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Veröffentlicht am 14.02.2020

Spannender Debütroman!

Freefall – Die Wahrheit ist dein Tod
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Mit ihrem im Dezember 2019 bei dtv erschienenen Werk "Freefall" hat Autorin Jessica Barry definitiv keine 'Bruchlandung' hingelegt, sondern einen äußerst gelungenen Debütroman erschaffen.

Direkt zu Beginn ...

Mit ihrem im Dezember 2019 bei dtv erschienenen Werk "Freefall" hat Autorin Jessica Barry definitiv keine 'Bruchlandung' hingelegt, sondern einen äußerst gelungenen Debütroman erschaffen.

Direkt zu Beginn wird man unmittelbar in die Handlung hineinkatapultiert und verfolgt gebannt, wie die Hauptprotagonistin Allison, kurz Ally, sich durch die raue Wildnis der Rocky Mountains kämpft, nachdem sie als einzige Überlebende eines Flugzeugabsturzes gerade erst dem Tod entronnen ist. Als wäre ihre Situation nicht dramatisch genug, wird schnell klar, dass Ally auf der Flucht ist – jemand trachtet ihr nach dem Leben und verfolgt sie erbarmungslos. Zeitgleich erhält Allys Mutter Maggie die schlimmste Nachricht, die man sich als Elternteil nur vorstellen kann – ihr einziges Kind war an Bord jenes Kleinflugzeugs gewesen, das in den Bergen Colorados abgestürzt ist. Erst vor wenigen Jahren hatte Maggie ihren geliebten Mann verloren und nun soll auch Ally tot sein? Kann das Schicksal so grausam sein?! Seit geraumer Zeit hatten Mutter und Tochter keinen Kontakt mehr; eine Tatsache, die Maggie stets schwer belastet hatte. Dennoch war sie immer davon ausgegangen, dass sie eines Tages Gelegenheit zu einer Versöhnung haben würden. Diese Chance scheint für immer verloren. Fassungslos beginnt Maggie, Nachforschungen über Allison anzustellen, ihre letzten Schritte zu rekonstruieren. Bald stößt sie auf Ungereimtheiten und erkennt, dass sie beinahe nichts darüber weiß, wer ihre Tochter in den letzten Jahren gewesen ist, in welchen Kreisen sie verkehrt hatte. Ohne es zu ahnen, stößt Maggie mit ihren Nachforschungen in ein Wespennest und setzt eine verhängnisvolle Kette von Ereignissen in Gang…

Erzählt wird abwechselnd aus Allys und Maggies Perspektive. Während Allys Parts von einem hektischen, rasanten Ton bestimmt sind, wird in Maggies Abschnitten die Verzweiflung spürbar. Dieser Kontrast ist der Autorin wunderbar gelungen; man fiebert mit Ally mit, während man mit Maggie leidet und sie am liebsten trösten würde. Immer wieder gibt es kurze Rückblicke in Form von Erinnerungen, durch welche wir die Figuren zusätzlich besser kennenlernen. Auch die Ursache für das Zerwürfnis der beiden Frauen wird näher erläutert. Geschickt erlaubt uns die Autorin diesbezüglich in die Gedankengänge von Ally und Maggie eintauchen und überlässt es den Lesern, sich eine Meinung zu bilden bzw. Stellung zu beziehen. Ab und zu erhalten wir zudem einen Einblick in die Gedanken von Allys Verfolger. Da diese Perspektive eher selten auftaucht, habe ich mich jedes Mal ein wenig erschrocken und panisch an Ally gedacht.

