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Veröffentlicht am 15.02.2026

Richtig gutes Leben

Richtig gutes Essen
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Eine Bürogemeinschaft mitten aus dem Leben: Fuji ist Assistent der Leitung und Mitte 50, dazu ein Chef, der gerne mit allen Essen geht, die junge Ashikawa, die öfter krank ist, aber als Wiedergutmachung ...

Eine Bürogemeinschaft mitten aus dem Leben: Fuji ist Assistent der Leitung und Mitte 50, dazu ein Chef, der gerne mit allen Essen geht, die junge Ashikawa, die öfter krank ist, aber als Wiedergutmachung Kuchen für das Team bäckt, die kluge Harada, Mutter, und Teilzeitkraft, Oshio, wie Ashikawa in ihren Zwanzigern, aber tough, karriereorientiert, und hasst, dass sie Ashikawas Arbeit so oft mitmachen muss. Und in diesem Reigen aus lebensnahen, sympathischen Charakteren mit all ihren Eigenheiten: Nitani, Ende 20, liebt Instantnudeln und sieht Essen als Zeitverschwendung in einem auf Optimierung des Alltags und Erwerbsarbeit ausgerichteten Dasein. Sowohl die befindliche Ashikawa als auch die abgeklärte Oisho verbringen ihre Zeit gern mit dem eigenwilligen Nitani. Doch während Ashikawa mit ihrer Passion für das Backen und Kochen nicht ferner von Nitanis Vorlieben sein könnte, weckt Oshio mit ihrer nüchternen Freude an gutem Essen und dem Sinn für kluge Konversation auch eine andere Seite in Nitani.

Für mich steht im Roman weniger eine Entwicklung, als vielmehr die Beschreibung des aus Überstunden bis in die Nacht und Wochenenden bestimmten Alltags und was dies mit sozialen Beziehungen im Allgemeinen und der Bürogemeinschaft im Speziellen macht, im Fokus der Erzählung. Über die Figuren beschreibt die Autorin die oft informellen Aushandlungsprozesse und Strategien innerhalb des Büros als soziales Gebilde.

Der abgeklärte Stil mit einem manchmal fast bitter-bösen Humor hat mich wunderbar unterhalten und bildet einen Gegenpol zu dem vom Funktionieren und Arbeit bestimmten Alltag der Kolleginnen. In der Perspektive wechselt der Roman zwischen einer Erzählerin mit dem Fokus auf Nitani und Oshios Erleben in der Ich-Form erzählt. Für mich war in den Abschnitten Nitanis die Perspektive nicht immer konsistent, da überwiegend von einer Erzählstimme in der dritten Person geschrieben, situativ jedoch Nitani in der ersten Person eine Stimme gegeben wird. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass dies auch in der Übersetzung begründet liegt.

Junko Takase hat mich in Richtig gutes Essen mit liebevoll gezeichneten, etwas skurrilen Charakteren mit all ihren Eigenheiten und einem feinen, manchmal ironischen Blick auf die japanische Gesellschaft und zuweilen bitter-bösem Humor überzeugt. Der Roman vermittelt authentische Einblicke in den japanischen (Arbeits-)Alltag und seine Esskultur, mit den Sorgen, Ängsten, Herausforderungen und Freuden der Protagonistinnen darin.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Zarte, poetische Einblicke in die Siebenbürgische Seele

Halber Stein
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Halber Stein begleitet die junge Friedesine, genannt Sine als Erzählerin auf der Reise in ihre alte Heimat in Siebenbürgen, aus der die Familie vor 20 Jahren nach Deutschland ausgewandert ist. Nach dem ...

Halber Stein begleitet die junge Friedesine, genannt Sine als Erzählerin auf der Reise in ihre alte Heimat in Siebenbürgen, aus der die Familie vor 20 Jahren nach Deutschland ausgewandert ist. Nach dem Tod ihrer geliebten Großmutter Agneta stellt sich Sine mit dem Haus der Großmutter der letzten Anlaufstelle ihrer Herkunftsregion und damit auch ihrer Vergangenheit und Identität.

