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Veröffentlicht am 16.09.2020

Düster und rasant – Spannung statt Romance

Elbendunkel 1: Kein Weg zurück
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"Jeder wird dich verraten. Es ist nur eine Frage der Zeit und des Preises. Freundschaft ist reine Illusion."

Wir schreiben das Jahr 2044. Die Welt ist eine andere geworden, seitdem einige Staaten, darunter ...

"Jeder wird dich verraten. Es ist nur eine Frage der Zeit und des Preises. Freundschaft ist reine Illusion."

Wir schreiben das Jahr 2044. Die Welt ist eine andere geworden, seitdem einige Staaten, darunter die USA, geflüchteten Elben Asyl gewährt haben. Viele Menschen fürchten sich vor ihnen und ihrer angeblich verlorenen Magie, andere verachten sie, aber alle sind sich einig darüber, dass die Elben streng kontrolliert werden müssen. Die Auflagen reichen von implantierten Chips zur Überwachung des Gemütszustands und Tötung durch Giftimplantaten bis hin zur staatlich organisierten Zwangserziehung der Elbenkinder. Upperclass-Mädchen Luz tangiert all dies relativ wenig, bis auf den Familienchauffeur Tyrasil hat sie wenig mit Elben zu tun – abgesehen von der Tatsache, dass ihr Vater Jago Chef der Elbensicherheitsbehörde ist. Aufgeregt fiebert Luz ihrem ersten Date mit Niall entgegen, für den sie schon lange heimlich schwärmt. Er führt sie nicht etwa in einen angesagten Club oder in ein schickes Restaurant aus, sondern mitten in den gefährlichsten Bezirk San Franciscos: das Elben-Ghetto. Dort soll ein Poetry Slam stattfinden und Niall möchte unbedingt, dass Luz den Vortrag des Regimekritikers Darel anhört. Nicht gerade romantisch, aber Niall hat seine Gründe. Plötzlich kommt es jedoch zu einer Razzia und die Location wird ausgerechnet vom Gefolge Jagos gestürmt, der nicht ahnt, dass seine eigene Tochter sich unter die "Aschefresser" gemischt hatte. Als Luz ohne sein Wissen festgenommen wird, rechnet sie damit, dass ihr Vater ausflippen wird vor Wut, dass er ihr verbieten wird, Niall wiederzusehen, dass sie jahrelang Hausarrest bekommen wird… - Sie ahnt nicht, dass ihr weitaus Schlimmeres bevorsteht. Tatsächlich gerät ihre Welt aufgrund einer winzigen Blutprobe derart ins Wanken, dass sie fortan sogar um ihr Leben fürchten muss. Mit einem Mal steht sie selbst auf der Abschussliste ihres Vaters.

Kaum hatte ich den Klappentext gelesen, war meine Neugier auf die Story entfacht! Ich habe San Francisco schon oft bereist und war daher begeistert vom Setting des Romans – die häufig in Nebelschwaden gehüllte City by the Bay bildet in meinen Augen den perfekten Rahmen für eine gesellschaftskritische Dystopie! Gerne hätte ich noch mehr vom einzigartigen Flair dieser Stadt gelesen.

Für mich war es das erste Werk von Autorin Rena Fischer und gespannt stürzte ich mich in die Handlung, die abwechselnd aus der Perspektive der Hauptfiguren Luz, Niall und Darel erzählt wird. Zum Glück hatte ich vorab den Hinweis auf das ausführliche Personen- und Sachregister im Anhang entdeckt, welches nicht nur unheimlich nützlich ist, wenn man zwischendurch schnell mal nachblättern möchte, welche Figur zu welcher Familie bzw. Organisation gehört, sondern auch verdeutlicht, wie ausgeklügelt dieser Roman ist. Die Autorin hat hier wirklich an alles gedacht – von Familienzweigen über politische Gruppierungen und Gesetzestexte bis hin zur Aussprache der ungewöhnlichen Namen. Wow! Ich war schwer beeindruckt und gleichzeitig auch etwas besorgt, ob ich nicht den Überblick verlieren würde. Diese Sorge hätte ich allerdings nicht haben müssen, denn obwohl man gleich mit allerlei Fakten und Charakteren konfrontiert wird, folgt immer sofort eine entsprechende Erklärung.