Über Allisons routiniertes, gefasstes Verhalten direkt nach dem Absturz habe ich nur staunen können. - Als wäre sie seit Jahren auf einen Survival-Einsatz vorbereitet worden. Ganz ehrlich, ich weiß nicht, ob ich in ihrer Situation so zielstrebig und logisch hätte handeln können, zumal sie körperlich schwer verletzt war. Respekt! In Maggie konnte ich mich hingegen voll und ganz hineinversetzen. Sie tat mir unheimlich leid und genau wie sie hätte ich niemals Ruhe gegeben, wenn es um das Leben meines Kindes ginge. Als sie im Fernsehen ein Foto von Ally sieht, auf dem ihre Tochter ihr komplett fremd erscheint, hat es mir beinahe das Herz gebrochen. Aufgrund ihres liebenswerten, warmherzigen Wesens war Maggie mir auf Anhieb sympathisch und blieb auch im Laufe der Handlung meine Lieblingsfigur.

Der Roman ist tatsächlich ein Pageturner, weil man einfach wissen möchte, wie die kleinen Einzelinformationen, die man aus den verschiedenen Perspektiven entnehmen kann, wohl zusammengehören. Außerdem brannte ich darauf zu erfahren, wer Allys Verfolger ist und ob Mutter und Tochter sich jemals wiedersehen würden. Was zunächst offensichtlich und logisch erscheint, stellt sich als entsetzlicher Irrtum heraus; man weiß nie, wem man trauen kann. Ich lag mindestens in einer Hinsicht komplett daneben und war richtig baff, als die Wahrheit enthüllt wurde. Zahlreiche Wendungen hatten mich immer wieder auf eine falsche Fährte gelockt, weshalb ich bis zum großen Showdown am Ende im Dunkeln getappt hatte. Die Spannung wird also auf jeden Fall bis zum Schluss aufrechterhalten.

Das einzige Manko für mich waren ein paar kleine Ungereimtheiten, welche gewisse Szenen und Verhaltensweisen von Figuren etwas unrealistisch erscheinen ließen. So bildete beispielweise Allys Verhalten während der Flucht einen krassen Gegensatz zu ihrem Verhalten während der letzten Jahre. Manche ihrer Erinnerungen ließen Allison zudem charakterlich in keinem guten Licht erscheinen, weshalb ich zu dieser Figur keine sonderlich enge Bindung aufbauen konnte.

Ausgesprochen gut gefallen hat mir die Thematik der Mutter-Tochter-Beziehung. Weiterhin lobenswert zu erwähnen ist die sensationelle Covergestaltung – was für ein Eyecatcher!

Fazit: Empfehlenswert für alle Fans von Psychothrillern!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.02.2020

Tragischer Jugendroman

A Wish for Us
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Diesem Werk (erschienen am 31.01.2020 im LYX Verlag) stehe ich mit gemischten Gefühlen gegenüber. Es war der erste Roman, den ich von der Autorin Tillie Cole lesen durfte und zu Beginn der Geschichte war ...

