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Veröffentlicht am 14.08.2025

Wenn ein Roman mitten ins Herz trifft und noch tiefer geht

Eden
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Eden hat mich regelrecht umgehauen – und zwar nicht mit Actionfeuerwerk, sondern mit dieser stillen, tiefen Wucht, die einem erst im Nachhall bewusst wird. Plötzlich sitzt man da, klappt das Buch zu und ...

Eden hat mich regelrecht umgehauen – und zwar nicht mit Actionfeuerwerk, sondern mit dieser stillen, tiefen Wucht, die einem erst im Nachhall bewusst wird. Plötzlich sitzt man da, klappt das Buch zu und denkt: „Okay, das war jetzt mehr als nur ein Roman.“ Jan Costin Wagner schafft es, eine Familiengeschichte so intensiv zu erzählen, dass man beim Lesen fast vergisst zu atmen. Markus, Kerstin und Sofie wirken so echt, als würde man sie schon ewig kennen, und genau das macht die ganze Tragödie noch härter. Die Konzertszene hat mir eiskalt den Magen zusammengedrückt – und nein, das ist keine Übertreibung.

Trotz des schweren Themas gibt es hier keinen billigen Kitsch und keine überzogene Dramatik. Alles ist so präzise erzählt, dass man als Leser fast automatisch in diesen Strudel aus Trauer, Wut und diesem leisen Rest Hoffnung gezogen wird. Gleichzeitig hat der Roman eine gesellschaftliche Ebene, die richtig unter die Haut geht. Es ist faszinierend (und erschreckend), wie Wagner zeigt, wie schnell privates Leid in den politischen Mahlstrom gezogen werden kann.

Besonders stark fand ich, wie Markus irgendwann diese völlig verrückte, aber menschlich nachvollziehbare Entscheidung trifft, die Familie des Mörders zu besuchen. Das ist nicht Hollywood, das ist echtes Leben, roh und kompliziert. Man will die Figuren manchmal schütteln, manchmal umarmen – und oft beides gleichzeitig.

Wagners Sprache ist knapp, klar und dennoch poetisch, und das passt perfekt zu dieser Mischung aus innerem Chaos und äußerer Kälte. Trotz aller Schwere hat das Buch am Ende so einen Funken Licht, dass man nicht völlig niedergedrückt zurückbleibt. Für mich ist Eden ein mutiges, kluges und unglaublich berührendes Werk. Ganz klar fünf Sterne – und zwar nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil es einfach verdient ist.

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Veröffentlicht am 13.08.2025

Ein Roadtrip, der noch lange nachhallt

Paradise Garden
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Paradise Garden hat mich direkt vom ersten Satz an gekriegt – und zwar so richtig. Billie ist so ein Charakter, der einem nicht nur ins Herz kriecht, sondern da auch noch die Möbel umstellt. Ihre Welt ...

Paradise Garden hat mich direkt vom ersten Satz an gekriegt – und zwar so richtig. Billie ist so ein Charakter, der einem nicht nur ins Herz kriecht, sondern da auch noch die Möbel umstellt. Ihre Welt ist alles andere als glamourös, aber durch die Art, wie sie erzählt, fühlt sich sogar Nudeln-mit-Ketchup wie ein kulinarisches Abenteuer an. Marika, ihre Mutter, ist einfach großartig – chaotisch, herzlich, und mit einer Fantasie, die jeden grauen Hochhaushimmel bunt anmalt.

Dann platzt die Großmutter ins Leben, als hätte jemand versehentlich den falschen Film eingelegt – und plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Was danach passiert, ist eine Mischung aus Coming-of-Age-Roadtrip, Herzschmerz und einer Prise „Was zur Hölle?“. Billies Reise in dem alten Nissan ist nicht nur eine Fahrt zu ihrem Vater, sondern auch eine Reise zu sich selbst – und manchmal musste ich laut lachen, manchmal hatte ich diesen Kloß im Hals, der sich hartnäckig weigert zu verschwinden.

Elena Fischer hat einen Schreibstil, der gleichzeitig leichtfüßig und tiefgründig ist, ohne dabei kitschig zu werden. Die Dialoge knistern vor Witz und Ehrlichkeit, und Billies Gedankenwelt ist so lebendig, dass man meint, selbst neben ihr auf dem Beifahrersitz zu sitzen. Besonders mochte ich, dass das Buch nie ins Überdramatische abrutscht, sondern auch in ernsten Momenten diesen leicht schrägen Humor behält.

