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Veröffentlicht am 11.07.2026

Mehr Frieden am Familientisch

Wie Kinder essen
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Immer nur Nudeln mit Ketchup? Oder ausschließlich Lust auf Fast Food und Süßes? Wenn es am Essenstisch immer wieder zu Streit, Widerstand oder Unruhe kommt, sind Eltern nicht nur genervt, sondern oft auch ...

Immer nur Nudeln mit Ketchup? Oder ausschließlich Lust auf Fast Food und Süßes? Wenn es am Essenstisch immer wieder zu Streit, Widerstand oder Unruhe kommt, sind Eltern nicht nur genervt, sondern oft auch in Sorge. Welches Essverhalten ist normal? Wie wird das Essen endlich stressfrei? Und worauf muss ich bei meinem Kind tatsächlich achten?

„Wie Kinder essen - Kindliches Essverhalten verstehen, Prägungen reflektieren und Familie entspannen“ ist ein Sachbuch von der Psychologin Ronia Schiftan.

Eingerahmt von einem Vorwort und einem Nachwort, setzt sich das Buch aus fünf Kapiteln zusammen, die wiederum in mehrere Abschnitte gegliedert sind. Jedes Kapitel endet mit einer inhaltlichen Zusammenfassung („Auf einen Blick“).

Das Buch vermittelt Basiswissen zur Ernährungspsychologie. Es erklärt, warum Hunger, Appetit und Sättigungsgefühl bei Kindern meist anders als bei Erwachsenen funktionieren, wie sich der Geschmack bei ihnen entwickelt und wie sich ein positives Körperbild und gesundes Essverhalten fördern lassen. Dabei lädt das Buch dazu ein, die eigene Essbiografie und Prägung zu hinterfragen und zu reflektieren und einen entspannten Umgang am Tisch zu pflegen. Auch auf spezielle Herausforderungen wie Neurodivergenz, Unverträglichkeiten, Übergewicht und ähnliche Aspekte geht das Sachbuch ein. Somit liefert es einen umfangreichen Überblick zum kindlichen Essverhalten.

Nicht erst bei der Durchsicht des umfassenden Quellenverzeichnisses wird die fachliche Expertise der Autorin deutlich. Zwar tauchen Fremdwörter und Fachtermini im Text auf. Dennoch sind die Erläuterungen nachvollziehbar und selbst für Laien verständlich. Dazu tragen sicherlich auch die anonymisierten Fallbeispiele bei. Farblich hervorgehobene Infoboxen mit Begriffserklärungen und theoretischen Einordnungen erleichtern ebenfalls das Verständnis und vertiefen einzelne Punkte. Hilfreich sind auch die zusätzlichen Leseempfehlungen.

Die Reflexionsimpulse und -fragen unterstützen dabei, die theoretischen Inhalte auf die praktische Ebene zu heben. Zusätzliche Ideen und Anregungen aus der Praxis sind in das Buch integriert. Insgesamt hätte es mir an der einen oder anderen Stelle durchaus noch etwas konkreter werden dürfen.

Mein Fazit:
Wer sich dafür interessiert, was hinter dem Essverhalten der eigenen Kinder steckt, und mehr Ruhe an den Familientisch bringen möchte, findet im neuen Sachbuch von Ronia Schiftan aufschlussreiche Hintergründe. „Wie Kinder essen“ ist eine interessante und empfehlenswerte Lektüre für Eltern und andere wichtige Bezugspersonen.

Veröffentlicht am 07.07.2026

Von Machtdurst und Liebeshunger

Die Liebeshungrigen
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Dan Lehman, Mitte 60, ist depressiv, alkoholsüchtig und abhängig von Beruhigungsmitteln. Nach fünf Jahren chaotischer Amtszeit als französischer Staatspräsident wurde er vor etwa einem Jahr abgewählt und ...