Diesem Werk (erschienen am 31.01.2020 im LYX Verlag) stehe ich mit gemischten Gefühlen gegenüber. Es war der erste Roman, den ich von der Autorin Tillie Cole lesen durfte und zu Beginn der Geschichte war ich ziemlich begeistert angesichts der Thematik und des ungemein bildreichen Schreibstils. Im Mittelteil der Story war mein Enthusiasmus dann schon etwas verhaltener und während der letzten Kapitel hatte ich Mühe, dem Werk überhaupt noch etwas Positives abzugewinnen. Ich möchte vorausschicken, dass die Meinungen in der Leserunde, in deren Rahmen ich dieses Buch kennengelernt habe, diesbezüglich weit auseinandergingen.
Was ich erwartet hatte? - Eine angenehme College-Story, die mit Humor und Herzklopfen punktet, und in der gerne auch ein paar ernste Themen angesprochen werden können, um dem Ganzen etwas mehr Tiefe zu verleihen. (Ein Konzept, das z.B. die Autorin Mona Kasten in ihrer sensationellen 'Again'-Reihe perfektioniert hat.) Natürlich war ich darauf vorbereitet gewesen, dass die rund 450 Seiten keine geballte Ladung Glückseligkeit beinhalten und die Protagonisten sicherlich mit einigen Problemen konfrontiert werden würden. (Mal ehrlich, so ein wenig Hin und Her macht eine Geschichte doch oftmals erst interessant.)
Direkt zu Beginn der Handlung erlebt man eine Begegnung der beiden Hauptfiguren – dem international gefeierten Star-DJ Cromwell Dean und der eher dem Typ 'Musterschülerin' entsprechenden Studentin Bonnie Farraday. Sie begegnen sich in England und ahnen nicht, dass sie sich wenige Monate später in den USA, auf dem Campus der Jefferson Young University, erneut gegenüberstehen werden. Ihr erstes Treffen war recht unterkühlt verlaufen. "Deiner Musik fehlt es an Seele" hatte Bonnie zu ihm gesagt. Zu ihm, dem die ganze Musikwelt zu Füßen liegt! Lächerlich! Und ausgerechnet mit diesem Mädchen soll Cromwell nun ein gemeinsames Musikprojekt ausarbeiten? Das soll wohl ein Scherz sein! Auch Bonnie ist alles andere als begeistert, als Professor Lewis (- einst selbst ein berühmter Musiker -) sie für eine Teamarbeit mit Cromwell einteilt. Alle anderen Mädchen im Kurs würden sich darum reißen, mit dem sexy DJ gemeinsame Sache zu machen…im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist schon beinahe peinlich, wie sehr sie ihm alle nachlaufen. Aber im Gegensatz zu ihnen sieht Bonnie mehr in ihm. - Den Jungen, der er einst war. Den unmotivierten Studienpartner, der ihr dieses eine Projekt, an dem ihr ganzes Herz hängt, ruinieren könnte. Das begnadete Musikgenie, das in seinem kleinen Finger über mehr musikalisches Talent verfügt als sie jemals erreichen wird. Der Kurs bei Professor Lewis bedeutet Bonnie die Welt. Es ist die eine Sache, die sie sich nicht nehmen lassen will. Deshalb muss sie einen Weg finden, zu Cromwell durchzudringen.
