klappentext las sich spannend und die ersten paar Seiten reichten aus, um mich für den poetisch schönen, tiefgründigen, emotionalen Schreibstil zu begeistern. Aber all dies konnte letztlich nicht das Gefühl der Enttäuschung verdrängen, das mich während der Lektüre befiel.

Mit den Hauptfiguren wurde ich partout nicht warm, konnte lange nicht nachvollziehen, was genau an Easton so toll sein sollte, war dafür allerdings sehr bald genervt von Ellis und ihrer egoistisch-schnippischen Art. Ich empfand sie als unreif, uneinsichtig, zu impulsiv und ich-bezogen - null Selbstreflexion. Sie sieht sich durchgehend als Opfer, in ihren Augen sind immer alle anderen schuld.

Leider verlor auch der ursprünglich faszinierende Schreibstil mit Fortgang der Handlung an Strahlkraft:

Die Geschichte pendelte ständig zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her, was an sich nichts Schlimmes ist, doch die Übergänge erschienen mir oft holprig, unpassend gesetzt, und störten meinen Lesefluss. Mir kam das Ganze wie eine kunterbunte Zusammenwürfelung vor - Instagram-Captions, Briefe, Gedichte, jede Menge Textnachrichten … es war zu viel Unruhe. Gegen Ende wechselte die hauptsächlich aus Ellis' Perspektive geschriebene Story plötzlich zu Eastons Sichtweise, es folgte ein Brief (von Ellis), der Epilog war dann wieder aus Eastons Perspektive … kurzum: ein einziges Kuddelmuddel.

Selbiges gilt für die Dialoge: Es wird zwar geredet, aber wenig gesagt. Klärende Gespräche suchte ich vergebens (genauso wie Romantik und Herzklopfen-Momente), stattdessen wird mit gegenseitigen Beschuldigungen und Beleidigungen um sich geworfen. Wut, Enttäuschung und Frustration dominieren.

Am schlimmsten war die Tatsache, dass man Eeeeeeewigkeiten nicht erfährt, welche Ereignisse zur aktuellen Situation geführt hatten. Bei jedem neuen Kapitel dachte ich: Okay, JETZT wird sicher mal ein Hinweis kommen. Aber nein, Fehlanzeige. Vielleicht sollte dies die Spannung erhöhen, einen anderen Grund kann ich mir kaum vorstellen; bei mir führte dieser Aufbau jedenfalls dazu, dass ich keiner der Figuren traute, weil ich sie nicht einschätzen konnte. Folglich konnte ich keine Bindung zu ihnen aufbauen. Irgendwann machte das Lesen einfach gar keinen Spaß mehr, weil sich das Drama weiter und weiter und weiter in die Länge zog, ohne dass man irgendwelche Hintergründe kannte. Die Auflösung fand ich relativ seicht, da hätte ich mir etwas Bedeutenderes erhofft - nach DEM Aufbau.

Meine einzigen Lichtblicke waren Eastons Brüder Tucker und Dixon sowie die Entwicklung, die Ellis im Hinblick auf ihren Vater durchlebt (auch wenn der Groschen erst seeeehr spät fällt).

𝐅𝐚𝐳𝐢𝐭: 2 ✰ ✰
Die Story ist nichts fürs Herz, nichts zum Entspannen und Wohlfühlen. Viel Drama um nichts, gepaart mit größtenteils unsympathischen Figuren. Der Buchtitel ist leider wahrlich zutreffend. Was genau sollte nun die Message dieses Werkes sein? Ich konnte keine entdecken.

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Veröffentlicht am 06.08.2022

Süße Young-Adult-Romance

Tweet Cute
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Eigentlich hätte diese süße Young-Adult-Romance, deren Story-Grundlage (Haters-to-Lovers + Online-Flirt mit einer anonymen Person) mich entfernt an den Film "e-m@il für Dich" erinnert hat, durchaus das ...

Eigentlich hätte diese süße Young-Adult-Romance, deren Story-Grundlage (Haters-to-Lovers + Online-Flirt mit einer anonymen Person) mich entfernt an den Film "e-m@il für Dich" erinnert hat, durchaus das Zeug zum 5-Sterne-Read gehabt; insbesondere der Einstieg in die Handlung war mehr als vielversprechend - ein flotter, humorvoller Schreibstil, der nicht zu übertrieben mit vermeintlichem Jugend-Slang zu punkten versucht, sympathische Hauptfiguren und eine kreative Hintergrundgeschichte. Kurzum: Zunächst war ich sehr happy mit dem Buch.

