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Veröffentlicht am 09.04.2018

sprachlich ein Genuss

Die letzte Reise der Meerjungfrau
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„Die letzte Reise der Meerjungfrau“ hatte mich mit Titel und Klappentext eigentlich schon am Haken. Und die Leseprobe offenbarte, dass hier ein ungewöhnliches und ungewöhnlich schön geschriebenes Buch ...

„Die letzte Reise der Meerjungfrau“ hatte mich mit Titel und Klappentext eigentlich schon am Haken. Und die Leseprobe offenbarte, dass hier ein ungewöhnliches und ungewöhnlich schön geschriebenes Buch auf mich wartet. Meine Erwartungen wurden gleich in mehrfacher Hinsicht voll und ganz erfüllt.

Mr. Hancock, ein angesehener Londoner Händler lebt in seiner Komfortzone und auch ein bisschen in der Vergangenheit, bevor die Frau ihm gestorben ist. Seine Nichte Sukie führt ihm mit Herzblut und Übermut den Haushalt. Alles geht seinen gewohnten Gang, bis einer seiner Kapitäne von einer Reise ein ungewöhnliches Exemplar einer angeblichen Meerjungfrau mitbringt. Der Händler versucht, mit der Neugierde seiner Mitmenschen Geld zu machen und stellt das Exponat aus. Schon bald ruft das eine geschäftstüchtige Puffmutter auf den Plan, die den Run auf die Meerjungfrau für ihre eigenen Geschäftszwecke nutzen will. Dort lernt Hancock die Kurtisane Angelica kennen und entbrennt in ungeahnter Leidenschaft. Die junge Dame weiß, was sie will und verlangt als Beweis seiner Liebe eine lebende Meerjungfrau.

Das Buch besticht nicht nur durch die Sprache, die tatsächlich ein Genuss ist, sondern auch durch viele facettenreiche Charaktere und eine Handlung, die vor allem von den Entwicklungen der Personen lebt und ein ums andere Mal mit interessanten und ungewöhnlichen Geschehnissen und Beschreibungen zu überraschen weiß.

Die gesellschaftlichen Verhältnisse der Londoner Gesellschaft werden klug und auf eine feine Art geschildert. Die Meerjungfrau setzt durch ihr bloßes Erscheinen eine Spirale in Gang, der sich alle, die näher in Kontakt mit ihr kommen, nicht entziehen können. Dabei geht es nicht nur um das große Geld. Hancocks scheinbar eingeschlafenes Seelenleben kommt gehörig durcheinander und die unterschiedlichen Wünsche und Träume der Huren harmonieren nicht unbedingt immer mit seinen Plänen.

Imogen Hermes Gowar gelingt ein ungewöhnliches, bildreiches Buch, welches auf langsame und fast bedächtige Art von großer Aufregung und gewaltigen Umbrüchen erzählt. Der Wunsch danach, die Meerjungfrau wäre echt und es gäbe auch eine lebende zu finden, zieht sich auch beim Lesen durch die Geschichte und die Autorin gibt den Akteuren und dem Leser scheinbar gerne, was er sich wünscht und manchmal zeigt sie ihm auch erst im Laufe der Geschehnisse, was er eigentlich braucht und wünscht.

Veröffentlicht am 26.07.2017

Russische Geschichte

Die Stadt des Zaren
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Von Martina Sahler habe ich bereits eine Russlandsage gelesen in der deutsche Auswanderer ihr Glück im Osten suchen und eine Kolonie aufbauen. Und wieder ist es ein russisches Thema, worauf freilich schon ...

Von Martina Sahler habe ich bereits eine Russlandsage gelesen in der deutsche Auswanderer ihr Glück im Osten suchen und eine Kolonie aufbauen. Und wieder ist es ein russisches Thema, worauf freilich schon der Titel „Die Stadt des Zaren“ hindeutet.

