Authentisch und inspirierend
Im Herzen bist du unbesiegbarVorab: Dieses Werk war für mich ein überraschend emotionaler Read.
Ich kannte die Autorin zuvor tatsächlich nur vom Sehen (aus Film und Fernsehen), umso mehr hat mich berührt, wie offen, klar und ungeschönt ...
Vorab: Dieses Werk war für mich ein überraschend emotionaler Read.
Ich kannte die Autorin zuvor tatsächlich nur vom Sehen (aus Film und Fernsehen), umso mehr hat mich berührt, wie offen, klar und ungeschönt sie hier von ihrem Weg erzählt. Gerade weil ich selbst in der dieser Region aufgewachsen bin, lasen sich viele ihrer Schilderungen vom Ankommen in Ostdeutschland unfassbar eindringlich und nahbar. Diese Atmosphäre, dieses Funktionieren(-Müssen), dieses Sich-Anpassen(-Müssen) zwischen Behörden, Vorurteilen, sozialer Kälte - eben einem komplett neuen, teils befremdlich wirkenden Umfeld - das konnte ich an vielen Stellen regelrecht fühlen.
Besonders bewegt hat mich ihre Kindheit innerhalb der Familie, beim Lesen brach mir als Mutter stellenweise wirklich das Herz. Dieses viel zu frühe (!!) Hineingedrängtwerden in die Verantwortungsrolle, das ständige Sich-Beweisen/Behaupten-Müssen, Dolmetschen, Organisieren, Vermitteln. Immer stark sein. Immer leisten. Immer kontrolliert bleiben. Bloß keine Emotion zeigen. Nicht öffentlich über Geschenke freuen. Immer fein das Gesicht wahren (sowohl das eigene als auch das der gesamten Familie). Da war einfach NULL Raum für eigene Gefühle, Ängste oder - Gott bewahre - Schwäche. Mal ganz abgesehen vom ohnehin herausfordernden, permanenten Navigieren zwischen den gänzlich gegensätzlichen Kulturen. Diese von persönlichen Erinnerungen geprägten Momente haben mich am meisten gepackt.
Mai Duong Kieu beschreibt all das nicht jammernd oder anklagend, was es für mich teilweise noch schwerer zum Aushalten machte, weil mein Herz überging vor Anteilnahme. Ihre Sprache ist direkt, reflektiert, fast nüchtern, frei von übermäßigem Dramatisieren und Effekthascherei. Dennoch treffen einen viele Szenen mit voller Wucht; man spürt beim Lesen förmlich die Anspannung ihres früheren, kindlichen Ichs. Vor allem die Passagen über Schweigen als Strafe (- in meinen Augen grenzt das schon an seelische Grausamkeit/emotionalen Missbrauch -), über Scham, Druck, Einsamkeit und emotionale Härte empfand ich als extrem grenzwertig und tief traurig. Natürlich ist das nur mein persönliches Empfinden - denn sie selbst begegnet ihren Eltern trotz allem mit Liebe, Loyalität und Dankbarkeit.
Auch die Schilderungen von Alltagsrassismus gingen mir nahe - das ständige 'Anderssein' (angefangen bei der korrekten Aussprache des Namens), das Nicht-Auffallen-Wollen, das innere Wachsein gegenüber Ablehnung und Demütigung … Es ging mir total unter die Haut.
Trotzdem ist dieses Buch am Ende kein hoffnungsloser Read, ganz im Gegenteil! Es erzählt von Widerstandskraft, Disziplin, Selbstbehauptung und davon, sich Stück für Stück einen eigenen Platz in dieser Welt zu erkämpfen. Gerade die Verbindung aus autobiografischer Geschichte und den Gedanken des Kung Fu fand ich unglaublich spannend.
𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Ein bemerkenswerter, ehrlicher und sehr eindringlicher Read einer beeindruckenden, starken Frau.