Cover-Bild Dr. No
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26,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Hanser, Carl
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 320
  • Ersterscheinung: 19.08.2025
  • ISBN: 9783446284173
Percival Everett

Dr. No

Roman
Nikolaus Stingl (Übersetzer)

Nach dem Welterfolg von »James« der neue Roman von Pulitzer-Preisträger Percival Everett – ein satirischer Seitenhieb auf die USA und ihre seltsamen Milliardäre

Ein brillantes Kabinettstück mit Schurken à la James Bond: Dr. No ist ein renommierter Professor für Mathematik an der Brown University, Experte für das Nichts. Das macht ihn zum perfekten Berater für den Schwarzen Milliardär John Sill. Dieser will einen in Fort Knox bewahrten Schuhkarton knacken, in dem sich angeblich »nichts« befindet. Denn wer das Nichts kontrolliert, soll die Weltherrschaft an sich reißen können – und Sill sinnt wegen der jahrhundertelangen Ungerechtigkeit der Weißen auf Rache. Percival Everett hat einen hinreißenden Spionageroman und einen satirischen Seitenhieb auf Ethnie und Macht in den USA geschrieben.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.10.2025

Gesellschaftskritisch, satirisch, anspruchsvoll

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Wer hätte gedacht, dass ein Roman über Nichts so klug und humorvoll sein und dabei gleichzeitig ganz tief den Finger in die Wunden unserer Gesellschaft legen kann? Vom Attentat auf Martin Luther King bis ...

Wer hätte gedacht, dass ein Roman über Nichts so klug und humorvoll sein und dabei gleichzeitig ganz tief den Finger in die Wunden unserer Gesellschaft legen kann? Vom Attentat auf Martin Luther King bis in die Gegenwart verwandelt Percival Everett seine pointierte Gesellschaftskritik in einen skurrilen, humorvollen und nicht weniger anspruchsvollen Spionageroman im Stile James Bonds. Wer hier der Bond ist, bleibt gewiss oft zweifelhaft.

Im Mittelpunkt: Wala Kitu, Mitte 30, Professor an der Brown University, brillanter Mathematiker und Experte für nichts. Eines Tages wird Wala vom Milliardär John Sill angesprochen, der seine Unterstützung benötigt, um nicht weniger als ein Superschurke zu werden und die moderne USA zu zerstören. Und dafür benötigt er nichts, für das zufällig Kitu der Experte ist. Klingt verwirrend und skurril? Ist es auch! Und genau das macht den Reiz dieses Romans aus, der sich stets zwischen Philosophischer Theorie, Mathematik sowie Logik und Paradoxie bewegt.

Als Bond-Girl firmiert in einer spektakulären Verwandlung Walas Kollegin Professor Eigen Vector. In der Auseinandersetzung mit Vector spielt Everett nicht nur mit dem Klischee des Bond Girls, zu dem Eigen erst wird, nachdem sie unter Drogen gesetzt und ihr komplette Identität als intelligente Frau abgelegt hat, sondern thematisiert auch andere Formen von Sexismus in der modernen Gesellschaft, zum Beispiel in der Gehaltsstruktur.

Ich denke der Roman macht am meisten Spaß, wenn man die philosophischen, logischen und mathematischen Aspekte darin tatsächlich mitdenkt und versteht, ohne dass ich an der Stelle behaupten möchte, dass mir das durchgängig gelungen ist. Was oft so absurd klingt, ist es jedoch tatsächlich nicht, sondern verweist auf zentrale wissenschaftliche, philosophische Fragestellungen. Sicher nicht zufällig kommen sehr schnell Sartre und Heidegger in den Sinn, die dem Nichts eben viel mehr als nichts zuschreiben, sondern, obgleich durchaus theoretisch different, es als zentrale Bedingung des Seins herleiten. Ich habe den Eindruck, dass der Autor sich hier richtig austoben konnte und so geschrieben hat, wie er selbst denkt und fühlt, ohne dabei auf kommerzielle Aspekte Rücksicht zu nehmen. Für mich ein echter Lichtblick in der Fülle aktueller Literatur, in der sich gefühlt jede Journalistin/Schauspielerin/Influencerin etc. als Schriftstellerin berufen fühlt.

Ich mochte den Humor unglaublich gern, so wunderbar trocken und klug. Trotz aller Bissigkeit fand ich gerade die Einblicke in die Lebenswelt im Autismus-Spektrum sehr gut herausgearbeitet, ebenso wie die beginnende emotionale Bindung zwischen Eigen und Wala.

Everest beweist in Dr. No einmal mehr, was für ein aufmerksamer Beobachter unserer Gesellschaft er ist, denn neben der rassismuskritischen Perspektive, die gewissermaßen Grundlage des Romans ist, integriert er u.a. auch Kirchenkritik und Sexismus sehr deutlich in den Plot.

Für mich war Dr. No ein echtes Highlight, das ich unbedingt allen ans Herz lege, die sich gern in theoretische Konzepte reindenken und bitterböse Gesellschaftskritik zu schätzen wissen!