Ich habe Bonnie bereits am Anfang der Geschichte dafür bewundert, dass sie gegenüber dem von sich selbst eingenommenen Star-DJ kein Blatt vor den Mund nimmt. Sie beleidigt ihn nicht, denn Bonnie ist niemand, der andere Menschen gerne kränkt, aber sie vertritt ihre ehrliche Meinung und lässt sich weder von seinen VIP-Allüren blenden noch von seiner Sturheit einschüchtern. Auch im Verlauf der weiteren Handlung beeindruckte Bonnie mich mit ihrer Aufrichtigkeit, ihrer Liebenswürdigkeit und ihrer Willensstärke. Für ihren Zwillingsbruder Easton (der mit dem Uni-Leben hauptsächlich Parties, Alkohol und Mädchen verbindet) ist sie der Fels in der Brandung. Bonnie arbeitet hart für ihren Traum und es ist nur allzu verständlich, dass sie sich ihr wichtigstes Projekt nicht von Cromwell verderben lassen möchte. Cromwell Dean ist die Definition eines Bad Boys – arrogant, herablassend, rücksichtslos. Er flucht gerne und regelmäßig. Seine inneren Dämonen verheimlicht er vor der Welt und bekämpft sie mit harten Beats, Alkohol und bedeutungslosem Sex.
Ein zentrales Thema in diesem Roman ist Synästhesie – ein Begriff, der mir bis dato noch gänzlich unbekannt gewesen war. Diese Wahrnehmungsbesonderheit sorgt dafür, dass Cromwells Gehirn Farben mit Tönen verknüpft. Ab sofort werde ich wohl immer schmunzeln müssen, wenn ich irgendwo über den Begriff 'Veilchenblau' stolpere. Eine weitere Hauptthematik der Geschichte ist natürlich die Musik. Die Autorin verknüpft diese beiden Aspekte auf ganz wundervolle Art und Weise und ließ mit ihren detaillierten, leidenschaftlichen Beschreibungen auch in meinem Kopf ein wahres Feuerwerk der Farben entstehen. Aus diesem Grund finde ich das ohnehin wunderschöne Cover mehr als treffend! Auch der Buchtitel sorgt im Laufe der Geschichte für einen Aha-Moment.
Erzählt wird aus Cromwells und aus Bonnies Perspektive. Der Schreibstil der Autorin ist einladend und leicht verständlich, und wird insbesondere zu Beginn von einer Leichtigkeit dominiert, die mich auf eine positive Feel-Good-Story hatte hoffen lassen. Der Ton ändert sich jedoch zunehmend und schwillt zu einer bedrückenden Intensität an, die mich fast verzweifeln ließ. …denn plötzlich folgt ein Drama nach dem anderen – und damit meine ich nicht die üblichen Problemchen, sondern Tragik pur. Stichwort: Nicholas Sparks. Ehrlich gesagt ließ mich das Werk komplett ausgelaugt und deprimiert zurück. Nicht weil es mich extrem berührt hätte, vielmehr hat es mich ernüchtert. Alles Schreckliche dieser Welt wurde in diese Story hineingequetscht und es war einfach überwältigend, im negativen Sinne. Wo ein, zwei ernste Elemente völlig ausgereicht hätten, um eine spannende, ansprechende Geschichte zu erschaffen, wurde hier ein Tragikroman par excellence kreiert. All das Drama ließ jegliche potentielle Romanze sowie weitere, durchaus interessante Hintergrundstories komplett nebensächlich erscheinen und hat mich zunehmend frustriert. Die Entwicklung der Charaktere driftete ebenfalls ein wenig ins Überladene ab (im Hinblick auf Klischees), was wahrscheinlich einen versöhnlichen, ausgleichenden Effekt haben sollte, jedoch dadurch manches Verhalten etwas unglaubwürdig erscheinen ließ. Dies wiederum führte dazu, dass bei mir keine vollständige Nähe zu den Figuren entstehen konnte.
Meine Wertung (3 Sterne) basiert auf der tollen Grundidee (Figurenkonstellation und Setting; Themen 'Musik' & 'Synästhesie'), den unerwarteten Wendungen, die für Spannung sorgten, und dem traumhaft schönen Cover.
Fazit: Bittersweet. Eine Geschichte mit wahnsinnigem Potential, die mich sicherlich mehr berührt hätte, wäre zumindest die Hälfte der Negativität entfallen. Empfehlenswert für alle Fans von tragischen Geschichten à la Nicholas Sparks.

