Cover-Bild Die Ausweichschule
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18,95
inkl. MwSt
  • Verlag: Hörbuch Hamburg
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 31.07.2025
  • ISBN: 9783844943979
Kaleb Erdmann

Die Ausweichschule

Vom Gewinner des LitCologne-Debütpreises 2024
Pascal Houdus (Sprecher)

Die Vermessung des Unfassbaren

Am letzten Tag der Abiturprüfungen im Jahr 2002 fallen Schüsse im Erfurter Gutenberg-Gymnasium. Unser Erzähler erlebt diesen Tag als Elfjähriger, wird mit seinen Mitschülern evakuiert und registriert in den folgenden Wochen die Hilflosigkeit der Erwachsenen im Angesicht dieser Tat. Mehr als zwanzig Jahre später bricht das Ereignis völlig unerwartet erneut in sein Leben ein und löst eine obsessive Beschäftigung mit dem Sujet aus, die in ein Romanprojekt resultieren soll. Aber warum nach so vielen Jahren alte Wunden aufreißen? Hat er ein Recht dazu? Wie verhält es sich mit seinen Erinnerungen, welche Geschichten hat er so häufig erzählt, dass sie wahr wurden? 

Kaleb Erdmanns Roman »Die Ausweichschule« ist ein gekonntes Spiel mit Perspektiven, ein Stück Autofiktion, das gleichermaßen publikumskritisch (wie voyeuristisch ist unser Interesse an der Aufarbeitung von Gewalttaten?) wie autokritisch ist (was gibt mir das Recht, über diesen Tag zu schreiben?). Ein pointiertes, persönliches, erschütterndes Hörbuch über ein Phänomen, das uns weltweit umtreibt. 

»Pascal Houdus spricht mit großer Ruhe und Klarheit. Ich habe sofort gemerkt, dass er den Roman genau gelesen hat und tief darin eingetaucht ist.« Kaleb Erdmann

»Wie sich Kaleb Erdmann dem Erfurter Amoklauf literarisch annähert ist ein Kunststück – er findet Worte für das Unsagbare und lässt einen wortlos zurück. Das Traurigste, Lustigste und Beste, was ich seit langem gelesen habe.« Caroline Wahl

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.01.2026

Mochte ich sehr

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Ich habe Die Ausweichschule an einem einzigen Tag gelesen, weil ich so völlig in der Geschichte versunken war. Kaum hatte ich angefangen, wollte ich nicht mehr aufhören. Schon die Idee, die Erzählung aus ...

Ich habe Die Ausweichschule an einem einzigen Tag gelesen, weil ich so völlig in der Geschichte versunken war. Kaum hatte ich angefangen, wollte ich nicht mehr aufhören. Schon die Idee, die Erzählung aus der Perspektive eines Autos zu erleben, hat mich sofort fasziniert. Es ist ungewöhnlich, spannend und gleichzeitig so nahbar, dass man sich sofort mitten im Geschehen fühlt.

Der Erzählstil ist einzigartig: lebendig, nachdenklich und poetisch, ohne überladen zu wirken. Ich habe beim Lesen oft innegehalten, um die Worte wirken zu lassen, weil sie so viel mehr transportieren als nur die Handlung. Es geht um Erinnerungen, Entscheidungen, kleine und große Momente des Lebens – und das alles aus einer Perspektive, die man so noch nie erlebt hat.

Dieses Buch hat mich berührt, zum Lächeln gebracht, aber auch nachdenklich zurückgelassen. Es zeigt, wie stark Sprache sein kann, wenn sie das Ungewöhnliche, das Unausgesprochene und manchmal sogar das Unsagbare beschreibt. Für mich war es ein intensives Leseerlebnis, das noch lange nachklingt und mich nicht loslässt. Ich habe selten ein Buch so schnell gelesen und gleichzeitig so tief gespürt.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Ganz nah dran – persönlich, differenziert und berührend

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Die Ausweichschule von Kaleb Erdmann hat mich wirklich beeindruckt. Das Buch erzählt von den Geschehnissen des Amoklaufs in Erfurt und zwar aus der Sicht des Autors selbst. Gerade diese persönliche Perspektive ...

Die Ausweichschule von Kaleb Erdmann hat mich wirklich beeindruckt. Das Buch erzählt von den Geschehnissen des Amoklaufs in Erfurt und zwar aus der Sicht des Autors selbst. Gerade diese persönliche Perspektive macht es so spannend und nahbar. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, direkt neben dem Autor zu stehen und ihm bei seinen Gedanken und Beobachtungen über die Schulter zu schauen.

