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Veröffentlicht am 14.03.2022

Schön erzählter, unaufregender Krimi

Klippentod
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„Klippentod“ von Ian Bray, Penguin Verlag, habe ich als Taschenbuch mit 560 Seiten gelesen, diese sind in 43 Kapitel eingeteilt.
Der ehemalige Polizist Simon Jenkins ist nach einem schweren Unfall nach ...

„Klippentod“ von Ian Bray, Penguin Verlag, habe ich als Taschenbuch mit 560 Seiten gelesen, diese sind in 43 Kapitel eingeteilt.
Der ehemalige Polizist Simon Jenkins ist nach einem schweren Unfall nach Cornwall in ein ruhiges Fischerdorf gezogen, um dort seine Ruhe zu haben und seinem Hobby nachzugehen. Als eine junge Frau tot am Fuße der Klippen gefunden wird, macht er sich Vorwürfe, weil er am Abend vorher ihren Anruf nicht ernst genommen und sie abgewimmelt hat. Mary, die Freundin der Toten, glaubt nicht an einen Unfall und bittet Simon um Hilfe. Etwas widerwillig beginnt er seine Nachforschungen. Bis dann eine zweite Leiche gefunden wird. Nun ist auch er überzeugt, dass es keine Unfälle sind. Durch seine Beeinträchtigung fällt es ihm schwer, alle Wege zu gehen, die er möchte. Aber in Luke, dem Fischer, hat er einen sehr guten Freund gefunden, der immer für ihn da ist und ihm hilft. Der Polizei seine Informationen mitzuteilen, unterlässt er nach einer Weile. DI Chris Marks wünscht keine Einmischung eines ehemaligen Kollegen. Also ist Simon auf sich allein gestellt und findet andere Mittel und Wege, der Sache auf den Grund zu gehen. Dabei spielen auch seine aufkommenden Gefühle für Mary eine Rolle. Diese ist nach einigen Jahren zurück nach Cornwall gekommen, hat ein B&B eröffnet und arbeitet noch im Souvenirladen der Insel. Doch auch sie hat mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen, die plötzlich vor ihrer Tür steht.
Mir hat das Buch gut gefallen. Es ist ein eher unaufregender, ruhig vor sich hin erzählter Roman, der gegen Ende noch rasant und spannend wird. Aber die Handlung und die Charaktere sind sehr gut und authentisch dargestellt. Simon finde ich sehr sympathisch und seine Schmerzen waren so beschrieben, dass ich mitgelitten habe. Ich wünsche ihm, dass man doch noch etwas tun kann, damit es ihm besser geht. Manchmal hatte ich aber nicht den Eindruck, dass er mal Elitepolizist war. Er war oft plan- und ideenlos bei seinen Ermittlungen, was vielleicht auch daran liegt, dass er eigentlich nicht mehr in diesem Bereich arbeiten will.
Auch Mary ist eine tolle und kämpferische Frau, die sich nicht so leicht einschüchtern und unterkriegen lässt. Luke mag ich sowieso. Es ist toll, so einen Freund zu haben, in guten wie in schlechten Zeiten.
Die Landschaft ist sehr liebevoll und charakteristisch beschrieben. Gerade an der Küste mit den Wetterumschwüngen kann es schon mal gefährlich werden. Das hat der Autor sehr gut dargestellt. Das Cover ist wunderbar, Klippen und Meer vor einem düstern Himmel.

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Veröffentlicht am 14.03.2022

Ein Wikingerschiff auf Sylt

Syltfluch
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„Syltfluch“ von Sebastian Thiel habe ich als ungekürztes Hörbuch gehört. Gesprochen wird es von Stefanie Wittgenstein.
Lene Cornelsen ist vor 13 Jahren von Sylt weggegangen und ist nun nach einer herben ...

