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AndyRiedl

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.09.2025

Wenn der Hustle zum Hit wird

Hustle
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Ich mag das Cover nicht, so von der Ästhetik her. Auf der anderen Seite habe ich das Cover vermehrt in meine Timeline gespült bekommen und war interessiert. Und nachdem ich einen anderen Roman beendet ...

Ich mag das Cover nicht, so von der Ästhetik her. Auf der anderen Seite habe ich das Cover vermehrt in meine Timeline gespült bekommen und war interessiert. Und nachdem ich einen anderen Roman beendet hatte, war dieses Buch gerade hier hereingeflattert und gefühlt legte ich es erst wieder aus der Hand, als ich es wenige Tage später beendet hatte. Was war in der Zwischenzeit passiert?
Julia Bährs Roman Hustle verfügt über ein sehr angenehm zu lesendes Erzähltempo. Die Handlung erstreckt sich ungefähr über ein Jahr und der Erzählrhythmus ist einfach großartig. Derweil werden die unterschiedlichsten Thematiken verwoben. Die Wohnungskrise ist ein Bestandteil, genau wie obskure Hobbies, als auch die Sinnfrage und die Suche nach Nervenkitzel. Ich mag hie bewusst nicht spoilern, der Roman strotzt von originellen Ideen. Die Kunst des Romans liegt darin, diese vielen, tollen Ideen zu einem großen Ganzen sinnvoll zu verweben. Das ist sehr gut gelungen.
Dies gelingt Julia Bähr auch deshalb so gut, weil sie viele Fragen nicht auflöst. Genug, aber nicht alle. Und damit passt der Roman sehr gut in den aktuellen Zeitgeist. Das Leben ist komplex und es gibt nicht auf alles Antworten, und schon gar keine leichten. Das ist okay, weil die Hauptcharaktere, die weiblichen Münchner Avengers rund um Leonie, sich beweisen und den Herausforderungen stellen. Insgesamt habe ich das sehr gerne gelesen und empfehle es mit vollem Herzen weiter. Was ein Hit, der Hustle. Bravo!

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Veröffentlicht am 20.09.2025

Overhypte Mittelmäßigkeit

Lázár
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Nelio Biedermanns Roman „Lazar“ schlägt ja gerade Wellen. Da werden direkt die großen Vergleiche ausgepackt, z.B. mit Thomas Manns Buddenbrooks. Kann man machen, tut dem Buch aber unrecht. Einige Punkte ...

Nelio Biedermanns Roman „Lazar“ schlägt ja gerade Wellen. Da werden direkt die großen Vergleiche ausgepackt, z.B. mit Thomas Manns Buddenbrooks. Kann man machen, tut dem Buch aber unrecht. Einige Punkte mag ich hierzu feststellen: Biedermann hantiert gekonnt mit der deutschen Sprache. Er tut das für sein Alter ungewohnt filigran. Sein Wortschatz ist überdurchschnittlich groß und seine Sätze schön zu lesen.
Lazar ist dann aber leider trotzdem kein sehr gutes Buch. Warum? Biedermann erzählt die Geschichte einer Familie über mehrere Jahrzehnte hinweg. Dabei tritt keines der Familienmitglieder in den Mittelpunkt. Ein paar Stunden nach Ende der Lektüre muss ich mich bemühen, mich an die einzelnen Familienmitglieder zu erinnern. Es sind gute Ausschnitte dabei, die es an sich auch wert gewesen wären, detaillierter ausgearbeitet zu werden. Alleine, das Buch bringt das nicht mit. Was ich zu schätzen weiß, sind die gelungenen Einblicke in die eingearbeitete ungarische Landesgeschichte.
Und so schürft Biedermann an der Oberfläche dieser generationenübergreifenden Geschichte und verpackt alles in seine tolle Sprache. Als Leser musste ich mich durch Längen kämpfen und vergesse das Buch recht schnell wieder. Schade. Aber da gab es dieses Jahr schon bessere deutschsprachige Neuerscheinungen.

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Veröffentlicht am 07.09.2025

Eine weirde Mischung

Dr. No
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Vorweg mach ich festhalten: Das war meine erste Lektüre eines Buchs von Percival Everett. Ich habe mich hier drauf gestürzt und hatte große Vorfreude, nachdem James bei vielen Bekannten so viel Zuneigung ...