  • Gefühl
  • Cover
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.02.2020

WOW! WOW! WOW!

Night of Crowns, Band 1: Spiel um dein Schicksal
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Das Jahr 2020 ist noch relativ jung, dennoch kann ich nach der Lektüre von Stella Tacks Jugend-Fantasyroman "Night of Crowns" (erschienen am 22.01.2010 beim Ravensburger Verlag) mit Freude verkünden, dass ...

Das Jahr 2020 ist noch relativ jung, dennoch kann ich nach der Lektüre von Stella Tacks Jugend-Fantasyroman "Night of Crowns" (erschienen am 22.01.2010 beim Ravensburger Verlag) mit Freude verkünden, dass ich mein erstes Jahres-Highlight gefunden habe! Was für ein mitreißendes, an Spannung nicht zu übertreffendes, beispiellos kreatives Werk! – Und noch dazu aus der Feder einer solch jungen Autorin! Respekt! Ich würde sagen, hier kommt die neue J. K. Rowling!

Eine Party im Wald, auf dem Grundstück zweier Elite-Internate – hier wollen Alice und ihre Freundin einen ausgelassenen Abend verbringen, tanzen, flirten, sich amüsieren. Weder sie noch die meisten der anderen Feiernden ahnen, dass auf den einstigen Adelshäusern ein jahrhundertealter Fluch liegt. Alle 18 Jahre verwandelt sich der Wald zwischen den geheimnisumwobenen Privatschulen in ein Spielfeld und die Nachkommen der Häuser Chesterfield und St. Burrington werden zu lebendigen Schachfiguren. - Sie haben keine Wahl; das grausame Spiel um Leben und Tod fordert ihren Einsatz und wird erst dann enden, wenn einer der beiden Könige getötet worden ist. All dies bleibt vor der Außenwelt, der nahegelegenen Kleinstadt Foxcroft, in die Alice und ihre Mutter vor zwei Jahren gezogen sind, verborgen…

Ein verstörendes Erlebnis sorgt dafür, dass Alice die Party fluchtartig verlässt. Die nächsten Monate werden zur Qual, denn fortan leidet sie unter Halluzinationen: große Spinnen krabbeln überall um sie herum – aber niemand außer Alice kann sie sehen! Nicht ihre Mom (- die ohnehin besser nichts vom nächtlichen Ausflug erfahren sollte -), nicht ihre beste Freundin Cordy, die sich Alice gegenüber irgendwie immer distanzierter verhält. Als die beängstigenden Visionen Überhand nehmen, rutschen Alice‘ Schulnoten in den Keller und beim Cheerleading passiert ihr ein Fehler nach dem anderen. Um das Schuljahr nicht wiederholen zu müssen (– und in der heimlichen Hoffnung, dass eine Luftveränderung die Halluzinationen vielleicht verschwinden lassen wird –) willig Alice zähneknirschend ein, die Summer School auf Chesterfield zu besuchen. Schnell wird deutlich: dort ist nichts so, wie es scheint. Und für Alice gibt es kein Entkommen mehr.

Womit beginne ich nun meinen Lobgesang…? Vielleicht sollte ich zunächst das traumhaft schöne, von silberfarbenen Glitzerpartikeln durchzogene Cover erwähnen, für das es nur ein Wort geben kann: 'Eyecatcher'! Schon allein aufgrund der geschmackvollen Gestaltung, die zwar düster, aber nicht furchteinflößend wirkt, zog das Buch mich magisch an. Der in edlen, verschnörkelten Lettern und Hochglanzprägung gestaltete Buchtitel dominiert das Cover und ist absolut treffend gewählt worden. Auch das Innencover überraschte mich mit einer aufwendigen Gestaltung und stellt eine fantastische Ergänzung zur Story dar (u.A. eine Übersicht der betreffenden Schachfiguren). Diese Liebe zum Detail setzt sich in den Einleitungen diverser Kapitel fort, welche die Eigenschaften und Fähigkeiten der einzelnen Figuren erklären, und wird ebenfalls deutlich im Hinblick auf die Ausarbeitung der Charaktere. Sowohl die Hauptprotagonistin als auch sämtliche Nebenfiguren beeindruckten mich hinsichtlich ihres facettenreichen Wesens sowie der ihnen zugeschriebenen Charaktertiefe. In die sympathische, von der ganzen Situation ziemlich überforderte Alice habe ich mich sofort hineinversetzen können. Speziell über ihre Wortgefechte mit dem sprechenden Kater namens Curse habe ich immer wieder schmunzeln müssen. Überhaupt schließt man dieses freche Katerchen einfach ins Herz – seine Sprüche sind der Knüller! Beide Könige, Vincent und Jackson, sind äußerst charismatisch, sehen verboten gut aus und könnten doch unterschiedlicher kaum sein; vor allem weiß Alice nie, woran sie bei ihnen ist bzw. wem sie trauen kann.