„Syltfluch“ von Sebastian Thiel habe ich als ungekürztes Hörbuch gehört. Gesprochen wird es von Stefanie Wittgenstein.
Lene Cornelsen ist vor 13 Jahren von Sylt weggegangen und ist nun nach einer herben Enttäuschung als Oberkommissarin zurück. Allerdings hatte sie sich ihr Heimkommen anders vorgestellt. Wegen eines Sturms konnte der Zug nicht weiterfahren, sie ist das letzte Stück zu Fuß gelaufen. Tropfnass kommt sie in der Polizeistation an und trifft auf ihre Jugendliebe Leif. Dieser hat seine Mitarbeiterin als vermisst gemeldet. Gleichzeitig wird am Kliff eine Leiche angespült und Lene wird im wahrsten Sinne ins kalte Wasser gestoßen. Sie tritt ihren Dienst sofort an. Am Strand findet sie nicht nur die Leiche, sondern auch eine Menge Reporter, die wegen eines angespülten alten Wikingerschiffs auf der Insel sind. Bei der Leiche wurde ein Runenstein gefunden. Lene’s Vater, ein ehemaliger Geschichtslehrer, kniet sich voll in die Geschichte hinein und kann als einer der Wenigen die Schrift auf dem Stein enträtseln. Es ist ein sehr mysteriöser Fall, der Lena persönlich und dienstlich alles abverlangt.
Nach dem Prolog gibt es immer wieder kurze Abschnitte, die die Geschichte eines Wikingers aus dem 12. Jahrhundert und einer verbotenen Liebe erzählt. Zu Beginn war ich davon etwas verwirrt, aber dann fand ich das doch sehr interessant.
Das Buch ist eine gute Mischung aus Sage und Realität, die gar nicht so verschieden sind, was die Gefühle der Menschen betrifft. Damals endete die Liebe tragisch.
Die Charaktere sind sehr authentisch dargestellt. Lene finde ich sehr sympathisch. Sie ist eine starke Frau, in jungen Jahren von der Insel weggegangen, um etwas zu erreichen. Beruflich hat sie das auf jeden Fall geschafft, privat ist ihr das nicht gelungen. Zurück auf der Insel ist es mit ihrem Vater auch nicht immer einfach. Aber ein klärendes Gespräch bringt die beiden wieder näher. Auch Lene’s Chef ist wunderbar kauzig dargestellt. Als personifizierte Alexa hat er sein Revier roboterhaft im Griff. Er ist nicht unbedingt sympathisch aber amüsant.
Die Insel wird sehr liebevoll in ihren landschaftlichen Facetten dargestellt, wobei sie wettermäßig nicht so gut wegkommt. Eigentlich gibt es immer Regen und Flut. Aber die Beschreibung des Wetterumschwunges kann schon beängstigend sein und treffen mit ganzer Wucht den Hörer. Ich habe immer mitgefiebert und gelitten, ob die Betreffenden es schaffen, aus den Wassermassen herauszukommen.
Einen großen Anteil hat natürlich auch die Sprecherin. Sie hat das wunderbar gemacht. Man konnte die Gefühle, von Angst bis Leidenschaft nachvollziehen.
Insgesamt war es ein großer Hörgenuss und ich würde gern mehr von Lene und Sylt hören.

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Veröffentlicht am 07.03.2022

Very british, spannend und amüsant

Mrs Potts' Mordclub und der tote Nachbar
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„Mrs. Potts Mordclub und der tote Nachbar“ von Robert Thorogood, Verlag KiWi, habe ich als ebook mit 302 Seiten gelesen. Diese sind in 39 Kapitel eingeteilt.
Als die 77jährige sehr selbstbewusste Judith ...

„Mrs. Potts Mordclub und der tote Nachbar“ von Robert Thorogood, Verlag KiWi, habe ich als ebook mit 302 Seiten gelesen. Diese sind in 39 Kapitel eingeteilt.
Als die 77jährige sehr selbstbewusste Judith Potts bei ihrem abendlichen Nacktschwimmen in der Themse vom Nachbargrundstück einen Schrei und einen Schuss hört, verständigt sie die Polizei. Diese findet jedoch keinen Verletzten oder gar Toten. Also inspiziert sie selbst das Grundstück und findet auch ihren Nachbarn. Da sie die hinzugerufene Polizei als unfähig befindet, nimmt sie den Fall selbst in die Hand. Dann gibt es einen weiteren Toten. Nun glaubt auch DS Tanika Malik nicht mehr an einen Zufall. Da sie noch nie mit einem Mordfall zu tun hatte, freut sie sich über Judith’s Theorien. Auch hat Judith mit der neurotischen Pfarrersfrau Becks und der Hundesitterin Suzie Verbündete gefunden, die ihr bei den Ermittlungen helfen. Schnell haben sie sich auf einen Verdächtigen eingeschossen, der aber ein Alibi hat. Nun versuchen sie alles, um ihm die Tat nachweisen zu können. Dabei gehen sie sehr unkonventionell und mit Mitteln vor, die der Polizei nicht zur Verfügung stehen.

