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Veröffentlicht am 11.05.2026

Eat the rich - fast wörtlich gemeint?

Das Gesetz der Elite
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Ein berühmter und reicher Ex-Fußballstar Jesus Martinez wird tot in seiner Kryosauna in seiner Wohnung aufgefunden. Die Ursache erscheint fraglich. Spannend wird es vor allem als im Internet eine Forderung ...

Ein berühmter und reicher Ex-Fußballstar Jesus Martinez wird tot in seiner Kryosauna in seiner Wohnung aufgefunden. Die Ursache erscheint fraglich. Spannend wird es vor allem als im Internet eine Forderung auftaucht – „Tötet die Reichen“. Jesus Martines war einer der reichsten Männer der Welt und rasch wird klar, dass es auch andere Opfer gibt. Colomba Caselli nun Privatdetektivin in Mailand, ermittelt nun mit ihrem Partner Dante Torre und taucht in eine Welt der Mächtigen ein.

Besonders gelungen in diesem Thriller, neben einem ausgefeilten Spannungsbogen, ist das einzigartige Ermittlungsduo. Das Duo Colomba und Dante hat in der Vergangenheit so einiges durchgemacht, man wird grob ins Bild gesetzt. Sie funktionieren trotz aller Gegensätze einwandfrei und man schließt das Duo schnell ins Herz. Beide eigenwillig, unangepasst und mit Ecken und Kanten. Mein Favorit: Dante wird als sehr widersprüchliche Figur präsentiert – Vegetarier allerdings dem Alkohol und den Zigaretten zugetan. Außerdem gesegnet mit wahnsinniger Intelligenz und Kombinationsgabe.

Der Schreibstil ist angenehm, flüssig und lebendig. Man steigt rasant ein, durch den reichen Toten im Hochhausdschungel von Mailand. Viele falsche Fährten folgen, man lernt eine Vielzahl von Charakteren kennen und reist durch viele Länder. Eben die Welt der Superreichen, die man sich als normaler Bürger nicht vorstellen kann. Subtil schwingt immer eine gewisse Kritik am Leben der Reichen, Machtstrukturen und soziale Ungerechtigkeit mit, die einen auch nach Abschluss des Romans nachdenken lässt.

Generell fordert der Roman volle Konzentration, um sich nicht im großen Umfang der Personen zu verlieren – zum Glück unterstützt einen hier das Personenregister. Auch so manchen Hinweis überliest man sonst bzw. schafft es nicht den Überlegungen Dantes zu folgen.

Definitiv empfehlenswert, wenn man Krimis/Thriller möchte die auch gesellschaftskritische Themen aufgreifen.

Veröffentlicht am 11.05.2026

alles aus der Sicht der Schafe - unterhaltsamer Cozy-Crime

Widdersehen
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Schäferin Rebecca ist mit ihrer Schafsherde in Frankreich unterwegs, als sie für die Schafe doch sehr überraschend die Heimreise nach Irland, genauer gesagt Glenkill antritt. Die Herde freut sich auf ihre ...

Schäferin Rebecca ist mit ihrer Schafsherde in Frankreich unterwegs, als sie für die Schafe doch sehr überraschend die Heimreise nach Irland, genauer gesagt Glenkill antritt. Die Herde freut sich auf ihre alte Weide, auf der sie immer mit Rebeccas Vater wohnten, erkennt jedoch rasch, dass nicht mehr alles so ist wie in deren Erinnerung. Neue Schafe grasen dort, das Gras und die Kräuter nicht mehr so wie in Erinnerung und bald nach der Ankunft verschwindet Rebecca Hals über Kopf. Schaf Miss Marple findet einen Brief und einen abgeschnittenen Finger in der Schäferunterkunft. Rasch erkennen sie, dass sie einen Schäfer brauchen, vorzugsweise ihre bisherige Schäferin Rebecca und die Herde macht sich auf die Suche nach ihr.

Dies ist nun schon der dritte Band aus der Schafskrimiserie und man trifft die altbekannte Herde mit starken Schafscharakteren wie Miss Maple, Mopple, Sir Richfield und Othello wieder. Und man taucht mit diesem Buch wirklich in die Welt der Schafe ein. Eine gelungene Coverzeichnung, deren Bedeutung sich dem Leser am Ende des Buches auch erschließt wird ergänzt durch viele Schafszeichnungen im Buch. Auch die Kapitelüberschriften könnten von Schafen gewählt worden sein. Um sich in der ganzen Wolle auch als Erstleser der Serie nicht zu verlieren, gibt es dankenswerterweise auch ein Schafsregister.

