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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.09.2024

Charaktertreffen in Ballybrady

Mitternachtsschwimmer
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Die kauzige Grace lebt zurückgezogen in einem kleinen Dorf an der irischen Küste. Ihren Lebensunterhalt verdient sie mit der Vermietung eines Cottage an Touristen. Nach einem tragischen Verlust droht Evan ...

Die kauzige Grace lebt zurückgezogen in einem kleinen Dorf an der irischen Küste. Ihren Lebensunterhalt verdient sie mit der Vermietung eines Cottage an Touristen. Nach einem tragischen Verlust droht Evan und seine Ehe zu zerbrechen, um den Kopf wieder freizubekommen, möchte er eine Woche in Ballybrady verbringen. Doch dann kommt es zum Lockdown, Evan kann das Feriendorf nicht mehr verlassen und seine Frau nicht zu ihm. Plötzlich hat Evan nicht nur mit seiner Trauer zu kämpfen, sondern muss sich auch mit den Dorfbewohnern und seinem tauben Sohn Luca.

Mitternachtsschwimmer von Roisin Maguire ist ein poetischer Roman über die Verletzlichkeit des Lebens, der mich leider emotional nicht mitnehmen konnte.

Der Schreibstil der Autorin ist poetisch und dennoch leicht, sodass man gut durch die Seiten kommt. Inhaltlich konnte mich das Buch jedoch nicht überzeugen, ich wurde weder mit den Figuren und ihren Gedankengängen warm - allen voran Evan, den ich schrecklich fand -, noch mit ihren Dialogen. Deswegen konnte ich emotional auch nicht mitfühlen und empfand selbst das Ende eher platt und langweilig.

Wenn man mit den Figuren sympathisieren und mitfühlen kann, dann ist Mitternachtsschwimmer bestimmt eine schöne, tiefgehende Lektüre. Mich hat es leider nicht erreicht.

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Veröffentlicht am 04.09.2024

Abenteuer auf der Insel Narom Rok

Klippo
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Klippo wird aus seinem Schlaf gerissen, um die Flucht anzutreten. Denn die Salpeter sind ihm und seinen Eltern auf den Fersen und sie wollen Rache an ihnen nehmen. Auf der Flucht erfährt Klippo die Wahrheit ...

Klippo wird aus seinem Schlaf gerissen, um die Flucht anzutreten. Denn die Salpeter sind ihm und seinen Eltern auf den Fersen und sie wollen Rache an ihnen nehmen. Auf der Flucht erfährt Klippo die Wahrheit über seine Elter und sein eigenes Leben. Auf der Insel Narom Rok soll Klippo sich zurückziehen, um in Sicherheit zu sein. Doch plötzlich verschwinden seine Eltern und ein seltsames Mädchen taucht auf. Klippos Welt gerät ins Wanken, er zweifelt an seiner Existenz und weiß nicht mehr, was Wahrheit und was Lüge ist.

Klippo - Der Junge, den es nicht geben durfte von Tobias Goldfarb erzählt das rasante Abenteuer des jungen Klippo, der auf seiner Flucht nach der Wahrheit sucht.

Die Geschichte des Jungen beginnt direkt mit der Flucht, weswegen ich direkt in den Bann gezogen wurde und die Hintergründe der Flucht kennenlernen wollte. Diese Hintergründe sind ein verworrenes Netz, dass durch viele Wendungen zu überzeugen weiß und immer wieder neue Fragen aufwirft, die man unbedingt beantwortet haben möchte.

Das Alter des Jungen erfahren wir nie und ist auch schwer zu schätzen, während er einerseits sehr reif wirkt, fehlt im an anderer Stelle diese und er wirkt eher naiv. Dies lässt sich jedoch auch auf seine Vergangenheit zurückführen, weswegen die Alterseingrenzung weiterhin erschwert wird und Klippo etwas unnahbarer wirken lässt.

