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Veröffentlicht am 06.03.2026

Vom Lagerfeuer zur Lifestyle Küche

Herdfeuer und Hochkultur. Eine andere Geschichte des Kochens
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Der Moment, wenn man merkt, dass die Geschichte der Menschheit im Grunde auch eine Geschichte von Töpfen, Feuerstellen und hungrigen Mägen ist. Genau da setzt Wolfgang Brenner an und macht aus einem scheinbar ...

Der Moment, wenn man merkt, dass die Geschichte der Menschheit im Grunde auch eine Geschichte von Töpfen, Feuerstellen und hungrigen Mägen ist. Genau da setzt Wolfgang Brenner an und macht aus einem scheinbar simplen Thema eine erstaunlich große Reise durch unsere Kultur.

Herdfeuer und Hochkultur liest sich wie ein kluger Streifzug durch die Menschheitsgeschichte, nur dass statt Königen und Schlachten plötzlich Suppe, Brot und Braten die Hauptrollen spielen. Brenner zeigt mit viel Charme, wie sehr Kochen unser Leben geprägt hat. Von den ersten Lagerfeuern bis zu heutigen Ernährungsdebatten wird schnell klar, dass Kochen nie nur satt machen sollte. Es ging immer auch um Gemeinschaft, Macht, Status und manchmal schlicht ums Überleben.

Besonders Spaß macht dabei der Ton des Buches. Das Ganze ist angenehm locker geschrieben und streut immer wieder kleine Aha Momente ein. Beim Lesen ertappt man sich ständig dabei, plötzlich über Dinge nachzudenken, die sonst komplett selbstverständlich wirken. Warum eigentlich Tischsitten entstanden sind. Weshalb bestimmte Gerichte Kultstatus bekommen haben. Oder warum Essen so oft politisch wird.

Natürlich ist das kein Kochbuch und auch keine trockene Wissenschaftsarbeit. Eher ein kluges Kulturgespräch über tausende Jahre hinweg. Manche Passagen könnten noch etwas tiefer gehen, da blitzt kurz der Wunsch auf, noch mehr Geschichten aus der Küche der Geschichte zu hören. Trotzdem bleibt das Ganze durchgehend unterhaltsam und überraschend.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Kochen viel mehr ist als nur das, was im Topf passiert. Es ist ein Stück Menschheitsgeschichte, das jeden Tag auf unseren Tellern landet. Und plötzlich wirkt selbst das nächste Abendessen ein kleines bisschen bedeutungsvoller.

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Veröffentlicht am 05.03.2026

Wenn Mut plötzlich leise beginnt

Und wenn ich mir selbst vertraue
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Zwischen Großstadtlärm und stillen Gedanken entfaltet sich eine Geschichte, die sich leise unter die Haut schiebt. Berlin pulsiert rund um den Alexanderplatz, Menschen kommen und gehen, Gespräche füllen ...

Zwischen Großstadtlärm und stillen Gedanken entfaltet sich eine Geschichte, die sich leise unter die Haut schiebt. Berlin pulsiert rund um den Alexanderplatz, Menschen kommen und gehen, Gespräche füllen den Friseursalon. Inmitten dieses bunten Alltags steht Nicky, mit roten Nägeln, einem Lächeln auf den Lippen und Kopfhörern ohne Musik. Ein Schutzschild, das nach außen funktioniert, während innen längst etwas bröckelt.

Ein einziger Moment genügt, um alte Wunden aufzureißen. Erinnerungen, die lange weggeschoben wurden, drängen plötzlich zurück ins Licht. Die Geschichte begleitet Nicky auf einem Weg durch Angst, Ohnmacht und Selbstzweifel, aber auch durch kleine, kostbare Momente der Erkenntnis. Besonders berührend ist, wie behutsam sich ihre innere Veränderung entfaltet. Keine lauten Heldentaten, sondern leise Schritte zurück zu sich selbst.

