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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.04.2025

Kurzweilige Zeitreise

Das Leben fing im Sommer an
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2006 war ich meiner Jugend zwar schon etwas entsprungen, aber die prägende Zeit im Leben endet ja nicht mit der Pubertät und so kann ich mich gut an die Anfänge meiner 20er erinnern und an den Rausch, ...

2006 war ich meiner Jugend zwar schon etwas entsprungen, aber die prägende Zeit im Leben endet ja nicht mit der Pubertät und so kann ich mich gut an die Anfänge meiner 20er erinnern und an den Rausch, der durch's Land ging, als die WM im eigenen Land stattfand. Es brachte mich öfter zum Schmunzeln, von Handys, die endlich eine Kamerafunktion hatten zu lesen oder von StudiVZ und ausgetauschten ICQ-Nummern, ich kann meine heute immer noch auswendig.

Wenn ein Fußballer ein Roman schreibt, ist das ja erst einmal eine eher ungewöhnliche Sache, gefällt mir vom Grundgedanken her aber definitiv besser, als die manchmal fast inflationsartig auf den Markt geschmissenen Biographien irgendwelcher 30-jährigen Ex-Profis, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben, von daher aus dem Grund schon einmal ein Pluspunkt von mir.

Der Protagonist Chris Kramer ist 15 und durchlebt all die üblichen Probleme aus dieser Zeit, Anerkennung in der Gruppe, die erste Liebe, der Scheidweg zwischen Amateur- und Profisport, man leidet mit, hat man die eigene Zeit damals doch auch nicht vergessen. Während die Zeit heute nur so davon rast, erschien einem die Jugend doch wie eine nicht enden wollende Lebensphase. Ich glaube, das macht sie auch so prägend für uns. Man sagt, die Zeit zwischen 1 und 20 Jahren vergeht genauso schnell, wie die Zeit zwischen 20 und 80. Mittlerweile glaube ich das sofort.

Ich bin sehr schnell durch das Buch geflogen, der Schreibstil ist einfach (passt daher zu den Erzählungen eines 15-jährigen), aber ansprechend, man ist sofort in der Geschichte drin und am Ende war ich erstaunt, dass hier eigentlich nur drei Tage abgehandelt werden, es fühlt sich gar nicht danach an.

Inwieweit hier biographische Details von Christoph Kramer enthalten sind, darüber habe ich im Detail nicht recherchiert, ich vermute eine Mischung aus allem, ein paar nachweisliche Parallelen gibt es ja schon. Wie auch immer, ein kurzweiliges Buch, nichts für einen Literaturnobelpreis, aber angenehm zu lesen, vielleicht gerade auch, weil es so viel an die eigene Jugend und die damals oft riesig erscheinenden Probleme erinnert, über die man heute so manches mal schmunzeln muss.

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Veröffentlicht am 17.03.2025

Alles Fassade?

Ein ungezähmtes Tier
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Joël Dicker nahm mich damit mit seiner Geschichte um Harry Quebert gefangen und so war ich wirklich gespannt auf dieses Buch. Um das Fazit vorweg zu nehmen, "Ein ungezähmtes Tier" ist gut, kann aber mit ...

Joël Dicker nahm mich damit mit seiner Geschichte um Harry Quebert gefangen und so war ich wirklich gespannt auf dieses Buch. Um das Fazit vorweg zu nehmen, "Ein ungezähmtes Tier" ist gut, kann aber mit den Vorgängern nicht ganz mithalten.

Es ist wie so oft im Leben, die Schönen und die Reichen und die weniger "Privilegierten", die neidisch auf das Leben der anderen schauen. So in etwa kann man wohl den Beginn der Geschichte beschreiben. Sophie und Arpad leben das vermeintlich perfekte Leben, der reiche Bänker und die erfolgreiche Anwältin im schicken Glashaus, während Karine und Greg nach ihrem Hausbau im schicken Wohnviertel, welches von den umliegenden reicheren Anwohnern abwertend nur "Die Warze" genannt wird, mit ihrem Dasein hadern.