Was bedeutet der Verlust der Großmutter und mit ihr das Verschwinden eines Zufluchtsortes, eines Horts der Geborgenheit, physisch, emotional und inkorporiert in ihrem Haus mit den Orten der Kindheit? Über diese Frage, und der Suche nach Antworten beginnt Sine und mit ihr der Roman die wechselhafte, oft tragische Geschichte Agnetas, ihrer Familie und der Siebenbürgener Sachsen aufzuarbeiten und greift dabei sowohl die Lebenswelt der Auswandererfamilien als auch der Zurückgebliebenen auf, Schmerz und Identitätskonflikte in den jeweiligen Biografien.

Es schwingt eine Form von Trauer in den Zeilen, über den Verlust der alten Heimat in Siebenbürgen und mit ihr der Vertrautheit der Kindertage und eines Ortes, an dem Familien über Generationen leben und jede jeden kennt.

Der Stil ist sehr poetisch mit einem deutlichen Schwerpunkt im Beschreiben der Umgebung. Auch wenn ich es phasenweise genossen habe, mir die Landschaft in Siebenbürgen vorzustellen, zog sich für mich dadurch die Handlung stellenweise. Getragen wird der Roman für mich nicht primär von der poetischen Sprache, sondern vielmehr der feinen Beobachtung und Beschreibung Sines Erlebens und Entdeckens ihrer Innen- und Außenwelt, eingebettet in eine fast schon zarte, melancholische Geschichte der Siebenbürgener Sachsen über die Jahrhunderte. Genau diese Stellen in denen Sine über ihr Aufwachsen bei ihrer Großmutter und die Schwierigkeiten und Gefühle bei Auswanderung und Neuanfang in Deutschland sinniert und dies konstrastiert mit der Vergangenheit der Siebenbürgener Sachsen und den Erfahrungen der Zurückgebliebenen in der Heimat, waren für mich die zentralen und stärksten Passagen des Romans und für sich sehr lohnenswert den Roman zu lesen. Sines Erkennen von sich selbst in der Heimat und ihrer Prägung sind wundervoll zu lesen und haben mich sehr berührt.

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Veröffentlicht am 31.01.2026

Informativ, kindgerecht, wunderschöne Fotos

National Geographic Kids - Die tollsten Tierbabys aus aller Welt
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Dieser Band mit den tollsten Tierbabys aus aller Welt von National Geographics Kids ist ein Tierlexikon für Kinder, das mit einer gelungenen Mischung aus informativen, kindgerechten Texten und wundervollen ...

Dieser Band mit den tollsten Tierbabys aus aller Welt von National Geographics Kids ist ein Tierlexikon für Kinder, das mit einer gelungenen Mischung aus informativen, kindgerechten Texten und wundervollen Fotoaufnahmen von Tieren und ihrem Nachwuchs aus aller Welt überzeugt.

Zunächst vermittelt das Buch einleitendes Grundwissen über Tiere und Tierbabys. Hier lernt die junge Leserin beispielsweise, dass Vögel und Säugetiere endotherm sind und was das konkret bedeutet. Interaktiv eingebunden werden Kinder zum Beispiel über die Frage und Anregung, wie sie selbst aussahen, als sie zur Welt kamen oder wie hoch sie springen können im Vergleich zu Karakaljungen.

Die verschiedenen Tierbabys werden schließlich in fünf Kapiteln vorgestellt, die nach dem jeweiligen Lebensraum der darin lebenden Tiere untergliedert sind. Vom Grasland über Wasser, Berge und Wüste bis hin zu Wald und Polargebiet werden die Neugeborenen der unterschiedlichsten Tiere der Leserin nähergebracht. Neben den wunderschönen Fotos und kindgerechten Texten, fasst eine praktische Faktenbox das Wichtigste zu jedem Tier zusammen.