Besonders interessant fand ich auch die Metaebene: Man begleitet den Autor nicht nur beim Erzählen, sondern auch bei seiner eigenen Recherche für genau das Buch, das man gerade in der Hand hält. Dadurch weiß man beim Lesen, dass vieles ganz anders geworden ist, als er es sich ursprünglich vorgestellt hatte. Das gibt der ganzen Geschichte eine sehr persönliche Note und hebt sie von einer reinen Nacherzählung ab.

Auch die Schilderung der Ereignisse rund um den Amoklauf fand ich sehr gelungen. Sie sind eindringlich und bewegend, gleichzeitig aber differenziert und reflektiert. Das Buch bleibt immer respektvoll, ohne dabei an Intensität zu verlieren.

Für mich ist Die Ausweichschule eine klare Empfehlung. Es verbindet persönliche Eindrücke mit journalistischer Genauigkeit und schafft es, ein schwieriges Thema auf eine sehr besondere, fast intime Art zu beleuchten. Wer sich für wahre Geschichten interessiert und bereit ist, sich mit einem schweren Thema auseinanderzusetzen, sollte dieses Buch unbedingt lesen.

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Zeitgeschichte, die zum Nachdenken anregt, gepaart mit Skurrilität

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Ich habe jetzt auch mein zweites autobiografisches Hörbuch in meinem Regal:
"Die Ausweichschule". In seinem Roman stellt Kaleb Erdmann die Frage, ob man aus einer Tragödie Kunst machen darf.

Er hat aus ...

Ich habe jetzt auch mein zweites autobiografisches Hörbuch in meinem Regal:
"Die Ausweichschule". In seinem Roman stellt Kaleb Erdmann die Frage, ob man aus einer Tragödie Kunst machen darf.

Er hat aus der Sicht einer dritten Person und eines Dramatikers seine Erlebnisse mit dem Amoklauf von Erfurt und die Zeit danach in Rückblenden verarbeitet. Auch die Verarbeitung ist dabei. Die Frage ist ja, wo die Kunst aufhört und wie man als Künstler mit dem Amoklauf umgeht. Das betrifft ja nicht nur einen selbst.

Pascal Houdus spricht den Roman und kann die Stimmung des Protagonisten gut rüberbringen. In den getriebenen Zeiten ist er beim Lesen schneller, als in den Zeiten mit Zweifel, Rückblenden oder dem Alltag des Protagonisten.

Die Schriftsprache des Autors ist gewählt und nicht in einfacher Sprache gehalten. Manche Details sind skurril, aber auch hart an der Grenze. Ein Beispiel ist, wie ein Schweindarm erst im Kühlschrank des Protagonisten und am Ende als Kunstobjekt für eine gute Freundin seiner Partnerin endet. Diese kleinen Ausflüge in den Alltag werden immer wieder von der Frage überschattet, ob ein einzelner Künstler sich über die Mehrheit einer Tragödie stellen darf und das für seine Kunst vermarkten kann.

Kaleb Erdmann hat selbst erlebt, wie damals in Erfurt ein Amoklauf stattfand. Er war damals in der fünften Klasse. Wenn er von seinen Erinnerungen erzählt und davon, wie er die Tat erlebt hat, ist das schon ambivalent. Vor allem, weil der Begriff "Ausweichschule" ein fester Begriff ist. Es sind kurze Momente, die mich als Hörer nachdenklich machen. Einerseits wird der Protagonist immer als rohes Ei angefasst. Andererseits erzählt er gerne von der Zeit, aber sein Gegenüber weiß nie, wie er mit ihm umgehen soll. Ich kann das gut nachvollziehen. Viele haben es nicht leicht, wenn sie Schicksalsschläge oder Erkrankungen treffen.

Auch der Weg danach ist spannend und wie Personen mit der Verarbeitung umgehen. Und es ist interessant zu sehen, welche Entwicklungen es in der Krisenintervention seit damals gibt. Ich habe das Gefühl, dass vieles von damals wieder hochkommt. Ich denke, das war mir damals gar nicht so bewusst. Es hinterlässt ein Gefühl und den Wunsch, darüber zu diskutieren.

Vor allem das Ende hat bei mir Gänsehaut ausgelöst, weil es so aktuell war und die letzten Sätze so krass waren.

Hier ist mein Fazit:

Ein Roman, der voll im Trend liegt, und eine Hommage an die Kunst. Es wird eine Zeitreise unternommen, die zum Teil mit Ecken und Kanten, manisch, neurotisch, ambivalent und immer respektvoll ist. Eine Zeitreise, über die man immer viel reden kann, und man fragt sich oft, was man selbst in der Situation machen würde. Das Buch ist echt klasse für Buchbesprechungen, Diskussionen und Ethikgrundfragen.

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