Über die Kinder lernen sich die Väter Greg und Arpad beim Fußball kennen und die beiden Paare treffen sich zu Sophies Geburtstagsfeier. Und hier nimmt der Trubel seinen Lauf. In dieser Rezension jetzt tiefer in die Story einzusteigen würde eigentlich immer in Spoilern enden. Nur soviel, selten ist etwas so, wie es auf den ersten Blick scheint und auch die perfektesten Familien haben ihre Fehler.

Das Buch ist auf eine sehr interessante Weise in ganz unterschiedlichen Zeitebenen geschrieben, die anfangs etwas verworren und unstrukturiert wirken, aber im Laufe des Buchs erkennt man den Sinn dahinter und ich hatte während des Lesens nicht nur einen "Oh"-Effekt, wenn wieder neue Details über die Protagonisten an's Licht kamen. Das macht das Buch auf eine Weise recht einzigartig. Im Summe war mir die Story aber manches Mal etwas drüber, die charakterlichen Abgründe zu tief und das Ende kam mir trotz der wieder mal überraschenden Wendung etwas zu "plump" daher.

Aber es ist lesenswert und war definitiv unterhaltsam und wird mich nicht davon abhalten, auch den nächsten Dicker zu lesen.

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Veröffentlicht am 10.03.2025

Vor hundert Sommern und doch so aktuell

Vor hundert Sommern
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Generationentraumata - das ist wohl ein Thema, welches erst in den letzten Jahren wirklich den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. Bei der sog. transgenerationalen Traumatisierung fühlen sich Menschen ...

Generationentraumata - das ist wohl ein Thema, welches erst in den letzten Jahren wirklich den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat. Bei der sog. transgenerationalen Traumatisierung fühlen sich Menschen vermeintlich unbegründet seltsam und suchen eigentlich immer nach einem Grund. So auch Lena. Die angehenden Produktdesignstudentin hat schlimme Mobbingerfahrungen in ihrer Jugendzeit gemacht, doch geht die Suche nach ihrem Gefühl der Leere und des nicht dazugehören vielleicht noch tiefer? Ihre Mutter Anja arbeitet in der Bremer Bibliothek und versucht sich immer wieder am Spagat, allem gerecht zu werden. Da ist zum Einen ihre Arbeit, die unerwartete Aufstiegsmöglichkeiten bietet, ihr Mann Stefan und ihre erwachsenen Töchter Lena und Anabel, die trotzdem Kinder mit ihren eigenen Sorgen geblieben sind und ihre Mutter Elisabeth, die aufgrund ihres Gesundheitszustandes mit ihren über 90 Jahren nun im Altersheim Pflege benötigt. Dieser Schritt hat zur Folge, dass Lena und ihre Mutter in der Charlottenburger Wohnung von Elisabeth beim Ausräumen auf diverse Relikte der Familienvergangenheit stoßen, die erahnen lassen, dass die Kinder und Enkel noch lange nicht alles aus der Familiengeschichte wissen. 
Das Buch ist durch den ständigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart sehr kurzweilig, anfangs hatte ich ein wenig Bedenken, ob es nicht zu nah an unserem Alltag ist, da viele aktuelle politische Themen eine Rolle spielen, die man im realen Leben ja zur Genüge ertragen muss, soll Lesen für mich doch eine Ablenkung davon sein. Doch je weiter man liest und je tiefer man in die Familiengeschichte einsteigt versteht man, dass dieser Bezug zur Gegenwart wichtig und fast grundlegend ist, um die Vergangenheit zu verstehen. 
So taucht man bald tief in die Geschichte von Clara ein. Clara ist Elisabeths Tante und der Schlüssel zu vielen Geschehnissen in Elisabeths Familie. Und eigentlich habe ich mir bis zum Schluss die Frage gestellt: was ist passiert, dass Elisabeth so lang geschwiegen hat und jetzt an ihrem Lebensende den Drang verspürt, ihre Geschichte doch noch zu erzählen? Und bringt dieses auch für ihre Tochter und ihre Enkeltöchter die erhoffte Erleichterung?
Katharina Fuchs hat es geschafft, dass in diesem Buch nach anfänglicher Skepsis versunken bin und die Figuren so lebendig wurden, dass man zu allen Szenen den Kopf voller Bilder hatte. Alles geht Hand in Hand zusammen und am Ende bleiben keine Fragen offen. 

