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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.10.2025

Solider Auftakt

Oxen. Das erste Opfer
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Niels Oxen ist ein schwer traumatisierter, ehemaliger Elitesoldat. Um seinen inneren Dämonen zu entkommen, zieht er sich mit seinem Hund Mr. White in die einsamen Wälder Dänemarks zurück. Als Oben etwas ...


Niels Oxen ist ein schwer traumatisierter, ehemaliger Elitesoldat. Um seinen inneren Dämonen zu entkommen, zieht er sich mit seinem Hund Mr. White in die einsamen Wälder Dänemarks zurück. Als Oben etwas ungewöhnliches auffällt, gerät er plötzlich selbst in Gefahr und wird zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall. Hans-Otto Corfitzen, Exbotschafter und Gründer eines Thinktanks, wurde auf seinem Schloss zu Tode gefoltert. Oxens einzige Chance sich selbst zu entlasten ist die Mitarbeit. Zusammen mit der Geheimdienstmitarbeiterin Margrethe Franck muss er die wahren Täter ausfindig machen und gerät dabei immer weiter in Gefahr.


Das erste Opfer ist der Auftakt der Oxen-Reihe von Jens Henrik Jensen. Ich mag Thriller, deren Protagonisten eine etwas schwierigere Vergangenheit haben und deswegen nicht unbedingt einzuordnen sind. Niels Oxen gehört definitiv zu diesen und als solchen habe ich ihn im Laufe der Geschichte wirklich lieben gelernt, vor allem in Kombination mit der Agentin Margrethe Franck hat er mir wunderbar gefallen.

Doch der Einstieg war für mich etwas holprig und ich musste mehrere Anläufe nehmen, um wirklich dranzubleiben. Der Mord an Corfitzen und die Zusammenhänge sind relativ unspektakulär und leicht vorhersehbar, das hat die Story phasenweise etwas zäh werden und die Spannung nicht wirklich aufkommen lassen. An der Stelle war es dann ganz gut, dass ich vor allem Margarethe Franck wirklich mochte und unbedingt mehr von ihr lesen wollte.

Der Schreibstil des Autors gefiel mir gut, die zähen Abschnitte lagen eher an für mich inhaltlich eher trockenen Themen, die sich vermutlich aus Corfitzens Kreisen erschließen lassen und weniger am Schreibstil. Ab einem gewissen Zeitpunkt wollte ich auch unbedingt wissen, wie es für Oxen ausgeht, was ebenso für eine gute Nähe zum Protagonisten spricht und obwohl es für mich kein top Start war, bin ich mir sicher, dass ich mich auch an den nächsten Band wagen werde.

Veröffentlicht am 06.10.2025

Faircoast's MagicWorld

Faircoast: Hateful Ride | Aufwendig gestaltete Ausgabe mit Farbschnitt
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Faircoast’s MagicWorld steht kurz vor dem Bankrott, deswegen soll ein neuer Mitarbeiter durch innovative Ideen und Maßnahmen den Park retten. Die Tochter des Parkchefs Jade Allington kommt so gar nicht ...

Faircoast’s MagicWorld steht kurz vor dem Bankrott, deswegen soll ein neuer Mitarbeiter durch innovative Ideen und Maßnahmen den Park retten. Die Tochter des Parkchefs Jade Allington kommt so gar nicht mit dem arroganten Kit Martínez zurecht, doch eine Zusammenarbeit ist unausweichlich und schnell merken die beiden, dass da mehr ist als Unstimmigkeiten. Wäre da nicht Sam, eine Chatbekannschaft, der Jade ihr Herz geschenkt hat. Jade ist hin- und hergerissen von ihren Gefühlen für Sam und Kit. Doch was ist, wenn Sam Kit ist und Kit den Freizeitpark zerstören möchte?

Hateful Ride von Vanessa-Sophie Peks ist ein Buch, dass durch seine Aufmachung direkt die Aufmerksamkeit erzielt. Ein richtiger Hingucker, dessen Klappentext auch überzeugen konnte und mich als Freizeitparkliebhaberin direkt angesprochen hat. Inhaltlich kam ich dann leider zwischenzeitlich ziemlich in einen Zwiespalt.

Wir wechseln die Perspektiven zwischen Jade und Kit und erleben auch manchmal Szenen aus der Vergangenheit, was beiden eine gute Tiefe verleiht. Kit konnte mich vor allem zu Beginn der Geschichte überzeugen, als er Ungerechtigkeiten u.ä. auch dann aus der Welt schaffen wollte, wenn es eine Person betraf, die er nicht leiden konnte. Im Laufe der Geschichte hat sich dieser Charakterzug zwar nicht verändert, aber es gab doch Verhaltensweisen die doch eher seltsam waren. Jade gefiel mir sehr gut, vor allem ihre Liebe zum Freizeitpark und der Zauber dessen, der dabei erweckt wurde.