Vorweg mach ich festhalten: Das war meine erste Lektüre eines Buchs von Percival Everett. Ich habe mich hier drauf gestürzt und hatte große Vorfreude, nachdem James bei vielen Bekannten so viel Zuneigung erfahren hat. Eine hohe Erwartungshaltung kann einem den Spaß auch verderben. Ich glaube das löst einen Teil meiner Enttäuschung in diesem Fall aus. Der Roman ist aber auch eine wilde Mischung unterschiedlicher Einflüsse und Elemente. Und aus meiner Sicht ist diese leider nicht sehr gut gelungen.
Wenn wir mal das wenig ansprechende Cover vernachlässigen und uns „nur“ auf den Inhalt konzentrieren, dann finden wir einen spannenden Hauptcharakter vor, der Mathematikprofessor und Asperger-Autist ist. Das Buch könnte sich nur um sein Leben drehen, und damit wäre es schon spannend. Was nämlich funktioniert, ist die Kombination mit seinem Forschungsschwerpunkt „nichts“. Da stecken originelle Ideen drin, die ein Buch tragen können. Percival Everett hat das nun in James Bond Bösewicht Setup gepackt, das schlicht absurd ist. Er erzeugt einen Bruch zwischen den unterschiedlichen Perspektiven, der zumindest in meinem Kopf nicht durch seine gelungene und gut lesbare Erzählweise gekittet werden kann. Das Konzept des Buchs geht einfach nicht auf und Dr. No ist eben nicht das nächste Station Eleven. Schade, schade Marmelade. Da gab es dieses Jahr schon bessere Bücher und ich empfehle dieses Buch nicht.

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Veröffentlicht am 30.08.2025

Ein eindrucksvolles Frauenleben

6 aus 49
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Jaqueline Kornmüller setzt ihrer Oma ein Denkmal. Und was für eins. Lina hat ein eindrucksvolles Leben geführt, mit Tiefen aber auch mit vielen Höhen. Mit Glück und mit Schwierigkeiten. Und er für sich ...

Jaqueline Kornmüller setzt ihrer Oma ein Denkmal. Und was für eins. Lina hat ein eindrucksvolles Leben geführt, mit Tiefen aber auch mit vielen Höhen. Mit Glück und mit Schwierigkeiten. Und er für sich selbst erträumt, einem Familienmitglied ein literarisches Denkmal zu setzen, der sollte dieses Buch lesen. Es ist von der erzählerischen Struktur mit seinen 49 Kapiteln absolut gelungen, sprachlich schön geschrieben und hat mich überaus positiv überrascht.
Dazu kommt, dass ich selbst aus dem süddeutschen Raum komme und mir die Auseinandersetzung mit der Stadt mit dem Bindestrich sehr gut gefällt. Es geht um Garmisch-Partenkirchen, dessen Zusammenschluss auf die Nazis zurückgeht und deren Geist dort immer noch zu erkennen ist. Dies wurde in diesem Buch äußerst mahnend und mit kritischer Feder integriert. Auch hierfür: Chapeau.
Bei meiner Lesefrequenz stellt sich nach jedem Buch die Frage, ob es ins Regal einziehen und bleiben darf. Das darf „6 aus 49“ sicher. Ich werde es weiterempfehlen und anderen Menschen zum Lesen in die Hände drücken. Danke Jaqueline Kornmüller für dieses schöne Werk.

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Veröffentlicht am 13.08.2025

Persönliche und herzliche Momente im Leben einer Bäuerin

Die Frau des Farmers
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Helen Rebanks hat ein persönliches Memoir verfasst. Es geht um ihr Leben, welches sie anekdotisch an einem Tag und chronologisch nacherzählt. Dazu hat sie die vielen Rezepte gepackt, mit denen sie ihre ...

Helen Rebanks hat ein persönliches Memoir verfasst. Es geht um ihr Leben, welches sie anekdotisch an einem Tag und chronologisch nacherzählt. Dazu hat sie die vielen Rezepte gepackt, mit denen sie ihre Familie über die Jahre ernährt hat und die in Erinnerung bleiben sollen. Das Buch ist damit eine zutiefst persönliche Angelegenheit.
Der Titel lädt dabei schon dazu ein, in eine Klischeefalle zu tappen. Und natürlich erfüllt Rebanks zusammen mit ihrer Familie das ein oder andere davon, wie wahrscheinlich wir alle. Auf der anderen Seite sind Helen Rebanks und ihr Mann James keine Landwirte aus dem Bilderbuch. Ihr Weg zur eigenen Landwirtschaft war nicht geradlinig. Sie haben ihren Betrieb nach ihren eigenen Vorstellungen aufgebaut.
Am Ende ist es das, was das Buch so eindrücklich für mich gemacht hat. Den eigenen Weg zu finden, wo dieser nicht direkt vorgezeichnet ist. Darauf zu vertrauen, mit dem richtigen Partner für die eigene Familie den richtigen Weg schon identifizieren zu können. Der offene Umgang mit Scham, Fehlschlägen und Ablehnung, als auch Konflikten in der Beziehung. Ich habe die Lektüre als bereichernd empfunden und werde vielleicht für das ein oder andere Rezept das Buch erneut zur Hand nehmen.

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