Mit voranschreitender Handlung offenbarten sich jedoch ein, zwei kleine Schwächen.

Die Glaubwürdigkeit hat etwas gelitten. Natürlich kommen bei Unterhaltungsliteratur Fiktion und Fantasie ins Spiel, das ist mir bewusst und auch völlig okay (mehr als das sogar, ansonsten würde ich statt Romanen schlichtweg die Tageszeitung lesen und das Fantasy-Genre hätte gar keine Daseinsberechtigung). Es geht mir nicht darum, dass die Handlung eines Werkes 1:1 realistisch sein soll. Aber das Verhalten der Figuren sollte - im Hinblick auf die Welt, in der sie leben, und die Umstände, mit denen sie dort konfrontiert werden - Sinn ergeben. Dass Peppers nicht unfreundliche, doch toughe, gewinnorientierte Mutter (Typ ehrgeizige Boss-Lady) all about Business und Unternehmenserfolg ist, aber gleichzeitig Angestellte (wie z.B. Taffy) beschäftigt, die nicht fähig sind, eigenständig die mit ihrem Job einhergehenden Aufgaben zu erfüllen, und dass sie deren kontinuierliche, offensichtliche Überforderung lieber als gegeben hinnimmt, anstatt sie durch qualifiziertere Mitarbeiter:innen zu ersetzen oder ihnen zumindest professionelle Unterstützung ins Team zu holen, war in meinen Augen enorm unglaubwürdig. Stattdessen überträgt sie elementare Marketing-Aufgaben des Großunternehmens an ihre Teenager-Tochter - ist klar. (Jene Tochter, die eigentlich rund um die Uhr in Prüfungsvorbereitungen und Hausaufgaben vertieft sein sollte, weil sie auf eine knallharte Eliteschule geht, wo Bestleistungen vorausgesetzt werden.) Pepper wird im Minutentakt mit Nachrichten und Anrufen bombardiert, denn die PR-Abteilung von Big League Burger ist scheinbar komplett aufgeschmissen ohne die Ideen des jungen Mädchens. … - I don’t think so. Da es sich um einen Jugendroman handelt, sehe ich darüber hinweg, die Heldin braucht immerhin eine wichtige Rolle. ABER: Es wäre nicht nötig gewesen, dermaßen dick aufzutragen. Pepper schläft angeblich seit Monaten maximal 5 Stunden am Tag, ist allerdings fit genug für regelmäßigen Hochleistungssport und brilliert im Unterricht. - Als frischgebackene Mama, die selbst höchstens 5 Stunden Schlaf am Stück bekommt, habe ich mich bei dieser putzig-weltfremden Behauptung vor Lachen fast am Kaffee verschluckt.

Ich mag es nicht, wenn Figuren nicht mit den Folgen ihres Handelns konfrontiert werden. Jacks allseits beliebter Zwillingsbruder Ethan macht ständig Versprechungen, deren Einhaltung er Jack überlässt, drückt sich konsequent vor der Arbeit im Familienunternehmen und kommt permanent ohne Konsequenzen davon. Über das elterliche Verhalten konnte ich nur den Kopf schütteln; wenn ich mehrere Kinder habe, behandele ich sie alle gleich, Punkt. Auch Jack hätte ich gerne mal ins Gewissen geredet, damit er seinem Bruder nicht andauernd zur Rettung eilt, sondern auch mal an sich selbst denkt. So was ärgert mich einfach.

Gut gefallen hingegen haben mir der Aspekt des modernen Romeo-und-Julia-Hintergrundes (die Familien der beiden Hauptfiguren sind zwar verfeindet, allerdings nur auf geschäftlicher Ebene, nicht auf tragische "Westwell"-Weise), die Weazel-App, das NYC-Setting sowie die eingestreuten Tweets und Chatverläufe. Peppers legendären Monster-Cake hätte ich außerdem zu gerne mal probiert.

