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Veröffentlicht am 24.03.2026

Hannas Kindheit

Vergiss nicht zu tanzen, Hanna
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Anne begleitet ihre Mutter Hanna in deren letzten Lebenstagen und findet ein Buch, in dem Hanna von ihrer Kindheit schreibt, die durch den Krieg geprägt ist. Und nicht nur das, es gibt ein Ereignis, über ...

Anne begleitet ihre Mutter Hanna in deren letzten Lebenstagen und findet ein Buch, in dem Hanna von ihrer Kindheit schreibt, die durch den Krieg geprägt ist. Und nicht nur das, es gibt ein Ereignis, über das Hanna und ihre Brüder nie gesprochen haben.

Mareike Busch hat einen wunderbaren Roman geschrieben, den ich am liebsten in einem Zug durchgelesen hätte. Ihr Schreibstil zieht die Leserin sofort in seinen Bann, auch oder vielleicht weil aus Hannas Perspektive geschrieben wird. Vieles von dem, was passiert, versteht sie nicht. Sie versucht, es sich zusammen zu reimen, zumal sie in ihrem Zimmer die Gespräche im Elternschlafzimmer hören kann. Hanna hat es nicht immer leicht, aber sie findet Rückhalt in ihrer Familien, vor allem bei ihrem geliebten Großvater.

Die katholische Familie, zu der Hannas drei Brüder und ab 1941 auch ihre kleine Schwester Rosa gehören, lebt mit dem Großvater in einem Dorf in Westpommern und betreibt Landwirtschaft. Sie sind Anfang der 1930er Jahre umgesiedelt worden und haben sich eine neue Existenz aufgebaut.

Die Auswirkungen des Krieges sind spürbar. Die Söhne der Nachbarn werden eingezogen und kommen schwer verwundet zurück oder sind gefallen, wie z.B. der Sohn des überzeugten Parteimitglieds und Schlachters Trepper. Nach und nach werden die Pferde eingezogen und das Vieh gezählt, damit nichts schwarz geschlachtet werden kann. Das Dorf bleibt jedoch von Kriegshandlungen verschont, bis Ende Januar 1945 die russische Armee einzieht.

Mareike Busch beschreibt anschaulich, wie ein Riss durch die Familie geht. Die Eltern und der Großvater lehnen die neue Regierung ab, sie sind gläubige Katholiken und leben diese Einstellung. Der älteste Sohn Friedrich teilt die Werte, kann sich jedoch nicht dagegen wehren, eingezogen zu werden. Der mittlere Sohn Alfons ist begeistert von den verschiedenen Waffentypen, die er alle kennt und kann es nicht erwarten, endlich auch in den Krieg ziehen zu dürfen. Glücklicherweise ist der jüngste Sohn Herrmann noch zu jung. Die kleine Schwester Rosa ist mit einer Gaumenspalte zur Welt bekommen. Sie ist entwicklungsverzögert und spricht nicht. Bei jedem Arztbesuch habe ich um sie gebangt. Warum sie bei ihrer Familie bleiben durfte, erschließt sich später.

Die Figuren sind authentisch und detailliert beschrieben. Ich kann sie mir gut vorstellen, die Familienmitglieder, Hannas Freund Martin, den Pfarrer Breuning, seinen Nachfolger Pierre Mertin und die so unterschiedlichen Lehrkräfte, am besten gefällt mir der Großvater, der obwohl gläubiger Katholik die Wahrheit etwas dehnt, um es seiner Enkelin erfolgreich leichter zu machen.

Liebe, Trauer, Freude, Flucht, menschliche Tragödien, das alles findet sich in diesem Roman. Ein kleiner Wermutstropfen ist vielleicht, dass die Überraschung am Ende des Romans etwas zu glatt lief.

Fazit: ein wunderbar geschriebener Roman, den ich sehr gern empfehle

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Tote geben keine Ruhe

Schweigend aus der Nacht
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Der erste Satz des Klappentextes machte mich neugierig: „Herr Sander, es tut mir leid, aber Sie sind tot.“ Was genau hat es damit auf sich?

Auf dem Weg zu einer Party verunglückt Regisseur Sander tödlich. ...

Der erste Satz des Klappentextes machte mich neugierig: „Herr Sander, es tut mir leid, aber Sie sind tot.“ Was genau hat es damit auf sich?

Auf dem Weg zu einer Party verunglückt Regisseur Sander tödlich. Er nimmt Kontakt zum Erzähler auf, um die Wahrheit aufzudecken, nicht nur die seines Todes, sondern auch die um die letzte Nonne in dem ehemaligen Frauenkloster, das Sander für seine Dreharbeiten nutzt.

