Cover-Bild Blutbrot
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18,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Edition Laurin
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 72
  • Ersterscheinung: 13.02.2025
  • ISBN: 9783903539501
Miriam Unterthiner

Blutbrot

Theatertext
Der Theatertext "Blutbrot" beschäftigt sich mit der nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Südtirol geleisteten Fluchthilfe. In Zuge dessen wurden zwischen 1945 und ca. 1950 Nationalsozialist:innen wie unter anderem Adolf Eichmann, Josef Mengele und Gerhard Bast über den Brennerpass, die sogenannte Grüne Grenze, von Österreich nach Italien gebracht, mit Hilfe von Südtiroler:innen, die ihre geheimen (Schmuggler-)Wege gegen Bezahlung teilten. In "Blutbrot" leistet die Kollektivfigur "DasDorf" diese Fluchthilfe, spricht jedoch nicht darüber und verweigert sich der Aufarbeitung der eigenen Taten. "DasDorf" beschäftigt sich stattdessen mit dem Brot, spricht im Kollektiv ausschließlich über Brot. Doch je mehr Nationalsozialist:innen die Grüne Grenze passieren, desto mehr Spuren hinterlassen sie, nicht nur im Dorf, sondern auch in dessen Landschaft, den Feldern und schließlich im Brot. So ist es auch die Landschaft, die nicht länger wegsehen kann und "DasDorf" mit der eigenen Vergangenheit, den eigenen Taten konfrontiert. In "Blutbrot" wird die Frage gestellt, wie ein in der Landschaft stattgefundenes Verbrechen sich auf sie auswirkt, einwirkt, sie verändert. Ebenso wird nach dem Raum, auf dem es stattfindet, gefragt und diesem als solchen eine Sprache gegeben.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.09.2025

Zwischen Rattenlinien und Bühnenlicht: Ein Stück, das zum Nachdenken zwingt

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Miriam Unterthiner legt hier ein Theaterstück vor, das klar zum Nachdenken anregt. Südtirolerinnen und Südtiroler, die nach dem 2. Weltkrieg Nationalsozilisten am Brenner über die Grenze geholfen haben, ...

Miriam Unterthiner legt hier ein Theaterstück vor, das klar zum Nachdenken anregt. Südtirolerinnen und Südtiroler, die nach dem 2. Weltkrieg Nationalsozilisten am Brenner über die Grenze geholfen haben, werden hier durch "dasDorf" verkörpert. Eine Personengruppe, die sich schwer tut, die Vergangenheit zu verarbeiten. Mir selbst war die gesamte Thematik um die Rattenlinien gar nicht mehr so bewusst, das Stück regte mich dazu an, mich noch näher damit auseinanderzusetzen. Als quasi Zwischensequenz tritt die Autorin selbst vors Publikum um auf die harten Umstände von Jung-Autor*innen in der Theaterwelt aufmerksam zu machen. Thematisch schwere Kost, Miriam Unterthiner schafft es aber dies grandios in ein Stück umzusetzen. Ich hoffe, es gibt bald eine Inszenierung in meiner Nähe.

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Veröffentlicht am 19.09.2025

DasDorf

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Die Grenze zwischen Österreich und Italien, der Brenner-Pass. Nach dem zweiten Weltkrieg werden Nationalsozialisten über die Grenze geschleust und ihnen wird bei der Flucht häufig nach Südamerika geholfen. ...

Die Grenze zwischen Österreich und Italien, der Brenner-Pass. Nach dem zweiten Weltkrieg werden Nationalsozialisten über die Grenze geschleust und ihnen wird bei der Flucht häufig nach Südamerika geholfen. Davon will man später nichts mehr wissen. Aber die Tatsachen sind da, die Erinnerungen sind da. Jede Familie muss sich fragen, was sie Vorfahren, Väter, Großväter, Mütter, Großmütter damals getan haben. Wie können sie damit leben, dass sie den schlimmsten Verbrechern ihrer Zeit geholfen haben? Eine Rechtfertigung gibt es nicht. Doch sie versuchen es, sie waren keine Nazis, die waren ja auch Menschen. Kann man das wirklich so sehen?

Als Theatertext hat dieses Werk eine ungewöhnliche Form und ist mit ungefähr siebzig Seiten auch nicht so lang. Dennoch löst es etwas aus. Man spürt das Schweigen, das nicht drüber reden wollen. Da ist sich das Dorf einig. Auch die schleichende Veränderung des Brotes wird auf eine eindringliche Art beschrieben, die einen den Appetit verlieren lässt. Das Dorf und seine Menschen haben etwas weniger Angenehmes aus ihrem Ort und seinen Bewohnern gemacht. Das Schweigen herrscht dort ebenso wie in Deutschland, wo die Schuld kaum angesprochen und aufgearbeitet wurde. Die Autorin hält es dem Dorf vor wie einen Spiegel. Sie nimmt ihre eigene Familie nicht aus.

Ein beeindruckender und beklemmender Text, der nachdenklich stimmt. Zwar fragt man sich zu Beginn, wie sich der Klappentext im Dorf wiederfindet. Vielleicht ist aber auch gerade das der Ausdruck des Schweigens. Das Geschehene tritt nach und nach zu Tage. Es schaudert einen beim Lesen und es ist gut vorstellbar, dass die Worte gesprochen noch mehr funktionieren. Die Zeit des Sprechens ist jetzt, da es immer weniger Menschen gibt, die man fragen kann.

Der Text gehört zu den Nominierten für den Debütpreis des Österreichischen Buchpreises 2025.


4,5 Sterne

Veröffentlicht am 06.09.2025

Theatertext

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Miriam Unterthiner ist eine Dramatikerin, die aus Südtirol stammt und ihr Text behandelt den Umstand, dass über die sogenannte Rattenlinie am Ende des Kriegs vielen Kriegsverbrechern die Flucht über den ...

Miriam Unterthiner ist eine Dramatikerin, die aus Südtirol stammt und ihr Text behandelt den Umstand, dass über die sogenannte Rattenlinie am Ende des Kriegs vielen Kriegsverbrechern die Flucht über den Brenner ermöglicht wurde. Darunter waren u.a. Barbie, Eichmann, Mengele.
Mit der Aufarbeitung der Schuld dieser Fluchthilfe tut sich die Figur, die hier DasDorf betitelt wird, schwer.
Trotz des ernsten Themas bringt die Autorin Leichtigkeit und einen ironischen Humor mit hinein. Zu Anfang durch ein vor ihr selbst als pathetisch benanntes Vorwort und später im Stück schaltet sie sich selbst als agierende Figur ein und ironisiert die zeitgenössischen Umstände der Theaterwelt.
Der Text wirkt frisch, hat mich thematisch interessiert und mit der Ausführung überzeugt.