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Leider nicht mein Stil

In einem Zug
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Das Konzept klang vielversprechend, ein Buch über einen Dialog zwischen zwei fremden Menschen während einer Zugfahrt. Hier hat man sofort eigene Erfahrungen im Kopf, sind doch fremde Gespräche manchmal ...

Das Konzept klang vielversprechend, ein Buch über einen Dialog zwischen zwei fremden Menschen während einer Zugfahrt. Hier hat man sofort eigene Erfahrungen im Kopf, sind doch fremde Gespräche manchmal super spannend auch ohne die Beteiligten zu kennen. Doch Fehlanzeige. Das Buch ähnelt einem Kammerspiel und hier ist es eben die große Kunst, den Zuschauer (oder hier den Leser) bei der Stange zu halten. Das klappt oder eben nicht. Hier ist es Herrn Glattauer zumindest bei mir nicht gelungen.
Das Gespräch ist für mich, auch wenn man es thematisch anders vermuten lässt, ohne Tiefgang. Catrin schmeißt mit Plattitüden um sich, um "Edi" aus der Reserve zu locken ("Irgendwann wir das Liebesleben doch in jeder Beziehung fad.") Anfangs glaubt man noch, sie tut das zur Bestätigung ihrer eigenen Misere und Beziehungsunfähigkeit, die Auflösung ist am Ende eine ganz andere, aber, ohne zu spoilern, leider für mich schlussendlich nicht überzeugend. Zu Ende gelesen habe ich es eigentlich nur, um zu wissen, wohin das Gespräch schlussendlich denn nun führt und weil ich Bücher nur selten abbreche. Schade, leider nicht mein Stil, aber die anderen Rezensionen zeigen, dass das wohl durchaus Geschmackssache ist.

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Veröffentlicht am 31.01.2025

Mitreißend, aber keine neue Idee

Yoko
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Yoko ist Ende 20 und backt Glückskekse, da sie nicht in der alten Metzgerei ihres Vaters arbeiten möchte, die sie daraufhin eben zur Glückskeksmanufaktur umbaut.

Ihr Mitarbeiter Azad ist ein Goldstück, ...

Yoko ist Ende 20 und backt Glückskekse, da sie nicht in der alten Metzgerei ihres Vaters arbeiten möchte, die sie daraufhin eben zur Glückskeksmanufaktur umbaut.

Ihr Mitarbeiter Azad ist ein Goldstück, ihre Partnerin Marlen ein Glückstreffer, alles scheint perfekt. Bis sie an einem Abend bei einer Auslieferung ihrer Glückskekse an ein chinesisches Restaurant Grausames erlebt, was in ihr den unbändigen Drang auslöst, einen Rachefeldzug zu starten, der seines Gleichen sucht.

Hier schlagen zwei Herzen in meiner Brust, der Schreibstil ist super, wie man es von Bernhard Aichner gewohnt ist, man rast nur so durch die Geschichte und hat den Wunsch, immer noch eine Seite weiter zu lesen, als man vor dem Schlafengehen geplant hatte. Die andere Seite ist die Story, die so in sich natürlich hier und da sehr haarsträubend ist, aber warum sollte das bei einem fiktiven Buch auch alles realistisch sein, den Anspruch habe ich gar nicht. Was ein wenig schade war, dass hier eigentlich für mich die Totenfrau-Trilogie noch einmal durchgespielt wurde, nur mit anderen Protagonisten. Die Idee ist super, aber nicht mehrfach. So bin ich hin und her gerissen, was ich von diesem Buch jetzt halten soll und ob es nun ein Stern mehr oder weniger wird. Entscheide mich aber für die bessere Bewertung, da das Buch an sich schon super geschrieben ist und ein schönes Leseerlebnis war, da Bernhard Aichners ganz eigene Handschrift im Schreibstil wieder sehr zum Tragen kam, ich glaube genau die ist es auch, die einem das Gefühl gibt, durch das Buch zu galoppieren.

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