Zar Peter lässt Anfang des 18.ten Jahrhunderts Sankt Petersburg entstehen. Er ist ein Visionär. Nicht nur, was den schwierigen Bau dieser großen Stadt betrifft, sondern auch die Zukunft Russlands als Großmacht zu Land und zu Wasser hat er stets im Blick. Es ist ungemein spannend, was Martina Sahler hier Geschichtliches ausgegraben und für den Leser aufbereitet hat. Um sämtliche Facetten der Geschehnisse beleuchten zu können gibt es eine Vielzahl an Charakteren aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten, die das Buch bevölkern. Ein deutscher Arzt und ein italienischer Architekt ebenso wie ein schwedischer Kriegsgefangener, der sich in eine junge Deutsche verliebt. Der Erzählstil der Autorin ist eine Mischung aus Roman und Geschichtsbuch. Mehr als vielleicht in anderen Büchern merkt man dem Text diese Symbiose an. Dies ist keineswegs von Nachteil aber man darf sich nicht wundern, dass den Protagonisten so einiges zumutet wird, da sie ja stellvertretend für all die Menschen stehen, deren Schicksal Martina Sahler erzählen wollte. Naturkatastrophen und Kriege, politische Ränke und persönliche Schicksalschläge, Tod und Liebe; das Buch ist prall gefüllt und die Seiten fliegen nur so dahin.

Mir hat der neue Roman von Martina Sahler ausgesprochen gut gefallen. Ich kann es rundherum empfehlen.

Veröffentlicht am 09.05.2017

sehr lesenswert

Der Näher
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Martin Abel ist Fallanalytiker. Diese Damen und Herren mag ich in Krimis immer besonders gerne. Sie sind nicht, wie die Gerichtsmediziner, fürs Grobe zuständig, sondern für die Psyche eines Täters. Und ...

Martin Abel ist Fallanalytiker. Diese Damen und Herren mag ich in Krimis immer besonders gerne. Sie sind nicht, wie die Gerichtsmediziner, fürs Grobe zuständig, sondern für die Psyche eines Täters. Und da gibt es meist Spannendes zu entdecken. So auch hier in meinem ersten Roman von Rainer Löffler. Ohne Vorkenntnis der ersten beiden Bände hatte ich trotzdem keine Probleme in die Geschichte rein zu finden. Hilfreich war vielleicht, dass Abel diesmal an einen anderen Ort als seinen angestammten berufen wird und da mit fremden Kollegen zu tun hat. Er ist zur Unterstützung in Gummersbach.

Durch die wechselnden Perspektiven und schnelle Szenenwechsel erhält das Buch ein hohes Tempo und man bekommt viele verschiedene Eindrücke und hat auch mal mehr Wissen, als die Ermittler und Abel. Dadurch ist es besonders unterhaltsam mitzuerleben, wie sie diesen Rückstand wieder wett machen und dem Täter nach und nach auf die Schliche kommen. Der Plot hat ein paar Überraschungen und eine gelungene Auflösung.

Ich finde selten Krimis und Thriller aus deutschen Landen, die sich mit den internationalen Bestsellerautoren direkt vergleichen lassen. Dies liegt auch daran, dass die Deutschen vor allzu viel Blut und Gewalt oft zurückschrecken. Dieses Problem hat Herr Löffler aber nicht. Man muss sich auf einige ziemlich harte Szenen gefasst machen und ich fühlte mich an Chris Carter und ähnliche erinnert. Da ich nicht so empfindlich bin, hatte ich damit kein großes Problem. Ob es immer unbedingt nötig gewesen wäre, sei dahingestellt. Mir hat der Krimi ausgesprochen gut gefallen und ich werde mir demnächst die Vorgänger genehmigen. Dicke Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 02.11.2016

Smoky ermittelt wieder

Die Stille vor dem Tod
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Smoky Barrett ist zurück. Drei Familien werden in einer Nacht grausam ermordet und mit Blut steht eine Botschaft für Smoky an einer der Wände. Dies ist nur der Beginn eines neuen Falles und nur die Spitze ...