𝐅𝐚𝐳𝐢𝐭: 4 ✰ ✰ ✰ ✰
Von wegen 'alles Käse' - spannungstechnisch wartet das Werk mit einigen Überraschungsmomenten auf. Da ich 5 Sterne ausschließlich für Herzensbücher/absolute Highlights vergebe (= Bücher, bei denen inhaltlich alles für mich passt und die mich zudem auf emotionaler Ebene besonders intensiv ansprechen), sind es hier nur 4 Sterne geworden - aufgerundet aufgrund des nett gestalteten Covers und des zur Zielgruppe passenden, leicht verständlichen Schreibstils. Gerne spreche ich eine Empfehlung für alle Fans von lockeren Jugendromanen aus (Altersempfehlung des Verlags: ab 14 Jahren).

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Veröffentlicht am 02.08.2022

Würdiges Finale

Golden Hill Nights
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Willkommen zurück auf der wundervollen Golden Hill Ranch! Basierend auf meinen bisherigen Leseerfahrungen mit Werken dieser talentierten Autorin (- der Reihenauftakt hatte mich verzaubert und Band 2 hatte ...

Willkommen zurück auf der wundervollen Golden Hill Ranch! Basierend auf meinen bisherigen Leseerfahrungen mit Werken dieser talentierten Autorin (- der Reihenauftakt hatte mich verzaubert und Band 2 hatte mich vor Begeisterung sogar dermaßen ausflippen lassen, dass ich ernsthaft Google befragt habe, ob und wo es im U.S. Bundesstaat Montana eine Kleinstadt wie Boulder Creek gibt -) war ich mir zu 99,99% sicher, dass mir auch der Abschluss dieser traumhaft schönen Trilogie gefallen würde, zumal ich die weibliche Hauptfigur bereits im Vorgängerwerk total ins Herz geschlossen hatte und mega gespannt auf ihre Geschichte war. Guess what: Ich habe jede einzelne Seite dieser angenehm ruhigen, tiefgründigen Story genossen.


Sadie ist so ein lebenslustiger, warmherziger, beeindruckend optimistischer Mensch - stets fröhlich, hilfsbereit … ein wahrer Sonnenschein. Sie erlaubt sich heimliche Momente der Schwäche, verliert sich allerdings nie in Selbstmitleid. Wer sie erlebt und nichts von ihrer Vergangenheit weiß, würde nie auf den Gedanken kommen, dass sie mit einem schlimmen Trauma und lebensverändernden gesundheitlichen Folgen zu kämpfen hat. Dass sie sich "defekt" fühlt, "kaputt", und ihr sogar manchmal das furchtbare Wort "Krüppel" in den Sinn kommt, wenn sie bei alltäglichen kleinen Bewegungen (wie dem Aufstehen aus einer sitzenden Position) stechende Schmerzen verspürt oder den Anblick ihrer wulstigen Narben, die sie selbst vor ihrer Familie verbirgt, ertragen muss. Dass sie sensibel ist und ihr die Vorurteile, die ihr seitens ihrer Kunden entgegenschlagen, enorm zusetzen. Erst auf den zweiten Blick würde man ihr leichtes Hinken erkennen, ihre Bemühungen, ruckartige Bewegungen zu vermeiden. Körperliche Nähe hat sie nach ihrem schweren Unfall ein einziges Mal erlebt - und es war ein Desaster. Nie wieder will sie sich solch einer demütigenden, desillusionierenden Situation aussetzen, deshalb lebt sie ihre Bedürfnisse lediglich in Fantasien aus - Träume sind sicher und verletzen sie nicht.


"Diese Träumereien halfen mir an vielen Tagen durch die Schwere und gaben mir Kraft. […] Sie taten mir nicht weh. Etwas, das ich von der Realität leider nicht immer behaupten konnte. Ich liebte mein Leben zwar, aber ich liebte nicht, dass ich es in diesem Körper führen musste."


Wie gerne würde sie dem attraktiven, mysteriösen Cowboy Jake nahekommen, der eine magische Anziehungskraft auf sie ausübt - wäre ihr Leben nur unfallfrei verlaufen.


Beim Lesen des Buches musste ich an eine Passage aus Alessia Caras Song "Scars to your Beautiful" denken:


"But there's a hope that's waiting for you in the dark

You should know you're beautiful just the way you are

And you don't have to change a thing

The world could change its heart"


Am liebsten hätte ich Sadie in den Arm genommen, ihr irgendwie geholfen. Jake, der seit Kurzem auf der Golden Hill Ranch arbeitet, ergeht es ähnlich. Er mag sich wortkarg und distanziert geben, aber in Wahrheit ist er fasziniert von Sadie, fühlt sich zu ihr hingezogen, bewundert ihre Stärke. Allerdings er hat einige gute, durchaus berechtigte Gründe, keine Nähe zwischen ihnen beiden zuzulassen:

- Sadie ist seine Vorgesetzte, ein Verhältnis wäre unprofessionell.

