Licht und Schatten - und das Flirren eines Sommers
The ArtistIn der Provence im Sommer 1920: Joseph Adelaide, Journalist bei einem kleinen Kunstmagazin, erhält die Chance seines Lebens. Edouard Tartuffe, legendärer Maler, lädt ihn zu sich auf den Bauernhof ein, ...
In der Provence im Sommer 1920: Joseph Adelaide, Journalist bei einem kleinen Kunstmagazin, erhält die Chance seines Lebens. Edouard Tartuffe, legendärer Maler, lädt ihn zu sich auf den Bauernhof ein, auf den er sich zurückgezogen hat, ein. Doch es sollte nicht einfach werden, ein Interview zu bekommen. Joseph wird vom Maler als Model engagiert und lebt fortan zusammen mit dem exzentrischen Künstler und seiner ruhigen Nichte Ettie. Ettie scheint ein Rätsel für sich zu sein, hält sie sich doch ruhig im Hintergrund und ist als Haushälterin und Assistentin wichtig für die Entstehung all der Kunstwerke. Schrittweise erlangt Joseph immer mehr Zutritt zur Gedankenwelt von Ettie.
Der Roman beginnt, indem man Joseph auf seiner Reise zur abgelegenen Künstlerunterkunft folgt und schon in den ersten Seiten merkt man eine gewisse Grundstimmung des Romans – lange heiße, ja eher brütende Tage des Sommers in der Provence, ein Gefühl, das für mich allgegenwertig war.
Die Erzählperspektive wechselt kapitelweise zwischen Joseph und Ettie und umfasst neben dem Alltagsleben und den Malsessions auch Gedanken und Rückblicke der jeweiligen Personen. Beide tragen ihr eigenes Päckchen und man erlebt als Leser so manchen herzzerreißenden Rückblick. Schrittweise setzen sich so die Biografien der Figuren zusammen, wie auch die Bewohner des Hauses sich immer mehr aneinander gewöhnen.
Der Roman transportiert gut das Gefühl des Sommers in der Provence und die Exzentrik der Künstler, da die Beschreibung einfach bildhaft, atmosphärisch und ausdrucksstark ist. Doch es geht nicht nur darum, wie der Leser bald merkt. Taucht man doch vor allem in Rückblicken in verstörende und herzzerreißende Szenen ein, die das Leben aller Beteiligten bis zur Erzählebene prägen. Es waren damals andere Zeiten, der erste Weltkrieg gerade erst vorbei und die Wahrnehmung speziell von Frauen eine andere. Und bald erkennt man die weitere Botschaft des Buches – es ist möglich sich aus der Dunkelheit zu befreien und ins Licht zu treten, egal wie unwahrscheinlich es einem erscheinen mag.
Ein Roman der auf Grund der Aufmachung gerne als Sommerroman für Kunstinteressierte gesehen werden kann, aber eben auch eine viel tiefere Botschaft vermittelt.