Judith ist durchaus ein Original, sie ist für ihr Alter sehr rüstig und agil, stakt mit dem Boot durch die Gegend, fährt Fahrrad und wundert sich immer, dass sie im Ort alle kennen und wissen, wo sie wohnt. Ihr imposantes Haus ist auch nicht gerade unauffällig, allerdings im Inneren doch etwas verwahrlost, was Judith aber nicht im geringsten stört. Sie genießt ihren abendlichen Whisky und ihr ist es egal, was die Leute über sie reden. Trotzdem ich sie mir als Miss Marple vorstelle, erinnert sie mich manchmal an Inspektor Columbo, immer eine letzte Frage im Gehen.
Becks ist das genaue Gegenteil. Eine etwas eingeschüchterte, unsichere junge Frau, die darauf bedacht ist, allen alles Recht zu machen. Dabei kommen ihre eigenen Wünsche zu kurz. Im Laufe des Falles nimmt sie allerdings an Fahrt auf und beweist, was in ihr steckt.
Und dann noch Suzie, die Hundesitterin. Sie ist sehr aufgeschlossen, redselig und neugierig, hat aber durchaus auch eine Menge eigener Probleme.
Die drei zusammen ergeben eine bunte, sehr gelungene und sympathische Mischung.
Auch DS Tanika Malik finde ich toll. Sie hat keine, oft bei Polizisten beschriebene, arrogante Art den Zivilisten gegenüber. Nachdem sie merkt, wie hilfreiche ihr die drei Damen sind, trifft sie eine ungewöhnliche Entscheidung.
Auch die anderen Charaktere sind sehr authentisch beschrieben. Mit allen Ecken und Kanten kann ich sie mir bildhaft vorstellen, mag sie oder auch nicht.
Insgesamt ist es ein wunderbares, spannendes Buch mit britischem Charme und Humor. Ich wünsche Judith ein langes Leben, welches mir noch viele angenehme Lesesunden beschert. Auch das Cover ist wunderbar britisch.

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Veröffentlicht am 28.02.2022

Super spannender Auftakt der neuen Reihe

Lilienopfer. Dein Tod gehört mir
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„Lilienopfer – Dein Tod gehört mir“ von Leo Born habe ich als ebook mit 323 Seiten gelesen, die in 26 Kapitel, unterteilt in 5 Strophen, eingeteilt sind. Es ist der 1. Fall für Kriminalhauptkommissar Jack ...

„Lilienopfer – Dein Tod gehört mir“ von Leo Born habe ich als ebook mit 323 Seiten gelesen, die in 26 Kapitel, unterteilt in 5 Strophen, eingeteilt sind. Es ist der 1. Fall für Kriminalhauptkommissar Jack Diehl.
Berenice Silva Benevides ist seit Kurzem Tatortfotografin beim LKA Wiesbaden und wird nachts als Bereitschaftsdienst angefordert. Gleich ihr erster Tatort hat es in sich. Eine nackte verstümmelte Frau, umringt von Kerzen und blutigen weißen Lilien. Umgeben von ausschließlich männlichen Kollegen unterdrückt sie ihre Gefühle und geht professionell ihrer Arbeit nach. Dort lernt sie auch KHK Jack Diehl kennen. Als der die Tote sieht, erinnert er sich sogleich an eine Mordserie vor fünf Jahren. Die Taten weisen große Ähnlichkeiten auf. Der damalige Täter Kurt Weinert befindet sich noch im Gefängnis. Aber es gibt weitere kryptische Botschaften auf dem Körper der Toten, die es vorher nicht gab. Auf Anweisung des Vizepräsidenten sollen die gleichen Ermittler wie damals an dem Fall arbeiten. Damit bekommt es Diehl auch wieder mit der Profilerin Viola Hendrick zu tun, worüber keiner der beiden erfreut ist. Die Ermittlungen gehen zäh voran, es gibt keine handfesten Spuren. Als sich endlich etwas ergibt, geht ein weiterer anonymer Anruf ein. Die Beamten sind hilf- und ratlos. Die Opfer scheinen keine Gemeinsamkeiten zu haben, es gibt keine Anhaltspunkte oder Ermittlungsansätze. Es kommt sogar der Verdacht auf, damals den falschen Täter verhaftet zu haben. Nachdem weitere Opfer auftauchen, sind die Ermittler am Verzweifeln.
Es ein super spannender erster Fall einer neuen Reihe mit schrecklich zugerichteten Opfern und interessanten und charakterlich sehr verschiedenen Ermittlern. Diehl ist sehr speziell, mit löchriger Jeans, Cowboystiefeln und Karohemd ist er nicht der typische Kommissar. Früher soll er auch mal mit Fäusten argumentiert haben. Robert Kornfeld ist als Kommissariatsleiter zwar Jack’s Vorgesetzter, aber sie sind auch sehr gute und langjährige Freunde und teilen anscheinend auch ein Geheimnis. Ich mag die beiden sehr. Auch Berenice als die Neue bringt sich mit guten Ideen in den Fall ein, was auch von Jack durchaus auf privater Ebene honoriert wird. Mit Viola dagegen bin ich nicht recht warm geworden. Sie mag ja kompetent und hartnäckig sein, aber ihre aufdringliche, besserwisserische und den Leuten ständig ins Wort fallende Art machen sie mir nicht sympathischer. Da sie nicht so fest zum Team der Ermittler gehört, geht sie ihren eigenen Ideen nach, die von Diehl und Kornfeld oft nicht ernst genommen werden. Dann macht sie eine schockierende Entdeckung und bring sich damit in große Gefahr. Auch alle anderen Personen waren authentisch dargestellt.
Es ist ein sehr rasanter, grausamer und spannender 1. Fall. Ich bin bereit für den nächste.