Dan Lehman, Mitte 60, ist depressiv, alkoholsüchtig und abhängig von Beruhigungsmitteln. Nach fünf Jahren chaotischer Amtszeit als französischer Staatspräsident wurde er vor etwa einem Jahr abgewählt und steht mittlerweile im politischen Abseits. Nun droht er, komplett in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Sein Buch, das er als Romanbiografie angelegt hat, bleibt hinter den Erwartungen. In seiner Ehe lief es schon besser. Seine 25 Jahre jüngere Frau, die deutschstämmige Hilda Müller, hingegen feiert als Schauspielerin ein Karrierehoch. Und das ist noch nicht alles, was Lehman gegen den Strich geht…

„Die Liebeshungrigen“ ist ein Roman von Karine Tuil.

Der Roman rechnet mit der gesellschaftlichen und politischen Elite Frankreichs ab, insbesondere mit den Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen. Es geht um Eitelkeiten und Körperkult, um Machtstreben und -missbrauch, um den Kampf um Aufmerksamkeit, um Intrigen, Täuschungsmanöver und Gehässigkeiten. Dabei zeigt die Geschichte auf, wie verlogen und trügerisch die Politik- und Medienbranche ist und wie schnell die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verwischen. Sie macht zudem klar, welche zerstörerischen Auswirkungen die Scheinwelt und welche Schattenseiten der Ruhm haben können.

Auf knapp 400 Seiten liefert der Roman eine interessante und kluge Analyse der modernen Gesellschaft Frankreichs. In unterhaltsamer, bissiger und teils humorvoller Manier, aber mit Anspruch legt er die Finger in mehrere Wunden. Er entlarvt unter anderem moralische Verkommenheit, menschliche Abgründe, misogyne Strukturen und die Korrumpiertheit der Eliten. Persönliche Dramen und Schicksale verleihen der Geschichte zusätzliche Würze.

Protagonist Dan Lehman ist eine fiktive Figur, wirkt aber wie eine etwas verfremdete Mischung der Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy und François Hollande. Auch weitere Charaktere zeigen Parallelen zu tatsächlichen Persönlichkeiten. Dennoch handelt es sich nicht um einen Schlüsselroman im eigentlichen Sinne. Stattdessen werden die Figuren erstaunlich facettenreich und detailliert gezeichnet.

Die Geschichte gliedert sich in drei Teile mit insgesamt 67 kurzen Kapiteln, in personaler Perspektive verfasst, und weiteren umnummerierten Kapiteln, erzählt in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Lehmans Ex-Frau, Marianne Bassani. Diese Komplexität schlägt sich erfreulicherweise auch in stilistischer Varianz nieder.

In anderer Hinsicht hat mich die Sprache des Romans ebenfalls überzeugt. Die Übersetzung von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch ist angenehm unauffällig.

Der deutsche Titel weicht erheblich ab vom französischen Original („La guerre par d'autres moyens“), das ich wesentlich treffender formuliert finde. Unglücklich ist meiner Ansicht nach zudem, dass das deutsche Cover mit KI erstellt wurde.

Mein Fazit:
Erneut ist Karine Tuil ein überzeugender Gegenwartsroman gelungen, der Missstände der modernen Gesellschaft schonungslos offenlegt und menschliches Verhalten kritisch beleuchtet. Dabei hat mich „Die Liebeshungrigen“ sehr gut unterhalten. Definitiv empfehlenswert!

Veröffentlicht am 30.06.2026

Die Weite des Meeres und die Enge der Insel

John of John
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Vier Jahre ist es her, dass der 22-jährige Cal, eigentlich John-Calum Macleod oder auch John of John of Iain of Iain the Breabadair, die Gemeinde Falabay auf der Insel Harris am äußersten Rand Schottlands ...

Vier Jahre ist es her, dass der 22-jährige Cal, eigentlich John-Calum Macleod oder auch John of John of Iain of Iain the Breabadair, die Gemeinde Falabay auf der Insel Harris am äußersten Rand Schottlands verlassen hat. Für ein Kunststudium am College in Edinburgh hat er seiner Heimat, den Hebriden, den Rücken zugekehrt und wollte danach nicht mehr zurück. Doch der Gesundheitszustand seiner Großmutter Ella, eigentlich Eleanor Morrison, hat sich scheinbar verschlechtert. Deshalb hat ihn sein Vater John (46), gläubiger Presbyterianer und Diakon der Kirche, zurück nach Hause beordert. Was beide nicht wissen: Sie halten jeweils ein großes Geheimnis vor dem anderen verborgen.

