Ein Neuanfang im belgischen Bücherdorf
Mathilde und MarieDer kleine Ort Redu in der Provinz Luxemburg in den belgischen Ardennen: Marie Ledoux (26) hat es eilig, ihre Heimatstadt Paris hinter sich zu lassen. Sie löst ein Zugticket bis nach Brüssel. Unterwegs ...
Der kleine Ort Redu in der Provinz Luxemburg in den belgischen Ardennen: Marie Ledoux (26) hat es eilig, ihre Heimatstadt Paris hinter sich zu lassen. Sie löst ein Zugticket bis nach Brüssel. Unterwegs lernt sie die Isländerin Jónína (77) kennen. Die ältere Frau betreibt eine Buchhandlung in Redu und lädt die Jüngere in das Bücherdorf ein. Marie, die bisher nicht nur schöne Dinge erlebt hat, nimmt an. Dort trifft sie auf Mathilde, eine ältere Dame und Einwohnerin des Dorfes…
„Mathilde und Marie“ ist der Debütroman von Torsten Woywod.
Der Roman setzt sich aus drei Teilen zusammen, die wiederum aus 48 kurzen Kapiteln bestehen. Erzählt wird aus personaler Perspektive, abwechselnd aus der Sicht von Marie, Jónína und Mathilde.
Anders als es der Titel vermuten lässt, hat der Roman nicht zwei, sondern drei Protagonistinnen: Marie, Mathilde und Jónína. Die Frauen sind interessante Personen. Insgesamt ist das Personal des Romans jedoch recht reduziert.
Wie der Autor bereits im Vorwort ankündigt, soll der Roman entschleunigen, Trost spenden und eine Alltagsflucht ermöglichen. Diesem Anspruch wird er durchaus gerecht. Statt einer handlungsgetriebenen Geschichte dominieren ruhige Naturbeschreibungen und unaufgeregte Beobachtungen. Literaturliebhaber dürften sich auch über Lesetipps und andere Szenen aus der Welt des Buchhandels freuen. Der Roman macht Lust, das reale Bücherdorf und seine charmante Umgebung selbst einmal zu besuchen.
Für ein wenig Spannung sorgen die Hintergründe der drei Frauen und die Fragen, die sich daraus ergeben. Auf den rund 330 Seiten ist die Geschichte jedoch stellenweise etwas redundant und langatmig. Zudem erscheinen nicht alle dargestellten Umstände und Details realistisch.
Am meisten hat mich allerdings der antiquierte Ton des Textes gestört. Wortwahl und Formulierungen wirken gestelzt und bemüht bildungssprachlich. Die Dialog machen einen gekünstelten und damit wenig lebensnahen Eindruck. Auch die Sprache des Romans erscheint damit aus der Zeit gefallen.
Das idyllische und hübsche Covermotiv harmoniert zwar nicht mit dem Titel, aber passt hervorragend zum Setting. Der Titel wird der Geschichte nur zum Teil gerecht.
Mein Fazit:
Mit „Mathilde und Marie“ schöpft Torsten Woywod leider nicht das gesamte Potenzial der Geschichte aus. Wegen mehrerer Schwächen ist sein ungewöhnlicher Debütroman nur bedingt empfehlenswert.