Das Meer als wiederkehrendes Motiv hat mich total gepackt – es schwebt über der Geschichte wie ein Versprechen, das man unbedingt einlösen will. Jede Seite hat mich weiter reingezogen, und am Ende wollte ich Billie gar nicht gehen lassen. Paradise Garden ist für mich so eine Geschichte, die leise anfängt, dann aber tief ins Herz rauscht und noch lange nachhallt. Eine echte Entdeckung – und ja, volle fünf Sterne, weil weniger hier einfach nicht passen würde.

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Veröffentlicht am 13.08.2025

Abenteuer, Visionen und jede Menge Charme in Bildern

Jules Verne
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Dieses Buch hat mich regelrecht ins All katapultiert – und das, obwohl ich beim Lesen gemütlich auf dem Sofa saß. Olivier Sauzereau, Wyllow und C. M. C. Di Naso haben hier nicht nur ein Stück Literaturgeschichte ...

Dieses Buch hat mich regelrecht ins All katapultiert – und das, obwohl ich beim Lesen gemütlich auf dem Sofa saß. Olivier Sauzereau, Wyllow und C. M. C. Di Naso haben hier nicht nur ein Stück Literaturgeschichte in Bilder gepackt, sondern auch jede Menge Herzblut und Humor zwischen die Seiten gezaubert.

Jules Verne wird nicht wie ein staubiges Denkmal präsentiert, sondern wie ein lebendiger Kerl mit Visionen, Träumen und einer ordentlichen Portion Sturheit. Die Zeichnungen sind ein Fest für die Augen – detailreich, stimmungsvoll und so abwechslungsreich, dass man fast vergisst, dass es „nur“ Papier ist.

Dazu die Mischung aus Comic, historischen Fotos und Hintergrundinfos – das fühlt sich an, als würde man in eine Zeitmaschine steigen. Besonders gefällt mir, wie nahbar der Mensch Jules Verne gezeigt wird, inklusive seiner kleinen Schwächen. Man spürt förmlich den Drang, Neues zu entdecken, Grenzen zu sprengen und über den Tellerrand hinauszuschauen.

Wer dachte, er kennt Verne schon, wird hier angenehm überrascht. Die Dialoge sind lebendig und oft mit einem Augenzwinkern versehen, sodass man nicht nur staunt, sondern auch schmunzelt. Jede Seite ist ein Abenteuer, das Lust macht, noch tiefer in seine Bücher einzutauchen.

Die Recherche ist gründlich, ohne trocken zu wirken – ein Spagat, den nicht viele schaffen. Dazu diese elegante Übersetzung von Ingrid Ickler, die den Ton perfekt trifft. Die Graphic Novel liest sich leicht weg, bleibt aber lange im Kopf.

Kurz gesagt: Ein visueller und inhaltlicher Leckerbissen, der zeigt, dass große Geschichten nicht nur mit Worten, sondern auch mit Bildern erzählt werden können. Wer sich auf diese Reise einlässt, kommt garantiert inspiriert zurück.

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Veröffentlicht am 13.08.2025

Wenn Lernen wie ein Ausritt ins Glück ist

memo Wissen. Pferde
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Schon beim Aufschlagen war klar: Das ist kein trockenes Sachbuch, das ist eine Stallparty zwischen zwei Buchdeckeln. Wir haben uns direkt aufs Sofa geschmissen – Tochter mit Kuscheldecke, ich mit Kaffee ...

Schon beim Aufschlagen war klar: Das ist kein trockenes Sachbuch, das ist eine Stallparty zwischen zwei Buchdeckeln. Wir haben uns direkt aufs Sofa geschmissen – Tochter mit Kuscheldecke, ich mit Kaffee – und schon ging’s los: von wilden Mustangs bis zu den knuffigsten Shettys der Welt. Bei jedem Bild musste sie grinsen und meinte ständig: „Den will ich auch!“ Ich habe versucht, sie daran zu erinnern, dass wir ja schon ein Pferd haben, aber na ja … Träume dürfen galoppieren.

