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Veröffentlicht am 24.11.2025

Sommer, Exil, Mann Familienchaos am Mittelmeer

Wenn die Sonne untergeht
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Dieser Sommer in Sanary fühlt sich an wie ein Roman, der erst harmlos beginnt und dann plötzlich die ganze Weltgeschichte in die kleine Küche einer völlig überforderten Familie stopft. Man sitzt quasi ...

Dieser Sommer in Sanary fühlt sich an wie ein Roman, der erst harmlos beginnt und dann plötzlich die ganze Weltgeschichte in die kleine Küche einer völlig überforderten Familie stopft. Man sitzt quasi mit den Manns am Tisch, schwitzt mit ihnen und fragt sich leise, warum Thomas Mann eigentlich ständig so tut, als könne er jederzeit wieder in seine Münchner Villa zurückspazieren. Ein Teil von mir wollte ihm dauernd sagen: „Bruder, der Zug ist abgefahren.“

Illies erzählt das alles mit einer Gelassenheit, die einen fast irritiert. Einer spielt Geige, der andere schmuggelt Sachen über Grenzen, jemand vergisst den Hund — und trotzdem wirkt jeder Moment wie eine Mischung aus Drama, Urlaub und Familienwahnsinn. Das Exil fühlt sich hier nicht wie ein großes geschichtliches Konzept an, sondern wie ein chaotischer Sommer, in dem jeder versucht, irgendwie klarzukommen.

Besonders stark sind die kleinen Mini-Szenen: ein Blick, ein trockener Kommentar, das Klirren eines Glases beim Abendessen. Man merkt, wie viel Wehmut zwischen den Zeilen hängt, aber gleichzeitig dieser Trotz, der einem sagt: „Okay, die Welt brennt, aber wir kriegen das schon irgendwie hin.“ Und ja, manchmal musste ich sogar lachen — was bei dem Thema eigentlich unangebracht ist, aber Illies macht’s möglich.

Einziger Punkt, der mich echt wurmt: Das Zerwürfnis zwischen Klaus und Erika hätte mehr Kante vertragen. Da steckt so viel Sprengstoff drin, aber an einigen Stellen bleibt es mir zu handzahm.

Trotzdem: Das Buch packt einen. Nicht laut, nicht pathetisch, sondern mit dieser leisen Intensität, die nachwirkt. Ein Sommer im Ausnahmezustand, der mehr sagt als so mancher politische Essay.

Wenn man historische Stoffe mag, aber nicht einschlafen will — genau hier zugreifen.

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Veröffentlicht am 24.11.2025

Ein Porträt voller Gefühl und Tiefe

Taylor Swift
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Ein intensiver Blick hinter die Kulissen einer Künstlerin, die längst mehr ist als eine Hitproduzentin. Dieses Buch zeigt Taylor Swift in all ihren Schichten: verletzlich, kraftvoll, politisch und kreativ. ...

Ein intensiver Blick hinter die Kulissen einer Künstlerin, die längst mehr ist als eine Hitproduzentin. Dieses Buch zeigt Taylor Swift in all ihren Schichten: verletzlich, kraftvoll, politisch und kreativ. Jede Seite fühlt sich an wie ein neuer Zugang zu ihren Songs, als würde man alte Lieblingslieder plötzlich in einer anderen Farbe hören.

Besonders eindrucksvoll ist die Art, wie die Autoren ihre musikalische Entwicklung greifbar machen. Die Analyse ihrer Songs, ihrer Botschaften und ihrer Entscheidungen wirkt niemals trocken, sondern wie ein leises Flüstern aus dem Studio, während ein neuer Song entsteht. Manche Kapitel haben mich so tief berührt, dass ich Passagen zweimal gelesen habe, um die Gefühle festzuhalten.

Ich und meine Tochter sind richtige Fans und haben das Buch verschlungen. Wir haben gemeinsam gelacht, diskutiert und einzelne Songzeilen mit einer neuen Intensität wahrgenommen. Dieses Buch hat uns nicht nur Taylor nähergebracht, sondern auch gezeigt, warum ihre Musik für so viele Menschen ein sicherer Ort geworden ist.

Ein paar Stellen hätten ruhig noch mehr über kreative Zusammenarbeiten erzählen dürfen, doch das schmälert den Gesamteindruck kaum. Am Ende bleibt ein warmes, kluges und inspirierendes Porträt einer Künstlerin, die ihre Zeit prägt.

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Veröffentlicht am 24.11.2025

Remnants, die einem nachts keine Ruhe lassen

Remnants of Filth. Buch 2
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Mal ehrlich: so ein Ritt habe ich nicht erwartet. Remnants of Filth Band 2 ist ein bisschen wie ein Gewitter — laut, intensiv und gleichzeitig voller Momente, in denen man stockt und nur noch die Luft ...

Mal ehrlich: so ein Ritt habe ich nicht erwartet. Remnants of Filth Band 2 ist ein bisschen wie ein Gewitter — laut, intensiv und gleichzeitig voller Momente, in denen man stockt und nur noch die Luft anhält. Die Autorin lässt die Stadt Chonghua atmen: Gerüche, Regen auf Kopfstein, das schabende Licht in engen Gassen — alles so dicht, dass man denkt, man kann den Schmutz unter den Fingernägeln zählen.

Mo Xi und Gu Mang sind kein reines Heldenpaar; das sind zwei kaputte Sterne, die sich gegenseitig anziehen und verbrennen. Diese Mischung aus Verlangen, Verrat und verlorenen Erinnerungen zieht einen in ein Netz aus Geheimnissen, das man immer weiter entwirren will.