Der bildgewaltige Schreibstil ist mal schwungvoll, mal eindringlich, gleichermaßen locker und humorvoll, leicht verständlich – und durchgehend fesselnd. Einmal angefangen mit der Lektüre, kann man nicht mehr aufhören. Ich habe dermaßen mitgefiebert, dass ich bis spät in die Nacht gelesen habe und mich kaum zum Schlafen zwingen konnte. Rasante Action und romantische Herzklopf-Momente, glaubwürdige Dialoge, eine spektakuläre Hintergrundgeschichte, jede Menge unvorhersehbare Wendungen, welche die Handlung plötzlich in eine gänzlich unerwartete Richtung lenken… Dieses Buch macht absolut süchtig! Es fängt schon so außergewöhnlich und interessant an und steigert sich dann immer weiter, bis man die Spannung zuletzt kaum noch aushält. Nach dem dramatischen Cliffhanger am Ende hätte ich am liebsten selbst kurz geflucht – wie soll ich es nun bis zur Veröffentlichung des Folgebandes aushalten, der erst im Dezember 2020 erscheint?!

Die von der Autorin erschaffene Story-Welt ist umwerfend realistisch gestaltet worden – das College-Setting, die mystische Atmosphäre, die den Wald und die beiden Internate umgibt…all das wirkt so echt! Man taucht direkt in die Handlung ein und das Kopfkino nimmt seinen Lauf. Apropos Kino: ich könnte mir vorstellen, dass eine Verfilmung des Werkes ziemlich erfolgreich wäre - so catchy wie "Die Tribute von Panem" ist "Night of Crowns" allemal!

Fazit: Nicht nur für Fans von Fantasyromanen ein definitives Must-Read! Eine frische, gänzlich neue Story-Idee, grandios umgesetzt. Wahrlich ein sensationeller 'Schachzug' der Autorin!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.02.2020

Anders als erwartet

Alles, was wir sind
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"Alles, was wir sind", erschienen im Rütten & Loening Programm des Aufbau-Verlags, war der erste Roman, den ich von Autorin Lara Prescott lesen durfte und noch ehe ich die Lektüre überhaupt begann, kam ...

"Alles, was wir sind", erschienen im Rütten & Loening Programm des Aufbau-Verlags, war der erste Roman, den ich von Autorin Lara Prescott lesen durfte und noch ehe ich die Lektüre überhaupt begann, kam ich nicht umhin, die überaus hochwertige und optisch aufwendige Buchausstattung zu bestaunen. – Ein bedruckter Folienumschlag, der sich wunderbar vom ebenfalls bedruckten Buchdeckel abhebt, ein edles Innencover, ein Lesebändchen…nobler geht es kaum. Es wird sofort deutlich, dass dieses Werk sich von der Masse der anderen aktuell veröffentlichten Bücher abheben wird. - "Episch!", ging es mir durch den Kopf und genau solch eine Begeisterung erwartete ich mir auch vom Inhalt. Im Vorfeld hatte ich schon viel von diesem auf wahren Tatsachen beruhenden Roman gehört, der bereits seinen internationalen Siegeszug angetreten hatte.

Vielleicht kennt nicht jeder Leser den Namen Boris Pasternak, aber sein Lebenswerk, der Roman "Doktor Shiwago", dessen Verfilmung Mitte der Sechziger Jahre gleich fünf Oscars gewann, ist ein Stück Kulturgeschichte. Tatsächlich sollte in der damaligen Sowjetunion die Veröffentlichung Pasternaks Romans mit allen Mitteln verhindert werden, wovon nicht nur er selbst, sondern vor allem seine Geliebte (und Muse) Olga Iwinskaja betroffen war. Trotz mehrerer Jahre Gefangenschaft, die sie aufgrund ihrer Bekanntschaft mit Boris in einem weit von Moskau entfernten Gulag unter desaströsen Bedingungen verbringen muss, bleibt sie ihm treu und unterstützt ihn in seinem Schaffen. In den USA leitet die CIA derweil eine sanfte Propagandawelle ein, indem sie gedruckte Exemplare des Romans heimlich nach Russland zurückschmuggeln will, um die Menschen dort aufzurütteln und somit das Sowjetregime quasi von innen, vom eigenen Volk ausgehend, zu schwächen.