Das Werk ist geprägt von düsteren, futuristischen Elementen, die keineswegs abwegig und an den Haaren herbeigezogen erscheinen; viele der erwähnten Technologien wird es mit ziemlicher Sicherheit in naher Zukunft geben. Der Konflikt zwischen Menschen und Elben (sowie zwischen den Elben untereinander) wird extrem fesselnd beschrieben. Hin und wieder erinnerten mich die schrecklichen Gesetzesauflagen und Bestrafungen an die Behandlung der Juden während der NS-Zeit.

Luz tat mir richtig leid – es ist unglaublich, welche Schicksalsschläge innerhalb kürzester Zeit auf das Mädchen einprasseln. Alles in ihr sträubt sich (zu Recht!) dagegen, auf Darels Hilfe angewiesen zu sein. Immer wieder wird deutlich, dass sie ihm nicht vertrauen kann. Niall hingegen ist der klassische nette Junge, doch auch er hat Geheimnisse vor Luz. Vor lauter Action kommt es hier allerdings nicht zum Hin und Her einer klassischen Dreiecksgeschichte. Überhaupt ist der romantische Aspekt eher unterschwellig vorhanden; Drama, Verrat, Intrigen, dunkle Absichten - kurzum: der Kampf von Gut gegen Böse - ist der eigentliche Schwerpunkt. Luz überrascht alle (- inklusive sich selbst und den zur Gefühlskälte erzogenen Darel -) mit ihrem Kampfgeist. Meine Lieblingsfiguren waren übrigens nicht die drei Hauptfiguren, zu denen ich trotz allen Mitfieberns keine richtige Nähe aufbauen konnte, sondern Luz‘ beste Freundin Kelly (die immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat, wenn sie nicht gerade singt) und der charismatische Dunkelelbe Adrasel, den ich weitaus interessanter als Darel fand.

Der Schreibstil ist energiegeladen und rasant, einfach absolut mitreißend! Man kommt kaum zum Durchatmen, ständig folgt eine unerwartete Wendung auf die nächste; all meine Theorien konnte ich regelmäßig über den Haufen werfen und von Neuem losrätseln. Ein großes Lob vergebe ich für die authentischen Dialoge; sie passten zu den Figuren wie die Faust aufs Auge und kamen ganz ohne übertriebenen Jugendslang aus. Toll!

Fazit: Eine fantasievolle, komplexe, kritische Story mit nicht perfekten, facettenreichen Hauptfiguren. Definitiv ein spannender Reihen-Auftakt!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.09.2020

Die Folgebände sind direkt auf meine Wunschliste gewandert!

Wolfes of Wall Street - Ian
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Mit "Wolfes of Wallstreet: Ian" ist der Autorin Lauren Layne ein wundervoller Auftakt zur gleichnamigen Reihe gelungen! Wer nun irritiert blinzelt ob der Schreibweise des Begriffs 'Wolfes' – nein, es handelt ...

Mit "Wolfes of Wallstreet: Ian" ist der Autorin Lauren Layne ein wundervoller Auftakt zur gleichnamigen Reihe gelungen! Wer nun irritiert blinzelt ob der Schreibweise des Begriffs 'Wolfes' – nein, es handelt sich um keinen Grammatikfehler, denn tatsächlich ist die fiktive, an der berühmt-berüchtigten New Yorker Wall Street angesiedelte Firma "Wolfe Investments" Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Die Story entführt uns ins Herz von Manhattan, mitten hinein in den Financial District, wo täglich Deals in Millionenhöhe abgewickelt werden. Der Firmenname ist definitiv auch passend gewählt worden in Bezug auf die deutsche Übersetzung des Wortes 'Wolves', "Wölfe"…denn wölfisch geht es zu an jenem Ort, wo ehrgeizige Broker alles tun, um es ganz an die Spitze zu schaffen. Ian Bradley ist dies bereits gelungen; er und seine Kollegen Matt und Kennedy, die im Privatleben seine besten Freunde sind, zählen trotz ihres jungen Alters schon zur Elite der Finanzwelt. Aus heiterem Himmel findet ausgerechnet er sich nun im Visier der Börsenaufsichtsbehörde wieder. Schnell wird klar, dass irgendjemand Ian schaden will, es regelrecht auf ihn abgesehen hat. Die Frage ist nur, wer? Dass die gegen seinen Charme resistente Ermittlerin Lara McKenzie ihn um den Verstand bringt, erschwert die Situation erheblich…

