»Krummes Holz« entwickelt einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Unbedingte Leseempfehlung!« Florian Valerius
Es ist ein schwüler Sommer, in dem Jirka an den Hof seiner Eltern im Krummen Holz zurückkehrt. Mehrfach hat er die Bitte seiner älteren Schwester Malene ignoriert, ihr gegen den Vater beizustehen. Als Jirka jetzt auf dem heruntergewirtschafteten Gutshof eintrifft, scheint keiner mehr auf ihn zu warten. Vom Vater findet sich keine Spur, und von seiner dementen Großmutter und seiner unversöhnlichen Schwester schlägt ihm eine Wand des Schweigens entgegen. Nur einer spricht mit ihm – Leander, der Sohn des letzten Verwalters. Mit jedem neuen Tag drängen sich die Erinnerungen in den Vordergrund. »Krummes Holz« erzählt mit flirrender Intensität von der Kraft eines Geschwisterbandes in einer glücklosen Kindheit und darüber, wie zwischen all den enttäuschten Hoffnungen die Liebe zu finden ist.
Ausgezeichnet mit dem aspekte-Literaturpreis 2024
»Krummes Holz« entwickelt einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Unbedingte Leseempfehlung!« Florian Valerius
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Das Buch besticht durch eine wunderbare Bilder malende Sprache, die schnell emotionale Tiefe erzeugt. Allerdings muss man sich darauf einlassen, dass das Tempo sehr sehr langsam ist und man sich wie in ...
Das Buch besticht durch eine wunderbare Bilder malende Sprache, die schnell emotionale Tiefe erzeugt. Allerdings muss man sich darauf einlassen, dass das Tempo sehr sehr langsam ist und man sich wie in Watte durch das Leben der Akteure bewegt. Weich aber auch sehr gemütlich. Da hätte ich mir manchmal etwas mehr Aktion und Dialog gewünscht aber alles in allem ist es ein bereicherndes Leseerlebnis gewesen. Ich mag einfach Romane, die ihre Protagonisten in eine ländliche Jugend mit familiären Problemen zurückwirft.
Julja Linhofs Roman erzählt eine Geschichte von alten Wunden und tiefem Schmerz und was all das mit uns machen kann wenn wir diesen Schmerz unser Leben lang nicht zulassen.
Wie gehen wir mit fehlender ...
Julja Linhofs Roman erzählt eine Geschichte von alten Wunden und tiefem Schmerz und was all das mit uns machen kann wenn wir diesen Schmerz unser Leben lang nicht zulassen.
Wie gehen wir mit fehlender Liebe um, wie verändert uns eine Kindheit die von Gewalt und lieblosigkeit geprägt ist und können wir lernen eine liebe zuzulassen die wir nie kennengelernt haben? Immer wieder kommen im Roman diese Themen auf. Die Protagonistin scheint sehr viele innere zerissenheiten zu haben und sie scheint viele Verletzungen schon lange mit sich herumtragen zu müssen was sie sehr vielschichtig aber auch teilweise etwas anstrengend macht. Immer wieder scheint sie aus ihrem Trauma heraus zu handeln und von ihm fest im Griff gehalten zu werden.
Julia Linhof erzeugt in ihrem Roman eine ganz eigene, drückende Stimmung die einen so schnell nicht loslässt.
Für mich persönlich war die Stimmung in diesem Roman fast präsenter als die eigentliche Handlung wodurch ich mir teilweise etwas schwer tat der Handlung zu folgen.
Allerdings muss ich sagen das dieses Buch im großen und ganzen wirklich lesenswert war, aber für mich kein Buch für jemanden der seinen Fokus auf Handlungsstränge legt da es für mich mehr ein stimmungsgetragenes Buch ist.
Der Titel des Romans hat mich gereizt und er steht in einer doppelten Bedeutung, zum einen ist damit das Gelände irgendwo in Westfalen gemeint, auf dem der Hof liegt, auf den der Protagonist Jirka nach ...
Der Titel des Romans hat mich gereizt und er steht in einer doppelten Bedeutung, zum einen ist damit das Gelände irgendwo in Westfalen gemeint, auf dem der Hof liegt, auf den der Protagonist Jirka nach fünfjähriger Abwesenheit zurückkommt. Zum anderen bezieht es sich auf ein Zitat von Kant, das im Vorsatz abgedruckt ist: "Aus so krummem Holze, / als woraus der Mensch gemacht ist, / kann nichts Gerades gezimmert werden."
Und krumm bzw. abgewirtschaftet ist nicht nur der einstmals prächtige Hof, sondern auch die Menschen, die dort leben. Jirka ist 19 Jahre alt, als er den Hof nach seinem Internatsaufenthalt wieder betritt. Sein übermächtiger und gewalttätiger Vater Georg und seine ältere Schwester Malene sind abwesend, lediglich die zwischenzeitlich demente Großmutter Agnes und Leander, der Sohn des letzten Verwalters sind da. Vier Monate hat Jirka gezögert, den mehrfachen Aufforderungen seiner Schwester nach Rückkehr und Unterstützung nachzugeben, denn ihr Vater will ihr - einem Mädchen - den Hof nicht vermachen, sondern alles verkaufen. Von Beginn an ist klar, dass Jirka keine schöne Kindheit hatte. Die Mutter kam erst in eine Heilanstalt und verstarb dann früh. Selbst die Spannungen mit Malene gab es schön früher. Nur mit Leander verbinden ihn gute Gedanken und das hat auch mit dessen verstorbenem Vater Vilém zu tun, der so anders war als Georg.
Fast wie ein Kammerspiel agieren die wenigen Akteure auf dem Hof, der eine kalte Atmosphäre ausstrahlt, selbst wenn die Sonne scheint. Der Ich-Erzähler Jirka wechselt zwischen aktuellen Eindrücken und Betrachtungen der bzw. seiner Vergangenheit. Ganz dicht schildert die Autorin die Jahre, die Jirka auf dem Hof verbracht hat und nur langsam setzen sich die Textstücke und damit seine Geschichte sowie die von Malene und Leander zusammen. Im gleichen Maße, wie die drei engagiert (aber geradezu aussichtslos) auf dem Hof werkeln, nähern sie sich wieder an. Insgesamt habe ich den Roman für mich nicht als Bereicherung empfunden. Vielleicht war es einfach der falsche Zeitpunkt.