Kommt anders
Vor einiger Zeit haben sich Lara und Ingo ins schleswig-holsteinische Fehrdorf gezogen. Besonders Lara hatte das Gefühl, sie brauchen mehr Platz. Das kleine Reihenhaus in Hamburg reicht einfach nicht für ...
Vor einiger Zeit haben sich Lara und Ingo ins schleswig-holsteinische Fehrdorf gezogen. Besonders Lara hatte das Gefühl, sie brauchen mehr Platz. Das kleine Reihenhaus in Hamburg reicht einfach nicht für sie und die beiden Kinder. Zuerst läuft auch alles ganz gut. Doch irgendwann wird es etwas mühsam, Ingo nerven die langen Fahrten und Lara fühlt sich manchmal etwas weit ab. So richtig zum Nachdenken kommen sie allerdings als Ingo auf dem Heimweg einen Wildunfall hat. Er fährt eine weiße Hirschkuh an, die der Förster oder Jagdpächter erschießen muss. Und nun unken alle rum, dass bringt Unglück und innerhalb eines Jahres wird jemand sterben.
Wer glaubt denn sowas? An solchen Erzählungen ist mit Sicherheit nichts dran, oder etwa doch? Lara und Ingo versuchen ganz normal weiterzuleben. So auch die anderen Dorfbewohner, die die Hamburger eher als Fremde empfinden. Nur Jutta und Armin, die Überreste einer Wohngemeinschaft, sind vielleicht anders. Sie sind auch einmal aus Hamburg rausgezogen. Tove leidet unter ihrer Ehe und Maggie sorgt sich um ihren Mann. Dann gibt es Ferienwohnungen, die bewirtschaftet werden müssen. Und die Bauernhöfe natürlich, die bewirtschaftet werden müssen. Für die Menschen, die sich um die Tiere kümmern gibt es keine Pause. Und das Jahr nimmt seinen Lauf.
Wildunfälle gehören natürlich nicht zu den schönsten Ereignissen, die einen ereilen können. Und zum Glück trifft man auch eher selten auf eine weiße Hirschkuh. Würde man sich dann von einem Aberglauben leiten lassen? Und was, wenn dann tatsächlich etwas passiert oder wenn nichts passiert? Die Autorin lenkt die Gedanken sehr geschickt mal in die eine, mal in die andere Richtung. Dabei beschreibt sie das Dorfleben sehr treffend. Gerade wenn man selbst vom Land kommt, kann man sich gut wiederfinden. Die ländliche Idylle gibt es in dem Sinne nicht. Dort ist alles so wie woanders auch. Es gibt Probleme, die Landleute empfinden Sympathie für einander oder nicht. Es glückliche Familien und weniger glückliche. Also alles wie woanders auch. Dabei bleibt eine gewisse Distanziertheit, wegen der interessanten Wendungen aber auch immer der Wunsch weiterzulesen.