Über den Erzähler weiß der Leser nur, was er selbst preisgibt: er ist ehemaliger Investigativjournalist, der erkennen musste, dass die Mächtigen auch bei beweisbaren Fehlhandlungen weiterhin ein gutes Leben führen können und nicht oder nur unwesentlich belangt werden. Genau das ist das Thema dieses Mystery-Romans: Macht, Gier, Verrat und die „Rettung des Heiligen“ (wie Gracia selbst schreibt)

Der Schreibstil ist besonders. Neben den Gesprächen gibt es viel indirekte Rede. Hintergründe werden aufgedeckt und erläutert, so dass gut verständlich wird, worum es Gracia geht.

Der schmale Band (113 Seiten) ist packend, tiefgründig, gesellschaftskritisch mit einer brillanten Idee.
Der Titel stammt aus einem Gedicht von Rainer Maria Rilke und passt perfekt zum Inhalt. Das Cover gibt einen wichtigen Hinweis, der leicht übersehen werden kann.

Auch wenn ab einem bestimmten Punkt klar ist, worauf die Geschichte hinausläuft, empfehle ich den Roman gern.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Das Böse, das Gute und der Raum dazwischen

Die Apotheke der Hoffnung
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1941 hat die junge Apothekerin Zosia Lewandowska alles verloren, was ihr bis dahin glückliches Leben ausmachte. Als sie hilflos ansehen muss, wie ihre jüdischen Nachbarn ins Krakauer Ghetto ziehen müssen, ...

1941 hat die junge Apothekerin Zosia Lewandowska alles verloren, was ihr bis dahin glückliches Leben ausmachte. Als sie hilflos ansehen muss, wie ihre jüdischen Nachbarn ins Krakauer Ghetto ziehen müssen, trifft sie eine mutige Entscheidung. Sie nimmt eine Stelle in der Apotheke des jüdischen Ghettos an. So kann sie den Kontakt zu ihren Nachbarn und vor allem zu deren Tochter, ihrer Freundin Hania Silbermann, halten und sie unterstützen.

Die Apotheke im Krakauer Ghetto wurde von dem Polen Tadeuz Pankiewicz geführt, dessen Lebenserinnerungen Amanda Barratt die Idee für diesen Roman lieferten. Er und zwei seiner Mitarbeiterinnen werde mit ihren Namen genannt, während die dritte und alle andere Protagonisten fiktiv sind.

Zosia und Hania erzählen abwechselnd ihre Geschichte, beginnend mit dem 3. März 1941. So wird deutlich, wie unterschiedlich das Leben für die beiden ist. Die Autorin beschreibt das Leiden der jüdischen Bevölkerung, beginnend im Ghetto, wo die erhoffte Wohnung für die fünfköpfige Familie Silbermann ein Zimmer ist, das sie sich mit einer weiteren Familie teilen müssen. In ihrem Nachwort schreibt Amanda Barratt, dass sie sich „bei den Szenen in Konzentrationslagern um besondere Sorgfalt bemüht und die Gewalt, die Menschen dort erfahren haben, ungeschönt dargestellt“ hat. Diese Szenen sind nicht immer leicht zu lesen, denn sofort stehen die Bilder des Holocausts vor Augen. Und dennoch können wir das unermessliche Leiden nur ansatzweise verstehen, da wir diese unmenschlichen Lebensbedingungen nicht kennen.

Gegen das Leid setzt Amanda Barratt die Menschlichkeit und die Liebe. Nicht nur Zosia und der Apotheker Pankiewicz helfen, wo sie können. Auch z.B. Mitglieder der „Blauen Polizei“, die als Bewacher im Ghetto eingesetzt wurden, halfen bei der Umgehung von Vorschriften oder überbrachten Nachrichten, weil ihr Gewissen nichts anderes zuließ. Trotz des großen Leids verliebt sich Hania in Romek, der ihre Gefühle erwidert. Diese Liebe lässt sie durchhalten und gibt Hoffnung auf ein besseres Leben.

Amanda Barratt hat eine Geschichte geschrieben, die unter die Haut geht und lange nachwirkt. Sie beweist, dass jeder an seiner Stelle etwas tun kann, was hilft und unterstützt, egal, wie wenig es scheinen mag. Sie zeigt eindringlich, dass das Geschehene nicht vergessen werden darf und Ungerechtigkeiten nicht hingenommen werden dürfen.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Emotional und warmherzig

Die Rätsel meines Großvaters
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Nach „Die Bibliothek meines Großvaters“ legt Masateru Konishi den zweiten Band seiner Trilogie vor.

Die gemeinsame Liebe zur Literatur, insbesondere Krimis verbindet Kaede mit ihrem an Lewy-Körperchen-Demenz ...

Nach „Die Bibliothek meines Großvaters“ legt Masateru Konishi den zweiten Band seiner Trilogie vor.

