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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.04.2026

Klug komponierter, sprachlich überzeugend und humorvoll

Einatmen. Ausatmen.
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Endlich Vorständin werden. Marlenes Traum ist zum Greifen nah, wenn, ja, wenn da nicht die Beschwerden über ihre soziale Kompetenz wären. Ihre Chance auf den langersehnten Posten ist daher an eine Bedingung ...

Endlich Vorständin werden. Marlenes Traum ist zum Greifen nah, wenn, ja, wenn da nicht die Beschwerden über ihre soziale Kompetenz wären. Ihre Chance auf den langersehnten Posten ist daher an eine Bedingung geknüpft: ein Coaching-Seminar im ländlichen Brandenburg.

Coach Alex Grow, der die Akademie leitet verfolgt dabei ganz eigene Interessen und ist nicht weniger mit eigenen Sorgen und Problemen konfrontiert. Seine Akademie läuft schlecht und steht kurz vor dem Aus. Ein erfolgreiches Coaching Marlenes könnte ihm daher nicht nur Folgeaufträge in ihrer Firma sichern, sondern ist buchstäblich seine letzte Rettung.

Man merkt wie in jedem Maxim Leo Roman, dass der Autor seine Figuren wirklich mag und versteht. Aus den Zeilen spricht selbst in den Passagen größter Ironie, und von denen gibt es glücklicherweise so einige, immer eine gewisse Zugewandtheit den Figuren, ihren Problemen, aber auch viel allgemeiner, unserem Menschsein gegenüber. Dabei kommt eine klug formulierte Gesellschaftskritik gleichzeitig nicht zu kurz. Es liest sich köstlich, wie Leo die florierende Coachingbranche aufs Korn nimmt und deren Widersprüche und Charakteristika gekonnt offenlegt und ad absurdum führt.

Einatmen, Ausatmen ist ein klug komponierter, sprachlich überzeugender und humorvoller Gegenwartsroman, den ich unbedingt empfehle!

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Jahrhundertsommer 2003: Erwachsenwerden, Liebe und körperlicher Schmerz zwischen Hitze, Leichtigkeit, Meer und Patriarchat

Paradise Beach
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Paradise Beach ist ein Coming of Age Roman, der die Hitze und Leichtigkeit des Jahrhundertsommers 2003 mit dem Erwachsenwerden der jungen Ada, der ersten Liebe aber auch den ersten körperlichen Schmerzen ...

Paradise Beach ist ein Coming of Age Roman, der die Hitze und Leichtigkeit des Jahrhundertsommers 2003 mit dem Erwachsenwerden der jungen Ada, der ersten Liebe aber auch den ersten körperlichen Schmerzen und Beginn einer chronischen Erkrankung verknüpft. Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Da ist einerseits Ada mit 28 Jahren in der Gegenwart, unmittelbar nach ihrer Endometriose-OP in einer lethargischen Zwischenwelt aus Schmerz, Zweifeln, Erinnerung und Selbstfindung. Den weit größeren Raum nimmt jedoch die Erzählebene im Sommer 2003 ein, als Ada gerade 13 ist, und ihre erste Liebe aber auch ihren ersten körperlichen Schmerz mit Beginn ihrer chronischen Endometrioseerkrankung erlebt.

Die Lebenswelt als erwachsene Frau mit Endometriose und der aktuellen medizinischen Behandlung dieser verbindet die Autorin nachvollziehbar mit dem Auftreten der ersten Periode Adas im Jahrhundertsommer 2003 und zeichnet so eine Kontinuität und Kontextualisierung vom Beginn der Erkrankung bis in die Gegenwart. Die Leichtigkeit eines Sommers an der Ostsee mit regelmäßiger Verpflegung im Kiosk Paradise Beach kontrastiert hier mit der Verlorenheit in der Pubertät und dem ersten Auftreten des unglaublichen Schmerzes, für den Ada keine Worte findet und dem auch die Familie, Freunde und Gesellschaft um sie herum keinen Raum geben, keinen Namen. Für Ada kommt dabei viel zusammen, typische Teenagerherausfoderungen, wie Peer Groups, Anerkennung, Selbstfindung, erste Liebe, Abgrenzung und Zugehörigkeit und sich Auszuprobieren. Daneben erfährt sie mit der ersten Periode nicht nur den Schmerz, der sie zusätzlich verunsichert, verängstigt und für sie ein Leben mit einer chronischen Erkrankung bedeuten wird. Die Periode und das Erwachsenwerden, in der Zwischenwelt zwischen Mädchen und Frau versetzt Ada fast plötzlich auch in eine neue Position, in der sie erfahren muss, wie sehr Mädchen- und Frauenkörper in einer patriarchal geprägten Gesellschaft zum Objekt gemacht werden, als ob die Verfügungsgewalt über ihren Körper nun nicht mehr ihr selbst gehört. Diese beiden Aspekte, die nachvollziehbare Darstellung einer Lebenswelt mit Endometriose und das in einer Gesellschaft, in der Sexismus und körperliche Übergriffigkeit gegenüber Mädchen und Frauen zum guten patriarchalen Ton gehören, sind für mich die stärksten im Roman. Gerade in der Gegenwartsebene war die Story für mich jedoch letztlich nicht ganz stimmig, wirkte stellenweise überkonstruiert. Gleichzeitig fehlte mir auch mit Blick auf die Erkrankung in der Gegenwartsebene Entwicklung und Erklärung. Von der ersten Periode zur OP ist es ein weiter Weg mit der Erkrankung und doch beleuchtet der Roman nur diese beiden Endpunkte. Ich persönlich hätte gerne mehr darüber erfahren, wie Ada endlich eine Sprache für ihren Schmerz und ihre Erkrankung findet, welche Hürden sie dabei im Gesundheitssystem erlebt und wie sie letztlich zu der Erwachsenen Ada wird, einer jungen Frau mit einer chronischen Erkrankung, die noch immer viel zu wenig Anerkennung erfährt, gesellschaftlich und medizinisch.