Die Autorin erzählt sensibel und nahbar von Verletzlichkeit und Stärke. Viele Szenen fühlen sich erschreckend real an, gerade weil sie nicht dramatisch überhöht wirken. Stattdessen entsteht eine intensive Atmosphäre aus Gefühlen, Gedanken und vorsichtigen Hoffnungen.

Manchmal hätte ich mir an einzelnen Stellen etwas mehr Tempo gewünscht, doch gerade die ruhige Erzählweise lässt Raum für Nickys Entwicklung. Am Ende bleibt ein warmes Gefühl von Mut, Selbstachtung und der wichtigen Erkenntnis, dass es nie zu spät ist, sich selbst wiederzufinden.

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Veröffentlicht am 05.03.2026

England, wie du es garantiert noch nie gelesen hast

DUMONTs Unnützes Reisewissen England
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Man schlägt dieses Buch auf und merkt ziemlich schnell: Das ist genau die Sorte Reisewissen, die absolut überflüssig ist und genau deshalb unfassbar genial. Während andere Reiseführer erklären, wo man ...

Man schlägt dieses Buch auf und merkt ziemlich schnell: Das ist genau die Sorte Reisewissen, die absolut überflüssig ist und genau deshalb unfassbar genial. Während andere Reiseführer erklären, wo man links abbiegen muss, erzählt dieses hier lieber, dass mal ein Eisbär in der Themse schwamm. Und plötzlich sitzt man da, grinst wie ein Idiot und denkt: Genau solche Fakten braucht die Welt.

DUMONTs Unnützes Reisewissen England ist eine herrlich schräge Sammlung aus Kuriositäten, Anekdoten und diesen wunderbar sinnlosen Informationen, die man sofort weitererzählen will. Beim Lesen hatte ich ständig dieses Gefühl von: Moment… das kann doch nicht wirklich stimmen. Aber genau das macht den Spaß aus. Seite um Seite stolpert man über Geschichten, die so absurd sind, dass sie schon wieder großartig sind.

Besonders liebe ich an solchen Büchern, dass man sie nicht „lesen muss“. Man kann einfach irgendwo aufschlagen, ein paar Seiten verschlingen und plötzlich sitzt man da mit neuem Partywissen. Wer hätte gedacht, dass Paddington Bär einen britischen Pass hat der König aber nicht? Solche Details sind komplett unnötig, aber genau deshalb bleiben sie im Kopf hängen wie ein verdammt guter Ohrwurm.

Der Schreibstil ist locker, leicht und voller britischem Humor. Man merkt sofort, dass hier jemand Spaß daran hatte, die kuriosesten Geschichten zusammenzutragen. Und genau dieser Spaß überträgt sich beim Lesen. Immer wieder musste ich lachen, den Kopf schütteln oder laut denken: Das erzähl ich beim nächsten Treffen garantiert weiter.

Perfekt für Zugfahrten, Sofaabende oder diese Momente, in denen man eigentlich nur fünf Minuten lesen will und plötzlich eine halbe Stunde in völlig nutzlosen, aber herrlich unterhaltsamen Fakten über England versinkt.

Ganz ehrlich: Solche Bücher liebe ich. Sie sind charmant, witzig, völlig unnötig und genau deshalb einfach richtig genial.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Coming-of-Middle-Age mit Herz, Hirn und Humor

Mittelalte Frauen
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Mitten ins Herz und direkt ins Gedankenkarussell, genau da landet dieser Erzählband. Mittelalte Frauen von Curtis Sittenfeld hat mich eiskalt erwischt. Nicht, weil ich eine Frau in den Vierzigern bin. ...

Mitten ins Herz und direkt ins Gedankenkarussell, genau da landet dieser Erzählband. Mittelalte Frauen von Curtis Sittenfeld hat mich eiskalt erwischt. Nicht, weil ich eine Frau in den Vierzigern bin. Sondern weil diese Geschichten so gnadenlos ehrlich sind, dass man sich beim Lesen ständig denkt: Verdammt, das kenne ich. Und das auch. Und das erst recht.