Von Anfang an habe ich mich mit den Figuren wohlgefühlt; man muss sie einfach ins Herz schließen - nicht nur Lara und Ian, die mir gleichermaßen sympathisch waren, auch die liebenswerten Nebencharaktere, die dem Werk genau die richtige Würze verpassen. Speziell Kate, die toughe Assistentin von Ian, Matt und Kennedy, ist meine Heldin; ihr Pokerface ist legendär, ihr trockener Humor zum Schreien komisch und die Loyalität, mit der sie 'ihre Jungs' unterstützt, einfach nur bewundernswert. Kate ist ein Paradebeispiel dafür, dass sich (- entgegen stereotypischen Vorurteilen -) auch Frauen in dieser Branche erfolgreich etablieren können. Überhaupt strotzt der Roman vor starken weiblichen Charakteren, wie Ians bester Freundin Sabrina, der heiß umkämpften Star-Anwältin Vanessa und natürlich der SEC-Agentin Lara McKenzie, die von einer Karriere beim FBI träumt. Zum großen Durchbruch, einem Empfehlungsschreiben ihres Chefs, fehlt ihr nicht mehr viel – die Ermittlungen gegen Ian sind quasi das Ticket zu ihrem Traumjob.

Besonders lobenswert finde ich die Tatsache, dass Lara sich gegen den einfachen Weg entschieden hat – ihre Eltern sind beide Agenten beim FBI und gewiss hätte sie von ein wenig Vitamin B profitieren können. Doch dafür hat die zielstrebige, aufrichtige junge Frau viel zu hohe Erwartungen an sich selbst – sie will es aus eigener Kraft schaffen. Lara wird aufgrund ihres hübschen Aussehens häufig unterschätzt und spielt diese Karte gekonnt aus; sie ist eine brillante Ermittlerin. Dumm nur, dass ihre Suche nach Beweisen für Ians angeblichen Insiderhandel von wenig Erfolg gekrönt ist. Ian Bradley verkörpert alles, was Lara auf die Palme bringt; in ihren Augen sind diese aalglatten Wall-Street-Typen alle gleich: rücksichtslos, manipulativ und fest davon überzeugt, ihnen gehöre die Welt. Dass dieser Schönling ihr ungewohnt unter die Haut geht und sie verunsichert, fuchst Lara gewaltig. Obendrein übt ihr Boss verstärkt Druck auf sie aus – und Ian entpuppt sich als immer interessanter…

Wahnsinnig attraktiv, eloquent, unschlagbar im Job und obendrein auch noch reich. Ian Bradley ist heiße Ware – und ist sich dessen sehr wohl bewusst. Was die Außenwelt sieht, ist ein arroganter Broker, der für den richtigen Deal wahrscheinlich über Leichen geht, ein Einkommen hat, von dem Ottonormalverbraucher nur träumen können und dem die Damenwelt zu Füßen liegt, sobald er mit dem Finger schnippt. Tatsächlich schläft Ian nie zweimal mit der gleichen Frau. …weil er es "nicht nötig" hat. Hinter dem großen Ego steckt jedoch ein gutherziger, extrem verantwortungsbewusster und auf Fairness bedachter Mann, der sich jedes Quentchen seines Erfolgs mit harter Arbeit erkämpft hat. Sein Start ins Leben war kein leichter – als Kind wurde er von einer Pflegefamilie in die nächste abgeschoben, wurde nie adoptiert, musste sich sein Studium an einer Elite-Universität mit zig Nebenjobs selbst finanzieren. Bisher hat er - zumindest beruflich - immer sein Ziel erreicht. Er schätzt harte Arbeit, ist anderen Menschen gegenüber sehr spendabel, fördert Jugendliche in ihrer beruflichen Ausbildung und ist wider Erwarten kein bisschen oberflächlich. Ian lebt für seinen Job und ist wild entschlossen, seine Unschuld zu beweisen – und Lara zu erobern.

