Richtig gutes Leben
Richtig gutes EssenEine Bürogemeinschaft mitten aus dem Leben: Fuji ist Assistent der Leitung und Mitte 50, dazu ein Chef, der gerne mit allen Essen geht, die junge Ashikawa, die öfter krank ist, aber als Wiedergutmachung ...
Eine Bürogemeinschaft mitten aus dem Leben: Fuji ist Assistent der Leitung und Mitte 50, dazu ein Chef, der gerne mit allen Essen geht, die junge Ashikawa, die öfter krank ist, aber als Wiedergutmachung Kuchen für das Team bäckt, die kluge Harada, Mutter, und Teilzeitkraft, Oshio, wie Ashikawa in ihren Zwanzigern, aber tough, karriereorientiert, und hasst, dass sie Ashikawas Arbeit so oft mitmachen muss. Und in diesem Reigen aus lebensnahen, sympathischen Charakteren mit all ihren Eigenheiten: Nitani, Ende 20, liebt Instantnudeln und sieht Essen als Zeitverschwendung in einem auf Optimierung des Alltags und Erwerbsarbeit ausgerichteten Dasein. Sowohl die befindliche Ashikawa als auch die abgeklärte Oisho verbringen ihre Zeit gern mit dem eigenwilligen Nitani. Doch während Ashikawa mit ihrer Passion für das Backen und Kochen nicht ferner von Nitanis Vorlieben sein könnte, weckt Oshio mit ihrer nüchternen Freude an gutem Essen und dem Sinn für kluge Konversation auch eine andere Seite in Nitani.
Für mich steht im Roman weniger eine Entwicklung, als vielmehr die Beschreibung des aus Überstunden bis in die Nacht und Wochenenden bestimmten Alltags und was dies mit sozialen Beziehungen im Allgemeinen und der Bürogemeinschaft im Speziellen macht, im Fokus der Erzählung. Über die Figuren beschreibt die Autorin die oft informellen Aushandlungsprozesse und Strategien innerhalb des Büros als soziales Gebilde.
Der abgeklärte Stil mit einem manchmal fast bitter-bösen Humor hat mich wunderbar unterhalten und bildet einen Gegenpol zu dem vom Funktionieren und Arbeit bestimmten Alltag der Kolleginnen. In der Perspektive wechselt der Roman zwischen einer Erzählerin mit dem Fokus auf Nitani und Oshios Erleben in der Ich-Form erzählt. Für mich war in den Abschnitten Nitanis die Perspektive nicht immer konsistent, da überwiegend von einer Erzählstimme in der dritten Person geschrieben, situativ jedoch Nitani in der ersten Person eine Stimme gegeben wird. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass dies auch in der Übersetzung begründet liegt.
Junko Takase hat mich in Richtig gutes Essen mit liebevoll gezeichneten, etwas skurrilen Charakteren mit all ihren Eigenheiten und einem feinen, manchmal ironischen Blick auf die japanische Gesellschaft und zuweilen bitter-bösem Humor überzeugt. Der Roman vermittelt authentische Einblicke in den japanischen (Arbeits-)Alltag und seine Esskultur, mit den Sorgen, Ängsten, Herausforderungen und Freuden der Protagonistinnen darin.