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Veröffentlicht am 26.07.2017

Russische Geschichte

Die Stadt des Zaren
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Von Martina Sahler habe ich bereits eine Russlandsage gelesen in der deutsche Auswanderer ihr Glück im Osten suchen und eine Kolonie aufbauen. Und wieder ist es ein russisches Thema, worauf freilich schon ...

Von Martina Sahler habe ich bereits eine Russlandsage gelesen in der deutsche Auswanderer ihr Glück im Osten suchen und eine Kolonie aufbauen. Und wieder ist es ein russisches Thema, worauf freilich schon der Titel „Die Stadt des Zaren“ hindeutet.

Zar Peter lässt Anfang des 18.ten Jahrhunderts Sankt Petersburg entstehen. Er ist ein Visionär. Nicht nur, was den schwierigen Bau dieser großen Stadt betrifft, sondern auch die Zukunft Russlands als Großmacht zu Land und zu Wasser hat er stets im Blick. Es ist ungemein spannend, was Martina Sahler hier Geschichtliches ausgegraben und für den Leser aufbereitet hat. Um sämtliche Facetten der Geschehnisse beleuchten zu können gibt es eine Vielzahl an Charakteren aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten, die das Buch bevölkern. Ein deutscher Arzt und ein italienischer Architekt ebenso wie ein schwedischer Kriegsgefangener, der sich in eine junge Deutsche verliebt. Der Erzählstil der Autorin ist eine Mischung aus Roman und Geschichtsbuch. Mehr als vielleicht in anderen Büchern merkt man dem Text diese Symbiose an. Dies ist keineswegs von Nachteil aber man darf sich nicht wundern, dass den Protagonisten so einiges zumutet wird, da sie ja stellvertretend für all die Menschen stehen, deren Schicksal Martina Sahler erzählen wollte. Naturkatastrophen und Kriege, politische Ränke und persönliche Schicksalschläge, Tod und Liebe; das Buch ist prall gefüllt und die Seiten fliegen nur so dahin.

Mir hat der neue Roman von Martina Sahler ausgesprochen gut gefallen. Ich kann es rundherum empfehlen.

Veröffentlicht am 09.05.2017

sehr lesenswert

Der Näher
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Martin Abel ist Fallanalytiker. Diese Damen und Herren mag ich in Krimis immer besonders gerne. Sie sind nicht, wie die Gerichtsmediziner, fürs Grobe zuständig, sondern für die Psyche eines Täters. Und ...

Martin Abel ist Fallanalytiker. Diese Damen und Herren mag ich in Krimis immer besonders gerne. Sie sind nicht, wie die Gerichtsmediziner, fürs Grobe zuständig, sondern für die Psyche eines Täters. Und da gibt es meist Spannendes zu entdecken. So auch hier in meinem ersten Roman von Rainer Löffler. Ohne Vorkenntnis der ersten beiden Bände hatte ich trotzdem keine Probleme in die Geschichte rein zu finden. Hilfreich war vielleicht, dass Abel diesmal an einen anderen Ort als seinen angestammten berufen wird und da mit fremden Kollegen zu tun hat. Er ist zur Unterstützung in Gummersbach.

Durch die wechselnden Perspektiven und schnelle Szenenwechsel erhält das Buch ein hohes Tempo und man bekommt viele verschiedene Eindrücke und hat auch mal mehr Wissen, als die Ermittler und Abel. Dadurch ist es besonders unterhaltsam mitzuerleben, wie sie diesen Rückstand wieder wett machen und dem Täter nach und nach auf die Schliche kommen. Der Plot hat ein paar Überraschungen und eine gelungene Auflösung.

Ich finde selten Krimis und Thriller aus deutschen Landen, die sich mit den internationalen Bestsellerautoren direkt vergleichen lassen. Dies liegt auch daran, dass die Deutschen vor allzu viel Blut und Gewalt oft zurückschrecken. Dieses Problem hat Herr Löffler aber nicht. Man muss sich auf einige ziemlich harte Szenen gefasst machen und ich fühlte mich an Chris Carter und ähnliche erinnert. Da ich nicht so empfindlich bin, hatte ich damit kein großes Problem. Ob es immer unbedingt nötig gewesen wäre, sei dahingestellt. Mir hat der Krimi ausgesprochen gut gefallen und ich werde mir demnächst die Vorgänger genehmigen. Dicke Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 02.11.2016

Smoky ermittelt wieder

Die Stille vor dem Tod
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Smoky Barrett ist zurück. Drei Familien werden in einer Nacht grausam ermordet und mit Blut steht eine Botschaft für Smoky an einer der Wände. Dies ist nur der Beginn eines neuen Falles und nur die Spitze ...

Smoky Barrett ist zurück. Drei Familien werden in einer Nacht grausam ermordet und mit Blut steht eine Botschaft für Smoky an einer der Wände. Dies ist nur der Beginn eines neuen Falles und nur die Spitze des Eisberges voller Gewalt, Brutalität und Boshaftigkeit. Zuerst jagt uns McFadyen mit seiner Ermittlerin in einen tiefen Keller und was Smoky dort findet ist schlimmer, als alle Mordfälle der Vergangenheit, größer als alle Verbrechen, die sie bis dahin aufgeklärt hat. Und die Mörder wollen, dass sie lernt und versteht. Das Böse in seiner absolutesten Form. Der Leser und Smoky werden an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gebracht.