Was besonders knallt: die Ambivalenz. Niemand ist nur gut oder böse — und das macht jeden Twist schmerzhaft glaubwürdig. Die Atmosphäre ist dunkel, die Kämpfe sind knallhart, und zwischendrin gibt’s so kleine, verletzliche Szenen, die einem fast das Herz rausreißen. Die Übersetzung liest sich flüssig, die Bilder (ja, die Illustrationen!) geben dem Ganzen noch diesen besonderen Danmei-Glow.

Einzige Wermutstropfen: Manche Erklärungen zu Hintergrund und Welt fallen kurz aus, weil die Geschichte lieber Tempo macht — manchmal wünscht man sich mehr Atempause, mehr Details zum Politischen. Trotzdem bleibt das Gefühl: Diese Serie will man weiterlesen — sofort.

Für Fans von emotionaler Boys-Love mit militärischer Härte, dunklen Geheimnissen und Erinnerungsverlust ist das hier ein Muss. Und ja: die limitierte Ausgabe mit Charakterkarte ist ein Sahnehäubchen, das man sich gönnen kann.

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Veröffentlicht am 24.11.2025

Ein Jahrhundert in Briefen und Narben

Der Hundertjährige Krieg um Palästina
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Manchmal fühlt sich Geschichte wie ein verletzter Nachbar an, dessen Klagen überhört wurden. In Der Hundertjährige Krieg um Palästina führt Rashid Khalidi mich behutsam durch ein Jahrhundert kollektiver ...

Manchmal fühlt sich Geschichte wie ein verletzter Nachbar an, dessen Klagen überhört wurden. In Der Hundertjährige Krieg um Palästina führt Rashid Khalidi mich behutsam durch ein Jahrhundert kollektiver Vertreibung, Widerstand und diplomatischer Intrigen — stets mit der Wärme und dem Zorn eines Familienmitglieds, das Zeuge geworden ist. Ich habe beim Lesen oft den Atem angehalten; seine Rekonstruktionen aus unveröffentlichten Archiven geben Gesichtern Namen, Orten Gewicht und lassen politische Entscheidungen als menschliche Geschichten erscheinen.

Sein Blick ist scharf, zugleich unaufgeregt; er legt befehlende Mächte offen, zeigt aber auch die inneren Widersprüche palästinensischer Führung und die Fehler, die Geschichte formten. Emotional berührt hat mich vor allem, wie Khalidi Raum für Verlust lässt: Städte, Erinnerungen, Leben — alles wird spürbar. Stilistisch ist das Buch dicht und souverän, manchmal fordert die Detailfülle Geduld, doch gerade diese Tiefe macht es zu einer unverzichtbaren Lektüre für alle, die verstehen wollen, warum der Konflikt bis heute brennt.

Für Lesende, die eine quellenstarke, persönlich gefärbte und kritisch reflektierte Darstellung suchen, ist dieses Werk ein Licht in einem oft verrauschten Diskurs. Es hat mir die Wut erklärt, aber auch die Trauer — und damit einen Weg gezeigt, die Komplexität zu ertragen.

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Veröffentlicht am 23.11.2025

Tierische Abenteuer garantiert

Das große WAS IST WAS Antwortbuch Tierwelt
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Dieses Buch ist ein richtiges Abenteuer, das einem die Tierwelt quasi vor die Füße kippt. Schon beim ersten Durchblättern mit meinem Neffen haben wir uns vor Lachen kaum eingekriegt. Wer hätte gedacht, ...

Dieses Buch ist ein richtiges Abenteuer, das einem die Tierwelt quasi vor die Füße kippt. Schon beim ersten Durchblättern mit meinem Neffen haben wir uns vor Lachen kaum eingekriegt. Wer hätte gedacht, dass Feldhasen Boxen wie kleine Profisportler? Wir saßen nebeneinander auf dem Boden, Augen groß wie Untertassen, während wir Wale beim Schlafen beobachteten – oder eher dabei, wie sie scheinbar halbtot dösen und trotzdem weiter atmen.

Die Fragen sind genau die, die man selbst immer im Hinterkopf hat, aber nie zu fragen wagt. Axolotl mit Superkräften? Absolut irre, wir mussten beide erstmal nachgucken, ob das stimmt. Ich hab mich erwischt, wie ich innerlich laut „Wow, das ist krass!“ gedacht habe, während mein Neffe eifrig Notizen in sein kleines Heft machte.

Besonders cool sind die Themenseiten zu Rekorden und Tieraugen. Wir haben stundenlang überlegt, welches Tier wohl die größten Augen hat, und uns gegenseitig Tipps gegeben, wer wohl am besten sehen kann. Das BuddyRead-Feeling war mega – man teilt Aha-Momente, lacht über verrückte Fakten und lernt dabei noch richtig viel.

Einziger kleiner Wermutstropfen: Manche Seiten fühlen sich etwas textlastig an, vor allem wenn man gerade einen energiegeladenen Achtjährigen neben sich hat. Aber das Buch macht das locker wieder wett durch die überraschenden Antworten und die frechen Illustrationen.

Fazit: Ein Buch, das neugierig macht, staunen lässt und zum gemeinsamen Forschen einlädt. Perfekt für Kinder ab 8, aber auch für Erwachsene, die gern zusammen mit Kids die Tierwelt entdecken. Mega BuddyRead-Momente garantiert.

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