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Veröffentlicht am 03.11.2025

Brutale Mordserie

Mord auf der Klosterinsel
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Als auf der Klosterinsel Reichenau eine Leiche aus dem Wasser gezogen, lässt Lindberga sie in die Abtei ihres Onkels, Abt Walahfrid, bringen. Nach einer kurzen Begutachtung wird der Fall als Unfall abgetan. ...

Als auf der Klosterinsel Reichenau eine Leiche aus dem Wasser gezogen, lässt Lindberga sie in die Abtei ihres Onkels, Abt Walahfrid, bringen. Nach einer kurzen Begutachtung wird der Fall als Unfall abgetan. Doch es bleibt nicht bei einem Toten. Die nächsten weisen schreckliche Verletzungen auf und schnell entsteht das Gerücht, ein Werwolf gehe um. Das hat furchtbare Konsequenzen. Abt Walahfrid und Lindberga versuchen, den wahren Mörder zu finden und geraten dabei selbst in dessen Visier.
Es ist gut gelungen, den historischen Hintergrund in die Handlung einfließen zu lassen, ohne vordergründig zu sein. Die harte Arbeit der Menschen wird gut dargestellt, ebenso der Aberglaube, der die Menschen zu drastischen Maßnahmen greifen lässt. Die düstere und bedrückende Atmosphäre ist greifbar eingefangen und man kann sich beim Lesen wunderbar gruseln. Die Örtlichkeiten auf der Insel sind sehr detailliert und bildhaft beschrieben, angefangen von den Hütten der Arbeiter bis hin zum Kloster.
Die Handlung ist gut konstruiert und durchdacht, man kann miträtseln und wird immer auf neue Spuren geführt.
Auch die Charaktere sind authentisch geschildert. Abt Walahfrid ist ein gerechter und angenehmer Mensch, manchmal etwas grummelig und genervt, wenn er von seiner geliebten Gartenarbeit weggeholt wird, aber trotzdem sympathisch. Er versucht, die aufgebrachten Menschen mit Gottes Hilfe zu beruhigen und davon abzuhalten, unüberlegt zu handeln. Seine Nichte Lindberga ist eine junge Witwe und hat nicht vor, sich neu verheiraten zu lassen. Sie ist eine forsche, mutige und kluge Frau, die aufgrund ihres Adelsstandes ein gewisses Ansehen unter den Inselbewohnern genießt. Mit ihrer offenen Art kommt sie mit ihnen gut ins Gespräch und erfährt so mehr als der Abt.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen und ich hatte es auch sehr schnell durchgelesen. Es war spannend und auch geschichtlich informativ.
Auch das Cover, welches die Klosterinsel Reichenau zeigt, gefällt mir gut.

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Veröffentlicht am 27.10.2025

Tödliche Zimtkekse

Mord an Weihnachten
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Staatsanwalt Broder Jacobsen ist vom Festland zu Besuch bei seinen Eltern und freut sich auf ein Wiedersehen mit Lina auf dem Oldesumer Adventbasar. Doch die Freude währt nicht lange. Mehrere Besucher ...

Staatsanwalt Broder Jacobsen ist vom Festland zu Besuch bei seinen Eltern und freut sich auf ein Wiedersehen mit Lina auf dem Oldesumer Adventbasar. Doch die Freude währt nicht lange. Mehrere Besucher des Basars brechen zusammen und müssen ins Krankenhaus. Ein Mensch stirbt sogar. Broder soll nun zusammen mit den örtlichen Kollegen herauszufinden, wer die Kekse vergiftet hat. Doch dann gibt es einen weiteren Todesfall und es wird komplizierter. Immer wieder gibt es neue Aussagen der Befragten und es gilt, neue Spuren zu verfolgen. Und das ausgerechnet zwei Tage vor Weihnachten. Nach und nach kommen immer mehr Geheimnisse einiger Inselbewohner ans Licht.
Der Fall beginnt langsam und die Spannung steigert sich schrittweise. Die Hinweise sind geschickt verteilt und der Leser kann bis zum Ende mitraten. Der Autorin ist es gelungen, die Weihnachtsstimmung mit Weihnachtsmarkt und Familienritualen mit der harten Realität der Morde zu kombinieren und schafft damit einen starken Kontrast. Viele Dinge haben mich aber auch sehr traurig gemacht.
Auch die Charaktere sind authentisch und mit ihrer norddeutschen Art sehr charmant beschrieben. Die Ermittler finde ich alle sehr sympathisch, sie sind ein gutes Team und verstehen sich. Ebenfalls wird das Privatleben in die Handlung einbezogen, steht aber nicht im Vordergrund.
Gefallen hat mir die Kapitelgestaltung mit dem Weihnachtsgebäck in der Überschrift, und auch der Brauch der Schornsteinfeger, an Silvester über die Insel zu gehen und den Menschen Glück zu wünschen.
Das Cover ist ebenfalls schön weihnachtlich gestaltet.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Sehr unterhaltsam

