Hannas Kindheit
Vergiss nicht zu tanzen, HannaAnne begleitet ihre Mutter Hanna in deren letzten Lebenstagen und findet ein Buch, in dem Hanna von ihrer Kindheit schreibt, die durch den Krieg geprägt ist. Und nicht nur das, es gibt ein Ereignis, über ...
Anne begleitet ihre Mutter Hanna in deren letzten Lebenstagen und findet ein Buch, in dem Hanna von ihrer Kindheit schreibt, die durch den Krieg geprägt ist. Und nicht nur das, es gibt ein Ereignis, über das Hanna und ihre Brüder nie gesprochen haben.
Mareike Busch hat einen wunderbaren Roman geschrieben, den ich am liebsten in einem Zug durchgelesen hätte. Ihr Schreibstil zieht die Leserin sofort in seinen Bann, auch oder vielleicht weil aus Hannas Perspektive geschrieben wird. Vieles von dem, was passiert, versteht sie nicht. Sie versucht, es sich zusammen zu reimen, zumal sie in ihrem Zimmer die Gespräche im Elternschlafzimmer hören kann. Hanna hat es nicht immer leicht, aber sie findet Rückhalt in ihrer Familien, vor allem bei ihrem geliebten Großvater.
Die katholische Familie, zu der Hannas drei Brüder und ab 1941 auch ihre kleine Schwester Rosa gehören, lebt mit dem Großvater in einem Dorf in Westpommern und betreibt Landwirtschaft. Sie sind Anfang der 1930er Jahre umgesiedelt worden und haben sich eine neue Existenz aufgebaut.
Die Auswirkungen des Krieges sind spürbar. Die Söhne der Nachbarn werden eingezogen und kommen schwer verwundet zurück oder sind gefallen, wie z.B. der Sohn des überzeugten Parteimitglieds und Schlachters Trepper. Nach und nach werden die Pferde eingezogen und das Vieh gezählt, damit nichts schwarz geschlachtet werden kann. Das Dorf bleibt jedoch von Kriegshandlungen verschont, bis Ende Januar 1945 die russische Armee einzieht.
Mareike Busch beschreibt anschaulich, wie ein Riss durch die Familie geht. Die Eltern und der Großvater lehnen die neue Regierung ab, sie sind gläubige Katholiken und leben diese Einstellung. Der älteste Sohn Friedrich teilt die Werte, kann sich jedoch nicht dagegen wehren, eingezogen zu werden. Der mittlere Sohn Alfons ist begeistert von den verschiedenen Waffentypen, die er alle kennt und kann es nicht erwarten, endlich auch in den Krieg ziehen zu dürfen. Glücklicherweise ist der jüngste Sohn Herrmann noch zu jung. Die kleine Schwester Rosa ist mit einer Gaumenspalte zur Welt bekommen. Sie ist entwicklungsverzögert und spricht nicht. Bei jedem Arztbesuch habe ich um sie gebangt. Warum sie bei ihrer Familie bleiben durfte, erschließt sich später.
Die Figuren sind authentisch und detailliert beschrieben. Ich kann sie mir gut vorstellen, die Familienmitglieder, Hannas Freund Martin, den Pfarrer Breuning, seinen Nachfolger Pierre Mertin und die so unterschiedlichen Lehrkräfte, am besten gefällt mir der Großvater, der obwohl gläubiger Katholik die Wahrheit etwas dehnt, um es seiner Enkelin erfolgreich leichter zu machen.
Liebe, Trauer, Freude, Flucht, menschliche Tragödien, das alles findet sich in diesem Roman. Ein kleiner Wermutstropfen ist vielleicht, dass die Überraschung am Ende des Romans etwas zu glatt lief.
Fazit: ein wunderbar geschriebener Roman, den ich sehr gern empfehle