Da sitzen diese Frauen in ihrem Leben, das eigentlich stehen sollte wie ein solides Reihenhaus, Ehe, Karriere, Freundschaften, Selbstbild und plötzlich wackelt alles. Cancel Culture, alte Rivalitäten, schleichende Eifersucht, dieses Gefühl, nicht mehr ganz dazuzugehören. Und während ich da mit meinem Kaffee saß, hab ich mich dabei ertappt, wie ich innerlich genickt habe. Nicht aus Schadenfreude. Sondern aus Respekt.

Sittenfeld schreibt klug. Aber nicht geschniegelt-klug. Sondern dieses beiläufige, messerscharfe Klug, das einem erst beim zweiten Nachdenken bewusst wird. Ihre Figuren wirken nicht wie literarische Konstrukte, sondern wie Menschen, denen man auf einer Party zu lange zuhört und dann plötzlich merkt, wie verletzlich sie eigentlich sind.

Besonders stark fand ich, wie unspektakulär die Dramen daherkommen. Kein großes Hollywood-Gewitter. Eher diese stillen, inneren Risse, die irgendwann lauter sind als jeder Streit. Und genau da liegt die Wucht. Man fühlt sich ertappt. Und gleichzeitig verstanden.

Coming-of-Middle-Age trifft es perfekt. Dieses Buch ist kein lauter Befreiungsschlag, sondern ein ehrliches, manchmal bitterkomisches Nachjustieren des eigenen Lebenskompasses. Und ganz ehrlich? Ich hätte noch 300 Seiten mehr lesen können.

Fünf Sterne. Weil es unterhält. Weil es weh tut. Weil es tröstet. Und weil es verdammt gut beobachtet ist.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Wochenende im Rekordrausch

WAS IST WAS Kids Supertiere. Rekordhalter an Land, in der Luft und im Wasser
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Olympische Spiele? Klar. Aber bitte mit Gepard, Wanderfalke und Bärtierchen. Dieses Wochenende wurde das Wohnzimmer zur Arena, der Couchtisch zur Tribüne und wir zwei saßen mittendrin mein Neffe und ich, ...

Olympische Spiele? Klar. Aber bitte mit Gepard, Wanderfalke und Bärtierchen. Dieses Wochenende wurde das Wohnzimmer zur Arena, der Couchtisch zur Tribüne und wir zwei saßen mittendrin mein Neffe und ich, geschniegelt mit Kakao und Kaffee, bereit für die Olympiade der Supertiere. WAS IST WAS Kids Supertiere aus dem Tessloff Verlag hat uns komplett abgeholt und zwar im Sprinttempo.

Schon nach den ersten Seiten ging’s los: „Onkel, der ist schneller als ein Auto?!“, Jepp. Und der hier springt höher als dein ganzes Klettergerüst.“ Ungläubiges Staunen. Großes Augenrollen. Dann wieder dieses leise „Boah…“ Genau diese Momente liebe ich beim Buddyread. Ich lese vor, mein Neffe kommentiert und stellt Fragen, dass ist Teamarbeit. Und plötzlich diskutieren wir ernsthaft darüber, ob wir lieber als Gecko an der Wand kleben oder als Grottenolm ohne Augen durch die Dunkelheit schwimmen würden.

Die Klappen sind der Hit. Kein braves Durchblättern, sondern echtes Entdecken. Finger auf, Klappe hoch, Überraschung! Besonders beim Bärtierchen sind wir hängen geblieben. „Das überlebt im Weltall?“, Stille. Dann lachen wir beide. Natur ist einfach der bessere Drehbuchautor.

Was dieses Buch so stark macht: Es erklärt klug, aber nie trocken. Es zeigt Rekorde, ohne zu protzen. Und es lädt ein zum Mitmachen, Suchen, Staunen. Jana Walczyks Illustrationen sind lebendig, bunt und genau richtig für neugierige Augen ab vier und offenbar auch für große Kerle mit innerem Kind.

Fazit nach einem Wochenende voller Tierrekorde, Gelächter und echtem Staunen: Dieses Buch ist kein Vorlesebuch. Es ist ein Erlebnis. Und der heimliche Gewinner der tierischen Olympiade? Ganz klar: unser Buddyread.

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