Erzählt wird abwechselnd aus Sicht der beiden Hauptfiguren, wobei es der Autorin wunderbar gelingt, die Charaktere in ihrem Handeln authentisch wirken zu lassen und gleichzeitig ihre liebenswerten Eigenheiten hervorzuheben. Auch die Dialoge sind durch und durch glaubwürdig. Keine Angst, man wird nicht mit Fachbegriffen aus der Finanzwelt überschüttet, dennoch wird deutlich, dass Lauren Layne sich in dieser Branche gut auskennt. Locker, amüsant, gewagt sexy und voller Humor entwickelt sich die Story und ehe man es sich versieht, ist man total gefesselt und fiebert der Auflösung des Ermittlungs-Elements entgegen. - Diese hätte übrigens gerne etwas kreativer ausfallen können, was meinen Lesegenuss allerdings nicht geschmälert hat.
Ich finde es großartig, dass in diesem Werk die Figuren tatsächlich ihrem Alter entsprechend miteinander kommunizieren und keine genretypischen Klischees aufgewärmt werden. Lara und Ian fallen nicht sofort übereinander her, sondern man spürt richtig, wie die gegenseitige Anziehungskraft erst nach und nach zwischen ihnen hochkocht, bis sie einander nicht mehr widerstehen können. Dank der Ermittlungen der Börsenaufsichtsbehörde kommt auch die Spannung nicht zu kurz.

Süße Szenen, freche Wortgefechte, prickelnde Momente voller Erotik…dieser Roman hat einfach alles. Das einzigartige Flair von New York City wurde von der Autorin gekonnt in die Handlung integriert. Viel zu schnell war das Ebook ausgelesen! Ich freue mich schon jetzt riesig auf die Folgebände der Reihe, die von Matt bzw. Kennedy handeln werden. Sollte der Roman um Ian und Lara irgendwann als Print veröffentlicht werden, werde ich mir das Werk zusätzlich fürs Bücherregal kaufen – diesen Platz zwischen meinen Lieblingen hat sich diese traumhaft amüsante Haters-to-Lovers-Story redlich verdient!

Fazit: Ein Muss für alle Fans von sexy Office-Romance-Geschichten!

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 10.09.2020

Bereits jetzt eines meiner Lesehighlights des Jahres 2020!

Hate Notes
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Dieses Buch ist einfach einzigartig, ich bin restlos begeistert!

Von den Autorinnen Vi Keeland und Penelope Ward hatte ich bereits die Rush Serie (- "Rebel Soul" und "Rebel Heart" -) gelesen und wusste, ...

Dieses Buch ist einfach einzigartig, ich bin restlos begeistert!

Von den Autorinnen Vi Keeland und Penelope Ward hatte ich bereits die Rush Serie (- "Rebel Soul" und "Rebel Heart" -) gelesen und wusste, dass ihr wundervoller Schreibstil mich auch dieses Mal gewiss nicht enttäuschen würde. Versteht mich bitte nicht falsch, die Rush-Dilogie hatte mir ganz gut gefallen (auf einer Skala von 1 bis 5: solide 4 Sterne) – aber "Hate Notes" ist eine ganz andere Liga. WOW!! Hier wären eher 10 funkelnde Sterne angebracht.