Der Band ist ein schönes und informatives Buch für wissbegierige Kinder, das didaktisch gut aufbereitet ist und mit dem größeren Format und der angenehmen Haptik auch ein gelungenes Geschenk darstellt. Je nach Verwendung eignet sich das Buch von ca. 5 bis 12 Jahren gut, wobei im jüngeren Alter der Schwerpunkt eher auf den Bildern und der Vermittlung durch Vorleser liegt, ältere Kinder können sich wiederum durchaus komplexeres Wissen selbst aneignen mit diesem gelungenen Tierlexikon.

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Becoming Margot Buth

Die Kryptografin
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Margot Buth wurde in ihrem jungen Leben, wie so viele andere ihrer Generation nicht mit Glück bedacht. Als junges Mädchen musste sie mit Mutter und Schwestern fliehen, der Vater blieb zurück und ist bis ...

Margot Buth wurde in ihrem jungen Leben, wie so viele andere ihrer Generation nicht mit Glück bedacht. Als junges Mädchen musste sie mit Mutter und Schwestern fliehen, der Vater blieb zurück und ist bis heute verschollen. Die Fliehenden wurden getrennt, und Margot musste sich lange mit ihrer älteren Schwester allein durchlagen. Und auch nach Kriegsende war der Schrecken für Margot nicht vorbei - doch das ist bereits Teil der Geschichte dieses Romans, in dem Margot mit ihrer Mutter in München versucht ein neues Leben aufzubauen. So schwer sie in ihrem jungen Leben zu tragen hatte, so beschenkt ist sie mit gleich zwei Gaben, auch wenn sie letztere lange nicht als eine solche begreifen kann: Margot hat ein außergewöhnliches Talent für Mathematik und Synästhesie. An Ambitionen mangelt es der jungen Frau daher nicht: sie will die erste Mathematikprofessorin Deutschlands werden und wer sie so wunderbar gezeichnet von Hanna Aden in diesem Roman begleitet, hat kaum Zweifel, dass sie das wirklich werden könnte, werden sollte. Doch dieser Traum wird unerwartet auf den Prüfstand gestellt, als die talentierte Margot mit ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten in einer Vorlesung zur Kryptografie Aufmerksamkeit erregt und ein ungewöhnliches Jobangebot erhält.

Zur selben Zeit steht auch eine andere junge Frau voller Träume und Talent vor scheinbar nicht zu lösenden Herausforderungen. Obwohl sie selbst erst 20 ist, kümmert sich Sue um ihre beiden jüngeren Schwestern und versucht dem Alltag mit ihrem versehrten älteren Bruder gerecht zu werden. Zur Finanzierung des Lebensunterhalts der Familie arbeitet sie als Hilfsschneiderin und träumt gleichzeitig von einer Karriere als Journalistin.

Zwei junge Frauen im Jahr 1953, die jede auf ihre Art mit den Brocken hadern, die das Schicksal ihnen in der Vergangenheit präsentiert hat und doch geeint sind in ihrem Talent und großen Träumen für ein anderes Leben, als die Nachkriegsgesellschaft für sie vorgesehen hat.

Besonders eindrücklich war für mich wie fein die Klassenunterschiede zwischen Margot und Sue herausgearbeitet sind. Beide kommen kaum über die Runden. Aber trotzdem ermöglicht Margots Herkunft aus einem Pastorenhaushalt, in Verbindung mit der Erziehung und dem Netzwerk ihr ganz andere Perspektiven als Sue. Bei allen Gemeinsamkeiten dieser beiden klugen Frauen, fand ich diesen Kontrast in Habitus und Lebenschancen sehr gelungen dargestellt und dabei insbesondere, die ganz feinen Unterschiede, die Margot trotz der prekären finanziellen Situation ganz andere Türen öffnen.