Smoky Barrett ist zurück. Drei Familien werden in einer Nacht grausam ermordet und mit Blut steht eine Botschaft für Smoky an einer der Wände. Dies ist nur der Beginn eines neuen Falles und nur die Spitze des Eisberges voller Gewalt, Brutalität und Boshaftigkeit. Zuerst jagt uns McFadyen mit seiner Ermittlerin in einen tiefen Keller und was Smoky dort findet ist schlimmer, als alle Mordfälle der Vergangenheit, größer als alle Verbrechen, die sie bis dahin aufgeklärt hat. Und die Mörder wollen, dass sie lernt und versteht. Das Böse in seiner absolutesten Form. Der Leser und Smoky werden an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gebracht.

Der Klappentext verspricht Hochspannung und Gänsehaut. Letzteres kann ich bestätigen. Mir haben sich mehr als einmal die Haare aufgestellt und der Magen umgedreht von den Beschreibungen zahlloser Opfer die zahllose unvorstellbare Foltermethoden erdulden mussten, bis sie bestialisch ermordert, nein eher vernichtet wurden. Die menschlichen Perversitäten sind unendlich und ein ums andere Mal musste ich denken, dass der Autor schon ein schräger Typ sein muss, wenn er mit solcher Akribie und Vehemenz solche Dinge erzählen kann. Da ich Cody McFadyen aus einer Lesung kenne und weiß, dass er ganz harmlos, nett und unscheinbar daher, kommt ist es umso verwunderlicher. Man sollte also auf jeden Fall hartgesotten sein, wenn man diesen Thriller lesen möchte.

Was ich nicht gefunden habe war leider die versprochene Hochspannung. Die gibt es, meiner Meinung nach, gerade mal die ersten 100 Seiten im Ansatz. Aber danach zog sich das Ganze ziemlich und hat mich nicht mehr abholen können. Am Schreibstil lag es nicht. Denn Cody McFadyen kann mit Worten und Bildern gut umgehen. Seine Charaktere haben durchaus eine gewissen Tiefe und machen eine Entwicklung durch. Aber der Plot enthält einfach wenig Action und wenig von der gewohnten Jagd auf den oder die Täter sondern viel Gefühlschaos und Nebengeräusche, die einfach nicht spannend sind. Und das Ende kommt abrupt und ohne, dass der Fall einen Abschluss gefunden hätte. Man muss also warten, was da in einem Folgeband noch kommt.

Schade, da wäre definitiv mehr drinnen gewesen. Das kann der Autor doch besser.

Veröffentlicht am 02.04.2018

schöne Liebesgeschichte

The Ivy Years - Bevor wir fallen
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Liebesgeschichten mag ich eigentlich nur, wenn sie gut geschrieben sind. Also ohne allzu großen Kitsch. Gerne mit Witz und Ironie. Gerne, wenn die Akteure nicht schablonenhaft und eben nicht perfekt sind. ...

Liebesgeschichten mag ich eigentlich nur, wenn sie gut geschrieben sind. Also ohne allzu großen Kitsch. Gerne mit Witz und Ironie. Gerne, wenn die Akteure nicht schablonenhaft und eben nicht perfekt sind.
Corey sitzt im Rollstuhl mit einer Lähmung. Also eine Heldin, wie ich sie noch nicht hatte. Ansonsten ist sie aber ein kluges Mädel welches versucht, das dramatische Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen und sich von der Bemutterung der Eltern zu lösen.

Und Adam, ja der ist der typische Teenie-Schwarm. Gutaussehend, charismatisch, sportlich. Und er behandelt Corey wie jedes andere Mädchen. Das macht ihn sympathisch und dass sie sich in ihn verliebt ist von der ersten Begegnung an klar. Er ist da etwas blind für seine Gefühle und hat eine echt ätzende Freundin, die er erst mal loswerden muss. Aber er hat auch so noch einiges zu klären bevor er erkennen kann, dass Corey eben mehr ist, als jedes andere Mädchen.

Der Erzählstil hat mich voll und ganz überzeugt. Sehr erfrischend und unterhaltsam. Ich kannte die Autorin nicht und werde sie im Auge behalten. Nicht nur für Teenager sondern auch für ältere Semester durchaus eine Leseempfehlung.