Eine Antiheldin sinnt auf Rache
Ein unheimlich guter MenschSeit circa vier Monaten hat sie eine unverbindliche Sache mit Henry Davis laufen. Nun wäre Lillian (29) für eine feste Beziehung bereit. Die Angestellte mit einem mittelmäßigen Job macht sich Hoffnungen, ...
Seit circa vier Monaten hat sie eine unverbindliche Sache mit Henry Davis laufen. Nun wäre Lillian (29) für eine feste Beziehung bereit. Die Angestellte mit einem mittelmäßigen Job macht sich Hoffnungen, doch der Auserwählte geht stattdessen auf Distanz und möchte sie nicht mehr treffen. Aus Wut und Enttäuschung sinnt Lillian auf Rache und belegt Henry mit einem Fluch, der über das Ziel hinausschießt…
„Ein unheimlich guter Mensch“ ist der Debütroman von Kirsten King.
Der Roman setzt sich aus 33 Kapiteln zusammen, die mit einem Prolog eingeleitet werden. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Lillian.
Die Protagonistin ist eine Antiheldin mit einer problematischen Selbstwahrnehmung: Sie ist launisch, zickig, selbstbezogen, narzisstisch und durchweg unsympathisch. Ihre Gedanken und Gefühle sind klar ersichtlich, wenn auch für mich nicht immer nachvollziehbar.
Das Zwischenmenschliche nimmt viel Raum im Roman an. Auf der inhaltlichen Ebene spielen komplexe und komplizierte Beziehungen eine Rolle: queere und heterosexuelle Verbindungen, die Suche nach echter Nähe, Einsamkeit und Situationships, aber auch Freundschaften. Es geht dabei unter anderem um emotionale Verletzungen, Rachegelüste und psychische Probleme. Thematisiert werden zudem Süchte und Abhängigkeiten unterschiedlicher Art. Damit bildet die Geschichte einiges davon ab, was viele Endzwanziger bewegt.
Auf den mehr als 300 Seiten ist die Handlung unterhaltsam, witzig und durchaus spannend. Jedoch streift sie auch den magischen Realismus und enthält ein paar Szenen, die ich als etwas übertrieben empfinde.
Die Sprache ist flapsig, zum Teil etwas vulgär, aber sehr anschaulich und dem Alter der Protagonistin nicht unangemessen. Die Dialoge wirken lebhaft und authentisch.
Der deutsche Titel orientiert sich am englischsprachigen Original („A Good Person“). Das Covermotiv steht der Ungewöhnlichkeit der Geschichte in nichts nach, ist aber Geschmacksache.
Mein Fazit:
Mit ihrem unkonventionellen Debüt „Ein unheimlich guter Mensch“ hat mich Kirsten King sehr gut unterhalten. Den skurrilen und etwas provokanten Roman kann ich - trotz kleinerer Schwächen - empfehlen.