Handlung:
Für Charlotte kommt es knüppeldicke: Verlobter weg, Job weg. Durch Zufall ergattert sie eine Anstellung bei der ebenso erfolgreichen wie liebenswerten Iris, für die sie fortan als Assistenz arbeiten wird. Allerdings ist diese Position in verschiedene Verantwortungsbereiche aufgeteilt und Charlotte ist somit zeitgleich zur persönlichen Assistentin von Reed Eastwood – Iris‘ Enkel – geworden, mit dem sie erst kürzlich eine äußerst peinliche Auseinandersetzung gehabt hat...als sie noch dachte, sie würden sich nie wieder begegnen. Auch Reed reagiert gereizt auf die neue Angestellte und zeigt sich alles andere als kooperativ. Einzig Iris ahnt, dass Charlotte und Reed füreinander geschaffen sein könnten. Doch Reed hat gute Gründe, sich niemals mehr auf eine Beziehung einlassen zu wollen…

Figuren:
Reed Eastwood ist ein Hottie par excellence – attraktiv, gebildet, loyal und unter der harten Schale, die nach außen hin durchaus unterkühlt und arrogant wirken kann, schlägt ein Herz aus Gold. Sein trockener Humor ist der Knüller! Wie gerne hätte ich ihm so manche traurige Erfahrung erspart. Mitten in Reeds durchgetakteten Arbeitsalltag platzt der liebenswerte, lebenshungrige Wirbelwind namens Charlotte Darling und ich wage zu behaupten, dass kein Mann von Verstand sich ihrem Charme entziehen könnte. Von allen Büchern, die ich je in meinem Leben gelesen habe (- und glaubt mir, das waren einige -), ist Charlotte mit Abstand die sympathischste weibliche Hauptfigur, die mir jemals begegnet ist. Sie ist schlagfertig und kess, ambitioniert, gleichermaßen verträumt wie realistisch, warmherzig…wahrhaftig ein Darling, ein richtiger Schatz! Ich wäre gerne mehr wie sie und habe diesbezüglich einige Denkanstöße vom Roman erhalten. Auch die Nebenfiguren Iris und Max haben mich komplett für sich eingenommen und passen in diese Geschichte wie die Kirsche aufs Sahnehäubchen.

Schreibstil:
Erzählt wird abwechselnd aus der Perspektive der beiden Hauptprotagonisten. Oftmals stehe ich in Liebesromanen eher der weiblichen Figur nahe, in diesem Fall habe ich mich jedoch auch in Reed wunderbar hineinversetzen können. Mehr noch, ich konnte seine Denkweise, seine Argumente so gut nachvollziehen. Vor allem die erste Hälfte des Romans strotzt vor frechen, witzig-spritzigen Kommentaren und einer angenehm lockeren Erzählweise. Ab Mitte der Handlung haben mich die Tiefgründigkeit aufgrund des überraschenden Turning Points und die Erkenntnis, dass all die kleinen, vorab unauffällig eingestreuten Details sich zu einem vollständigen Puzzle zusammensetzen, wuchtartig überrollt. War ich bis dahin von der Geschichte fasziniert, hatte sie mich nun vollends in ihren Bann gezogen. Dass die ursprüngliche Leichtigkeit trotz ernster Elemente erhalten blieb, hat mich ungemein beeindruckt. Was für ein lebensbejahendes Werk! Die Autorinnen werden nicht ohne Grund als Erfolgsduo bezeichnet; sie verstehen es, Bilder und Emotionen in ihren Lesern hervorzurufen, die noch lange nach Beendigung der Lektüre nachwirken. Die Dialoge sind ein Traum! Man spürt förmlich in jedem Wortgefecht, wie sehr die Funken zwischen Charlotte und Reed sprühen und dass sich alles zu einem gewaltigen Feuerwerk der Gefühle aufbaut. Es knistert gewaltig! Dabei wird auf jeglichen Kitsch verzichtet, alle Gespräche wirken absolut authentisch und glaubwürdig. Ich habe noch nie zuvor so viele berührende Zitate in einem einzigen Roman entdeckt und hatte mehr als einmal Tränen in den Augen. Hier hat einfach alles gepasst. Apropos 'perfekt': auch die Covergestaltung ist weitaus durchdachter, als man zunächst vermuten würde...

