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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.06.2024

Der wiederkehrende Willensbruch

Ich stelle mich schlafend
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Das Gebäude des KlickKlack steht nicht mehr. Dort, wo Yasemin einmal gewohnt hat, ist nur noch eine Brache. Die 35-Jährige ist in diesem Teil der Stadt aufgewachsen. Dort hat sie im Alter von 13 Jahren ...

Das Gebäude des KlickKlack steht nicht mehr. Dort, wo Yasemin einmal gewohnt hat, ist nur noch eine Brache. Die 35-Jährige ist in diesem Teil der Stadt aufgewachsen. Dort hat sie im Alter von 13 Jahren den drei Jahre älteren Vito kennengelernt. Eine Begegnung mit fatalen Folgen…

„Ich stelle mich schlafend“ ist ein Roman von Deniz Ohde.

Meine Meinung:
Der Roman beginnt mit einer Art Prolog, dem sich acht Kapitel anschließen. Erzählt wird aus einer personalen Perspektive, vorwiegend aus der Sicht von Yasemin. Die Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa 20 Jahren und spielt an verschiedenen Schauplätzen in Deutschland. Ein aufmerksames Lesen ist aufgrund vieler Zeitsprünge nötig.

In sprachlicher Hinsicht hat mich die Autorin beeindruckt. Der Schreibstil ist unaufgeregt, aber sehr atmosphärisch. Starke, teils ungewöhnliche Bilder tauchen immer wieder auf.

Yasemin, die Protagonistin, ist keine leicht zugängliche Figur, aber ein psychologisch ausgearbeiteter und lebensnaher Charakter. Ihre Gedanken und Gefühle sind bisweilen ambivalent, jedoch nachvollziehbar dargestellt. Auch Vito erscheint durchaus authentisch und nicht zu überzeichnet. Allerdings hätten sowohl er als auch die übrigen Personen ausführlicher beschrieben werden können, da so manche Hintergründe im Verborgenen bleiben.

Inhaltlich wiederholen sich mehrere Motive. Das sind beispielsweise die verlorene Unschuld, der Willensbruch, die verinnerlichte Scham und sexuelle Übergriffe. Alles in allem geht es insbesondere um sexualisierte Gewalt gegenüber Frauen - in jeglicher Form. Eine schwierige, aber so wichtige Thematik. Dieser feministische Blick macht die Geschichte zeitgemäß und bietet viel Stoff zum Nachdenken und Diskutieren.

Auf den knapp 250 Seiten baut sich eine subtile Spannung auf. Die Auflösung erschließt sich und passt ins Bild. Leider schwächeln die letzten Kapitel sehr. In pathetischem Ton steigert sich die Selbstreflexion der Protagonistin ins Unglaubwürdige und es werden Verknüpfungen hergestellt, die ich als zu verallgemeinernd und überzogen empfunden habe. Die Umsetzung ist alles andere als elegant. Zum Schluss drängt sich der Eindruck auf, die Autorin wollte auf den wenigen verbleibenden Seiten noch möglichst viele ähnliche Aspekte unterbringen.

Das aussagekräftige Cover sticht aus der Masse hervor und passt in mehrfacher Hinsicht hervorragend zur Geschichte. Auch der Titel ist eine gute Wahl.

Mein Fazit:
Mit „Ich stelle mich schlafend“ hat Deniz Ohde einen Roman zu einem gesellschaftlich bedeutsamen Thema geschrieben, dem eine große Aufmerksamkeit zu wünschen wäre. Zwar schmälert das letzte Drittel meinen ansonsten positiven Gesamteindruck. Dennoch eine durchaus lesenswerte Lektüre.

Veröffentlicht am 10.06.2024

Wenn sich die Mutter aus dem Staub macht

In den Augen meiner Mutter
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Seit 20 Jahren ist ihre Mutter Nancy Brown beinahe spurlos verschwunden. Nun steht ihre Tochter Georgie kurz davor, selbst ein Kind zu bekommen. Ausgerechnet jetzt erhält sie Hinweise zum Aufenthaltsort ...

Seit 20 Jahren ist ihre Mutter Nancy Brown beinahe spurlos verschwunden. Nun steht ihre Tochter Georgie kurz davor, selbst ein Kind zu bekommen. Ausgerechnet jetzt erhält sie Hinweise zum Aufenthaltsort von Nancy. Wird die Hochschwangere ihre Mutter endlich finden? Und warum ist diese damals überhaupt gegangen?

„In den Augen meiner Mutter“ ist ein Roman von Jo Leevers.

Meine Meinung:
Das Buch besteht aus 55 kurzen Kapiteln, denen ein Prolog vorausgeht. Erzählt wird im Präsens aus zwei Perspektiven, nämlich aus der Sicht von Nancy und der von Georgie. Die Geschichte spielt an unterschiedlichen Schauplätzen in Großbritannien und auf zwei Zeitebenen: in der Gegenwart sowie in der Vergangenheit (ab dem Jahr 1984).

In sprachlicher Hinsicht ist der Roman unauffällig. Der Schreibstil ist anschaulich und dank vieler Dialoge lebhaft.