Die Mischung aus knackigen Fakten, genialen Fotos und diesen Infografiken ist einfach ein Volltreffer. Man lernt, ohne dass es sich wie Lernen anfühlt – und das sage ich, der sonst bei Infotexten manchmal abschaltet. Wir haben uns gegenseitig vorgelesen und dabei kleine Quizzes gemacht, wer sich die verrücktesten Pferderassen am besten merken kann. Spoiler: Sie hat gewonnen.

Besonders cool fand ich, wie die Geschichte der Pferde erzählt wird – vom Urpferdchen bis zu heutigen Sportchampions. Meine Tochter war total fasziniert davon, dass Kaltblüter echte Muskelpakete sind und nicht nur „langsame Dicke“, wie sie vorher dachte. Zwischendurch sind wir sogar zum Stall rübergegangen, um bei unserem Pferd zu überprüfen, ob es vielleicht doch heimlich ein Araber ist. Ergebnis: eindeutig nein, aber ein bisschen beleidigt hat es schon geschaut.

Das Buch ist wie gemacht für kleine und große Pferdefans, die gemeinsam staunen wollen. Selbst wenn man schon viel über Pferde weiß, gibt es hier ständig Aha-Momente. Wir haben so viel gelacht, gelernt und geblättert, dass wir glatt die Zeit vergessen haben. Und ja – die kahoot!-Fragen haben wir natürlich auch ausprobiert. Ganz klar: 5 Sterne von uns beiden, und wenn es ginge, würde unser Pferd vermutlich auch noch ein Hufeisen dazu vergeben.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Zwischen Familiendrama und Zukunftsvision – ein Roman wie ein Experiment

Gesellschaftsspiel
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Gesellschaftsspiel von Dora Zwickau ist so eine Art literarisches Überraschungsei – man weiß nie, ob man gleich schmunzeln, den Kopf schütteln oder tief nachdenken soll. Die Grundidee hat mich sofort gepackt: ...

Gesellschaftsspiel von Dora Zwickau ist so eine Art literarisches Überraschungsei – man weiß nie, ob man gleich schmunzeln, den Kopf schütteln oder tief nachdenken soll. Die Grundidee hat mich sofort gepackt: eine zerrüttete Familie, die sich am Sterbebett der Mutter wieder zusammenraufen muss, und mittendrin eine futuristische App, die angeblich die Demokratie aufpolieren will. Klingt verrückt? Ist es auch. Besonders spannend fand ich die Mischung aus Familiendrama und politischem Gedankenspiel – das bekommt man nicht alle Tage serviert. Manche Dialoge zwischen den Schwestern knistern vor unausgesprochener Wut, andere sind so trocken, dass man sich einen Schluck Wasser wünscht. Die Tante Dagmar ist mein heimlicher Lieblingscharakter, weil sie wie ein Katalysator für die schrägsten Momente wirkt. Der Tech-Milliardär schwebt über allem wie eine Mischung aus Visionär und Größenwahnsinniger, und genau das macht die Geschichte so zwiespältig.

Allerdings hat mich der Mittelteil stellenweise ausgebremst – da verliert der Roman etwas an Tempo und man fragt sich, ob die App nun gleich die Welt rettet oder ob wir alle erst noch in einer Beta-Version festhängen. Die gesellschaftskritischen Ansätze sind klug, keine Frage, nur hätte ich mir stellenweise weniger Theorie und mehr Emotionen gewünscht. Trotzdem gibt es immer wieder überraschende Szenen, die alles auf den Kopf stellen. Weimar als Schauplatz passt wie die Faust aufs Auge, auch wenn ich mir manchmal mehr Lokalkolorit erhofft hätte. Der Schreibstil ist flott, mit einem leichten Hang zu satirischen Seitenhieben, was die Sache angenehm würzt.

Am Ende bleibt ein Buch, das sich nicht so recht in eine Schublade stecken lässt – mal ernst, mal komisch, mal verstörend. Wer Lust auf ein literarisches Experiment mit gesellschaftspolitischem Unterton hat, wird hier sicher fündig. Für mich persönlich war es ein kurzweiliges Leseerlebnis mit kleinen Längen und einem Finale, das mehr Fragen als Antworten liefert. Genau das ist wohl auch Teil des Spiels. Drei Sterne – weil es interessant, eigenwillig und durchaus lesenswert ist, aber eben nicht ganz mein Volltreffer.

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