Fazit: Überraschend tiefgründig und emotional, herrlich witzig und lebensnah, voller Schmunzelmomente und Augenblicke, in denen man die Protagonisten am liebsten in den Arm nehmen möchte… Ich liebe, liebe, liebe dieses Buch!

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 06.09.2020

Emotionaler Familienroman, der zum Nachdenken anregt

Ein Leben lang lieben
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Gibt es sie wirklich, die große, ewige Liebe, die allen Widerständen trotzt? Woran erkennt man, um welchen Menschen es sich zu kämpfen lohnt und welchen man lieber ziehen lassen sollte?

Prinzipiell bin ...

Gibt es sie wirklich, die große, ewige Liebe, die allen Widerständen trotzt? Woran erkennt man, um welchen Menschen es sich zu kämpfen lohnt und welchen man lieber ziehen lassen sollte?

Prinzipiell bin ich ein großer Fan von Liebesromanen aller Art. Auch die Protagonisten in Marissa Stapleys Werk "Ein Leben lang lieben" (- die Mittsechzigerin und Ex-Hippie Helen und ihre drei erwachsenen Töchter, die sich Jahr für Jahr im Sommerhaus der Familie treffen -), sind auf der Suche nach genau diesem Glücksgefühl, selbst wenn ihnen das zunächst nicht bewusst ist.

"<< Die Sache mit der Liebe ist die: Sie kann bleiben, aber man muss vorsichtig mit ihr umgehen. Man muss sie behandeln wie das Allerwertvollste, was man hat, man darf sie nie, ebenso wenig wie denjenigen, den man liebt, als selbstverständlich ansehen. Niemals.>>"

Der knapp 400 Seiten umfassende Roman ist in drei große Abschnitte unterteilt, denen jeweils ein stimmungsvolles Zitat vorangestellt ist. Zu Beginn eines jeden Kapitels wird ein Tier vorgestellt, dessen Eigenheiten gerade zum Kontext der Handlung passen. Dieser kreative Einstieg lockerte die Handlung stets auf und war mal etwas ganz Neues – eine tolle Idee! Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, was einerseits einen Einblick in das Denken und Fühlen der verschiedenen Figuren ermöglicht, auf die Leser gerade zu Beginn einer Lektüre jedoch etwas irritierend wirken bzw. den Lesefluss hemmen kann, wenn zu viele unterschiedliche Sichtweisen aufeinanderfolgen. Jede von Helens Töchtern stammt von einem anderen Mann und natürlich hat dieser rastlose Lebensstil der Mutter auch Ilsa, Liane und Fiona in ihrem Wesen geprägt, so unterschiedlich sie ansonsten auch sind. Wie soll man denn an die wahre Liebe glauben, wenn man im eigenen Zuhause wieder und wieder vorgelebt bekommen hat, dass romantische Beziehungen nicht von Dauer sind, dass Gefühle endlich sind? Kein Wunder, dass Helens Töchter ihre Schwierigkeiten mit diesem Thema haben: Liane sehnt sich nach Stabilität und kann sie in ihrer aktuellen Beziehung nicht finden; Fiona verbirgt ihre Unzufriedenheit mit ihrem scheinbar perfekten Leben hinter einer Tablettensucht, um die Fassade und den schönen Schein zu wahren – und ist entsetzt, als von einem Geheimnis ihres Mannes erfährt; Ilsa stürzt sich (- trotz Ehe -) von einem Flirt in den nächsten und macht auch nicht vor Fionas Ehemann Halt… Probleme über Probleme, es besteht also jede Menge Konfliktpotential.