Neben historischen Bezügen zur Entstehung des westdeutschen Geheimdienstes und dem Alltag in den Nachkriegsjahren thematisiert der Roman fast schon spielerisch zentrale gesellschaftliche Themen, die bis heute aktuell sind. Geschlechterdiskriminierung und Gewalt gegen Frauen, soziale Ungleichheit und der Wert von Demokratie und Meinungsvielfalt. All dies ist in eine mitnehmende, emotionale, kluge und bewegende Geschichte über die Emanzipation und den Mut zweier junger Frauen eingebunden, die ihren Platz in der Welt jenseits des strengen Korsetts suchen, das gesellschaftliche Normen, und ihre soziale Herkunft ihnen vorgeben.

Die Kryptografin ist ein Unterhaltungsroman, der mich mit lebensnahen, starken Frauenfiguren und gesellschaftlich relevanten Themen, die klug in die Handlung eingebunden werden, überzeugt.

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Veröffentlicht am 10.01.2026

Der Weg zur Primaballerina und zur Zerstörung des Selbst

Tote Schwäne tanzen nicht
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Eindringlich schildert die Autorin in Tote Schwäne tanzen nicht die Lebenswelt eines jungen Mädchens, das sich nichts mehr wünscht als professionelle Ballerina zu werden. Für diesen Traum lebt sie bereits ...

Eindringlich schildert die Autorin in Tote Schwäne tanzen nicht die Lebenswelt eines jungen Mädchens, das sich nichts mehr wünscht als professionelle Ballerina zu werden. Für diesen Traum lebt sie bereits seit dem Kindesalter im Internat in Prag und wird am dortigen Konservatorium ausgebildet - eine Auszeichnung als zukünftige Ballettelite des Landes.

In der anekdotenhaften Erzählung über 8 Jahre vermischen und potenzieren sich ganz alltägliche und alterstypische Gedanken und Sorgen immer wieder mit den sehr speziellen Anforderungen einer professionellen Tanzausbildung als Primaballerina. Ein Leben in Prag im Internat fernab der Familie bereits im Kindesalter, Schmerz und permanente Demütigungen durch Lehrpersonal, Erfolgsdruck, Konkurrenzkampf, Mobbing und Essstörungen. Ein ständiger Kampf gegen den eigenen Körper und das in einem Alter, in dem die Pubertät ohnehin herausfordernd ist.

Über die Protagonistin und ihr Umfeld erhält die Leserin auch immer wieder Einblicke in die postsozialistische tschechische Gesellschaft und eine Jugend in den 90ern. Für viele Mädchen ist die Ausbildung auch eine Flucht aus dem Herkunftsmilieu, das gerade auf dem Land wenig Raum für Träume lässt und kaum Perspektiven bietet.

Erzählt wird dieser Alltag in der Du-Form, was eine eigentümliche Distanz der Autorin vom Geschehen und gleichzeitig Nähe der Leserin zu diesem erzeugt. Die Autorin verarbeitet dabei ihre eigenen Erfahrungen und bereichert den Text immer wieder mit Tagebuchaufzeichnungen, die der Erzählung zusätzliche Authentizität verleihen.

Bedrückend wird so geschildert, wie verloren diese Mädchen und jungen Frauen sind, mit dem Ziel der Einrichtung ihren Willen zu brechen, sie ganz und gar unterzuordnen und als Objekt formbar zu machen.

Welchen Preis muss man zahlen, für die Perfektion auf der Bühne? Und ist Druck, Demütigung und Schmerz tatsächlich wirkungsvoller und in dem Maße notwendig als und statt Zuwendung, Verständnis und Ermutigung? Welche Schäden, physische wie psychische, tragen junge Frauen davon, die diesen Weg gegangen sind und wer trägt die Verantwortung dafür?

Etwas ärgerlich sind leider die zahlreichen Rechtschreib- und Grammatikfehler in der Übersetzung.

Für mich war dieser Einblick in die professionelle Ballettausbildung eindrucksvoll und authentisch erzählt! Ein Coming Of Age Roman der anderen Art, der mit einem 10 Jährigen Mädchen beginnt, das bereits mehr schultert als einige erwachsene Menschen und eine schmerzhafte, beeindruckende Wandlung durchmacht!

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