Mord in besserer Gesellschaft
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Alice Beeton betreibt zusammen mit ihrer Schulfreundin Jinx und einer weiteren Mitarbeiterin sehr erfolgreich eine Agentur zur Vermittlung von Hauswirtschaftskräften. Ihre langjährige Kundin Camille Messent ...

Alice Beeton betreibt zusammen mit ihrer Schulfreundin Jinx und einer weiteren Mitarbeiterin sehr erfolgreich eine Agentur zur Vermittlung von Hauswirtschaftskräften. Ihre langjährige Kundin Camille Messent braucht ganz dringend eine neue Haushälterin. Zum Glück bewirbt sich genau zum richtigen Zeitpunkt Enya, die alle erforderlichen Qualifikationen mitbringt. Aufgrund der Dringlichkeit unterlässt Alice eine genauere Prüfung und stellt Enya ein. Einige Tage später wird diese tot aufgefunden. Sie wurde im Arbeitszimmer des Hausherrn gefunden. Als Alice entsetzt im Haus ankommt, muss sie zunächst ihrer vorwitzigen Hündin nachlaufen, die sich von der Leine losgemacht hat und zielstrebig zum Tatort eilt. Dort lernt Alice Detective Rigby kennen. Dieser erweist sich letztendlich doch als ganz nett. Enyas Freundin bittet Alice herauszufinden, was passiert ist. Und schon steckt sie in einer Mordermittlung.
Die Handlung ist nicht unbedingt sehr spannend oder blutig, aber sehr unterhaltsam und humorvoll geschrieben. Durch ihre Arbeit in der Agentur kennt Alice sehr viele Menschen, die ihr nun hilfreich zur Seite stehen. Mit viel Raffinesse schmieden sie einen Plan, wie sie dem Mörder auf die Schliche kommen können. Es gibt immer wieder neue Wendungen und viele Geheimnisse werden aufgedeckt.
Alice ist eine sehr sympathische, mitfühlende und hilfsbereite Person, sie ist vielseitig interessiert, talentiert und liebt ihre Agatha über alles. Sie kocht und backt gern und die Rezepte finden sich auch im Buch wieder. Als ihr zu Hause buchstäblich die Decke auf den Kopf fällt, ist das schon der erste Schritt zur Aufklärung des Mordes. Leider ist sie ihrem Bruder gegenüber zu gutmütig. Dieser hat das Familienanwesen geerbt und wirtschaftet es herunter. Damit ihr geliebtes Elternhaus nicht verfällt, steckt Alice ihr ganzes Geld und noch mehr hinein, was ihr Bruder nicht zu würdigen weiß. Er finanziert damit das Leben seiner anspruchsvollen Frau und jammert nur herum. Ihre Freundin Jinx mag ich auch sehr. Sie ist modisch immer auf dem neuesten Stand. Der Besuch des Luxus-Secondhand-Ladens war sehr amüsant.
Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Es liest sich leicht, ist durchweg unterhaltsam und gegen Ende doch etwas rasanter. Die Charaktere sind authentisch dargestellt. Charmant und sympathisch die bürgerlichen Personen und extravagant und arrogant die High Society. Und wer weiß, vielleicht hat Alice auch einen Freund fürs Leben gefunden.
Das Cover ist wunderschön und lädt zum Lesen ein.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Gruselig

Dunkelnah
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Simon möchte sein altes Leben hinter sich lassen. Über eine Annonce findet er einen Job zum Herrichten eines Luxushotels, das bald wiedereröffnet werden soll. Als er dort ankommt, findet er eine Bruchbude ...

