Ein Märchen, das frech zurücklächelt
Fabula – Eine Braut für den PrinzenMärchen funktionieren ja eigentlich immer nach Plan. Prinz zieht los, rettet jemanden, heiratet, Ende gut, alles gut. Fabula nimmt diesen Plan, schüttelt ihn kräftig durch und grinst dabei frech über den ...
Märchen funktionieren ja eigentlich immer nach Plan. Prinz zieht los, rettet jemanden, heiratet, Ende gut, alles gut. Fabula nimmt diesen Plan, schüttelt ihn kräftig durch und grinst dabei frech über den Rand der Seiten. Schon nach den ersten Kapiteln ist klar: Das hier meint es liebevoll ironisch mit dem Genre und weiß ganz genau, wann es klassische Tropes bedienen und wann es sie charmant brechen muss.
Leander ist kein strahlender Held mit Dauerlächeln, sondern ein Prinz mit nachvollziehbarer Abwehrhaltung gegen das eigene Schicksal. Diese unfreiwillige Brautschau fühlt sich an wie ein gesellschaftlicher Albtraum in märchenhaftem Gewand. Dazu Evelyne, die als Hexe nicht einfach nur böse sein will, sondern eigene Gründe, Zweifel und Gefühle mitbringt. Genau hier punktet die Geschichte: Figuren dürfen mehr sein als ihre Rollen, und das macht sie angenehm nahbar.
Besonders viel Spaß machen die Nebenfiguren. Ein freundlicher Drache, der Große Böse Wolf und all die bekannten Märchenmotive wirken nie wie bloße Gags, sondern wie liebevoll platzierte Zutaten. Humor entsteht oft leise, in Dialogen, Blicken und kleinen gedanklichen Seitenhieben, die genau den richtigen Ton treffen. Das Buch liest sich leicht, aber nicht belanglos – wie ein modernes Märchen, das weiß, dass Erwachsene mitlesen.
Natürlich ist nicht alles überraschend. Manche Wendungen sieht man kommen, manche romantischen Entwicklungen folgen vertrauten Pfaden. Doch genau hier liegt auch der Reiz: Fabula will kein düsteres Fantasy-Epos sein, sondern eine warme, verspielte Geschichte über Selbstfindung, Erwartungen und die Freiheit, Nein zu sagen. Und manchmal reicht das vollkommen.
Am Ende bleibt dieses wohlige Gefühl, ein modernes Märchen gelesen zu haben, das Herz zeigt, ohne kitschig zu werden. Kein Buch, das die Welt neu erfindet, aber eines, das sie für ein paar Stunden deutlich märchenhafter macht.