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Veröffentlicht am 31.05.2026

Eine Antiheldin sinnt auf Rache

Ein unheimlich guter Mensch
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Seit circa vier Monaten hat sie eine unverbindliche Sache mit Henry Davis laufen. Nun wäre Lillian (29) für eine feste Beziehung bereit. Die Angestellte mit einem mittelmäßigen Job macht sich Hoffnungen, ...

Seit circa vier Monaten hat sie eine unverbindliche Sache mit Henry Davis laufen. Nun wäre Lillian (29) für eine feste Beziehung bereit. Die Angestellte mit einem mittelmäßigen Job macht sich Hoffnungen, doch der Auserwählte geht stattdessen auf Distanz und möchte sie nicht mehr treffen. Aus Wut und Enttäuschung sinnt Lillian auf Rache und belegt Henry mit einem Fluch, der über das Ziel hinausschießt…

„Ein unheimlich guter Mensch“ ist der Debütroman von Kirsten King.

Der Roman setzt sich aus 33 Kapiteln zusammen, die mit einem Prolog eingeleitet werden. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Lillian.

Die Protagonistin ist eine Antiheldin mit einer problematischen Selbstwahrnehmung: Sie ist launisch, zickig, selbstbezogen, narzisstisch und durchweg unsympathisch. Ihre Gedanken und Gefühle sind klar ersichtlich, wenn auch für mich nicht immer nachvollziehbar.

Das Zwischenmenschliche nimmt viel Raum im Roman an. Auf der inhaltlichen Ebene spielen komplexe und komplizierte Beziehungen eine Rolle: queere und heterosexuelle Verbindungen, die Suche nach echter Nähe, Einsamkeit und Situationships, aber auch Freundschaften. Es geht dabei unter anderem um emotionale Verletzungen, Rachegelüste und psychische Probleme. Thematisiert werden zudem Süchte und Abhängigkeiten unterschiedlicher Art. Damit bildet die Geschichte einiges davon ab, was viele Endzwanziger bewegt.

Auf den mehr als 300 Seiten ist die Handlung unterhaltsam, witzig und durchaus spannend. Jedoch streift sie auch den magischen Realismus und enthält ein paar Szenen, die ich als etwas übertrieben empfinde.

Die Sprache ist flapsig, zum Teil etwas vulgär, aber sehr anschaulich und dem Alter der Protagonistin nicht unangemessen. Die Dialoge wirken lebhaft und authentisch.

Der deutsche Titel orientiert sich am englischsprachigen Original („A Good Person“). Das Covermotiv steht der Ungewöhnlichkeit der Geschichte in nichts nach, ist aber Geschmacksache.

Mein Fazit:
Mit ihrem unkonventionellen Debüt „Ein unheimlich guter Mensch“ hat mich Kirsten King sehr gut unterhalten. Den skurrilen und etwas provokanten Roman kann ich - trotz kleinerer Schwächen - empfehlen.

Veröffentlicht am 24.05.2026

Als das Sams aus Versehen seinen Papa schrumpfte

Die Olchis und das Sams. Die kaputte Wunschmaschine
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Oh weh! Eigentlich wollten das Sams und Bruno Taschenbier, sein Papa, nur die kaputte Wunschmaschine vorbeibringen. Doch im Labor von Erfinder Professor Bruno Brausewein passiert dem Sams ein fatales Missgeschick: ...

Oh weh! Eigentlich wollten das Sams und Bruno Taschenbier, sein Papa, nur die kaputte Wunschmaschine vorbeibringen. Doch im Labor von Erfinder Professor Bruno Brausewein passiert dem Sams ein fatales Missgeschick: Es sprüht Herr Taschenbier aus Versehen mit Verjüngungsspray ein, so dass sein erwachsener Papa plötzlich wieder zu einem Baby wird! Ob die Olchis dabei helfen können, das Schlamassel wieder in den Griff zu bekommen?

„Die Olchis und das Sams - Die kaputte Wunschmaschine“ ist der Auftakt der neuen Reihe „Die Olchis und das Sams“ von Erhard Dietl und Paul Maar, empfohlen für Kinder ab sechs Jahren.

Erstmals kommen das Sams von Paul Maar und die Olchis von Erhard Dietl in einer gemeinsamen Geschichte zusammen. Die schöne Idee, die seit Jahrzehnten bekannten Figuren aufeinandertreffen zu lassen, stammt von den beiden Autoren. So entstand das Konzept einer neuen Reihe.

