Profilbild von Furbaby_Mom

Furbaby_Mom

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Furbaby_Mom ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Furbaby_Mom über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.11.2018

Ein Muss für Fans von historischen Romanen und Familiensagas à la Downton Abbey

Das Palais Reichenbach
1 0

Berlin, 1926. In der ostdeutschen Metropole pulsiert das kulturelle Leben. Die Schrecken des Ersten Weltkrieges verblassen langsam, sind nicht mehr omnipräsent. Es ist eine neue Zeit angebrochen, in der ...

Berlin, 1926. In der ostdeutschen Metropole pulsiert das kulturelle Leben. Die Schrecken des Ersten Weltkrieges verblassen langsam, sind nicht mehr omnipräsent. Es ist eine neue Zeit angebrochen, in der es gilt, das Leben zu feiern und an erdrückenden Konventionen zu rütteln. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist tiefer denn je und das mittellose Volk begehrt auf: es verlangt die Enteignung des Adels.
Dramatische Zeiten liegen vor der vornehmen Familie Reichenbach und am Ende des Jahres 1926 wird nichts mehr so sein, wie es einmal war.

Autorin Josephine Winter hat ein mitreißendes historisches Werk erschaffen, das mich restlos begeistert hat! Bereits das wunderschöne, in warmen Goldtönen gehaltene Cover sprüht vor glamourösem Esprit und die Abbildung weckt die Neugier darauf zu erfahren, auf welche Weise das Schicksal der elegant gekleideten jungen Dame mit dem imposanten Stadtpalais zusammenhängen mag. Sowohl die exquisite Schriftart des Buchtitels als auch die dekorativen Ornamente am Rande des Covers erinnern an schillernde Filmplakate und erzeugen einen hochwertigen Eindruck. Vage tauchen Bilder der aus dem Jahre 2013 stammenden Verfilmung des großen F. Scott Fitzgerald Klassikers „The Great Gatsby“ vor dem inneren Auge auf.

Im Fokus des Romans steht das Klassensystem der Weimarer Republik, welches am Beispiel der hochverschuldeten Fürstenfamilie Reichenbach, die mit aller Macht an ihrem distinguierten Ruf festzuhaltenden versucht, eindrucksvoll beschrieben wird. Jedes Familienmitglied hat eine andere Vorstellung davon, wie das finanzielle Desaster am besten abzuwenden sei. Familienoberhaupt Fürst Paul, der an das Ehrgefühl der Bürger/innen appellieren möchte, sieht sich zudem mit einem aufbegehrenden Sohn konfrontiert: Prinz Fridolin befürwortet die Ansichten der (antisemitischen) Deutschnationale Volkspartei, erhofft sich durch deren Unterstützung eine Rückkehr zur Monarchie - unabhängig davon, was diese Entwicklung für seinen besten Freund, den Juden Levi, bedeuten mag. Fürstin Juliane hingegen setzt alles daran, ihre drei Kinder vorteilhaft zu verheiraten - wahre Liebe ist ein Luxus, den sich die Familie nicht leisten kann und es müssen Opfer gebracht werden. Dies gilt auch für die Angestellten des Hauses, deren Essensrationen rigoros gekürzt werden bei gleichzeitiger Erhöhung des Arbeitspensums eines jeden Individuums. Einzig Prinz Georg und Prinzessin Ina leben unbekümmert in den Tag - so scheint es. Allerdings verbirgt jeder von ihnen ein Geheimnis, das die ungeschriebenen Gesetze der damaligen Gesellschaft aus den Fugen heben und für einen Eklat sorgen könnte.

