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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2020

tragisch und witzig

Queenie
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Queenie versucht stark zu sein und keinen zu nah an sich ran zu lassen, Queenie versucht taff zu sein und gut in ihrem Job, Queenie versucht ihren Ex zu vergessen und datet deshalb unzählige Männer, Queenie ...

Queenie versucht stark zu sein und keinen zu nah an sich ran zu lassen, Queenie versucht taff zu sein und gut in ihrem Job, Queenie versucht ihren Ex zu vergessen und datet deshalb unzählige Männer, Queenie veruscht ihre Probleme zu verdrängen.

Ich ärgere mich oft über Klappentexte und vor allem über die Vergleiche mit ehemaligen Bestsellern. Deshalb gebe ich auf beides nicht viel. Dennoch nimmt man diese Beschreibungen bei der Auswahl eines Buches als Anhaltspunkt. Queenie von Candice Carty-Williams überraschte mich. Mehr positiv als negativ, denn ich war kein Fan des Buches, welches hier als Vergleich bemüht wird. Ich finde, Queenie ist eigenständig und ganz anders.

Wer nach einer Geschichte sucht, mitten aus dem Leben einer jungen dunkelhäutigen Londonerin mit karibischen Wurzeln und einem lauten und erdigen Charme, der ist hier genau richtig. Man muss sich einlassen auf die Hauptdarstellerin, ihre Welt, ihre Freundinnen, ihre Vergangenheit. Das Buch ist voller starker Dialoge, die ich mir gut in einem Film vorstellen könnte. Außerdem macht Queenie eine Entwicklung durch und der Leser ist hautnah dabei. Ein großer Pluspunkt in dieser Story. Aber vorsichtig, es ist nicht so leicht und oberflächlich, wie es scheint und es gibt trotz all der Situations- und Dialogkomik mehr tragische und traurige Momente.

Lesenswert und funktioniert hervorragend als Vorlage für einen Kinofilm.

Veröffentlicht am 15.09.2020

wahrhaftig und wichtig

Kein Ort ist fern genug
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1928, als das noch relativ leicht war, verlässt Vincente Rosenberg Warschau und macht sich auf nach Buenos Aires, wo er fern von Familie und Heimat sein neues Leben aufbaut. Er heiratet Rosita, bekommt ...

1928, als das noch relativ leicht war, verlässt Vincente Rosenberg Warschau und macht sich auf nach Buenos Aires, wo er fern von Familie und Heimat sein neues Leben aufbaut. Er heiratet Rosita, bekommt drei Kinder, wird erfolgreicher Geschäftsmann. Alles scheint gut und richtig zu sein. Wie viele junge Männer wirft er nur noch flüchtige Blicke zurück, schreibt der Mutter nur sporadisch, ist mit sich selbst beschäftigt. Bis die Briefe aus Europa plötzlich düster und dringlich werden und ihn wachrütteln. Er begreift endlich, dass sich in Polen eine mächtige Gefahr manifestiert hat und seine Mutter und der Rest seiner europäischen Familie im Warschauer Ghetto mittendrin ist.

Vincente ist ein sehr einfühlsamer und liebevoller Mann und als solcher trifft ihn die Erkenntnis, dass er das Unheil nicht hat kommen sehen und dass er seiner Mutter und seinem Bruder nicht helfen kann, mit großer Macht. Die Hilflosigkeit, seine übermächtig werdenden Schuldgefühle und die Sorge um die Angehörigen ziehen ihn in einen tiefen schwarzen Strudel der Depression und er zieht sich in sich selbst zurück und wird sprachlos.

Der Autor, Santiago Amigorena, spricht über das Schicksal seines Großvaters und seiner jüdischen Familie. In eindringlichen leisen Worten und mit unglaublicher Wahrhaftigkeit erzählt der Roman von denen, die ihre Familien an den Holocaust verloren haben und sich fürs Überleben schuldig fühlten. Allein schon das seelische Dilemma berührt den Leser und Vincentes Verzweiflung ist greifbar und nachvollziehbar.

Trotz des traurigen Themas ein wundervolles wichtiges Buch.

Veröffentlicht am 22.08.2020

Ein Wohlfühlbuch

Ein Gefühl von Hoffnung
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Es ist eine Weile vergangen seit den Geschehnissen im ersten Band. Aber problemlos bin ich erneut eingetaucht in den Ruhrpott und habe mich wieder sehr wohlgefühlt im Kreise der kleinen Familie um Inge ...