Die Geschichte selbst ist von der ersten bis zur letzten Seite sehr rasant und mit simplen Satzstrukturen geschrieben, sodass auch junge Leser:innen schnell durch die Geschichte kommen können. An einigen Stellen hätte ich mir jedoch noch etwas mehr Tiefe gewünscht, um die Geschichte noch intensiver wahrnehmen zu können.

Klippo - Der Junge, den es nicht geben durfte ist ein spannendes Kinderbuch, dass zum Nachdenken und Rätseln animiert und dass den Wert einer richtigen Freundschaft aufzeigt.

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Veröffentlicht am 03.09.2024

Izzy und ihre Finken

Agency for Scandal
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1897 - Isobel „Izzy“ Stanhope führt ein schwieriges Leben, nach dem Tod ihres Vaters ist ihre Familie hoch verschuldet, doch um ihrem kleinen Bruder die Schule weiterhin zu ermöglichen und ihrer kranken ...

1897 - Isobel „Izzy“ Stanhope führt ein schwieriges Leben, nach dem Tod ihres Vaters ist ihre Familie hoch verschuldet, doch um ihrem kleinen Bruder die Schule weiterhin zu ermöglichen und ihrer kranken Mutter keine Sorgen zu bereiten, muss Izzy einen Weg finden, den Schein zu wahren. Deswegen schließt Izzy sich der Detektei im Finkennest an - eine Detektei, die sich für die Rechte der Frauen einsetzt und vor allem in der High Society tätig ist. Besonders flink ist Izzy beim Schlösser knacken und in ihrer Verkleidung als Straßenjunge „Kes“ kann sie alle Erwartungen an eine Dame über Bord werfen. Während eines Juwelendiebstahls drohen jedoch ihre Geheimnisse entdeckt zu werden und das ausgerechnet gegenüber dem Duke of Roxton Max Vane, in den Izzy sich bereits vor Monaten unsterblich verliebt hat. Kann Izzy die Gefahr abwenden?

Es gibt Bücher, an die man vorab wenige Erwartungen knüpft. Agency for Scandal von Laura Wood gehörte bei mir genau in diese Kategorie, dann begann ich das Lesen und wünschte, das Buch hätte nie ein Ende gefunden.

Laura Wood hat einen unfassbar schönen Schreibstil, der einen in das Jahr 1897 transportiert und die damalige Zeit durch die Augen von Izzy sehen lässt. Immer wieder gibt es schöne Metaphern, aber auch lustige Dialoge oder Gedankengänge der Protagonistin. Die Romanze zwischen Izzy und dem Duke ist fein dosiert eingebracht und basiert glücklicherweise nicht nur auf äußeren Merkmalen, denn vor allem aufgrund seines Charakters kann man Izzys Gefühlschaos bestens verstehen.

Neben Izzy und dem Duke sind aber auch die anderen Charaktere mit tollen Eigenschaften ausgestattet, sodass man auch Sylla, Mrs. Finch, Winnie, Maud, Teresa und James ins Herz schließt und sich auf ihren Auftritt freut. Selbst der kauzige Oliver Lockhart weiß zu gefallen und ich freue mich, dass er im zweiten Band eine größere Rolle bekommen wird.

Besonders schön finde ich, dass dieses Jugendbuch - das nicht nur als solches gesehen werden sollte, denn ich bin mir sehr sicher, dass viele Erwachsene mit einer unheimlichen Freude dieses Buch lesen würden - im Jahre 1897 angesiedelt ist und den jungen Leser:innen zeigt, welchen steinigen Weg Frauen gehen mussten, damit Frauen heute mehr Rechte haben und nicht nur als „Eigentum des Mannes“ gesehen werden.

Agency for Scandal ist für mich die Überraschung des Jahres. Ein wunderschönes Buch, das viel Charme versprüht und mit einer ruhigen Spannung daherkommt. Eine Zeitreise zu starken Frauen!

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Veröffentlicht am 03.09.2024

Familie Blue

Blue Sisters
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Nach Nickys tragischem Tod bleiben ihre vier Schwestern zurück. Vier Schwestern, die unterschiedlicher kaum sein können, die fortan aber die Trauer um ihre geliebte Schwester eint. Avery, Bonnie und Lucky ...