Die leider so oft mit historischen Romanen einhergehende Langatmigkeit eines Werkes bleibt hier gänzlich aus, stattdessen wird die Spannung gekonnt bis zum Schluss aufrechterhalten. Spielerisch lässt die Autorin mit detaillierten Beschreibungen und authentischen, zeitgerechten Dialogen die Goldenen Zwanziger Jahre in der Weltstadt Berlin auferstehen und verzaubert mit tiefgründigen, emotional ansprechenden Charakteren. Besonders den sanftmütigen Prinzen Georg sowie die frisch verliebte Prinzessin Ina habe ich aufgrund ihrer Liebenswürdigkeit und Aufgeschlossenheit gegenüber Neuerungen sofort ins Herz geschlossen. Auch die elegante Dame des Hauses, Fürstin Juliane, ist mir nach und nach auf ganz eigensinnige Weise ans Herz gewachsen. Bemerkenswert hierbei ist nicht nur, dass die Leserschaft sich mühelos in die Gedankengänge der liebevoll gestalteten Protagonisten/innen hineinversetzen kann, sondern auch, dass J. Winter großen Wert darauf gelegt hat, neben dem Schicksal der privilegierten Familie ebenso das Lieben und Leiden des Hauspersonals mit gleicher Sorgfalt und emotionaler Intensität zu schildern. Witzige Nebencharaktere, die zum Teil in bester Berliner Mundart brillieren, tragen angenehm zum Gesamteindruck der Geschichte bei. Als ehemalige Einwohnerin Berlins hat es mich gefreut, über vertraute Straßenzüge und Plätze zu lesen. Einen bedeutenden Nebenspielplatz der Handlung nimmt das inzwischen leider zerstörte Künstlerlokal “Das Romanische Café“ ein, das einst als Anlaufstelle für Künstler/innen (und solche, die es werden wollten) galt.
Die Autorin scheut sich nicht, gewisse Fragen unbeantwortet zu lassen und die Phantasie der Leser/innen anzuregen. Die Sprache ist klar und die kunstvoll ineinander verflochtenen Handlungsstränge ergänzen sich zu einem wohlstrukturierten Gesamtwerk.

Den überaus flüssigen Schreibstil kann ich nicht genügend loben - selten habe ich einen historischen Roman gelesen, bei dem trotz erschütternder Schicksalsschläge und überraschender Wendungen ein Gefühl der Leichtigkeit überwiegt - das Leben geht weiter, weil es eben muss und weil es nicht anders kann; dies spiegelt sich auch in der bildreichen Wortwahl wider, die keine dauerhafte Tragik zulässt, sondern vielmehr das Leben und die Liebe zelebriert.

Fazit: Das Werk hat mich positiv beschwingt, ergriffen und faszinierter denn je mit dieser interessanten Epoche zurückgelassen. Ein Roman über Liebe, Loyalität, Familie und Freundschaft. Ganz großes Kino - besser geht es nicht! Zweifelsohne zählt „Das Palais Reichbach“ fortan zu meinen Lieblingswerken, daher gibt es eine uneingeschränkte und begeisterte Leseempfehlung von mir!

Veröffentlicht am 16.12.2018

Wundervoller historischer Roman!

Lady ohne Furcht und Tadel
0 0

England 1754. In ihrem jungen Leben hat die hübsche Samantha Fairfax schon viele Schicksalsschläge ertragen müssen – nach dem plötzlichen Tod ihrer geliebten Eltern wird sie bei herzlosen Verwandten untergebracht, ...

England 1754. In ihrem jungen Leben hat die hübsche Samantha Fairfax schon viele Schicksalsschläge ertragen müssen – nach dem plötzlichen Tod ihrer geliebten Eltern wird sie bei herzlosen Verwandten untergebracht, die sie schon lange um ihre privilegierte Stellung beneidet hatten. Fortan wird Samantha wie Dienstmagd behandelt und muss immer wieder neue seelische Grausamkeiten über sich ergehen lassen. Als sie zufällig erfährt, dass sie obendrein um ihr Erbe betrogen worden ist und nun auch noch gewinnbringend an einen Widerling verheiratet werden soll, packt Samantha der Mut der Verzweiflung: sie flieht nach London, um von dort aus – verkleidet als junger Bursche – per Kutsche bis nach Schottland zu gelangen, wo sie sich Unterstützung durch weitere Verwandtschaft erhofft. Doch ihre geldgierige Tante hat bereits Häscher ausgeschickt, um Samantha, die sich ab sofort "Sam" nennt, wieder einzufangen…