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Die Wichtigkeit von Nichts

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Wala Kitu, der eigentlich Ralph Townsend heißt, ist Mathematiker und Professor an der Brown University in Providence (USA). Er hat sich auf das Nichts spezialisiert. Der Wissenschaftler ist Mitte 30, als ...

Wala Kitu, der eigentlich Ralph Townsend heißt, ist Mathematiker und Professor an der Brown University in Providence (USA). Er hat sich auf das Nichts spezialisiert. Der Wissenschaftler ist Mitte 30, als John Milton Bradley Sill, ein Multimilliardär, auf ihn aufmerksam wird. Der reiche Schurke macht ihm ein unmoralisches Angebot, das der Experte kaum ablehnen kann. Sill hat es auf den Goldspeicher in Fort Knox abgesehen, genauer gesagt: auf das Nichts, das er im großen Tresorraum vermutet. Aber wie schafft man dieses fort? Bei dieser und anderen Fragen soll ihm Wala Kitu für drei Millionen Dollar behilflich sein…

„Dr. No“ ist ein Roman von Percival Everett.

Der Roman ist eher kleinteilig aufgebaut. Erzählt wird in elf Teilen, die jeweils aus mehreren Kapiteln bestehen, in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Wala.

In sprachlicher Hinsicht sind vor allem die lustigen, exzessiv genutzten Wortspielereien auffällig. Das betrifft in erster Linie das Wort „nichts“. Aber auch eine Menge sprechender Namen, Mehrdeutigkeiten, Metaphorik und Symbolik steckt in dem herausfordernden Text, übersetzt von Nikolaus Stingl. Dabei wechselt der Roman zwischen flotten, umgangssprachlichen Dialogen und Gedankengängen im Fachjargon.

Auf den nur wenig mehr als 300 Seiten mutet die Handlung teilweise etwas nach Klamauk an. Nicht alle Szenen und Wendungen wirken realistisch, vieles hat sogar skurrile oder absurde Züge. Die Figuren sind recht schräg und überspitzt dargestellt. Das liegt auch daran, dass die Geschichte als eine Satire oder Persiflage auf die James-Bond-Filme zu lesen ist. Das lässt bereits der trefflich gewählte Titel erahnen, der 1:1 aus dem englischsprachigen Original übernommen wurde. Auch zu weiteren Filmen gibt es Referenzen.

Dennoch hält der Roman einige ernste Themen bereit. Insbesondere nehmen philosophische Gedanken und mathematische Exkurse viel Raum in der Geschichte ein, allen voran das Nichts. Obwohl nicht alle theoretischen Ausführungen für Laien in Gänze nachvollziehbar sind oder zum Teil sogar verwirren, haben mich diese Passagen nur geringfügig gestört.

Darüber hinaus enthält die Geschichte immer wieder Verweise auf bedenkliche Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit: Verschwörungstheorien, Machtmissbrauch, das Erstarken rechter, radikaler und faschistischer Ideologien, die Auflösung der Gewaltenteilung und ähnliche politische Tendenzen. Darin fügt sich eine latente Kapitalismuskritik ein. Zudem ist ein weiterer Aspekt früherer Romane auch in dieser Geschichte zu finden: der Alltagsrassismus gegenüber der schwarzen Bevölkerung, der hier erneut pointiert geschildert und angeprangert wird.

Mein Fazit:
Wie bei „Die Bäume“ ist Percival Everett eine ungewöhnliche, verrückte Geschichte gelungen, die von Wortwitz, absurden Szenen, einer speziellen Komik, aber auch gesellschaftskritischen Elementen geprägt ist. Mit „Dr. No“ hat mich der Autor wieder einmal auf intelligente Art sehr gut unterhalten und zugleich überraschen können. Definitiv lesenswert!

Veröffentlicht am 09.09.2025

Lesehighlight

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Es ist mein erster Roman von Percival Everett und ich bin restlos begeistert. Der Autor schreibt mit großer Erzählkunst über Wala Kitu, der ein ruhiges und zurückgezogenes Leben führt. Er ist Mathematik-Professor ...

Es ist mein erster Roman von Percival Everett und ich bin restlos begeistert. Der Autor schreibt mit großer Erzählkunst über Wala Kitu, der ein ruhiges und zurückgezogenes Leben führt. Er ist Mathematik-Professor und Experte für das Nichts. Als der schwarze Milliardär John Sill ihn um Unterstützung bittet, ist es mit dem ruhigen Leben vorbei. Das Trio wird von der autistischen Mathematikerin Eigen Vector vervollständigt.

Percival Everett ist ein großartiger Erzähler. Grandioser Wortwitz, intelligente Wortspiele, Ausflüge in die Philosophie zeichnen diesen satirischen Spionageroman aus. Macht und Machtmissbrauch und Diskriminierung sind die Themen seines Romans. Natürlich sind weder Titel noch die Namen zufällig gewählt. Sicher ist mir die eine oder andere Anspielung entgangen, denn einige Vorkenntnisse sind für die Lektüre dieses anspruchsvollen Romans von Vorteil. So wäre es nicht schlecht, zu wissen, dass „Nichts“ nicht die Abwesenheit von etwas ist, wie schon Otto von Guericke beschrieben hat.

