Verwoben aus Nebel und Geheimnissen
Greta Grimaldi und der Junge aus dem SchattenMit jedem umgeblätterten Blatt wurde die Luft kälter, und plötzlich stand ich wieder in den Gassen von Nürnberg — zusammen mit meiner Tochter, die neben mir leise schnaufte, wenn eine Wendung sie überraschte. ...
Mit jedem umgeblätterten Blatt wurde die Luft kälter, und plötzlich stand ich wieder in den Gassen von Nürnberg — zusammen mit meiner Tochter, die neben mir leise schnaufte, wenn eine Wendung sie überraschte. Ich habe selten ein Jugendbuch gelesen, das mit so feinem Gespür für Atmosphäre arbeitet: Nebel, Laternenlicht und das leise Knarren einer Tür werden hier fast hörbar beschrieben. Beim ersten Treffen mit Kaspar hielten wir beide den Atem an; meine Tochter flüsterte: „Mama, das klingt so echt!“, und ich lachte, weil sie sich tatsächlich auf den gleichen Verschwörungsfaden eingelassen hat wie ich.
Die Handlung zieht geschickt Spuren von Wahrheit und Fiktion ineinander, lässt Zweifel an jeder Erklärung zu und hält bis zur letzten Seite ein Rätsel bereit. Dr. Grimaldi wirkt als kluger, manchmal zu selbstsicherer Vater, seine Ecken und Kanten machen ihn greifbar. Manchmal hätte ich mir noch etwas mehr Tiefe in Nebenfiguren gewünscht — meine Tochter und ich diskutierten lebhaft, welche Motive bestimmte Figuren antreiben könnten; genau dieser Austausch machte unser Lesen lebendig. Sprachlich ist das Buch flüssig, emotional, mit Bildern, die lange nachhallen. Für uns war es ein intensiver Buddyread-Abend: wir lasen Kapitel, unterbrachen für Theorien und schrieben uns hinterher Notizen. Ein solides, spannendes Jugendbuch, das Neugier weckt und gemeinsame Lesemomente schenkt.