Wenn das Leben auf Pause drückt
PauseManchmal trifft ein Buch genau diese Stelle im Herzen, an der man selbst gar nicht so genau wusste, dass sie noch weich ist. Pause erzählt von Hanna, die nach einem Zusammenbruch wieder bei ihren Eltern ...
Manchmal trifft ein Buch genau diese Stelle im Herzen, an der man selbst gar nicht so genau wusste, dass sie noch weich ist. Pause erzählt von Hanna, die nach einem Zusammenbruch wieder bei ihren Eltern landet, zurück im alten Zuhause, aber längst nicht mehr als das Kind, das dort einmal gelebt hat.
Ich mochte sehr, wie nah Lena Kupke an diesen kleinen, unangenehm echten Momenten bleibt. Das viel zu schmale Gästebett, das Büro im ehemaligen Kinderzimmer, das Schweigen am Familientisch und dieses Gefühl, plötzlich wieder in alte Rollen zu rutschen. Dabei wird die Geschichte nie erdrückend, weil immer wieder ein feiner, warmer Humor durchscheint.
Hannas Weg hat mich berührt, weil er nicht laut ist. Es geht nicht um schnelle Heilung oder große Wunder, sondern um das mühsame Zulassen von Hilfe, um Scham, Verletzlichkeit und um die Erkenntnis, dass man nicht stark sein muss, um liebenswert zu bleiben.
Besonders schön fand ich die Mischung aus Schmerz und Zärtlichkeit. Dieses Buch fühlt sich an wie ein vorsichtig geöffnetes Fenster nach einer langen, schweren Nacht. Frische Luft kommt rein, aber die Spuren bleiben sichtbar.
Pause ist für mich ein ehrlicher, warmherziger Roman über Familie, alte Wunden, Neuanfang und Liebe in Momenten, in denen man sich selbst kaum halten kann. Ein Buch, das leise nachhallt und dabei überraschend oft ein Lächeln schenkt.