„John of John“ ist ein Roman von Douglas Stuart.

Erzählt wird die Geschichte in 26 Kapiteln aus personaler Perspektive, vorwiegend aus der Sicht von Cal. Der Roman spielt hauptsächlich auf einer kleinen Insel mit einer engen gesellschaftlichen Ordnung.

Das dominierende Thema ist Homosexualität in einem sehr homophoben, religiös geprägten Umfeld. Die Geschichte zeigt auf, was passiert, wenn gleichgeschlechtliche Liebe weder ausgelebt noch akzeptiert wird: das Ausbleiben tiefergehender Gespräche, Geheimniskrämerei, Einsamkeit, emotionale Verletzungen, empfundene Ohnmachtsgefühle und einiges mehr. Dabei liegt der Fokus vor allem auf den innerfamiliären Konflikten und Beziehungen.

Eindrucksvoll bringt der Roman die Kunst des Webens nahe, eine traditionelle, aber auch anspruchsvolle Handarbeit. Er schildert, unter welch‘ recht prekären Umständen der typische Harris-Tweed hergestellt wird. Darüber hinaus beschreibt er anschaulich das karge Inselleben und die raue Natur der Hebriden.

Es sind vor allem die männlichen Figuren, Vater John und Sohn Cal, die die Geschichte dominieren. Zwei Charaktere, die zwar ein wenig klischeehaft wirken, ich aber aufgrund ihrer Fehler und Kanten als interessant empfunden habe.

Auf den rund 550 Seiten entfaltet sich die Geschichte in einem gemächlichem Tempo. Erst nach und nach wird die Vergangenheit von Vater und Sohn ausgebreitet. Zwar hat der Roman mehrere überraschende Momente. Besonders fasziniert hat mich allerdings, wie entschleunigend und berührend die Geschichte ist.

Der Text ist wunderbar unaufgeregt und zugleich sehr eindringlich und atmosphärisch. Immer wieder finden sich tolle Sprachbilder. Gälische Sätze und Einstreuungen, die übersetzt werden, verleihen den Dialogen Authentizität.

Mein Fazit:
Wieder einmal hat es Douglas Stuart geschafft, mich emotional zu bewegen und meinen Horizont zu erweitern. „John of John“ ist ein einnehmender, sehr lesenswerter Roman. Ein Highlight im Frühjahr 2026!

Veröffentlicht am 22.06.2026

Zwischen drei Leben

People in Love
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Nora (31) und Robin (37) sind schon seit neun Jahren zusammen. Dennoch ist sie überrascht über den Ring, den er gekauft hat. Aber Nora zögert trotzdem nicht lange und stimmt einer Hochzeit zu. Zu ihrem ...

Nora (31) und Robin (37) sind schon seit neun Jahren zusammen. Dennoch ist sie überrascht über den Ring, den er gekauft hat. Aber Nora zögert trotzdem nicht lange und stimmt einer Hochzeit zu. Zu ihrem Erstaunen kommt auch Bren Ferguson, ihr früherer Nachbar und ihre einstige Jugendliebe, zur Verlobungsparty. Zwölf Jahre lang haben sich die beiden nicht mehr gesehen. Warum ist er damals abgehauen, um die Welt zu bereisen? Und können sich die zwei wieder zusammenraufen, nachdem ihr Kontakt zuletzt deutlich abgekühlt war?

„People in Love“ ist ein Roman von Claire Daverley.

Der Roman setzt sich aus 28 Kapiteln zusammen.Erzählt wird die Geschichte aus wechselnder personaler Perspektive, vor allem aus der Sicht von Nora und der von Bren.

Auf der inhaltlichen Ebene geht es nicht nur um die romantische Liebe, sondern insbesondere auch um Lebensentscheidungen. Der Roman thematisiert verpasste Chancen, Missverständnisse und die Fallstricke menschlicher Beziehungen. Eine wichtige Rolle spielen zudem Traumata und schwer zu verarbeitende Erlebnisse.

Auf den knapp 400 Seiten erwartet die Lesenden keine seichte, klischeehafte Lovestory mit übertriebener Dramatik und Kitsch, sondern eine unaufgeregt erzählte und langsam entfaltende Geschichte mit wohldosierten Emotionen. Dabei kommt der Unterhaltungswert allerdings nicht zu kurz.