Der Klappentext verspricht Hochspannung und Gänsehaut. Letzteres kann ich bestätigen. Mir haben sich mehr als einmal die Haare aufgestellt und der Magen umgedreht von den Beschreibungen zahlloser Opfer die zahllose unvorstellbare Foltermethoden erdulden mussten, bis sie bestialisch ermordert, nein eher vernichtet wurden. Die menschlichen Perversitäten sind unendlich und ein ums andere Mal musste ich denken, dass der Autor schon ein schräger Typ sein muss, wenn er mit solcher Akribie und Vehemenz solche Dinge erzählen kann. Da ich Cody McFadyen aus einer Lesung kenne und weiß, dass er ganz harmlos, nett und unscheinbar daher, kommt ist es umso verwunderlicher. Man sollte also auf jeden Fall hartgesotten sein, wenn man diesen Thriller lesen möchte.

Was ich nicht gefunden habe war leider die versprochene Hochspannung. Die gibt es, meiner Meinung nach, gerade mal die ersten 100 Seiten im Ansatz. Aber danach zog sich das Ganze ziemlich und hat mich nicht mehr abholen können. Am Schreibstil lag es nicht. Denn Cody McFadyen kann mit Worten und Bildern gut umgehen. Seine Charaktere haben durchaus eine gewissen Tiefe und machen eine Entwicklung durch. Aber der Plot enthält einfach wenig Action und wenig von der gewohnten Jagd auf den oder die Täter sondern viel Gefühlschaos und Nebengeräusche, die einfach nicht spannend sind. Und das Ende kommt abrupt und ohne, dass der Fall einen Abschluss gefunden hätte. Man muss also warten, was da in einem Folgeband noch kommt.

Schade, da wäre definitiv mehr drinnen gewesen. Das kann der Autor doch besser.

Veröffentlicht am 10.12.2017

ein kleines Meisterwek

Lied der Weite
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Holt in Colorado ist das Zentrum dieses kleinen und feinen Romanes von Kent Haruf. „Wie unsere Seelen bei Nacht“ ist es ein dünnes Buch, welches so voll von intensiven Beschreibungen ist, so lebendig mit ...

Holt in Colorado ist das Zentrum dieses kleinen und feinen Romanes von Kent Haruf. „Wie unsere Seelen bei Nacht“ ist es ein dünnes Buch, welches so voll von intensiven Beschreibungen ist, so lebendig mit seinen Charakterzeichnungen, so dramatisch in seinen kleinen Alltäglichkeiten, dass es dem aufmerksamen Leser ganz warm ums Herz wird.

Haruf schreibt mit dem Blick eines klugen Beobachters, der Gefühle und Situationen durch Kleinigkeiten und durch Genauigkeit tiefer beschreiben kann, als manch anderer Autor in vielen hundert Seiten. Die Menschen in der Kleinstadt haben all die Schwächen und Stärken, die man kennt, aber sie haben noch etwas anderes, etwas, was sie alle miteinander zu verbinden beginnt. Sie werden zu einer Gemeinschaft, die sich gegenseitig hilft und stützt. Der Kummer und die Ängste des Einzelnen werden durch die anderen gelindert oder verdrängt. Die unterschiedlichsten Charaktere finden hier zueinander.

Die Sprache und die intensiven Dialoge haben mir wahnsinnig gut gefallen. Ein kleines Meisterwerk.

Veröffentlicht am 02.12.2017

Vier Sterne

Das Mädchen und die Fremde
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Das Mädchen und die Fremde ist bereits der zweite Band mit der Kommissarin Emma Sköld. Ich rate dazu, den ersten Teil vorher zu lesen. Nicht weil man sonst nicht klar käme mit dieser Geschichte. Aber es ...

Das Mädchen und die Fremde ist bereits der zweite Band mit der Kommissarin Emma Sköld. Ich rate dazu, den ersten Teil vorher zu lesen. Nicht weil man sonst nicht klar käme mit dieser Geschichte. Aber es entgehen einem ein paar interessante private Feinheiten und Geschehnisse, die man so in der Fortsetzung einfach überliest. Auch muss ich betonen, dass es für mich kein typischer Krimi war, auch wenn zum Ende hin Krimifeeling und Krimihandlung aufkommen. Es ist für mich in erster Linie ein psychologischer Spannungsroman. Nein kein Thriller, denn auch der Thrill hält sich in Grenzen.

Dadurch, dass Emma gerade erst aus einem langen Koma erwacht und lange Zeit mehr oder weniger bewegungsunfähig im Krankenbett liegt, ist weniger Action die den Leser unterhält sondern mehr das Geflecht an Beziehungen und familiären Banden, welches hier in einer klaren und unprätentiösen Weise geschildert wird. Die unerwartete Verbesserung von Emmas Gesundheitszustand bringt Mann, Familie und Freundin gehörig in Gefühlsschwierigkeiten und man fragt sich, ob sich wirklich alle darüber freuen, dass Emma wieder unter den Lebenden ist.

Auch dieser Band liest sich schnell und problemlos. Mir war er fast etwas zu ruhig, weil ich einfach kein Fan von Psychothrillern bin. Und der fiese Cliffhanger am Ende ist auch etwas nervig, weil man ja jetzt auf die Fortsetzung warten muss und versuchen sollte, bis dahin nicht alles vergessen zu haben.