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Veröffentlicht am 21.02.2022

Die Abrechnung

Mord als Schauspiel
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„Mord als Schauspiel – Cinema Tragique“ von Luc Winger habe ich als ebook mit 173 Seiten gelesen, diese sind in 20 Kapitel eingeteilt. Es ist der 14. Saint-Tropez-Krimi mit Lucie Girard und spielt im Jahr ...

„Mord als Schauspiel – Cinema Tragique“ von Luc Winger habe ich als ebook mit 173 Seiten gelesen, diese sind in 20 Kapitel eingeteilt. Es ist der 14. Saint-Tropez-Krimi mit Lucie Girard und spielt im Jahr 1976.
Nach den Vorfällen im letzten Jahr haderte Lucie mit ihrer Zukunft im Polizeidienst. Zum Glück ist sie doch geblieben. Die Gendarmerie in Saint Tropez wurde renoviert, Lucie hat ein eigenes Büro, es gibt technische Neuerungen und mit der neuen Präfektin Gisele Mailard kommen frischer Wind und moderne Methoden in die Polizeiarbeit.
Dann werden in einer Villa angeblich mehrere Tote entdeckt. Bei Ankunft der Polizei stellt es sich heraus, dass dort ein experimenteller Film gedreht wird, der die gemeinsame Vergangenheit der Schauspieler aufarbeiten soll. Doch ein Schauspieler bleibt tot. Die Ermittlungen beginnen. Aber die Verdächtigen sind schwer einzuschätzen, sind ihre Gefühle und Aussagen echt oder schauspielern sie? Das muss Lucie Girard nun herausfinden und den wahren Täter überführen.

Die Schauspieler sind eine interessante Truppe mit unterschiedlichen Charakteren und gemeinsamer Vergangenheit. Bei dem Treffen kommt es zu heftigen Szenen, bei denen sie sich gegenseitig Vorwürfe machen und Dinge an den Kopf schmeißen, die damals passiert sind und von denen nicht alle Anwesenden wussten. Es ist ein gefundenes Fressen für den Regisseur Oliver Borbet und er will vor laufender Kamera die Schauspieler vollends aus der Reserve locken.
Die Geschichte ist sehr gut und rasant geschrieben. Durch die Perspektivwechsel zwischen den Ermittlungen und der vorher stattgefundenen Dreharbeiten kommt es ebenfalls zu einer abwechslungsreichen und spannenden Handlung. Das Buch spielt 1976, zu Beginn wird noch ein bisschen auf die damalige Zeit eingegangen, die Rechte der Frauen rücken in den Vordergrund, es gibt neue Schreibmaschinen und Telefone. Das ist schön zu lesen, man hat es schon fast vergessen.
Lucie tritt wieder sympathisch aber auch kompetent und entschlossen auf. Sie ist zu ihren Kollegen immer freundlich und wird von ihnen hoch verehrt. Zu Verdächtigen kann sie knallhart sein. Da ist sie sehr wandlungsfähig.
Auch dieses Buch hat mir wieder sehr gut gefallen. Die manipulierten Dreharbeiten fand ich sehr interessant. Das Cover finde ich wie immer toll.

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