Eine besondere Art von Liebe jedoch ist unerschütterlich, nämlich jene zwischen einer Mutter und ihren Kindern; diese innige Bindung hebt die Autorin in ihrem Werk letztlich wunderbar hervor. Auch die individuellen Probleme der einzelnen Charaktere werden sehr realistisch beschrieben und wirkten auf mich einfach echt, wie aus dem Leben gegriffen…welches nun mal kein Wunschkonzert ist. Man muss selbst aktiv werden und die Dinge ändern, mit denen man im Grunde seines Herzens unzufrieden ist. Manchmal ist eben ein Neustart nötig. Dass diese Erkenntnis von den Damen nach und nach umgesetzt wird, habe ich sehr begrüßt; man spürt förmlich, wie sie reifen und sich weiterentwickeln.

"Ilsa wusste, dass sie nach Hause gehen und von der Klippe springen musste, auf der sie die ganze Zeit verharrt hatte, selbst wenn sie sich nicht sicher sein konnte, dass sich ihr Fallschirm öffnen und sie fliegen würde."

Die Mischung aus einem eher gemächlich-ruhigen Schreibstil, einem melancholischen Unterton und doch mehr tragischen, negativen Handlungselementen, als ich hinter diesem sommerlich anmutenden Cover erwartet hätte, verleiht dem Roman zwar Tiefe, aber auch eine gewisse Schwere. Trotz dem versöhnlichen Ende blieb ich ein wenig ernüchtert zurück. Ich hatte mir eine beschwingte, im Hauptton fröhliche Geschichte erhofft (ganz im Stil von Sarah Morgans Werk "Die Zeit der Weihnachtsschwestern", in dem zwar auch dramatische Themen wie z.B. Verlust und Trauer Teil der Handlung sind, die Positivität jedoch überwiegt), eine Strandkorblektüre, nach dessen Beendigung ich beherzt das Buch zuklappen würde mit den Worten 'Hach, war das schön!'. Für meinen Geschmack war es etwas zu bedrückend, gar nicht mal im Hinblick auf die Anzahl der Schicksalsschläge, sondern im Gesamtgefühl, welches die Story bei mir hinterließ; ich war gerade einfach nicht auf solch einen (teilweise deprimierenden) Roman eingestellt.

Fazit: Vergangenheitsbewältigung, Beziehungsdramen, Selbsterkenntnis, Umbruchstimmung und zwischendrin die Suche nach der Liebe. Für diese Geschichte sollte man sich viel Zeit nehmen, damit sie ihre tatsächliche Wirkung voll entfalten kann. Ich empfehle sie allen Fans von tiefgründigen Familienromanen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.09.2020

Nahtloser Übergang von Band 1

Riviera - Der Weg in die Freiheit
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Ich habe den zweiten Band der Riviera-Saga von Julia Kröhn direkt im Anschluss an Band 1 gelesen. Neulesern*innen würde ich in jedem Fall auch empfehlen, zunächst den Vorgänger zu lesen, um sich ein vollständiges ...

Ich habe den zweiten Band der Riviera-Saga von Julia Kröhn direkt im Anschluss an Band 1 gelesen. Neulesern*innen würde ich in jedem Fall auch empfehlen, zunächst den Vorgänger zu lesen, um sich ein vollständiges Bild von den Charakteren machen zu können.

Im Hinblick auf die Handlung kann man auch ohne Vorkenntnisse problemlos in die Geschichte einsteigen, da zu Beginn eine recht umfangreiche Zusammenfassung der wichtigsten Informationen erfolgt. Das habe ich dieser Form noch bei keinem historischen Band einer Reihe so erlebt und habe es als sehr angenehm empfunden (- vor allem, weil der Roman somit ohne zahlreiche Wiederholungen auskommt).

Handlungszeitraum: 1938 bis 1945.

