Schonungslose deutsche Geschichte die Spuren in uns hinterlassen hat
Ich habe dieses spannende Buch bis zur letzten Seite gelesen und ich bin irgendwie sprachlos.
Was für eine besondere Geschichte das ist. So tiefgehend und schonungslos. Ich muss immerzu an die Frauen ...
Ich habe dieses spannende Buch bis zur letzten Seite gelesen und ich bin irgendwie sprachlos.
Was für eine besondere Geschichte das ist. So tiefgehend und schonungslos. Ich muss immerzu an die Frauen in den Zeiten des Krieges denken und ich bin furchtbar schockiert, was sie alles erlebt haben und wie sich ihr Trauma durch Generationen ziehen.
Eigentlich umgehe ich bewusst das Thema mit dem Krieg, seit wir damals mit der Schule (10. Klasse) ein KZ besucht haben. Mich macht es immer wieder total fertig. Diese ganzen Grausamkeiten, die Menschen anderen Menschen angetan haben zu lesen, zu hören oder zu sehen, ist sehr traurig und bewegend. Als ich mich für das Buch entschieden habe, da dachte ich, dass das Thema mit der SS und dem ganzen Krieg nur am Rand sei...
Aber es ist sehr präsent und wird sehr offen geschildert. Es nimmt viel Platz ein und zieht sich durch Generationen bis in die heutige Zeit. Auch viele Begleitumstände, das ganze drum herum wird aufgezeigt. Beispielsweise, wie sich die Frauen in einem Luftschutzbunker gefühlt haben, in dem ganzen Dreck, mit viel Hunger, Durst und schrecklicher Hoffnungslosigkeit und Angst. Oder wie die Frauen auf den Dörfern die Kriegszeit erlebt haben, als das Land von den Nazis unterjocht und anschließend durch die Russen "befreit" wurde. Wir lesen von den Grausamkeiten der Überlegeneren und wie andere Völker, die bei uns leben (Sinti und Roma), misshandelt und behandelt wurden. Wir erfahren auch von fremden Sitten und Gebräuchen, von Gedanken und der Hoffnung der Menschen. Erleben was es mit ihnen macht und dass etwas von allem bleibt, weitergegeben wird, auch wenn man gar nichts mehr damit zu tun hat.
Eine meiner Lieblingsstellen ist auf Seite 78, als Amalia zur weinenden Anna spricht "Das ist ein fremder Schmerz, den du da fühlst. Der Schmerz zieht sich durch Familien, bis jemand ihn fühlt. Irgendwann wird ein Kind geboren, das fähig ist, den ganzen Schmerz seiner Vorfahren zu fühlen."
Nachdenklich macht mich auch die Szene auf Seite 237. " Du spürst etwas, aber du weißt nicht was es ist. Dass bedeutet nicht, das es nicht da ist. Sieh, wonach orientieren sich die Kraniche am Himmel?"
Der Roman springt in den Zeiten zwischen 1917 und heute. Die Kapitel sind kurz und der Leser weiß immer wo und wann er sich gerade befindet. Die Geschichte liest sich flüssig aber es ist eine sehr schwere "Kost" und die muss man erstmal verkraften.
Deshalb empfehle ich das Buch erst ab 18. So, wie Filme ja auch eine Altersangabe haben. Wenn dieses Buch in der Schule gelesen werden sollte, dann vielleicht erst in der Oberstufe und mit einfühlsamer und aufmerksamer Begleitung des Lehrers. Der dann auch aufkommende Fragen beantworten kann.
Danke für diese gut erzählte Geschichte, die auf wahren Geschehnissen basiert. Es ist meiner Meinung nach sehr wichtig, dass wir auch heute noch an das Thema erinnert werden, denn es hat in uns Spuren hinterlassen und wir können es heute noch fühlen.