Erzählt wird sowohl aus Ost- als auch aus West-Perspektive, jeweils mit immer wechselnden Protagonisten als Hauptstimme des jeweiligen Kapitels. Insbesondere die Beleuchtung des Alltags und der Spionagetätigkeiten diverser Agenten/-innen in den USA fand ich unheimlich spannend, da das alte Washington D.C. der 50er Jahre faszinierend real von der Autorin zum Leben erweckt wurde, auch im Hinblick auf die damalige Gesellschaftsordnung. Frauen waren noch weit von der heutigen Gleichberechtigung entfernt und vor allem in den Kapiteln der Stenotypistinnen wird dies deutlich. Die junge Irina wird aufgrund ihrer russischen Abstammung von der Agency für Spionagetätigkeiten angeworben und von der charismatischen Agentin Sally (die meine Lieblingsfigur in diesem Roman war) entsprechend ausgebildet. Hierbei lag der Fokus allerdings größtenteils auf Irinas Privatleben – sie verliebt sich in jemanden, mit dem eine Beziehung unmöglich scheint…

So interessant die Hintergrundgeschichte zur Veröffentlichung des legendären Romans Pasternaks ist, so fremd blieben mir die Charaktere in Lara Prescotts Werk. Möglicherweise lag es an der Vielzahl der Figuren oder am permanenten Wechsel der Erzählstimme - oftmals hatte ich zu Kapitelbeginn Probleme zu erkennen, aus wessen Perspektive gerade erzählt wird. Beinahe alle Protagonisten waren mir schlichtweg unsympathisch. Olga opfert ihr Lebensglück auf mehr als nur eine Weise für Boris (- der wiederum nur für seinen Roman lebt -), vernachlässigt sogar ihre Kinder darüber. Boris Pasternak mag ein großer Schriftsteller gewesen sein, aber menschlich wird er hier als selbstsüchtiger, rücksichtsloser Narzisst dargestellt; sein Erfolg geht ihm über alles, bedeutet ihm mehr als Olga. Sein Ego ist ihm wichtiger als Olgas Sicherheit, wichtiger als das Wohl seiner (sowie ihrer!) Familie. Ich hätte Olga vor Wut über ihre devote, naive Haltung ihm gegenüber am liebsten schütteln wollen!

Über das Werk "Doktor Shiwago" hatte ich mir insgesamt mehr Detailinformationen erhofft. Warum genau war der Roman der Sowjetregierung solch ein Dorn im Auge? Welche Kritik hat er am Staat geübt? Stattdessen nahmen allerlei 'Nebenschauplätze' einen dermaßen großen Raum ein, dass die Hauptthematik etwas verblasste und die Geschichte mich letztlich nicht so fesseln konnte, wie ich es mir erhofft hatte. Speziell im Mittelteil zogen sich einige der Passagen in die Länge und lenkten vom Hauptfokus ab. Leider hat der wundervolle, mal poetisch schöne, mal nüchterne Schreibstil der Autorin nicht ausgereicht, um diese negativen Punkte auszugleichen. Den realen, in die fiktive Rahmenhandlung eingebetteten geschichtlichen Fakten liegt gewiss eine aufwendige Recherchearbeit zugrunde, das wird mehr als deutlich; dennoch hatte ich das Gefühl, als Leserin gerade mal an der Oberfläche der Informationen zu kratzen. Für Kenner von "Doktor Shiwago" ist das Werk sicherlich interessant, sozusagen als Ergänzung. Im allgemeinen Vergleich mit anderen historischen Romanen würde "Alles, was wir sind" (aufgrund der bereits angesprochenen Oberflächlichkeit und Emotionslosigkeit) allerdings den Kürzeren ziehen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 21.01.2020

Wie ein Plausch unter besten Freundinnen – ehrlich und herzlich!

