Zum mit fiebern
Bennis Weg zur Inklusion / Mord kann nicht jeder. Ein Kriminalfall mit Handicap aus Tutzing
Dieses Buch hat mich leiser berührt, als ich erwartet hatte – und genau deshalb so tief. „Mord kann nicht jeder“ ist kein Roman, den man einfach „wegliest“. Es ist eine Geschichte, bei der man immer wieder ...
Dieses Buch hat mich leiser berührt, als ich erwartet hatte – und genau deshalb so tief. „Mord kann nicht jeder“ ist kein Roman, den man einfach „wegliest“. Es ist eine Geschichte, bei der man immer wieder innehält, weil sie etwas in einem auslöst: Mitgefühl, Nachdenklichkeit, Wärme.
Ich habe schnell gemerkt, dass der Kriminalfall hier nicht im Vordergrund steht. Viel wichtiger sind die Menschen, denen ich auf diesen Seiten begegnet bin. Menschen mit Behinderung, die nicht erklärt, nicht geschont und nicht auf ihre Einschränkungen reduziert werden. Sie lieben, zweifeln, hoffen und kämpfen – manchmal leise, manchmal unbeholfen, aber immer ehrlich. Genau das hat mich so bewegt.
Besonders die Liebesgeschichte hat mich getroffen. Sie ist zart, verletzlich und gleichzeitig stark. Maria M. Koch zeigt, dass Liebe mit Behinderung nichts Außergewöhnliches oder Problematisches ist, sondern etwas zutiefst Menschliches. Beim Lesen habe ich mich dabei ertappt, meine eigenen Vorstellungen von Nähe, Abhängigkeit und Normalität zu hinterfragen – und das passiert nicht oft bei einem Roman.
Der Schauplatz Tutzing gibt der Geschichte eine stille Erdung. Alles fühlt sich nah an, fast vertraut, als würde man selbst Teil dieses Mikrokosmos werden. Der Krimi-Teil wirkt dabei wie ein ruhiger Pulsschlag im Hintergrund – genug Spannung, um weiterzulesen, aber nie so laut, dass er die eigentliche Botschaft überdeckt.
Was mir besonders gefallen hat: Das Buch will nichts beweisen. Es schreit nicht, es belehrt nicht. Es erzählt einfach – und genau dadurch öffnet es einem die Augen. Für Lebensrealitäten, die oft übersehen werden, und für Gefühle, die wir viel zu selten ernst nehmen.
Für mich ist „Mord kann nicht jeder“ ein Roman über Würde, über das Recht auf Liebe und darüber, gesehen zu werden. Ein Buch, das man zuschlägt und noch eine Weile in der Hand hält, bevor man es weglegt.
Mein Fazit:
Ein stiller, sehr menschlicher Roman, der mich emotional erreicht hat und lange nachwirkt. Kein klassischer Krimi – sondern eine ehrliche, berührende Geschichte über Liebe, Inklusion und das Leben selbst.