Sprachlich ist der Roman für mich nicht ganz rund. Irritierend fand ich die häufigen Erwähnungen von Markennamen von Kleidung. Manche Formulierungen wirken gestelzt, wie der Ball beim Volleyball, der „in Empfang genommen“ statt angenommen wird, andere sind sprachlich nicht korrekt, wie wenn etwa von Lavasand die Rede ist, womit im Roman schlicht heißer Sand gemeint sein soll, der jedoch eben nicht aus vulkanischem Gestein besteht, wie es eben für Lavasand semantisch charakteristisch wäre. Derartige Ungereimtheiten haben mich regelmäßig irritiert und mein Leseerlebnis etwas getrübt.

Insgesamt ist Paradise Beach aufgrund des Themas und einiger starker Momente trotzdem ein wichtiges Buch für mich, jedoch mit leichten Schwächen in der Umsetzung.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Ein neues Abenteuer für die Heldenhäsin

Hilda Hasenherz. Das Abenteuer am Drachenfels
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Ein neues Abenteuer für unsere beliebte und innig geliebte Heldenhäsin Hilda Hasenherz steht im Mittelpunkt dieser Geschichte. Diesmal ist das Ziel der Drachenfels. Dort vermutet Hilda den bösen Baron ...

Ein neues Abenteuer für unsere beliebte und innig geliebte Heldenhäsin Hilda Hasenherz steht im Mittelpunkt dieser Geschichte. Diesmal ist das Ziel der Drachenfels. Dort vermutet Hilda den bösen Baron von Ratzezahn, der als einziger etwas über den Verbleib ihrer geliebten Eltern weiß.

Auch bei diesem Abenteuer ist Hilda natürlich nicht auf sich allein gestellt. Mit dabei sind Eicho, das freche Eichhörnchen, Robinius, das ritterliche Rotkehlchen und Igromir, der weise Igel. Sowohl die Hauptfiguren, als auch die Nebenfiguren, wie Prinz Lämpchen oder Dschango Biber sind wunderbar liebevoll und kindgerecht in ihren Besonderheiten, Talenten und Charaktereigenschaften gezeichnet. Jeder und jede bringt sich mit dem ein, was er oder sie am besten kann und versucht so bei der Suche nach Hildas Eltern zu helfen.

Besonders gefällt mir wie auch dieser Band ganz spielerisch wichtige Werte und Eigenschaften vermittelt, neben Mut natürlich ganz besonders die Werte von Freundschaft, Zusammenhalt und Vielfalt, die mit der bunten Freundebande um Hilda in der Geschichte immer wieder zum Ausdruck kommen.

Wunderschön sind auch die liebevollen Zeichnungen, die lose in die Seiten eingefügt sind und zusammen mit der harmonischen Farbgebung das Abenteuer perfekt illustrieren und so das Leseerlebnis komplettieren.

Wieder mal ein rundum gelungener Band um die beeindruckende kleine Heldenhäsin!

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Charlotte im Wunderland destruktiver, ausbeuterischer Strukturen in der Verlagswelt

Die Assistentin
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Charlotte Schaf ist Mitte 20, eine Einzelgängerin, die ein Leben lang Zuflucht in Musik und Büchern gesucht und gefunden hat. Und nun, neue Stadt, neuer Job, neues Glück? In ihrer neuen Stelle in München ...

Charlotte Schaf ist Mitte 20, eine Einzelgängerin, die ein Leben lang Zuflucht in Musik und Büchern gesucht und gefunden hat. Und nun, neue Stadt, neuer Job, neues Glück? In ihrer neuen Stelle in München arbeitet Charlotte als Assistentin in einem renommierten Verlag, unmittelbar dem exzentrischen Eigentümer untergeordnet. Was die junge Frau dabei erlebt, davon erzählt Caroline Wahl in Die Assistentin.

