Drachenauge im Nebel der Worte
NavolaPrunkvolle Paläste, dekadente Feste, tödliche Intrigen – Navola hat alles, was ein Fantasyherz eigentlich höherschlagen lässt. Die Kulisse schreit förmlich nach Intrigen im Stile von Venedig, durchzogen ...
Prunkvolle Paläste, dekadente Feste, tödliche Intrigen – Navola hat alles, was ein Fantasyherz eigentlich höherschlagen lässt. Die Kulisse schreit förmlich nach Intrigen im Stile von Venedig, durchzogen von Machtspielen, scharfen Klingen und einer dicken Prise Gift. Genau das bekommt man auch – allerdings in einer epischen Länge, die eher wie ein nie endender Maskenball wirkt: schillernd, aber irgendwann sehnt man sich nach frischer Luft.
Davico di Regulai als Thronfolger einer Bankdynastie hat eigentlich Potenzial für Drama ohne Ende. Verrat in der Familie, Machtspiele zwischen Kaufleuten und das mysteriöse Drachenauge als Symbol – klingt nach einem Festschmaus für Fans von Martin und Sapkowski. Doch zwischen all den detailreichen Beschreibungen von Handelsverträgen, Verhandlungen und den sehr ausufernden Innenmonologen verliert sich die Spannung leider immer wieder. Wer sich gerne in endlosen Dialogen und barocken Beschreibungen suhlt, kommt hier voll auf seine Kosten. Wer Action oder zumindest flotten Erzählfluss erwartet, muss viel Geduld mitbringen.
Nicht falsch verstehen: Die Welt ist reich ausgestattet, voller Düfte, Farben und Intrigen – fast schon so opulent, dass man beim Lesen selbst ins Schwitzen kommt. Aber die Figuren bleiben über weite Strecken distanziert. Da zündet der Funke nur selten, und wenn er mal aufflammt, löscht die nächste Seite voller Handelsdebatten ihn gleich wieder.
Am Ende bleibt ein Roman, der sich wie eine kunstvoll bestickte Robe anfühlt: beeindruckend, schwer und schön anzusehen, aber unbequem zu tragen. Wer epische Fantasy mit Renaissance-Feeling liebt und die Geduld für ausschweifendes Erzählen mitbringt, darf sich hier ins blutrote Bad fallen lassen. Für mich persönlich war es ein bisschen zu viel Ausschweifung, zu wenig Biss – daher solide drei Sterne.