Bitte Einsteigen! Auf zum Gipfel des Brockens.
Abenteuer-Express (Band 4) – Gefahr im MitternachtsexpressHenry und sein Onkel Nat erhalten einen mysteriösen Brief von einem alten Bekannten. Dieser bittet die beiden um Hilfe, denn auf der Burg der Familie Kratzenstein passieren unerklärliche Dinge. Gemeinsam ...
Henry und sein Onkel Nat erhalten einen mysteriösen Brief von einem alten Bekannten. Dieser bittet die beiden um Hilfe, denn auf der Burg der Familie Kratzenstein passieren unerklärliche Dinge. Gemeinsam reisen Henry und Nat über Berlin bis zum Gipfel des Brockens, um den Geschehnissen auf die Schliche zu kommen und das Rätsel um den Fluch der Familie Kratzenstein zu lösen.
Gefahr im Mitternachtsexpress ist der vierte Band der Abenteuer-Express-Reihe von M.G. Leonard und Sam Sedgmen. Das Buch lässt sich unabhängig von seinen Vorgänger lesen und benötigt keinerlei Vorwissen, um komplett in die Geschichte eintauchen zu können. Die alten Fälle werden nebenbei zwar erwähnt, erhalten jedoch keine Spoiler, sodass das Beachten der Reihenfolge nicht zwingend notwendig ist.
Durch die wunderschönen Zeichnungen der Illustratorin Elisa Paganelli wird die Geschichte auf eine ganz besondere Weise abgerundet, denn die Zeichnungen fügen sich nicht nur in die Geschichte ein, sie sind auch ein ganz besonderer Teil dieser! Etwas schade fand ich, dass manche Zeichnungen vor der expliziten Textstelle eingebaut wurden, sodass man bereits vorher wusste, was gleich passieren wird oder in welcher Beziehung manche Figuren zueinander stehen. Das tut der Lesefreude zwar keinen Abbruch, könnte aber durch ein späteres einbauen der Zeichnung ziemlich simpel umgangen werden. Außerdem ist es unglücklich, dass Henry in den Zeichnungen seinen Namen des Originals (Harrison) trägt, das sorgt bei den Kindern für Verwirrung.
Generell hebt sich dieser Band etwas von seinen Vorgängern ab. Während Band 1-3 vorwiegend in einem Zug spielen, befindet sich die Gefahr hier vor allem am Brocken und im Schloss der Familie Kratzenstein (nicht wie im Titel angedeutet im Mitternachtsexpress ). Züge finden zwar ihren Weg in die Geschichte - durch die Anreise, Henrys Vorliebe für Züge oder auch die Familiengeschichte der Kratzenstein - dennoch fehlt diese Besonderheit der Vorgänger. Auch die besondere Beziehung zwischen Henry und seinem Onkel Nathaniel kommt erst gegen Ende zu tragen und wird phasenweise komplett in Frage gestellt.
Während die Vorgänger auch durch ein enormes Potenzial des Miträtselns überzeugen konnten und auch die Zeichnungen immer ein toller Hinweislieferant waren, fiel auch dieser Aspekt dieses Mal gering aus. Dafür gab es vor allem gegen Ende viele dramatische, actionreiche Szenen.
Positiv hervorheben möchte ich aber noch die Figurenbeziehungen, die sich im Laufe der Geschichte toll entwickelt haben. Ebenso der unglaublich feinfühlige Umgang mit dem jüngsten Kratzenstein, an dem sich u.a. interessante Themen wie Notlügen aufmachen.
Insgesamt konnte Gefahr im Mitternachtsexpress leider nicht ganz so überzeugen wie seine Vorgänger, die aber auch einen unfassbar hohen Maßstab gesetzt haben. Trotz aller Kritik - die sich vor allem aufgrund der grandiosen Vorgänger ergibt - war auch dieser Teil wieder durchweg spannend und hat Spaß gemacht.