Während der Kutschfahrt ist Sam Teil einer illustren Fahrgemeinschaft und erlebt jeden Tag als ein neues Abenteuer. Doch nicht jeder ihrer Reisebegleiter ist, wer er vorgibt zu sein - bald schon muss Sam auf die harte Tour lernen, dass sie niemandem trauen darf und dass der erste Eindruck nicht zwangsläufig der richtige ist.

Dieser wundervolle Roman hat mich gefesselt und ich habe regelmäßig bis spät in die Nacht gelesen, weil ich so sehr mit der Hauptfigur mitgefiebert habe. Romantik und Humor, Abenteuer und Spannung, Intrigen und Verrat sowie jede Menge unerwartete Wendungen…Leserherz, was willst du mehr?! Autorin Lisa McAbbey hat diese äußerst unterhaltsame Geschichte mit allerlei historischen Hintergrundfakten ausgeschmückt und den einzelnen Charakteren so viel Tiefe verliehen, dass ich das Gefühl hatte, gemeinsam mit den Figuren in der kleinen Reisekutsche zu sitzen und die malerische englische Landschaft am Fenster vorbeirauschen zu sehen. Sam ist eine herrlich sympathische Protagonistin, die ich aufgrund ihres aufgeschlossenen und freundlichen Wesens sofort ins Herz geschlossen habe. Nach all dem Unrecht, was ihr bisher widerfahren ist, geht sie dennoch nicht verbittert durch die Welt, sondern hat sich eine beeindruckende Portion Optimismus bewahrt. Auch Sams Reisebegleiter tragen weit größere Rollen, als man Nebencharakteren üblicherweise zugesteht.

Der flüssige Schreibstil wird von einer zeitgerechten Wortwahl dominiert, die dennoch leicht verständlich ist und von witzigen Dialogen und Wortgefechten (- insbesondere zwischen Sam und dem mysteriösen Henry alias "Rüpel" -) geprägt ist. Ich habe mich königlich amüsiert!

Jeder Reisetag entspricht einem einzelnen Kapitel, was die Gesamthandlung sehr strukturiert und nachvollziehbar gestaltet. Durch die Fülle der einzelnen Ereignisse weisen die Kapitel eine überdurchschnittliche Länge auf. – Sehr zu meiner Freude, denn ich wollte gar nicht aufhören zu lesen und war dankbar für jede weitere Seite. Besonders hervorzuheben sind die detaillierten geographischen Beschreibungen, die meisterhaft in die Story eingeflochten worden sind und in mir die Reiselust geweckt haben.

Sowohl Covergestaltung wie auch Wortlaut des Buchtitels sind an die damalige Zeit angelehnt und sehr passend gewählt worden. Im Vordergrund ist eine junge Frau zu sehen, die eine entschlossene Pose eingenommen hat und vor einer Reisekutsche steht.

Fazit: Romantisch, spannend, humorvoll und bis zum Schluss voller Überraschungen! Absolut lesenswert! Empfehlenswert für alle Fans von historischen (Frauen-)Romanen und Wohlfühlliteratur.

Veröffentlicht am 16.12.2018

"Das Ende einer großen Liebe kann auch der Anfang von etwas Neuem sein."

Dein Bild für immer
0 0

Julia Hanel ist ein inspirierender, lebensbejahender Roman über Verlust und Neuanfänge gelungen, der tragische Schicksalsschläge authentisch beleuchtet, ohne jemals deprimierend oder erdrückend zu wirken. ...

Julia Hanel ist ein inspirierender, lebensbejahender Roman über Verlust und Neuanfänge gelungen, der tragische Schicksalsschläge authentisch beleuchtet, ohne jemals deprimierend oder erdrückend zu wirken. Vielmehr werden Mut und Hoffnung zelebriert.