Der Auftaktband beinhaltet 14 Kapitel. Er erzählt, wie es dazu gekommen ist, dass das Sams die Olchis kennengelernt hat. Dabei spielt die Geschichte einerseits in Gammelsberg, wo das Sams und Herr Taschenbier wohnen, und andererseits auf der Müllkippe der Olchis in Schmuddelfing. Für das Verständnis der in sich abgeschlossenen Geschichte ist es nicht notwendig, die Figuren bereits vorher zu kennen.

In dem ersten Buch gibt es zwei Dinge zu meistern: die Reparatur der Wunschmaschine und die Zurückverwandlung von Herrn Taschenbier. Dazu sind mehrere Hindernisse zu überwinden. Auf den knapp 110 Seiten ist das Abenteuer kurzweilig und amüsant. Es birgt mehrere Überraschungen.

Auch in sprachlicher Hinsicht überzeugt die Geschichte. Sie vereint die für das Sams typischen Reime und den einzigartigen Olchi-Wortschatz. Zugleich ist der Text witzig und für Kinder gut verständlich.

Die Illustrationen von Stephanie Stickel sind im bewährten Stil gezeichnet und haben einen hohen Wiedererkennungswert. Sie ergänzen die Geschichte auf schöne Weise.

Mein Fazit:
„Die kaputte Wunschmaschine“ ist ein gelungener Start in die Reihe „Die Olchis und das Sams“ von Erhard Dietl und Paul Maar. Wir sind bereits gespannt, was uns im zweiten Band erwarten wird.

Veröffentlicht am 23.05.2026

Ein Dinodrama im Neubaugebiet

Hilfe, zu viele Saurier!
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Viertklässler Sören hat einen Wunsch: Er will sich mit seinem beliebten, coolen Mitschüler Tommy Herrlich anfreunden. Auf dem Flohmarkt findet der Neunjährige ein „Giganten der Urzeit“-Set, mit dem er ...

Viertklässler Sören hat einen Wunsch: Er will sich mit seinem beliebten, coolen Mitschüler Tommy Herrlich anfreunden. Auf dem Flohmarkt findet der Neunjährige ein „Giganten der Urzeit“-Set, mit dem er den Klassenkameraden beeindrucken will. Für Tommy ist die Aussicht auf Urzeitwasserflöhe allerdings nicht verlockend. Doch nur einen Tag später taucht in dem Neubaugebiet, in dem Tommy und Sören wohnen, nicht ein kleiner Urzeitkrebs, sondern ein großer Dinosaurier auf. Und dabei soll es nicht bleiben…

„Hilfe, zu viele Saurier!“ ist der zweite Band der neuen Fantasyreihe von Mars-Leo Frei, empfohlen für Kinder ab acht Jahren.

Das Buch besteht aus 13 Kapiteln, denen ein allgemeiner Prolog vorangestellt wird, um die Reihe zu erklären. Daher ist die Geschichte auch unabhängig von den sonstigen Bänden lesbar. Zudem endet das Buch mit einer Art Epilog. Erzählt wird aus der Perspektive von Sören.

Zum Konzept der Reihe gehört es, jeden Band einem anderen Schüler beziehungsweise einer anderen Schülerin der Klasse 4b der Henriette-Haumichnich-Schule zu widmen. Diesmal steht Sören im Fokus, ein etwas schüchterner und sympathischer Protagonist.

Auf den knapp 150 Seiten hat die Fantasygeschichte einen hohen Unterhaltungswert. Die Verknüpfung der realen Welt mit den wieder zum Leben erweckten, plötzlich auftauchenden Dinos sorgt für eine interessante Mischung. Die Umsetzung ist kreativ und fesselnd. Es gibt immer wieder spannende und abenteuerliche Momente, aber auch witzige Szenen.

Zugleich behandelt das Buch auf einfühlsame Weise wichtige Themen, die Kinder dieser Altersgruppe beschäftigen können: das Schließen von Freundschaften, der Umgang mit Geschwistern und das Lösen von Problemen.

Der Text von Mars-Leo Frei ist auf den Wortschatz von Grundschülern abgestimmt und für die Zielgruppe gut verständlich. Ein besonderes Vergnügen sind die lustigen Sprachspielereien.