Einstellen darf man sich auf einen sehr humorvollen Roman, hauptsächlich geschildert aus dem Blickwinkel der Schafe. Ab und an ergänzt die menschliche Blickweise die Geschichte, um den Fall etwas voranzutreiben. Man erkennt, welche Dinge Schafen wichtig sind, und wie eigen die menschliche Welt und Art des Handels den Schafen manchmal erscheint. Viel Wortwitz und Situationen, die den Leser zum Schmunzeln bringen sind garantiert und auch die ein oder andere Gesellschaftskritik und philosophische Betrachtung fehlt nicht.

Der Fall selbst läuft unter die Kategorie Cozy-Crime und so manchmal hilft Kommissar Zufall den Schafermittlern (Ist ja auch schwierig, wenn man nicht lesen kann und man so manches menschliche nicht versteht). Gott sei dank wird auch die Auflösung noch einmal durch einen Menschen präsentiert, sonst würde man sich rasch in der Wolle verlieren.

Ich kann diesen humorvollen Krimi definitiv allen Fans von Cozy-Crime empfehlen, denn wann hat man schon die Chance auf so viele Schafe zu treffen, die noch dazu ermitteln.

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Veröffentlicht am 11.05.2026

wie uns de Vergangenheit auch unbewusst beeinflusst - lesenswert!

Die Schatten der Schuld
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Marlene Reinhardt Unternehmerin und Mäzenin, soll von der Stadt Hamburg geehrt werden. Während des Empfangs wird sie von ihrem Attentäter niedergestochen. Die Wogen der Öffentlichkeit und auch der Politik ...

Marlene Reinhardt Unternehmerin und Mäzenin, soll von der Stadt Hamburg geehrt werden. Während des Empfangs wird sie von ihrem Attentäter niedergestochen. Die Wogen der Öffentlichkeit und auch der Politik kochen hoch, ist der Attentäter doch ein 80-Jähriger israelischer Staatsbürger, der im KZ geboren wurde. Was ist die Motivation für die Tat. Marlenes Enkelin, Katharina Reinhardt, Historikerin und Enkelin von Marlene, steht vor vielen offenen Fragen und auch beruflich vor der Schwierigkeit das berufliche Erbe von Marlene, die Rederei zu leiten.

Geschickt werden in diesem Buch mehrere Erzählstränge verwoben. Einerseits das Jahr 2025 in dem Katharina den Anschlag auf Marlene erlebt. Sie stellt sich Fragen nach der Ursache und nachdem die Politik die Ermittlungen beeinflusst, engagiert sie einen Privatdetektiv. In den 1960er Jahren folgt man Danil in einem Kibbuz in Israel. Als Kind von KZ-Insassen, das in den letzten Tagen des Krieges geboren wurde, wird er von rätselhaften Blackouts heimgesucht und leidet auch unter dem Geisteszustand seines Vaters Raphael. Und schließlich bekommt man auch noch Einblick in die 1930er Jahre in denen Raphael gemeinsam mit seinem Vater in Hamburg um das Familienunternehmen kämpft.

Keine einfachen Themen wie man schon auf Grund des Klappentextes merkt und man mag sich denken, dass man so manches schon aus dem Geschichtsunterricht kennt. Jedoch geht dieses Buch schlichtweg weiter, indem es geschichtliche Fakten mit erzählerischem Geschick kombiniert. Natürlich sind Figuren und aktueller Handlungsstrang fiktiv, allerdings beruhen die Handlungen in der Vergangenheit auf tatsächlichen Ereignissen und Schicksalen. Durch diese Erzählstruktur ist man viel näher an den Personen und durch Einzelschicksale richtig berührt, etwas das bei Geschichtsbüchern vielleicht nicht so leicht gelingt.

Man ist nah an den Charakteren dran und fiebert mit, sie sind einfach authentisch. Trotz oder gerade wegen der Schwere des Schicksals legt man das Buch nicht gerne aus der Hand.

Definitiv eine empfehlenswerte Lektüre wenn man sich mit der Zeit und der Frage beschäftigen möchte welche Schuld aus der damaligen Zeit entstanden ist und wie all dies auch zur heutigen Zeit noch viele Leben berührt.

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Veröffentlicht am 09.05.2026

ein nordischer Psychothriller über Geheimnisse in der Familie

Home Before Dark
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Von leopol
Reykjavik im Jahr 1977-Marsibil bekommt einen Brief von ihrem ehemaligen Brieffreund, mit dem sie seit dem Verschwinden ihrer älteren Schwester zehn Jahre davor keinen Kontakt mehr hatte. Ihre ...

Von leopol
Reykjavik im Jahr 1977-Marsibil bekommt einen Brief von ihrem ehemaligen Brieffreund, mit dem sie seit dem Verschwinden ihrer älteren Schwester zehn Jahre davor keinen Kontakt mehr hatte. Ihre ältere Schwester Kristin, genannt Stina, verschwand damals am Abend am Heimweg von ihrer Freundin spurlos – nur ihre Jacke wurde gefunden. Marsibil trägt seit dem Tag auch ein Geheimnis mit sich, hat sie sich doch gegenüber ihres Brieffreundes Bergur, als ihre ältere Schwester ausgegeben und Bergur wollte sich am Auffindeort der Jacke mit seiner Brieffreundin treffen.

Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen und Perspektiven erzählt. Man folgt Marsibil im Jahr 1977 auf der Suche nach ihrer schon langen verschwundenen Schwester. Im Jahr 1966 bekommt man Einblicke in Kristins Gefühlsleben im Jahr 1966, dem Jahr ihres Verschwindens. Die Erzählstränge sind ineinander verwoben und erzählen immer aus der Ich-Perspektive.

Rasch merkt man vor allem bei Marsibil welche Auswirkung das Verschwinden und der Jahrestag auf die gesamte Familie hat. Das Elternhaus und auch ihre Eltern selbst, scheinen etwas verwahrlost zu sein, fast als wären sie in der Zeit stehen geblieben. Auch Marsibil hat zu kämpfen auf Grund der Schuldgefühle. Schlaflosigkeit, Halluzinationen und die Gewohnheit öfter zu viel zu trinken, begleiten sie, und damit ist klar, dass man sich nicht vollumfänglich auf ihre geschilderten Erinnerungen verlassen kann. Das zehn Jahres Jubiläum ist aufwühlend und das neue Interesse der Medien auch bedrückend, diverse Artikel tauchen auf.

Schichtweise taucht man in die Geschichte ein, lernt verschiedenste Charaktere des Ortes kennen. Neben alten Bekannten tauchen auch neue Figuren auf, in Summe doch etliche. Trotz des angenehmen, flüssigen Schreibstils wird es dadurch auch etwas verwirrend. Vielleicht ist dies allerdings auch der Tatsache geschuldet, dass Stina im Teenageralter verschwand, und damit einen großen Kreis Kontakte hatte.

Bis zum Schluss kommt es zu etlichen Wendungen und falschen Fährten. Einem nordischen Krimi typisch, war auch die durchgängige düstere Atmosphäre.
Als Stand Alone Roman eine schöne Abwechslung, jedoch wird die Island-Krimi Reihe immer mein Highlight dieser Autorin sein.

Veröffentlicht am 04.05.2026

Fesselnd, wer ist Jäger wer ist Gejagter

Nebelbeute
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Mila Weiss, eigentlich Teil der Gruppe 4, einer Spezialeinheit, die sich mit Serientätern befasst, ist in alleiniger Mission unterwegs. Sie möchte ein Phantom aus ihrer Vergangenheit stellen, ihren Widersacher ...

Mila Weiss, eigentlich Teil der Gruppe 4, einer Spezialeinheit, die sich mit Serientätern befasst, ist in alleiniger Mission unterwegs. Sie möchte ein Phantom aus ihrer Vergangenheit stellen, ihren Widersacher Johannes Toblach. Dafür verschlägt es sie in ein abgelegenes Bergdorf, doch hier ist es nicht sehr ruhig und beschaulich. Bald wird ein Wanderer am Waldrand ermordet und speziell inszeniert. Die Dorfgemeinschaft ist verschlossen, doch rasch kommt es zu weiterer Unruhe und auch Mila verschwindet schließlich. Die Kollegen der Gruppe 4 machen sich auf die Suche nach ihr, doch Mila scheint wirklich spurlos verschwunden zu sein.

Das Buch ist der dritte Band von Benjamin Cors um die Ermittler der Gruppe 4, und greift den Widersacher Johann Toblach aus dem Vorgängerband Aschesommer wieder auf. Grundsätzlich lässt sich aber dieser Band auch sehr gut ohne Vorkenntnisse lesen, da man vom Autor schrittweise gut ins Bild gesetzt wird. Man versteht auch so rasch Motivation und Beweggründe und was die Ermittler antreibt.

Für mich flogen die Seiten nur so dahin, da ich wirklich in den Bann des Buches gezogen wurde. Der Einstieg erfolgt durch einen kurzen Epilog, der schon ahnen lässt, dass es für eine Frau – wie man ab Mitte des Buches weiß Mia - sehr haarig werden könnte. Doch rasch verfolgt man der Geschichte chronologischer, als Mila sich auf den Weg in die Berge macht. Ein abgelegenes Dorf, deren Bewohner doch eher verschlossen sind und Mila in ihren Fragen wenig entgegenkommen. So manch ein verschrobener Charakter taucht auf. Damit ist man schon schnell am Grübeln und in der düsteren Atmosphäre gefangen. Auch wenn so manche Ermittlung langwierig erscheint, wird dies durch die vielen unvorhersehbaren Wendungen aufgewogen.

Für mich ein sehr empfehlenswerter Thriller, beklemmend und fesselnd, wie er sein soll. Ich werde definitiv noch die zwei Vorgängerbände der Reihe lesen und hoffe auf eine Fortsetzung der Reihe um die Gruppe 4.

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