Die Zukunft sah rosig aus für die glücklich verlobte und beruflich erfolgreiche Sophie, bis das Schicksal grausam zuschlug. Jetzt ist Maximilian, Sophies große Liebe, tot und sie steht vor den Scherben von dem, was einmal ihr Leben war. Die Trauer um Maximilian ist so übermächtig, dass Sophie sich am liebsten für immer vor der Welt verkriechen möchte. Als sie erfährt, dass ihr Verlobter sie mit Flitterwochen auf Bali hatte überraschen wollen, ist das für Sophie bittersüß. Diese Reise verkörpert einerseits Maximilians letztes Geschenk an sie, eine letzte Gelegenheit, ihm nahe zu sein – aber zugleich ist es auch eine Erinnerung daran, was sie verloren hat. "Herr und Frau Huber. So hätte es sein können. Sein sollen. Im Drehbuch ihres Lebens. Jemand hatte es umgeschrieben. Ohne sie zu fragen." ( S. 33)

Entgegen der Meinung ihrer entsetzten Eltern beschließt Sophie, die Reise nach Bali alleine anzutreten, alleine das zu erleben, was die glücklichste Zeit ihres Lebens hätte werden sollen. Einzig ihre Schwester Charlotte unterstützt sie in diesem Vorhaben bedingungslos.

Auch Berufsfotograf Niklas, der eher rastlos durchs Leben irrt, ist unterwegs nach Bali und plant, seinen aktuellen Arbeitsauftrag mit ein paar entspannten Urlaubstagen zu verbinden. Seine erste Begegnung mit Sophie verläuft alles andere als märchenhaft und Niklas, der ebenfalls einst die Härte des Schicksal zu spüren bekommen hatte, ahnt nichts von dem unerwarteten Verlauf, den sein Bali-Aufenthalt – und sein Leben – nehmen werden.

Ich habe diesen Roman, der sowohl aus Sophies als auch Niklas‘ Perspektive erzählt wird, geradezu verschlungen. Die Autorin veranschaulicht die Emotionen und Beweggründe der Charaktere erstaunlich einfühlsam und mit solch einer Intensität, dass man nicht umhinkann, mit ihnen mitzufiebern, sich mit ihnen zu freuen und mit ihnen zu weinen. Auch die Nebenfiguren zeichnen sich durch so viel Herzlichkeit aus, dass sie für mich die stillen Helden dieser Geschichte geworden sind. Die Dialoge sprühen vor Witz und Authentizität und haben mich des Öfteren schmunzeln lassen. In der Handlung sind zwar tragische Elemente enthalten, diese nehmen jedoch nicht Überhand, was sich auch im Schreibstil widerspiegelt, der ungemein positiv, flüssig und emotional ansprechend ist. Schnell wird deutlich, dass die Autorin mit Bali vertraut ist: spielerisch bindet sie balinesisches Kulturgut und atemberaubende Landschaftsbeschreibungen mit in die Handlung ein und tut dies mit solcher Leichtigkeit, dass es nie wie eine Aufzählung typischer Bali-Assoziationen wirkt, sondern immer mit der Handlung harmoniert. Tatsächlich hat mich die detaillierte Beschreibung von Balis Schönheit völlig verzaubert zurückgelassen und ich konnte Julia Hanels Begeisterung für diesen magischen Ort mit einem Mal nachvollziehen.

Die Handlung ist gut strukturiert und fokussiert sich zwar größtenteils auf den Reisezeitraum, schenkt jedoch auch den Folgemonaten mehr Beachtung als es in Romanen dieses Genres üblicherweise der Fall ist.

Das optisch ansprechende Cover ist von Ornamenten verziert und wirkt durch seine Hochglanzprägung sowie die Vermeidung schriller Farben hochwertig. Auch der Buchtitel ist in jeglicher Hinsicht passend gewählt worden, was sich im Laufe der Lektüre herauskristallisiert.