Die liebevollen Schwarz-Weiß-Illustrationen von Daniela Kohl haben mir ebenfalls gut gefallen. Sie sind sehr ansprechend gestaltet und ergänzen den Text wunderbar.

Mein Fazit:
„Hilfe, zu viele Saurier!“ ist eine rasante, witzige und spannende Fortsetzung der neuen Reihe von Mars-Leo Frei. Gerne mehr davon! Wir sind bereits gespannt auf den dritten Band.

Veröffentlicht am 22.05.2026

Die Wirklichkeit ist ein Spiegel der Gedanken

Mit anderen Augen
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Nach der Scheidung von Tom vor fünf Jahren lebt Tilda Finch (52) allein, nur in Gesellschaft ihres Katers Pirat und ihres Hundes Buddy. Ihre erwachsenen Zwillingstöchter Holly und Tabitha (20) sind bereits ...

Nach der Scheidung von Tom vor fünf Jahren lebt Tilda Finch (52) allein, nur in Gesellschaft ihres Katers Pirat und ihres Hundes Buddy. Ihre erwachsenen Zwillingstöchter Holly und Tabitha (20) sind bereits ausgezogen. Dennoch hätte sich Tilda nicht für unglücklich gehalten, denn sie hat eine erfolgreiche Firma, tolle Freundinnen und ein schönes Haus in Middle Bay, einem Vorort am Meer in der Nähe von Sydney. Doch eines Tages stellt sie plötzlich fest, dass ihr rechter, kleiner Finger nicht mehr zu sehen ist. Kurz darauf scheint auch ein Ohr verschwunden zu sein. Ihre Ärztin diagnostiziert bei ihr „Morbus invisibilis“: eine Unsichtbarkeitserkrankung. Tilda ist geschockt und verwirrt. Wie soll ihr Leben nun weitergehen?

„Mit anderen Augen“ ist ein Roman von Jane Tara.

Die Geschichte greift ein tatsächlich existierendes Problem auf und nimmt die Metapher dabei sehr wörtlich: die Unsichtbarkeit von Frauen jenseits der 50 im gesellschaftlichen Alltag. Dass ältere Frauen nur noch seltenst befördert werden, ihre Engagements und Aufträge einbrechen, ihnen aufgrund ihres Alters Bedeutung und Kompetenz abgesprochen werden und sie zunehmend in den Hintergrund gedrängt werden, ist ein reales Phänomen. Im Roman wird dies auf die Spitze getrieben: Bei einigen Frauen in der Geschichte werden Körperteile unsichtbar oder sie sind irgendwann gar nicht mehr zu sehen. Das heißt, der Roman beinhaltet magischen Realismus. Dabei wird diese Krankheit zunächst schlüssig erklärt. Erst im weiteren Verlauf entstehen Inkonsistenzen und es bleiben offene Fragen zu dem Thema.

Besonders gut hat mir gefallen, dass der Roman dieses Problem auf eine weitere Ebene hebt: Wie nehmen wir die Welt wahr? Und wie beeinflussen unser Denken, unsere Prägungen und unsere Erfahrungen das, was wir sehen? Auch dazu liefert die Geschichte interessante und bereichernde Impulse.

Über die Altersdiskrimierung von Frauen hinaus bringt der Roman weitere feministische Aspekte auf angenehm unaufgeregte Weise zur Sprache: zum Beispiel die unzureichende Forschung zur Frauengesundheit (Gender Health Gap).

Erzählt wird die Geschichte in 66 Kapiteln in personaler Perspektive aus der Sicht von Tilda. Wir begleiten sie über einen Zeitraum von mehreren Monaten, in denen die Protagonistin, die mit viel psychologischer Tiefe ausgestattet ist, eine deutliche Entwicklung erlebt.

Jedes Kapitel wird mit je einem Zitat einer realer oder fiktiven Person eingeleitet. Auch darüber hinaus sind in den Text immer wieder Referenzen auf Literatur, Philosophie, Psychologie, Spiritualität und andere Bereiche eingestreut. Diese Häufung von teils inspirierenden und augenöffnenden Sätzen, teils banalen Kalendersprüchen war für mich ein wenig zu viel.