Gelungen ist insbesondere, wie der Roman internalisierte Erwartungen Charlottes nachvollziehbar darstellt. Alle Schikanen des Verlegers, deutet sie zunächst nicht als solche sondern sieht sie als Ansporn eben viel besser als die übrigen Assistentinnen zu sein und so mit der erhofften Anerkennung des Verlegers ihren Selbstwert zu steigern. In dieser patriarchal geprägten Leistungslogik, sind es eben die anderen Frauen, die letztlich selbst daran Schuld sind den hohen, vermeintlich legitimen Anforderungen des Verlegers nicht zu genügen. Charlottes Selbstaufgabe wird so zum vermeintlichen Beweis ihrer Auserwähltheit und Legitimität der an die Assistentin gerichteten Erwartungen.

Stilistisch ist der Roman ein Experiment. Caroline Wahl konfrontiert ihre Leserinnen mit einer allwissenden Erzählerin, die immer wieder in die Handlung eingreift, Rückblicke und Vorausblicke präsentiert und über die Konstruktion einer guten Geschichte im Allgemeinen und die Intention der Geschichte im Besonderen reflektiert. Irritierend sind dabei zuweilen Reflexionen, in denen sie den Roman bereits als Bestseller benennt.

Für mich war dieses Experiment insofern ungewohnt, als dass ich mit völlig anderen Erwartungen an den Roman herangegangen bin und die bisherigen Romane der Autorin aus anderen Gründen geschätzt habe. Für mich hat 22 Bahnen und Windstärke 17 ganz besonders die feine Beobachtungsgabe der Autorin und große Empathie für die Figuren ausgemacht. Die Assistentin möchte reifer, künstlerischer sein, eine Botschaft senden, dabei kommen für mich die Figuren zu kurz, die inklusive der Protagonistin Charlotte blass wie Statisten verbleiben, untergeordnet dem Projekt des Romans und seiner Botschaft destruktiver, ausbeuterischer Strukturen in der Verlagswelt.

Für mich reicht der Roman nicht an die Vorwerke heran, wenngleich es auf keinen Fall ein schlechtes Buch ist. Caroline Wahl kann schreiben, experimentiert hier und wie gelungen dieses Experiment eingeschätzt wird, hängt von der jeweiligen Leserin und ihren Erwartungen ab.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Wundervoll vielfältig, toll umgesetzt, zur Planung und Vorfreude

Hidden Japan
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Endlich mal ein zeitgemäßer Reiseführer, und dies sowohl in Haptik, Gestaltung und Inhalt! Zunächst fällt der super hochwertige festere Einband auf, der direkt Lust auf die Lektüre und das Entdecken des ...

Endlich mal ein zeitgemäßer Reiseführer, und dies sowohl in Haptik, Gestaltung und Inhalt! Zunächst fällt der super hochwertige festere Einband auf, der direkt Lust auf die Lektüre und das Entdecken des Inhalts macht. Einen kleinen Nachteil hat dies allerdings, für mich ist der Reiseführer dadurch eher nicht zum Mitnehmen, sondern wirklich primär die Vorbereitung und auch das unverbindliche Schmökern und Eintauchen in Japans Schätze geeignet. Das tolle Design im Einband, setzt sich im Inneren fort, übersichtliche, ansprechende Texte, statt Fotos, super schöne Zeichnungen, so macht die Reisevorbereitung Spaß.

Doch nun endlich zum Inhalt: Natürlich finden sich auch ganz klassische und wichtige Infos in dem Band, wie geschichtliches, Hoteltipps, Routen zum Entdecken etc. Besonders macht den Reiseführer jedoch die Auswahl darüber hinaus. So gibt es extra Kapitel mit Tokio für Foodies, Kunst und Mode oder skurrile Entdeckungen. Tokio stellt deutlich den Schwerpunkt der Publikation dar mit etwa der Hälfte der Seiten. Neben Tipps und Routen für die Stadt, gibt es auch Ausflugsinspirationen für die unmittelbare Umgebung der Metropole.

Der zweite Teile nimmt den Rest des Landes in den Fokus. Hier werden Kansai, Kyoto, Osaka, Nara und für ganz Entdeckungslustige in einem extra Kapitel Touren jenseits touristischer Pfade vorgestellt.

Mir gefällt besonders die sehr persönliche Ansprache in Hidden Japan, die Autorin berichtet immer wieder von ihren eigenen Erfahrungen und leitet daraus Empfehlungen für ihre Leserinnen ab.

Bereits beim Stöbern wird die Vielfalt des Landes überdeutlich, egal ob Kultur, High Tech Stadtleben, Geschichte oder wunderschöne Naturerlebnisse. Japan hat diese ganze Vielfalt zu bieten und Chiara Terzuolo gibt fundierte und sympathische Ratschläge wie sich diese am besten entdecken lässt, ganz nach den eigenen jeweiligen Vorlieben.

Hidden Japan überzeugt mit echten Insidertipps, praktischen Hinweisen und auch popkulturellen Einsichten, wie sich dieses wundervolle Land entdecken lässt und nicht zuletzt einer in Haptik und Gestaltung wunderschönen Umsetzung. So steigt direkt die Vorfreude und der Reisführer ist auch im Nachgang wie ein kleines Japan Handbuch zu verwenden.

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