Fazit: Ein berührender Roman, der Mut für einen Neuanfang macht und die Leserschaft mit dem Wunsch zurücklässt, eine Reise nach Bali zu planen. Für alle Fans von Frauenromanen und Wohlfühlliteratur.

Veröffentlicht am 13.12.2018

Packendes Debüt – ein echter Pageturner!

Ich weiß, wo sie ist
0 0

Es ist der Albtraum aller Eltern… Seitdem die kleine Autumn vor zehn Jahren spurlos verschwand, sind Francine und Will durch die Hölle gegangen und haben sich über den Verlust ihres einzigen Kindes voneinander ...

Es ist der Albtraum aller Eltern… Seitdem die kleine Autumn vor zehn Jahren spurlos verschwand, sind Francine und Will durch die Hölle gegangen und haben sich über den Verlust ihres einzigen Kindes voneinander distanziert. Während Will sich mit dem Gedanken abgefunden zu haben scheint, dass er Autumn niemals wiedersehen wird, weigert sich Francine vehement, jemals die Hoffnung – und die Suche nach ihrer Tochter – aufzugeben.

Eines Tages erhält sie ein anonymes Schreiben, das auf den Verbleib von Autumn anspielt. Ist diese etwa noch am Leben? Kurz darauf steht die geschockte Francine einem jungen Mädchen gegenüber: Lena. Sie sagt, sie sei aus dem "Haus im Wald" entkommen. Dort, wo "die anderen" sind – dort, wo Autumn ist. Doch Lenas Geschichte hat ihre Lücken. Kann Francine ihr wirklich trauen? Und falls ihre Tochter tatsächlich noch lebt, wie soll es Francine gelingen, sie zu befreien?

S.B. Caves' fesselnder Debütroman ist ein echter Pageturner – einmal angefangen, kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Von Beginn an wird eine düstere, angsteinflößende Atmosphäre aufgebaut, die keinen kalt lässt; Francines seelische Zerrissenheit und abgrundtiefe Verzweiflung werden schonungslos aufgezeigt. Bald findet sie sich in einem gefährlichen Netz aus Lügen, Korruption und Gewalt wieder. Was sie herausfindet, erschüttert Francine bis ins Mark – allerdings fehlen ihr die Beweise, denn niemand will ihr glauben, nicht einmal Will.

Bereits mit dem Einstieg in die Geschichte wird der Leser direkt in die Handlung katapultiert und kann die dramatischen Ereignisse dank des ausdrucksstarken, flüssigen Schreibstils hautnah miterleben. Es ist kein Roman für zarte Gemüter; mittels authentischer Dialoge und detaillierter Beschreibungen werden die Abgründe der Menschlichkeit rigoros grausam aufgezeigt. Über insgesamt drei große Leseabschnitte nimmt die Entwicklung rasant an Fahrt auf; gnadenlos steigert der Autor die Spannung, bis man angesichts der Kaltblütigkeit des organisierten Verbrechens erschaudert und sich entsetzt vor Augen halten muss, dass die hier vorgestellte Geschichte womöglich irgendwo auf der Welt gerade traurige Realität ist.

Die unheilvolle Stimmung des Werkes ist auch in gestalterischer Form meisterhaft umgesetzt worden: auf dem Buchcover ist in dunklen Farben eine junge Frau abgebildet, die aus einem Wald hinauszulaufen scheint. In großen pinken Lettern, die sich eindrucksvoll leuchtend vom finsteren Hintergrund abheben, prangt der Schriftzug "Ich weiß, wo sie ist" – ein aufwühlender Buchtitel, der gleichzeitig die Kernaussage des Romans darstellt.

Einen winzigen Abzug gibt es für die vielen offengebliebenen Fragen, da ich generell ein rundum abgeschlossenes Ende bevorzuge. Es ist allerdings gut möglich, dass der Autor sich die Möglichkeit einer Fortsetzung offenhalten wollte.