Nach Nickys tragischem Tod bleiben ihre vier Schwestern zurück. Vier Schwestern, die unterschiedlicher kaum sein können, die fortan aber die Trauer um ihre geliebte Schwester eint. Avery, Bonnie und Lucky treffen sich ein Jahr später in New York wieder, um den Verkauf der ehemaligen Wohnung Nickys zu verhindern. Alle stehen gerade an einem extremen Punkt in ihrem Leben, das in jegliche Richtung zu kippen droht.

Blue Sisters von Coco Mellors ist ein tragischer Familienroman über die drei Schwestern Avery, Bonnie und Lucky. Mellors hat drei außergewöhnliche Charaktere erschaffen, die komplett unterschiedliche Leben führen und doch alle an einem ähnlichen Punkt in ihrem Leben stehen.

Mellors Schreibstil führt und ins Extreme, Mittelmaß oder Normalität trifft man kaum bis gar nicht. Das lässt etwas Authentizität vermissen, führt jedoch zu einem hohen Grad an Emotionalität gegenüber den Schwestern. Selten wollte ich mal in ein Buch springen, um die Protagonisten aufzuwecken. Hier war das mehrfach der Fall! Obwohl fast jede Figur in ihrer Eigenschaft sehr extrem dargestellt wurde, kann man gewisse Denkmuster und Werte in den Schwestern wiederfinden, sodass man mit ihnen mal mehr oder mal weniger mitfühlen kann.

Das Ende oder viel mehr der Epilog konnte mich dann leider gar nicht von sich überzeugen, weswegen am Ende leider eine Ernüchterung bleibt und trotzdem wird Blue Sisters als emotionales Familiendrama in Erinnerung bleiben.

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Veröffentlicht am 30.08.2024

Die Möglichkeit des Unmöglichen

Die Unmöglichkeit des Lebens
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Die 72jährige, pensionierte Mathematiklehrerin Grace erlebt einsam und unglücklich ihren Lebensabend. Bis sie überraschenderweise ein Haus auf Ibiza von einer fast vergessenen Freundin erbt, um die Gründe ...

Die 72jährige, pensionierte Mathematiklehrerin Grace erlebt einsam und unglücklich ihren Lebensabend. Bis sie überraschenderweise ein Haus auf Ibiza von einer fast vergessenen Freundin erbt, um die Gründe ihres Erbes zu erfahren, reist Grace nach Ibiza. Dort findet sie nicht nur eine magische Fähigkeit, sondern auch einen ganz anderen Blick auf ihre Welt.

Die Unmöglichkeit des Lebens von Matt Haig ist ein lebensbejahender Roman mit fantastischen Elementen. Diese haben mir den Einstieg etwas schwer gemacht, da ich sie nicht erwartet habe und im ersten Moment mit ihnen haderte, weil daraus natürlich eine ganz andere Vielfalt in der Erzählung der Geschichte entsteht und gezwungenermaßen die Realität verlassen wird.

Nun ist dieses fantastische Element zwar sehr präsent, dennoch bekommt die Geschichte auch auf der realen Ebene eine Tiefe, die vollkommen unabhängig betrachtet werden kann und die viele wichtige und wunderschöne Botschaften enthält. Die Unmöglichkeit des Lebens sorgt für neue Blickwinkel auf die Gedanken zum eigenen Sein und zeigt auch die Magie unserer reellen Welt, die in den kleinsten Dingen steckt.

Die Geschichte richtet Grace an einen ihrer ehemaligen Schüler, weswegen ich mich als Leserin angesprochen fühlte und die Geschichte noch stärker wahrgenommen habe.

Wenn man weiß, dass fantastische Elemente in diesem Buch vorhanden sind und diese akzeptieren kann, dann erwartet einen hier ein tolles Buch über das Leben in all seinen Facetten und möglicherweise auch viele Sätze, die das eigene Denken (positiv) verändern können und ein toller Schreibstil des Autors, der einen durch die Geschichte trägt.

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