Es ist eine Weile vergangen seit den Geschehnissen im ersten Band. Aber problemlos bin ich erneut eingetaucht in den Ruhrpott und habe mich wieder sehr wohlgefühlt im Kreise der kleinen Familie um Inge und Johannes. Die großen und kleinen Nöte dieser Familie in der Mitte des letzten Jahrhunderts sind so normal und realistisch, so profan wie dramatisch. Eben so wie das Leben jedes einzelnen von uns ist. Genau das ist es, was mir so gut gefallen hat. Dass man sich unter Freunden fühlt und unter Mitmenschen, die man gerne näher kennen lernt, und mit denen man erlebt, wie es damals so war in Deutschland, welches sich im Aufschwung befindet und gleichzeitig noch immer mit den Jahren des Krieges und den erlittenen Schmerzen zu kämpfen hat.

Ich mag die positive Grundstimmung, die sich durch das Buch zieht. Selbst wenn liebe Menschen an Krankheit sterben müssen oder Vorurteile und Überbleibsel der Nazis ihr Gift verspritzen, so ist es doch die Liebe und der Lebensmut, der immer wieder die Oberhand gewinnt und zu keiner Zeit muss man sich sorgen, dass die Familie die Widrigkeiten nicht überstehen würde. Manchmal tut es einfach gut, solche Bücher zu lesen. Ein Wohlfühlbuch einfach.

Zusammen mit dem ersten Teil hat Eva Völler eine Geschichte erzählt, die ich gerne gelesen habe und jedem nur wämstens ans Herz legen kann.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Geschichte
Veröffentlicht am 27.07.2020

hervorragende Unterhaltung

Die Schwestern von Marienfehn
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Die Schnapsbrennerei Bock ist Dreh- und Ankerpunkt der Geschichte. Über mehrere Jahrzehnte wird vom Leben und Lieben der Hannah Brock und ihrer Stiefschwester Rosie erzählt. Dabei ziehen auch die letzten ...

Die Schnapsbrennerei Bock ist Dreh- und Ankerpunkt der Geschichte. Über mehrere Jahrzehnte wird vom Leben und Lieben der Hannah Brock und ihrer Stiefschwester Rosie erzählt. Dabei ziehen auch die letzten Tage des dritten Reiches und dann auch die Geschichte der jungen Bundesrepublik am Leser vorbei. Der zeitliche Rahmen ist genau mein bevorzugtes Beuteschema. Und der einfühlsame Erzählstil und das unterhaltsame Darstellerensemble machten es mir leicht, das Buch zu mögen und es mit großem Vergnügen zu lesen. Die zwei Hauptpersonen erleben, erlieben und erleiden stellvertretend für viele ein vergangenes halbes Jahrhundert.

Jan Steinbach war mir vorher unbekannt. Das wird sich jetzt grundlegend ändern, denn ich war sehr angetan von „Den Schwestern von Marienfehn“. Es wurde nie rührseelig, war nie langweilig, lieferte einiges an geschichtlicher Unterfütterung und verlor dabei nie die Akteure aus den Augen.

Hervorragende Unterhaltung.

Veröffentlicht am 27.07.2020

sehr spannend

Der Weizen gedeiht im Süden
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Immer wieder mal brauche ich eine gesunde Portion Postapokalypse oder Dystophie. Auch in Pandemie-Zeiten. Und umso erfreulicher, wenn ein deutschsprachiger Autor sich an dieses Thema wagt. „Der Weizen ...

Immer wieder mal brauche ich eine gesunde Portion Postapokalypse oder Dystophie. Auch in Pandemie-Zeiten. Und umso erfreulicher, wenn ein deutschsprachiger Autor sich an dieses Thema wagt. „Der Weizen gedeiht im Süden“ gibt mit seinem Titel wenig Preis, außer, dass dieses Roadmovie – denn ein solches ist es über weite Strecken für mich – endet weit im Süden, nämlich im heutigen Sudan. Aber der Reihe nach.

Nach einem Weltkrieg hat eine Gruppe in den Schweizer Bergen in einer Bunkeranlage überlebt. Verschiedene Gründe zwingen eine zehnköpfige Gruppe unterschiedlichster Menschen, sich an die Oberfläche abzusetzen und die Flucht in südliche Gefilde zu wagen, wo alles noch besser und lebenswerter sein soll. Was ein bisschen beginnt wie in Hug Howeys „Silo“ nimmt dann aber eine ganz andere Richtung. Dabei gelingt es dem Autor, Erik D. Schulz, die Spannungsschraube kontinuierlich und glaubwürdig anzuziehen und das auch ohne die großen Action-Szenen sondern auch mit den kleinen menschlichen Dramen, die die Anstrengungen und Entbehrungen der Reise, die Ängste und Wünsche der Protagonisten heraufbeschwören.

Ein sehr unterhaltsames und spannendes Buch. Die Sprache ist leicht lesbar und manchmal etwas knapp gehalten aber meistens passt das sehr gut. Und ich mag es, wenn man noch etwas Freiraum für eigene Gedanken bekommt. 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung von mir