Ein sehr gelungener Thriller! Spannung pur!!

Veröffentlicht am 10.12.2018

Unterhaltsam und rührend, herzlich und beschwingt…einfach perfekt!

O du fröhliche Weibernacht
0 0

Das ist wirklich mal eine betriebliche Weihnachtsfeier der ganz außergewöhnlichen Art: Teambildungsmaßnahmen auf Helgoland. Die resolute Chefsekretärin Ulrike ist entsetzt; unter ihrer Planung hätte es ...

Das ist wirklich mal eine betriebliche Weihnachtsfeier der ganz außergewöhnlichen Art: Teambildungsmaßnahmen auf Helgoland. Die resolute Chefsekretärin Ulrike ist entsetzt; unter ihrer Planung hätte es das nicht gegeben! Seit Jahren war sie alleine zuständig für die Vorbereitung der Weihnachtsfeier gewesen… In diesem Jahr ist es jemand anderes bzw. eine Andere. - Warum nur ist der charismatische und sonst so verständige Chef Herr Sonnenberg neuerdings so anfällig für Vorschläge der Werbeleiterin Dr. Jana Flemming?! Gut, sie ist jung und wunderschön, aber trotzdem… Ausgerechnet mit ihr soll Ulrike nun drei Tage lang ein Zimmer teilen! Und es kommt noch dicker: auch die geschwätzige Cordula sowie die junge, völlig verschüchterte Miriam werden ihr als unfreiwillige Zimmergenossinnen zugeteilt. Eine Katastrophe, denn die vier Damen könnten unterschiedlicher nicht sein. Aber oft ist der erste Eindruck nicht zwingend der richtige und zu Weihnachten geschehen bekanntlich Wunder…

Meisterhaft hat die Autorin vier gänzlich konträre Charaktere erschaffen, mit denen man bis zum Schluss mitfiebert. Die Figuren sind so liebevoll gestaltet und tiefgründig beschrieben, dass man sie alle – Ulrike, Jana, Cordula und Miriam – einfach ins Herz schließen muss und ihnen ein Happy End wünscht!

Allen Perspektiven ist sich mit gleicher Intensität gewidmet worden, kein Charakter wirkt verloren oder fehl am Platz; alle Gedankengänge und Handlungen sind nachvollziehbar aufgeschlüsselt und stimmig. Die Dialoge brillieren durch Witz und Authentizität; der flüssige Schreibstil ist emotional ansprechend und so angenehm, dass man gar nicht aufhören möchte, zu lesen. - Unterhaltsam und rührend, herzlich und beschwingt…mehr kann man sich als Leser/in nicht wünschen!

Jedes Kapitel wird von einer weihnachtlichen Silhouette sowie dem Namen eines passenden Weihnachtsliedes eingeleitet. Auch die detaillierten geographischen und räumlichen Beschreibungen sowie die Entwicklung der Handlung kann ich nur lobend hervorheben: gut strukturiert und im perfekten Tempo schreitet die Geschichte voran. Während der letzten Seiten habe ich immer langsamer gelesen, weil ich das Ende möglichst lange hinauszögern wollte.

Das modern gestaltete Cover wird durch die Glanzprägung der Abbildung sowie den witzig-formulierten Buchtitel aufgewertet und mag vielleicht nicht außergewöhnlich erscheinen, verbirgt hinter sich jedoch einen phantastischen Roman, den man sich nicht entgehen lassen sollte!

Fazit: Könnte ich nur mehr Sterne vergeben! Dieses Werk gehört ab sofort zu meinen Lieblingsbüchern. Heike Wanner ist eine wundervolle Geschichte gelungen, die Freundschaft und Aufgeschlossenheit zelebriert und mit feinen Zwischentönen begeistert. Die perfekte Lektüre für Fans von gefühlvollen, aber auch witzigen Frauenromanen – nicht nur zur Weihnachtszeit!