Der Zweite Weltkrieg bricht aus. Salome nutzt ihre Position als Reiseleiterin, um Juden aus Deutschland ins vermeintlich sichere Ausland zu schmuggeln. Die Freundschaft zu ihrer Kindheitsfreundin Ornella zerbricht beinahe gänzlich, da beide Frauen in denselben Mann verliebt sind. Während Félix‘ Herz für Salome schlägt, nutzt Ornella einen günstigen Moment aus, um ihn zur Heirat zu nötigen. Doch anstatt sich in die Familie zu integrieren, wird Félix im Widerstand aktiv und begibt sich auf gefährliche Missionen. Mittendrin im Flüchtlingschaos begegnet er Salome wieder und beide können ihre Gefühle füreinander nicht länger ignorieren. Aber das Schicksal scheint gegen ihr gemeinsames Glück zu sein…

Ornellas Verhalten hat mich furchtbar aufgeregt – sie stellt sich bewusst zwischen zwei Liebende, um ihren Willen zu bekommen und ist anschließend wütend, dass sie Félix‘ Liebe nicht erzwingen kann. Vor allem zu Beginn ist ihre devote, krampfhaft um Aufmerksamkeit heischende Art ihm gegenüber kaum zu ertragen. Auch Félix, so edle Motive er für sein Handeln auch haben mag, ist für mich eher ein unsympathischer Charakter. Einzig Salome erscheint mir mittlerweile reifer und nachvollziehbarer in ihrem Handeln. Schade um die einst so innige, von gegenseitigem Vertrauen geprägte Freundschaft zwischen den Frauen – ihre Entzweiung hat die Autorin äußerst realistisch geschildert. In meinen Augen war es dieser Mann nicht wert.

Ebenfalls erschreckend authentisch beschrieben sind die Verbrechen und die Angst, unter der die Verfolgten zu jener Zeit leiden mussten. Tausende werden deportiert und kaltblütig ermordet. Familien werden auseinandergerissen in ihrem verzweifelten Kampf ums Überleben. Schonungslos legt Frau Kröhn hier das Grauen des Krieges offen und man kann nur bestürzt den Kopf darüber schütteln, dass Menschen einander so viel Leid zufügen. Es ist ein Buch gegen das Vergessen, damit sich die Vergangenheit nicht wiederholt, was gerade in Zeiten wie diesen wichtiger denn je ist. Zudem wird am Beispiel von mutigen Aktivisten in der französischen Résistance gezeigt, dass man seine Menschlichkeit nicht vergessen darf, auch wenn dies bedeutet, das eigene Glück zu opfern, um das Leben eines anderen Menschen zu retten. Dass die Autorin bei dieser Buchreihe eine intensive Recherche betrieben hat, steht außer Frage.

Erneut habe ich nur lobende Worte für den wunderbar angenehmen Erzählstil. Einziges Manko: In einigen Dialogen ist mir dieses Mal die leicht gestelzte, etwas unrealistisch geschwollene Wortwahl aufgefallen, speziell bei Félix - wie geschrieben für einen Roman, aber wer würde im realen Leben so reden? Die Distanz zu den Figuren, die ich zuvor verspürt hatte, störte mich dieses Mal kaum, da ich bereits daran gewöhnt war und einfach nur noch wissen wollte, wie die Geschichte ausgeht. Zum Abschluss gab es sogar ein, zwei positive Überraschungen.

Man darf keinen seichten Sommerroman erwarten; vielmehr handelt es sich um ein tiefgründiges Werk, in dem menschliches Leid und nicht perfekte Charaktere zu Zeiten des Krieges porträtiert werden. Abschließend blieb bei mir nach dem Lesen ein recht nüchternes Gefühl zurück – was allerdings nicht am Thema Holocaust lag, sondern daran, dass mich die Geschichte als Ganzes schlichtweg nicht mitreißen konnte. Viele inhaltliche Aspekte waren interessant, aber nach wie vor gab es langatmige Passagen, die es auch in kürzerer Version getan hätten und die Hauptfiguren waren unterm Strich keine Protagonisten, deren Schicksal mir sonderlich nahegegangen wäre. Mir ist bewusst, dass man nicht jeden Charakter mögen muss, um von einem Roman begeistert zu sein, doch hier haben mich maximal die Nebenfiguren und das tragische Schicksal der jüdischen Bevölkerung berührt.

Fazit: Solider historischer Roman, frei von Kitsch und Romantik.

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