Der Roman mit Tiefgang ist äußerst amüsant zu lesen, macht jedoch auch nachdenklich.

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Das Nichts ist alles und für die Weltherrschaft entscheidend

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Percival Everett ist, das hat er schon mehrfach bewiesen, ein wahrer Meister des Wortes und der Fähigkeit, damit zu spielen, um, auf sehr unterschiedliche Art, Kritik zu üben, an der Welt von heute.
Sein ...

Percival Everett ist, das hat er schon mehrfach bewiesen, ein wahrer Meister des Wortes und der Fähigkeit, damit zu spielen, um, auf sehr unterschiedliche Art, Kritik zu üben, an der Welt von heute.
Sein neuester Roman, ein wirklich, im wahrsten Sinne des Wortes, Kabinettstückchen, ist die Geschichte vom Nichts, dem so entscheidenden wichtigen Teil, um sich den Traum zu erfüllen, die Weltherrschaft zu erlangen. Dieses irrsinnige kunstvolle Werk bezieht sich vor allem auf seine Heimat USA und steht im Kontext des Geschehens für eine kritische Betrachtung der dortigen gesellschaftlichen politisch getragenen Entwicklungen.
Der superreiche Mensch, der hier von der Weltherrschaft träumt, heißt John Sill und er bedient sich der Hilfe des absoluten Experten auf dem Gebiet der Forschung zum Nichts, des Mathematik-professors Dr. No, der eigentlich Wala Kitu heißt. Dr. No ist ein redlicher Mann, der nur für seine Arbeit lebt und nichts von dem möglichen Missbrauch seiner Froschung wissen will. Und er gerät in seiner Naivität, ist das so?, mitten hinein in eine Art Spionagegeschehen, in dem es um einfach alles geht.
Da ist durchaus Spannung mit im Spiel, aber das Faszinierende an der Geschichte ist das miteinander Verweben von grandios gestalteten Dialogen, wissenschaftlichen Einbindungen mit richtig viel Anspruch und all den skurilen, herrlich schrägen Irrungen und Wendungen, die beim Leser ein ganzes Potpourri an Gefühlen herauskitzelt. Das ist zum Kopfschütteln lustig und gleichzeitig doch auch so verdammt ernst, bei so viel Realität, die hier durchschimmert. Davor kann man sich nicht verschließen.
Dieser Roman, er ist nicht ganz leicht zu lesen, absolut speziell, von hoher Kunst an Wort und Witz und einfach ein Ereignis, für alle.

Veröffentlicht am 01.09.2025

unterhaltsam verrückte, mathematische Bond Sartire

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Wala Kitu forscht an der renommierten Brown Universität an nichts, an dem Nichts. John Sill möchte ins US-amerikanische Fort Knox, dem Golddepot der USA einbrechen, um das angeblich dort gelagerte Nichts ...

Wala Kitu forscht an der renommierten Brown Universität an nichts, an dem Nichts. John Sill möchte ins US-amerikanische Fort Knox, dem Golddepot der USA einbrechen, um das angeblich dort gelagerte Nichts zu stehlen. Wala Kitu wird engagiert, um Sill im Umgang damit zu unterstützen.

Das Buch kann man getrost als eine Mischung aus Spionageroman, Science-Fiction, Satire und philosophische Betrachtung bezeichnen. Man hat einen eher verrückten Professor, „Dr. No“ der das Nichts erforscht. Einen klassischen Schurken, den Milliardär John Will, ein Bond Girl Eigen und Gloria, ein Roboter. Speziell den Professor fand ich auf Grund seiner Unbedarftheit und Schrullen – gut er ist im Spektrum- faszinierend und es erlaubt damit der Geschichte, den Lauf, den sie nimmt. Alle Figuren sind satirisch entsprechend überzeichnet und man findet Elemente aus diversen Actionfilmen wieder, wie Men in Black, also sonderlich glaubhaft ist die Geschichte nicht.

Die philosophisch mathematischen Ergüsse vor allem zu Beginn, führen schon mal leicht zu Kopfschmerzen, wenn man nicht vom Fach ist, jedoch können diese Stellen auch getrost übersprungen sein.

Hintergründig läuft immer etwas Systemkritik an den Vereinigten Staaten mit, den Ressentiments und Problemen die Schwarze in den USA ausgesetzt sind und auch das Luxusleben der Superreichen allgemein wird thematisiert. Andere Werke des Autors haben aber vielleicht eine größere gesellschaftlichere Relevanz, da sie diverse Probleme in den USA stärker thematisieren.

Man erhält hierbei also einen unterhaltsam geschriebenen Schurkenroman, gewürzt mit mathematischen und philosophischen Überlegungen zum Nichts.