Nancy und Georgie, Mutter und Tochter, sind die Protagonistinnen der Geschichte. Zwei lebensnahe Charaktere, die weitgehend klischeefrei und mit psychologischer Tiefe dargestellt werden. Ihr Innenleben ist gut nachvollziehbar. Auch Dan, die dritte Hauptfigur, wirkt authentisch. Eine weitere männliche Figur, die eine wichtige Rolle spielt, wird für mich allerdings nicht schlüssig in ihrem Verhalten beschrieben.

Inhaltlich dreht sich viel um Familiengeheimnisse, Schuld und Scham. Mutterschaft und die hohen Erwartungen an Frauen sind weitere Schwerpunkte. Dabei setzt der Roman feministische Impulse und regt zum Nachdenken an. Diese Form der Gesellschaftskritik hat mir sehr gefallen. Jedoch bringt die Autorin noch einiges mehr in der Geschichte unter, sodass sie inhaltlich etwas überfrachtet wird.

Auf den mehr als 300 Seiten ist die Geschichte unterhaltsam. Für Spannung sorgen mehrere Geheimnisse und Verwicklungen. Leider wirkte die Handlung an manchen Stellen zu sehr konstruiert.

Das hübsche Cover passt für mich thematisch nicht so richtig. Der deutsche Titel ist ebenfalls eine schlechtere Wahl als beim englischsprachigen Original („The Last Time I Saw You“).

Mein Fazit:
Mit „In den Augen meiner Mutter“ hat mich Jo Leevers nicht in Gänze überzeugt. Dennoch ist der Roman eine kurzweilige und spannungsreiche Lektüre.

Veröffentlicht am 14.05.2024

Mit Sami und Carlotta ins Getümmel

tiptoi® Mein Wimmelbuch
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Im Bahnhof herrscht viel Betrieb. Auch im Wald, im Schwimmbad und im Park ist einiges los. Sami und Carlotta stürzen sich ins Getümmel und erkunden die Stadt…

„Mein Wimmelbuch“ ist ein Bilderbuch für ...

Im Bahnhof herrscht viel Betrieb. Auch im Wald, im Schwimmbad und im Park ist einiges los. Sami und Carlotta stürzen sich ins Getümmel und erkunden die Stadt…

„Mein Wimmelbuch“ ist ein Bilderbuch für Kinder ab drei Jahren und Teil der Tiptoi-Reihe.

Meine Meinung:
Das interaktive Bilderbuch besteht aus sieben Doppelseiten. Auf jeder ist ein großes Wimmelbild zu sehen. Die Illustrationen von Stéffie Becker sind mit Liebe zum Detail erstellt und wirken sowohl zeitgemäß als auch ansprechend. Es gibt sehr viel zu betrachten. Wiederkehrende visuelle Elemente wie ein kleiner Bagger und ein Dino verleihen den Zeichnungen einen besonderen Charme.

Die kurzen Texte von Anja Kiel mit ihrem alltagstauglichen Vokabular sind leicht verständlich und damit passend für die Altersgruppe. Auch die Audioelemente sind in sprachlicher Hinsicht gelungen.

Thematisch bildet das Buch verschiedene Lebenswelten ab: in der Innenstadt, im Kindergarten, im Wald, im Schwimmbad, im Park, auf dem Bahnhof und auf dem Stadtfest. Dadurch sollte jedes Kind für sich interessante Dinge entdecken können. Diversität wird erfreulicherweise berücksichtigt. Zudem verzichtet das Buch auf veraltete Klischees und Rollenbilder.

Die interaktiven Elemente haben mich auch bei diesem Tiptoi-Buch überzeugt. Auf jeder Seite wird ein Suchspiel angeboten, um unter anderem Farben und Zahlen zu üben und die Konzentration zu schulen. Darüber hinaus sind mehrere Lieder integriert, manche versteckt und andere offen. Abgespielt werden zudem verschiedene Geräusche wie Tierstimmen, Fahrzeuglärm, Gesprächsausschnitte und vieles mehr. Diese Vielfalt sorgt für einen langen Wimmelspaß.

Das Cover gefällt mir ebenfalls gut. Die Pappseiten sind nicht so dick wie andere Bände der Reihe, dennoch aber einigermaßen stabil.

Mein Fazit:
„Mein Wimmelbuch“ ist eine sinnvolle und interessante Ergänzung des Tiptoi-Sortiments. Ein interaktives Bilderbuch, mit dem Kinder unterhalten werden und etwas lernen können. Ich kann es wärmstens empfehlen.

Veröffentlicht am 29.04.2024

Ein schweigsamer Protest

Und alle so still
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Was wäre, wenn Frauen kollektiv streiken würden? Wenn Care-Arbeit einfach einmal nicht verrichtet werden würde? Das passiert an einem Sonntag im Juni, als Frauen reglos auf der Straße liegen. Dabei kreuzen ...