Die gemeinsame Liebe zur Literatur, insbesondere Krimis verbindet Kaede mit ihrem an Lewy-Körperchen-Demenz leidenden Großvater genauso wie die Leidenschaft, große und kleine Rätsel zu lösen. Vor allem in letzterem sieht Kaede eine Chance, ihr eigenes Trauma zu heilen, denn der Gesundheitszustand ihres Großvaters schwankt stark.

Zunächst scheint es, dass der Autor eine Reihe einzelner Geschichten aneinanderreiht, denn es dauert ein wenig, bis der rote Faden erkennbar wird. Die Protagonisten kennen wir bereits aus dem ersten Band, mit Ausnahme von Agatsuma und seinem Kollegen Jonouchi. Die beiden sind bei der Polizei und spielen aus verschiedenen Gründen wichtige Rollen. Kaede wagt sich langsam aus ihrem Schneckenhaus heraus, bis etwas geschieht, was sie zurückwirft.

Der Schreibstil ist eher langsam und ruhig, sehr passend zu meiner Vorstellung von Japan. Die hin und wieder eingefügten japanischen Wörter werden nicht erläutert, was ich auch nicht nötig finde.

Das Miträtseln führt dazu, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen wollte. Die Rätsel werden vollständig aufgelöst. Besonders gelungen finde ich die Hinweise auf eine Reihe von Kriminalromanen und -filmen, die die Rätsel bildhaft werden lassen.

Die Krankheit des Großvaters steht im Vordergrund. Selbst wenn sie nicht thematisiert wird, ist sie zwischen den Zeilen erkennbar, ebenso wie die große Zuneigung, die die beiden füreinander haben.
Kaedes Freunde sind sympathisch und empathisch. Sie unterstützen Kaede, wo sie können, teilweise anders als erwartet.

Das japanisch gestaltete Cover garantiert den Wiedererkennungseffekt.

Fazit: eine berührende Fortsetzung

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Tiefgründig, vielschichtig - ein wunderbar erzählter Familienroman

Ein weites Leben
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Eine Schaffarm in Australien, eine harmonische Familie mit einem guten Leben, bis in einem kurzen Moment der Unachtsamkeit Vater Phil MacBride mit seinen beiden Söhnen Warren und Matthew verunglückt. Für ...

Eine Schaffarm in Australien, eine harmonische Familie mit einem guten Leben, bis in einem kurzen Moment der Unachtsamkeit Vater Phil MacBride mit seinen beiden Söhnen Warren und Matthew verunglückt. Für Phil und Warren kommt jede Hilfe zu spät, doch Matthew überlebt schwerverletzt.

Mit diesem Unfall beginnt M.L. Stedman ihren fulminanten Roman, der sich über mehr als 40 Jahre erstreckt. Matts Mutter Lorna ist eine starke Frau. Trotz der schrecklichen Situation gelingt es ihr, die Farm mit Hilfe von Miles und ihren Arbeitern fortzuführen. Unterstützung bekommt sie auch von ihrer Tochter Rosie. Rosie ist von Kindheit an etwas eigenwillig und versteht es, die Dinge so hinzudrehen, dass es ihr zum Vorteil gereicht. Als etwas passiert, was nicht vorhersehbar war, steht nicht nur Rosie vor einer völlig neuen Situation. Eine Situation, die nicht nur für sie, sondern auch für Matt dauerhafte Folgen hat.

M.L. Stedman, übersetzt von Cornelius Hartz, schreibt einen gut lesbaren Stil mit vielen Twists und Wendungen, die das Lesen absolut spannend machen. Nicht nur die Familie MacBride ist authentisch und lebendig gezeichnet. Es gibt eine Reihe von Protagonisten, die die Familie von Beginn an begleiten, einige neue kommen hinzu, andere spielen nur für eine gewisse Zeit eine Rolle. Viele von ihnen haben Geheimnisse, z.B. Miles, aber auch Pete Peachy, ein Freund der Familie, oder die Frau des neuen Postmeisters, die ihren großen Kummer mit einem eher seltsam anmutenden Hobby (hier sehr passend) zu betäuben versucht. Ein Sergeant wägt sorgfältig ab, bevor er Entscheidungen trifft, während für seinen Nachfolger das Recht über allem steht.

Natürlich spielen auch die Veränderungen in Politik und Wirtschaft eine Rolle, die nicht spurlos an der Farm vorbeigehen. Die Suche nach Bodenschätzen und die schwankenden Preise für die Schafwolle haben Auswirkungen auf die Farm, die von Matt und seinem Neffen Andy Entscheidungen fordern.

Sehr bildhaft beschreibt M.L. Stedman auch die wunderbare Landschaft mit ihren Merkmalen und Spuren, die Menschen hinterlassen haben.

Fazit: ein einfühlsamer, vielschichtiger, tiefgründiger und spannender Roman

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