Dunkle Ecken, scharfe Kanten — Bestgen trifft ins Schwarze
Safe SpaceGänsehaut garantiert: Safe Space ist kein Wohlfühlkrimi, das ist ein Schlag ins Kontor — knallhart, psychologisch und mit genug Abgründen, dass man abends das Licht anbehält. Anna Salomon, forensische ...
Gänsehaut garantiert: Safe Space ist kein Wohlfühlkrimi, das ist ein Schlag ins Kontor — knallhart, psychologisch und mit genug Abgründen, dass man abends das Licht anbehält. Anna Salomon, forensische Psychologin und wandelndes Mysterium, zieht sofort in ihren Bann: kompetent, verletzlich, clever — und mit einem Geheimnis, das einem länger im Nacken sitzt als eine schlechte Entscheidung um drei Uhr nachts. Die Handlung spielt in einem Hochsicherheitsgefängnis, aber die wahre Haftanstalt ist Annas Kopf. Sarah Bestgen baut Szenen so, dass man beim Lesen mitfiebert, die Atmung mitgeht und man sich fragt, wem man noch trauen kann — und das ist genau der Punkt bei einem guten Thriller.
Der Ton ist rau und direkt, das Tempo ein steter Puls: kurze Kapitel, messerscharfe Beobachtungen, Dialoge, die sitzen. Zwischendurch blitzt trockener Humor auf — kleine Atempausen, die die Spannung nur noch wirkungsvoller machen. Die Antagonisten sind nicht bloß böse Karikaturen, sondern facettenreich, was die moralische Grauzone so richtig schön verschwimmen lässt. An manchen Stellen hätte die Auflösung etwas weniger offensichtlich sein dürfen; ein, zwei Wendungen wirken erwartbar, statt einem den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Trotzdem nimmt einem das Buch bis zur letzten Seite nicht die Möglichkeit, sich zu irren — und das ist ein großes Plus.
Wer Psychothriller mag, die mehr auf Kopfkino als auf Geknatter setzen, wird hier bestens bedient. Keine leichte Kost, aber eine, die lange nachhallt. Kaffeetassen bereitstellen, Licht anlassen — und rein in diesen dunklen, intelligenten Ritt.