Ich dachte, sie ziehen nie aus
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Das entzückend-niedliche Cover, das den Lesern in knalligen Farben entgegenstrahlt, ist nicht nur ein Eyecatcher, sondern gleichzeitig auch Programm: so warm wie der Orangeton des Covers, so wohlig warm ...

Das entzückend-niedliche Cover, das den Lesern in knalligen Farben entgegenstrahlt, ist nicht nur ein Eyecatcher, sondern gleichzeitig auch Programm: so warm wie der Orangeton des Covers, so wohlig warm ums Herz fühlt man sich nach Beenden der Lektüre. Und der Schreibstil der beiden Autorinnen? – 'Warmherzig', natürlich!

Offiziell gilt das in drei Abschnitte gegliederte Werk, welches 2019 beim Penguin Verlag erschienen ist, als eine Art humorvoller Überlebensratgeber für Eltern, deren Kinder das Nest bereits verlassen haben oder dies eines Tages tun werden. - Man kann schließlich nicht früh genug mit der Vorbereitung auf diesen oftmals herbeigesehnten, doch noch häufiger gefürchteten Tag beginnen. (Stichwort: "Empty-Nest-Syndrom"!)

Schon während der ersten Seiten, in denen sich Lucinde Hutzenlaub und Heike Abidi in witzigen Steckbriefen vorstellen, wird klar: die Autorinnen, beide mehrfache Mütter, sind nicht nur Profis in Sachen Eltern-Kind-Thematik, sondern auch so angenehm bodenständig, dass sie von sich selbst niemals behaupten würden, ein Profi zu sein. Vielmehr lassen sie uns (– ohne den oftmals in anderen Büchern dieses Genres nervigen moralischen Zeigefinger –) an ihren persönlichen Erlebnissen teilhaben, berichten über familiäre Erfahrungen und Ereignisse aus ihrem Bekanntenkreis. Vom Leben mit Kleinkindern und 'Pubertieren' über die Zeit der Schulabschlüsse bis hin zum Auszug der Sprösslinge ist alles vertreten. Selten habe ich übrigens solch kreative Kapitelüberschriften in einem Ratgeber entdeckt, köstlich!

Keine dieser privaten Geschichten, welche die Autorinnen abwechselnd zum entsprechenden Unterthema in ihr jeweiliges Kapitel eingefügt haben, ist fiktiv. Mit einem Augenzwinkern wird erzählt und gescherzt, werden die Leser direkt angesprochen und zum Nachdenken angeregt, denn auch die leisen Töne und großen Emotionen nehmen einen großen Raum in diesem Buch ein, das mir so schnell ans Herz gewachsen ist. Ich habe Tränen vergossen (meist Tränen der Rührung, speziell bei den inkludierten Briefen), habe lauthals gelacht und immer wieder beipflichtend genickt. Obwohl ich selbst noch gar keine Kinder habe, erkannte ich mich in vielen der Anekdoten und Gedankengängen der Autorinnen wieder. (- …und fühle mich jetzt für den irgendwann unausweichlich anstehenden Auszug meines zukünftigen Nachwuchses besser gewappnet. Bis dahin werde ich das Buch außerdem gewiss noch viele Male erneut gelesen haben!)

Lucinde Hutzenlaub und Heike Abidi schreiben mit so viel Authentizität und Herzblut, dass man meint, man würde die Autorinnen schon seit vielen Jahren persönlich kennen. Ihr vorheriges Werk ("Ich dachte, älter werden dauert länger", ebenfalls erschienen beim Penguin Verlag) ist direkt auf meine Wunschliste gewandert!

Fazit: Herzlich, ungemein sympathisch und lebensbejahend, humorvoll, selbstironisch und gleichzeitig voller Feingefühl! Dies ist nicht nur ein Ratgeber, sondern vielmehr ein Buch für alle Menschen, die gerne lesen und eine Dosis Positivität und gute Laune im Leben gebrauchen können. Ein rundum gelungenes Werk, das mich komplett begeistert hat.

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