- Er ist rastlos, immer auf der Flucht vor seiner Vergangenheit, nicht auf der Suche nach einer festen Beziehung - und Sadie verdient etwas Besseres. "»Ich bin kein Mann für … mehr, und du bist keine Frau für weniger.«" (- Just wow. Einer der stärksten Sätze, die ich je gelesen habe.)

- Er schätzt sie und ihre Familie zu sehr, als dass er sie in Gefahr bringen möchte, denn ihm ist bewusst, dass seine längere Anwesenheit an einem Ort - wenn auch unverschuldet - meist Ärger nach sich zieht.


Sadie hat sich damit abgefunden, dass es für sie im Hinblick auf körperliche Nähe oder eine romantische Beziehung immer nur bei Träumen bleiben wird; Jake hingegen sehnt sich nach ihr, hat jedoch das Gefühl, ihr nichts bieten zu können. Im Grunde verkörpern also beide den Gedanken 'ich bin nicht gut genug für ihn/für sie'.


Das Element der Pferdetherapie, von der Sadie einst selbst profitiert hat und die sie nun auf ihrer Ranch anbietet, um anderen Menschen damit zu helfen, sei es bei der Bewältigung von Traumata oder der Stärkung ihres Selbstbewusstseins, ist sehr interessant in die Handlung eingebunden worden. Ein weiterer Themenschwerpunkt befasst sich mit der Überwindung von Selbstzweifeln sowie Body Positivity bzw. Self Love.


Dank des unheimlich gefühlvollen, bildreichen, fesselnden Schreibstils voller realistischer Dialoge und nachvollziehbarer Gedankengänge, welche wir jeweils in der Ich-Perspektive von Sadie und Jake erleben, wurde ich wie von einem Sog erfasst und in die Storywelt hineinkatapultiert. Allein das Setting … ich könnte stundenlang davon schwärmen! Gekonnt schlägt die Autorin den Bogen zu den Vorgängerbänden; über die Entwicklung von Parkers und Clays Beziehung habe ich mich besonders gefreut.


Jakes Geheimnis wird endlich gelüftet und auch hier punktet das Buch mit einer kreativen Idee, die nicht 08/15 ist. War Jakes Part ab der Enthüllung leicht vorhersehbar? Ja, aber ganz ehrlich: So what, es las sich deswegen nicht weniger schön, und viel zu schnell war die letzte Seite erreicht.


Einziger Wermutstropfen: Ich hätte gerne noch 1, 2 mehr Granny-Szenen gehabt, da ich die goldige Omi einfach zum Knuddeln gern hab!


Schnüff, und nun? War’s das jetzt? Muss ich wirklich Abschied nehmen von dem hinreißendsten Setting, das ich je erlebt habe? Von der urgemütlichen, einladenden Ranch, ihren niedlichen Tieren und liebenswerten Bewohnern? Der idyllischen Kleinstadt Boulder Creek, wo jeder jeden kennt? Prompt muss ich wieder an ein Lied denken, dieses Mal von Nelly Furtado, in welchem es heißt "Why do all good things come to an end?" - und diese Frage würde ich gerne mit einem unschuldigen Lächeln an die Autorin weiterreichen. … Muss das Golden-Hill-Abenteuer denn tatsächlich s c h o n enden? Wer weiß, vielleicht überrascht sie uns womöglich eines Tages mit einer Spin-off-Trilogie zu den Charakteren Ryan, Patrick und Kit - wäre das nicht der absolute Hammer?!


𝐅𝐚𝐳𝐢𝐭: 4 ½ ✰ ✰ ✰ ✰

Ein wunderschöner Reihenabschluss! Für Golden-Hill-Kenner:innen und Fans der Autorin ein Must-Read, aber auch für alle Neulinge spreche ich eine klare Leseempfehlung aus. Mein Favorit bleibt Band 2; Band 3 ist allerdings nah dran. Hoffentlich lässt uns die Autorin uns nicht zu lange zappeln, ehe wir eine neue Reihe von ihr lesen dürfen, ich freue mich schon jetzt riesig auf alle ihre zukünftigen Buchprojekte!

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