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Veröffentlicht am 27.05.2026

Wenn Weltpolitik plötzlich sehr nah wirkt

AUF MEINEM POSTEN
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Auf meinem Posten ist kein Buch, das man mal eben nebenbei wegatmet wie einen leichten Krimi auf dem Sofa. Hier sitzt man eher mit Kaffee da, liest zwei Seiten und denkt sich: Junge, was in dieser Welt ...

Auf meinem Posten ist kein Buch, das man mal eben nebenbei wegatmet wie einen leichten Krimi auf dem Sofa. Hier sitzt man eher mit Kaffee da, liest zwei Seiten und denkt sich: Junge, was in dieser Welt eigentlich alles gleichzeitig brennt, ist schon frech.

Jens Stoltenberg nimmt einen mit hinter die Kulissen der NATO, und genau da wird es spannend. Nicht im Sinne von Actionfilm mit Explosionen alle fünf Minuten, sondern eher dieses trockene, politische Dauerknistern, bei dem man merkt: Ein falscher Satz, ein falscher Moment, und irgendwo wird es richtig ungemütlich. Afghanistan, Krim, Ukraine, Russland, China, Trump, Merkel, Selenskyj, Putin. Das ist schon ein ziemlich schwerer Rucksack, den dieses Buch mitbringt.

Was mir gefallen hat: Stoltenberg schreibt angenehm klar. Kein unnötiges Fachchinesisch, kein aufgeblasenes Politiktheater, sondern viel Einordnung, viele Begegnungen und ein Blick darauf, wie Diplomatie funktioniert, wenn draußen längst Sturm ist. Man merkt natürlich, dass er seine eigene Rolle nicht komplett kritisch zerlegt. Überraschung, er schreibt hier nicht seine persönliche Abrechnung mit sich selbst. Trotzdem wirkt das Buch oft erstaunlich ruhig, reflektiert und nahbar.

Emotional wurde es für mich vor allem da, wo klar wird, wie wenig Sicherheit selbstverständlich ist. Da liest man plötzlich nicht mehr nur über Sitzungen, Bündnisse und Strategien, sondern über die ziemlich simple Frage: Wie verhindert man, dass aus Krise Krieg wird?

Für mich ist das ein starkes, wichtiges und sehr aktuelles Sachbuch. Nicht perfekt, weil es stellenweise etwas staatsmännisch bleibt. Aber definitiv lesenswert für alle, die verstehen wollen, warum Weltpolitik manchmal klingt wie trockene Aktenlage, sich aber anfühlt wie ein Pulverfass im Wohnzimmer.

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Veröffentlicht am 26.05.2026

Wenn Väter plötzlich Weltgeschichte schreiben

Männer, Väter, Patriarchen. Eine Geschichte von Liebe und Macht
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Vaterschaft klingt erstmal nach Windeln, Verantwortung und diesem besonderen Blick, wenn ein Kind einen komplett entwaffnet. Dieses Buch geht aber deutlich tiefer. Hier wird nicht nur gefragt, was ein ...

Vaterschaft klingt erstmal nach Windeln, Verantwortung und diesem besonderen Blick, wenn ein Kind einen komplett entwaffnet. Dieses Buch geht aber deutlich tiefer. Hier wird nicht nur gefragt, was ein Vater ist, sondern auch, warum Männer über Jahrhunderte so verdammt oft mit Macht, Kontrolle und gesellschaftlicher Ordnung verbunden wurden.

Augustine Sedgewick nimmt einen mit auf eine ziemlich große Reise. Aristoteles, Augustinus, Heinrich VIII., Darwin, Freud, da sitzt plötzlich eine ganze Runde berühmter Männer am Tisch und man denkt sich zwischendurch: Meine Güte, ihr habt aber auch alle euer Päckchen getragen. Und teilweise anderen gleich noch eins mit aufgedrückt.

Besonders stark fand ich, dass das Buch Vaterschaft nicht romantisch weichzeichnet. Es zeigt Liebe, Fürsorge und Nähe, aber eben auch Besitzdenken, Hierarchie und diesen alten patriarchalen Kram, der bis heute nachwirkt. Man liest das und nickt manchmal, dann schnaubt man kurz, dann denkt man wieder an den eigenen Vater, an sich selbst oder an Männerbilder, die man irgendwo übernommen hat.

Ganz ehrlich: Immer ganz leicht ist das nicht. Manche Passagen sind sehr dicht, manche Porträts wirken eher wie ausführliche Ausflüge als wie ein direkter roter Faden. Aber langweilig wurde es mir nicht. Dafür ist das Thema zu spannend und der Blick darauf zu scharf.

Für mich ein kluges, wichtiges und stellenweise richtig unbequemes Sachbuch. Kein Buch zum Wegatmen, eher eins zum Nachdenken, Markieren und zwischendurch mal kurz aus dem Fenster starren.

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Veröffentlicht am 26.05.2026

Ein Genie zwischen Labor, Größenwahn und Überleben

Der Kaiser von Dahlem
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Manchmal liegt ein Sachbuch vor einem und denkt sich wahrscheinlich: Komm, ich mache es dir heute nicht bequem. Genau so fühlt sich Der Kaiser von Dahlem an. Sam Apple erzählt von Otto Warburg, diesem ...

Manchmal liegt ein Sachbuch vor einem und denkt sich wahrscheinlich: Komm, ich mache es dir heute nicht bequem. Genau so fühlt sich Der Kaiser von Dahlem an. Sam Apple erzählt von Otto Warburg, diesem brillanten, schwierigen, exzentrischen Krebsforscher, der mitten im dunkelsten Kapitel Deutschlands weiterarbeitet, während um ihn herum die Welt moralisch komplett in Flammen steht.