Simon möchte sein altes Leben hinter sich lassen. Über eine Annonce findet er einen Job zum Herrichten eines Luxushotels, das bald wiedereröffnet werden soll. Als er dort ankommt, findet er eine Bruchbude in einer düsteren Atmosphäre vor und sein Albtraum beginnt. Die Reiters, Besitzer des Hotels, erweisen sich als sehr sonderbar. Die Frau scheint völlig verrückt zu sein, sieht anscheinend den Verfall des Hauses nicht und will in Kürze eröffnen. Ihr Mann läuft mit einer Waffe und einem Bluthund durch die Gegend und hat ein massives Aggressionsproblem. Auch das Haus ist sehr groß und total verwinkelt, sodass Simon oft orientierungslos durch die Gegend irrt. Mehr als einmal fühlt er sich beobachtet und verfolgt. Als er vom Verschwinden einer jungen Frau erfährt, kommt ihm der Verdacht, dass die Reiters etwas damit zu tun haben und die Frau im Hotel versteckt ist. Also macht er sich auf die Suche. Nebenbei wird er immer zu neuen Arbeiten gerufen, die er aber auch nicht beenden kann. Mehrmals will er dieses gruselige Haus verlassen, doch sein schlechtes Gewissen gegenüber der Verschwundenen hält ihn dort fest.
Es ist eine völlig verrückte Geschichte, die meinen Puls beim Lesen immer wieder beschleunigen ließ. Ich habe mitgefiebert, habe Simon verflucht, weil er geblieben ist und hatte auch Angst, dass er das Ganze nicht überlebt wegen der gefährlichen Arbeiten. Ich fand ihn leicht beeinflussbar und willensschwach. Bis zum Ende bleibt unklar, warum er ein neues Leben beginnen will. Man erfährt nichts Persönliches über ihn. Das macht die Sache noch geheimnisvoller. Eine Zeitlang dachte ich, er liege vielleicht im Koma und träume das alles.
Der Autor versteht es meisterhaft, eine Atmosphäre der Spannung und des Unbehagens zu erzeugen, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Der Schreibstil ist von Beginn bis Ende sehr mitreißend, der Spannungsbogen hält an und steigt zum Ende hin noch einmal an. Die Personenzahl ist sehr begrenzt und die wenigen Charaktere sind mit ihren Eigenarten sehr gut beschrieben. Da das Hotel auch etwas abgelegen im Wald liegt und das Wetter meist düster und regnerisch ist, steigt der Gruselfaktor noch an. Dazu passt auch das Cover.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Sehr schöner Weihnachtskrimi

Advent im Grandhotel
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Im Rahmen ihrer freiwilligen Arbeit in der Bibliothek hat Ernestine eine Einladung zu einer Kunstauktion erhalten. Da es in Wien einfach nicht schneien will, fahren sie, Anton, seine Enkelin Rosa und ihr ...

Im Rahmen ihrer freiwilligen Arbeit in der Bibliothek hat Ernestine eine Einladung zu einer Kunstauktion erhalten. Da es in Wien einfach nicht schneien will, fahren sie, Anton, seine Enkelin Rosa und ihr kleiner Freund Fritzi also ins winterliche Semmering. Schon auf der Bahnfahrt lernen sie ein Paar kennen, was nicht die letzte Begegnung mit unangenehmen Menschen sein sollte. Der Abend der Auktion setzt sich aus einer illustren Gesellschaft zusammen und endet in einem Desaster. Zwei Bilder verschwinden spurlos. Eines der Bilder zeigt eine Tänzerin, die zusammen mit dem Maler persönlich vor Ort ist. Es begegnen sich Personen wieder, die sich nicht ausstehen können und einander nur Schlechtes wünschen, selbstverliebte Künstler und neidvolle Konkurrenzhotel-Erben wollen das Südbahnhotel in ein schlechtes Licht rücken. Anton und Ernestine haben schon ein wenig Erfahrung mit Kriminalfällen und während Anton sich heraushalten will, kann Ernestine ihre Neugier nicht zügeln und findet alles sehr spannend. Besonders erfrischend sind die Kinder Rosa und Fritzi, die durchs Hotel geistern, was nicht ungefährlich ist.
Das Buch ist sehr schön geschrieben, angenehmer Schreibstil, bildhafte Beschreibungen und authentische Charaktere. Auch die damalige Zeit um 1926 ist gut eingefangen. Die Standesunterschiede zwischen den Gesellschaftsschichten, die Stellung der Frauen und auch der aufkommende Antisemitismus sind gut eingearbeitet. Es ist eine Mischung aus Weihnachtsflair und einem unblutigem Kriminalfall.
Das Cover wirkt schon sehr weihnachtlich und alles zusammen hat mir wunderbar gefallen.

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