Auch die Figuren erscheinen lebensnah. Nora, Bren und Robin werden mit psychologischer Tiefe und einigen Makeln dargestellt.

Der Text ist geprägt von vielen Dialogen, die authentisch klingen. Die Sprache ist unspektakulär, aber anschaulich und angemessen. Die Übersetzung von Anja Mehrmann und Anne Thomas wirkt angenehm unauffällig.

Mein Fazit:
„People in Love“ von Claire Daverley ist ein empfehlenswerter Roman für alle, die eine Mischung aus intelligenter Liebesgeschichte und glaubhaftem Drama mögen. Zwar hat mich die neue Lektüre gut unterhalten. Aber sie kommt leider nicht ganz an die Qualität des Debüts „Vom Ende der Nacht“ heran.

Veröffentlicht am 15.06.2026

Ein Tag im Leben von Smilla

tiptoi® Abenteuer Großwerden - Smilla lernt ein gutes Miteinander
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Mit ihren Eltern und ihren Geschwistern Liv und Ole lebt Smilla zusammen. Das etwa dreijährige Mädchen kommt dabei immer wieder in Situationen, in denen sie ihre sozialen Kompetenzen schulen kann.

„Smilla ...

Mit ihren Eltern und ihren Geschwistern Liv und Ole lebt Smilla zusammen. Das etwa dreijährige Mädchen kommt dabei immer wieder in Situationen, in denen sie ihre sozialen Kompetenzen schulen kann.

„Smilla lernt ein gutes Miteinander“ ist der neue Band der Tiptoi-Reihe „Abenteuer Großwerden“, die auf Kinder von zwei bis vier Jahren ausgerichtet ist.

Das Buch besteht aus sieben Doppelseiten. Sie stellen einen Tag im Leben von Smilla dar: vom Frühstück mit der Familie über den Alltag im Kindergarten, den Gang über den Wochenmarkt und den Besuch eines Geburtstags bis zum Zubettgehen.

In dem interaktiven Bilderbuch geht es um die Aspekte eines guten Zusammenlebens und Miteinanders: teilen, trösten, Rücksicht nehmen, zuhören, helfen, Hilfe annehmen, sich entschuldigen, Nein sagen und höflich kommunizieren. Dazu werden einige Szenen dargestellt, in denen diese Fähigkeiten benötigt werden. Alltagsmomente werden aufgegriffen, in denen sich die meisten Kinder wiederfinden dürften.

Aufgrund der Chronologie der Dialoge und der Komplexität der Geschichte sehe ich allerdings das Problem, dass das Buch besonders Zweijährige noch etwas überfordern könnte. Ein eigenständiges und sinngerichtetes Erkunden könnte gerade für sehr junge Kinder zu schwierig sein.

Gelungen empfinde ich die zwei Lieder, die das Thema musikalisch unterstützen und Inhalte wiederholen. Ein kurzes Hörspiel, eine erzählte Zusammenfassung der Erlebnisse des Tages zum Schluss des Buches, vertieft die Lerninhalte zusätzlich. Auch die weiteren Stimmen und Geräusche sind wieder einmal durchdacht und unterhaltsam.

Ein weiterer Pluspunkt sind die dargestellten Figuren. Sie bilden die Diversität der Gesellschaft ab und liefern damit viel Identifikationspotenzial.

Die hübschen Illustrationen von Stéffie Becker sind sehr ansprechend gestaltet und mit vielen liebevollen Details versehen. Sie wirken modern, aber kindgerecht und bieten einiges zum Entdecken. Positiv anzumerken ist zudem, dass auf Klischees - mit wenigen Ausnahmen - verzichtet und kein Gendermarketing betrieben wird.

Der Text von Sandra Grimm ist verständlich und angemessen formuliert.

Mein Fazit:
„Smilla lernt ein gutes Miteinander“ ist eine schöne Ergänzung der Tiptoi-Reihe „Abenteuer Großwerden“. Ich würde sie jedoch nicht für Kinder unter drei Jahren empfehlen.