Das ist keine gemütliche Biografie mit Tee und Kuscheldecke. Eher ein Buch, bei dem man zwischendurch dasitzt, die Stirn runzelt und denkt: Wie kann ein Leben gleichzeitig so faszinierend, so gefährlich und so widersprüchlich sein? Warburg war Nobelpreisträger, Genie, Eigenbrötler, Jude, lebte in einer homosexuellen Beziehung und überstand ausgerechnet die Nazizeit in einer Art unfassbarem Ausnahmezustand. Da schluckt man schon mal.

Besonders stark ist, wie Apple Wissenschaft nicht trocken auf den Tisch knallt. Krebsforschung, Zellatmung, Ernährung, Ideologie, Macht und Größenwahn werden zu einer Geschichte, die viel mehr ist als nur Labor und Mikroskop. Trotzdem merkt man: Das Buch fordert Aufmerksamkeit. Wer hier schnelle Spannung wie in einem Thriller erwartet, wird zwischendurch vielleicht kurz nach Kaffee Nummer drei greifen müssen.

Für mich ist Der Kaiser von Dahlem ein kluges, unbequemes und erstaunlich lebendiges Sachbuch über einen Mann, den man nicht einfach mögen muss, aber unbedingt verstehen will. Und genau das macht es so stark.

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Veröffentlicht am 26.05.2026

Wenn Familie zur Bühne wird

Die Scheinheiligen
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Manchmal reicht ein Familienurlaub, um Jahre später noch ordentlich Sand im Getriebe zu haben. Die Scheinheiligen klingt erst mal nach Vater-Tochter-Roman, aber da steckt deutlich mehr drin. Familie, Kunst, ...

Manchmal reicht ein Familienurlaub, um Jahre später noch ordentlich Sand im Getriebe zu haben. Die Scheinheiligen klingt erst mal nach Vater-Tochter-Roman, aber da steckt deutlich mehr drin. Familie, Kunst, Erinnerung, verletzter Stolz und diese herrlich unangenehme Frage: Wer darf eigentlich wessen Geschichte erzählen?

Sophia verbringt 2010 einen Sommer mit ihrem Vater auf Sizilien. Er ist Schriftsteller, erfolgreich, wortgewandt und offenbar ziemlich verliebt in die eigene Wichtigkeit. Autsch. Zehn Jahre später sitzt genau dieser Vater im Theater und schaut sich das Stück seiner Tochter an. Blöd nur, dass er ziemlich schnell merkt: Moment mal, das bin ja ich. Und zwar nicht gerade in der schmeichelhaften Version.

Was mir daran gefällt: Der Roman scheint nicht plump mit dem Finger zu zeigen. Es geht nicht nur darum, wer recht hat und wer danebenlag. Viel spannender ist dieses leise Knirschen zwischen den Perspektiven. Der Vater sieht sich anders, Sophia sieht ihn anders, und irgendwo dazwischen liegt vermutlich die Wahrheit und trinkt genervt einen Espresso.

Jo Hamya erzählt das mit Witz, Schärfe und Feingefühl. Nicht alles wirkt nach großer Kuscheldecke, eher nach einem elegant gedeckten Tisch, an dem plötzlich jemand die alten Rechnungen rausholt. Genau das macht den Reiz aus.

Für mich ist Die Scheinheiligen ein kluger, leicht bissiger Roman über Familie, Kunst und Vergebung. Kein Buch, das laut schreit, sondern eines, das einem später noch im Kopf herumspukt. Und ja, manchmal sind die scheinheiligsten Menschen eben die, die am schönsten über Wahrheit reden.

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Veröffentlicht am 25.05.2026

Wenn Feuer, Eis und Drachenherzen gemeinsam schlagen

Khyona (3). Gefährten von Feuer und Eis
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Feuer, Eis, Drachen und dieses kribbelige Gefühl, wenn man merkt, dass eine Geschichte sofort wieder nach Isslar zieht. Genau so ging es uns mit Khyona. Meine Tochter und ich haben das Buch als Buddyread ...

Feuer, Eis, Drachen und dieses kribbelige Gefühl, wenn man merkt, dass eine Geschichte sofort wieder nach Isslar zieht. Genau so ging es uns mit Khyona. Meine Tochter und ich haben das Buch als Buddyread gelesen, immer abwechselnd im gleichen Buch, und schon nach den ersten Kapiteln kam von ihr nur: „Okay, wir lesen heute aber noch weiter, oder?“ Da war klar, wir sind wieder drin.

Die Rückkehr nach Khyona fühlt sich groß, magisch und gleichzeitig vertraut an. Kari fiebert Andrik entgegen, aber statt ruhiger Sommerferien wartet eine schwarze Flotte, Krieg, Gefahr und eine Bedrohung, die selbst Feuer und Vulkanmagie an ihre Grenzen bringt. Besonders schön fand ich, wie Alice und John nicht einfach nur neben Kari stehen, sondern ihren eigenen Platz finden. Beim Lesen haben wir oft kurz gestoppt, uns angeschaut und direkt spekuliert, wer jetzt welche Rolle übernimmt.

Die Eisdrachen waren für uns ein echtes Highlight. Majestätisch, wild, gefährlich und trotzdem voller Hoffnung. Meine Tochter meinte an einer Stelle: „Ich will auch so einen Drachenpartner.“ Und ehrlich, ich konnte sie verstehen. Katja Brandis schafft es wieder, diese magische Island Kulisse so bildhaft zu erzählen, dass man Geysire, Eis, Rauch und Drachenflügel fast vor sich sieht.

Für uns war dieser Band spannend, emotional und richtig schön verbindend. Ein Fantasy Abenteuer, das nicht nur von Zusammenhalt erzählt, sondern sich beim gemeinsamen Lesen auch genau so angefühlt hat.

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