Nach einem starken Beginn hat mich die knapp 500 Seiten umfassende Geschichte zunehmend verloren. Erwartet hatte ich eine bewegende Handlung rund um Freundinnenschaft, weibliche Selbstermächtigung und die Solidarität zwischen Frauen. Dieser Erwartung wird der Roman zwar in Ansätzen gerecht, doch er setzt diesbezüglich keinen klaren Fokus. Die penetrante Überbetonung der Kraft der Meditation sorgt zudem für etliche Redundanzen und langatmige Passagen.

Bedauerlich finde ich es, dass der Roman einer unglaubwürdigen Liebesgeschichte unnötig viel Raum gibt. So entsteht der Eindruck, dass Frauen nur in einer Beziehung oder in der Liebe zu einem Mann vollste Erfüllung finden. Nicht nur in diesem Punkt driftet die Geschichte zunehmend ins Klischee- und Märchenhafte ab.

Erfreulich und sinnvoll ist hingegen die Entscheidung des Diogenes Verlags, sich zugunsten von „Mit anderen Augen“ vom englischsprachigen Originaltitel („Tilda is visible“) komplett zu lösen. Auch die zum Covermotiv auserkorene Illustration von Paul Thurlby („A New Day“) ist mit ihrer Mehrdeutigkeit eine hervorragende Wahl.

Mein Fazit:
In ihrem Roman „Mit anderen Augen“ greift Jane Tara ein wichtiges Problem auf kreative und unterhaltsame Weise auf. Leider kann die Geschichte jedoch nicht ihr gesamtes Potenzial ausschöpfen und bleibt hinter meinen Erwartungen zurück.

Veröffentlicht am 19.05.2026

In der Praxis ist viel los

Willkommen beim Kinderarzt
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In der Praxis vom Kids.Doc, dem Kinderarzt, ist eine Menge los. Das Wartezimmer ist voll. Ein Mädchen hat Husten, eine Junge eine Verletzung. Und es stehen heute Impfungen und Vorsorgetermine an.

„Willkommen ...

In der Praxis vom Kids.Doc, dem Kinderarzt, ist eine Menge los. Das Wartezimmer ist voll. Ein Mädchen hat Husten, eine Junge eine Verletzung. Und es stehen heute Impfungen und Vorsorgetermine an.

„Willkommen beim Kinderarzt“ ist ein Pappbilderbuch für Kleinkinder ab zwei Jahren.

Das Buch bereitet auf den Gang zum Kinderarzt vor und ist als begleitende Lektüre für den Termin in der Praxis gedacht. Dabei geht es darum, Ängste zu nehmen und Mut zu machen. Das erklärt der Facharzt für Kindermedizin in seinem Vor- und Nachwort.

Das Buch besteht aus 22 Seiten mit Text- und Bildelementen. Dargestellt werden verschiedene Szenen in einer Kinderarztpraxis.

Das Bilderbuch erzählt davon, wie sich Co-Autor Dr. Vitor Gatinho, genannt Kids.Doc, um seine kleinen Patienten kümmert und ein Besuch dort abläuft. Neben dem dargestellten Mediziner, der auf einer wahren Person basiert, tauchen in der Geschichte etliche fiktive Figuren auf, die die Diversität in der Gesellschaft erfreulicherweise gut aufgreifen.

Abgedeckt werden die häufigsten Gründe für den Arztbesuch: Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen, Verletzungen und die typischen Kinderkrankheiten.

Spielerisch werden die Kleinen an eine Praxis herangeführt. Es sind sieben Gegenstände auf den Seiten abgebildet, die wie bei einem Wimmelbuch gesucht werden können.

Der Text von Sandra Grimm ist altersgerecht und liebevoll formuliert. Er ist leicht verständlich und ausführlich genug, aber nicht überfordernd. Sehr hilfreich sind vor allem die separaten Tipps in den Sprechblasen.

Die hübschen, kindgerechten Illustrationen von Iris Hardt haben mich ebenfalls überzeugt. Sie wirken modern und warmherzig.

Mein Fazit:
„Willkommen beim Kinderarzt“ ist ein empfehlenswertes Bilderbuch aus stabiler Pappe, das besonders kleine Kinder auf liebevolle Art auf Termine in der Praxis vorbereitet und sich gut als erster Einstieg in das Thema eignet. Sehr anschaulich und durchdacht!