Nackt, laut, kompromisslos – Jennifer haut alles raus
NacktManchmal reicht schon der Name Jennifer Weist und man weiß, dass es knallen wird. Genau so ist dieses Buch. Direkt, laut, ehrlich – und manchmal so schmerzhaft ungeschönt, dass man am liebsten die Augen ...
Manchmal reicht schon der Name Jennifer Weist und man weiß, dass es knallen wird. Genau so ist dieses Buch. Direkt, laut, ehrlich – und manchmal so schmerzhaft ungeschönt, dass man am liebsten die Augen zumachen würde. Doch dann liest man weiter, weil man merkt: Das hier ist keine glattgebügelte Popstar-Story, sondern ein Memoir, das mitten ins Gesicht trifft.
Jennifer erzählt von einer Kindheit, die nicht nach rosa Watte schmeckt, von Drogen, Abgründen und Momenten, in denen das Leben unfairer nicht sein könnte. Das Ganze ohne Pathos, eher so, als würde sie einem im verrauchten Backstage davon berichten. Zwischendurch spürt man ihre Wut, ihre Verletzlichkeit – aber eben auch diesen Biss, der sie zu dem gemacht hat, was sie ist.
Klar, es geht auch um ihre Band Jennifer Rostock. Um Erfolge, die man im Nachhinein fast schon romantisieren könnte – wäre da nicht die knallharte Realität aus Machtmissbrauch, Sexismus und dem ewigen Kampf, sich als Frau in der Musikbranche zu behaupten. Genau da packt das Buch richtig zu, weil es nicht nur Erinnerungen sind, sondern auch ein Spiegel für eine ganze Generation.
Natürlich ist das nicht immer leichte Kost. Manche Kapitel wirken so roh, dass ich fast eine Pause brauchte. Humor blitzt eher selten durch – dafür umso mehr Haltung und Klartext. Wer hier auf seichte Popkultur-Häppchen hofft, ist falsch. Aber wer Jennifer schon mal gehört oder gesehen hat, weiß: So ein Buch kann nur kompromisslos sein.
Warum keine fünf Sterne? Ab und zu verliert sie sich in Details, die mich beim Lesen rausgehauen haben. Trotzdem bleibt unterm Strich ein mutiges, starkes Memoir, das zeigt: Nackt sein heißt nicht schwach sein, sondern verdammt stark.