Was wäre, wenn Frauen kollektiv streiken würden? Wenn Care-Arbeit einfach einmal nicht verrichtet werden würde? Das passiert an einem Sonntag im Juni, als Frauen reglos auf der Straße liegen. Dabei kreuzen sich die Wege von Elin (Anfang 20), Nuri (19) und Ruth (Mitte 50)…

„Und alle so still“ ist ein Roman von Mareike Fallwickl.

Meine Meinung:
Erzählt wird im Präsens aus den Perspektiven von Elin, Nuri und Ruth, jeweils in eigenen Kapiteln. Zudem ist der Roman durch die genannten Wochentage strukturiert. Die kreativen Zwischenkapitel haben mir ebenfalls gefallen.

In sprachlicher Hinsicht hat mich der Roman beeindruckt. Er ist sehr bildhaft, stellenweise fast poetisch, und eindrücklich. Dennoch wirkt die Sprache nicht gekünstelt, sondern nah am Zeitgeist und authentisch.

Die interessanten Charaktere werden realitätsnah und mit psychologischer Tiefe dargestellt. Zwar sind sie nicht durchweg sympathisch. Ich mochte es jedoch, dass die Figuren über Ecken und Kanten verfügen.

Aus inhaltlicher Sicht halte ich den Roman für einen wichtigen Beitrag zur gesamtgesellschaftlichen Debatte. Es geht um feministische Anliegen, vor allem die Bedeutung und Geringschätzung von Care-Arbeit. Das Gedankenexperiment des Generalstreiks der Frauen ist eine reizvolle und provokante Romanidee, und dabei nicht völlig abwegig. Die Umsetzung mag zum Teil etwas plakativ und überzogen sein. Darüber sehe ich aber gerne hinweg, denn die Geschichte hat mich sowohl bewegt als auch zum Nachdenken angeregt.

Auf rund 360 Seiten hat die Geschichte zudem weitere Aspekte zu bieten, die für Spannung, Überraschungen und Schockmomente sorgen. Beim Lesen kommt daher keine Langeweile auf.

Das grafische, moderne Cover spricht mich zwar nicht besonders an. Den Titel empfinde ich hingegen als besonders gut gewählt.

Mein Fazit:
Mit „Und alle so still“ ist Mareike Fallwickl erneut ein Roman gelungen, der nicht nur unterhält, sondern auch Aufmerksamkeit für ein bedeutsames Thema schafft. Eine Lektüre mit feministischen Impulsen, die mich auf sprachlicher Ebene ebenfalls überzeugen konnte und ich daher wärmstens empfehlen kann.

Veröffentlicht am 27.03.2024

Argumente gegen das Patriarchat

Unlearn Patriarchy 2
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Patriarchale Prägungen und Strukturen bestimmen unseren Alltag in fast allen Aspekten. Einiges offenbart sich auf den ersten, anderes erst auf den zweiten Blick. Wo und wie werden Frauen und Minderheiten ...

Patriarchale Prägungen und Strukturen bestimmen unseren Alltag in fast allen Aspekten. Einiges offenbart sich auf den ersten, anderes erst auf den zweiten Blick. Wo und wie werden Frauen und Minderheiten diskriminiert und benachteiligt?

„Unlearn Patriarchy 2“ ist eine feministische Anthologie, herausgegeben von Emilia Roig, Alexandra Zykunov und Silvie Horch.

Meine Meinung:
Das Sachbuch enthält 13 Aufsätze, die von 14 verschiedenen Autorinnen verfasst wurden. Vorangestellt ist ein einleitendes Intro, unterzeichnet von den Herausgeberinnen. Zudem enthält das Buch ein Glossar mit wichtigen Begriffen sowie abschließende Anmerkungen.

Der Sammelband ist die Fortsetzung von „Unlearn Patriarchy“, lässt sich jedoch auch ohne Vorkenntnisse der ersten Anthologie verstehen.

Die einzelnen Essays lassen sich ebenfalls unabhängig voneinander und in beliebiger Reihenfolge lesen, da sie ganz unterschiedliche Themen behandeln. Es geht unter anderem um Architektur, Medizin, Kirche, Erziehung und Sport. Viel Wert wird dabei auf intersektionale Gerechtigkeit gelegt. Damit deckt die Anthologie ein breites Feld an Aspekten und verschiedene Alltagssituationen ab.

Während mir manche diskriminierende Facetten bereits bekannt waren, haben andere der Beiträge meine Augen weiter geöffnet. Die Aufsätze fußen auf solider, fachkundiger Recherche und können mit vielen Details aufwarten. Sie bieten eine Menge Stoff zum Nachdenken und Diskutieren.

Stilistisch ist das Sachbuch naturgemäß verschiedenartig. Einige der Beiträge haben mir in sprachlicher Hinsicht besser gefallen als andere. In der Summe konnte mich die Anthologie aber auch in diesem Punkt überzeugen.

Die Gestaltung des Covers ist für meinen Geschmack zu textlastig und langweilig. Der einfache, aber prägnante und sinnige Titel passt für mich allerdings gut.

Mein Fazit:
„Unlearn Patriarchy 2“ ist eine inhaltlich wichtige und in der Umsetzung gelungene Anthologie, die ich wärmstens empfehlen kann.