Die Idee mit den Chats gefiel mir sehr gut, das hat das Lesen aufgelockert und auch eine kleine Spannung erzeugt. Dennoch fühlten sich manche Chats nicht gesund an und haben ein seltsames Gefühl vermittelt, auch der Umgang mit der Erkenntnis war für mich eher suboptimal gelöst.

Schade fand ich auch, dass in Kits Perspektive eine Sache sehr präsent war und das für mich nicht wirklich aufgelöst bzw. nur kurz abgehandelt wurde. Für diese Präsenz, die sein Handeln antreibt und seine Gedanken prägt, hätte ich mir am Ende einen größeren Raum gewünscht.

Außerdem fand ich die Masse an (Tipp-)Fehlern leider erschreckend, wenn der Sinn dabei nicht verloren geht, kann man darüber hinweglesen, aber „verliehen“ statt „verlieben“ (S. 164) oder „hecken“ anstatt „checken“ (S. 252) fällt dann doch auf.

Ich möchte aber mit etwas für mich besonders positiven abschließen. Der Spiceanteil war super gering, gerade bei der Länge hatte ich schlimmere Befürchtungen und wurde positiv überrascht. Faircoast: Hateful Ride ist absolut Slow Burn, was mir wunderbar gefallen hat. Die Charaktere hatten eine schöne Tiefe und mir gefiel die Atmosphäre. Im Mittelteil fand ich es etwas wiederholend, aber insgesamt doch eine schöne Geschichte.

Veröffentlicht am 04.10.2025

Furchtlos dem Ende stellen

Der Club der kalten Hände
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Lizzy entdeckt, dass ihre Eltern nicht nur ein langweilges Unternehmen führen, dass irgendwelche Kisten verfrachtet, sondern dass sie ein Bestattungsunternehmen führen. Gemeinsam mit ihren Freunden Mo, ...

Lizzy entdeckt, dass ihre Eltern nicht nur ein langweilges Unternehmen führen, dass irgendwelche Kisten verfrachtet, sondern dass sie ein Bestattungsunternehmen führen. Gemeinsam mit ihren Freunden Mo, Cem, Olga und Fritzi erfährt sie in der folgenden Zeit mehr über den Tod und die Trauer. Neue Freundschaften mit Yuki und Ronny entstehen und zusammen werden sie Der Club der kalten Hände, der sich furchtlos sämtlichen Themen zum Ende des Menschen stellt.

Der Club der kalten Hände von Christine Pernlochner-Kügler ist in zwei Teile eingeteilt. Im ersten Teil wird eine Geschichte erzählt, die sich auf verschiedene Formen von Verlust bezieht und dementsprechend präsent ist das versterben von (unterschiedlichen) Menschen. Im zweiten Teil wird das Clubbuch der kalten Hände vorgestellt, in dem die Freunde nicht nur vorgestellt werden, wobei Yukis Steckbrief fehlerhaft ist, sondern auch viele weitere Informationen zum Tod vorstellen.

Besonders gut gefallen hat mir, dass man auf unterschiedliche Trauerformen eingegangen ist und dass der Tod im Buch nicht gleichbedeutend mit ausschließlich negativen Gefühlen war, sondern dass auch das Gefühl gegeben wurde, dass Lachen danach nicht verboten ist und man weiterhin Dingen nachgehen kann, die einem Spaß machen.

Auch die Zeichnungen von Valerie Tiefenbacher haben der Geschichte etwas passendes mitgegeben. Auf den ersten Seiten war ich noch etwas skeptisch, da der Zeichenstil doch außergewöhnlich ist, aber am Ende hat genau diese Außergewöhnlichkeit perfekt zu diesem Thema gepasst, das hier ganz viele Facetten anspricht.

Schade finde ich, dass Abschiednehmen am Ende beinahe damit gleichgesetzt wird, dass man die verstorbene Person nochmal sieht, wenn sie tot ist. Das hätte ich gerne etwas differenzierter gesehen, weil nicht jedes Kind diesen Schritt gehen kann und es dementsprechend auch nicht das Gefühl kriegen sollte, dass es das machen muss oder noch schlimmer, dass es dies hätte machen sollen und nun nicht mehr nachholen kann. Außerdem gibt es einige Fälle, in denen ein solcher Abschied gar nicht möglich ist, dafür hätte ich mir gerne eine Alternative gewünscht, damit auch ein solches Abschiednehmen als solches gesehen wird.

Veröffentlicht am 29.09.2025

Der rätselhafte Findling

Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten
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1829, Nürnberg: Greta Grimaldi und ihr Vater erreichen Nürnberg. Zusammen wollen sie den mysteriösen Fall um Kaspar Hausers Drohbriefe lösen.

Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten von Davide Morosinotto ...

1829, Nürnberg: Greta Grimaldi und ihr Vater erreichen Nürnberg. Zusammen wollen sie den mysteriösen Fall um Kaspar Hausers Drohbriefe lösen.

Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten von Davide Morosinotto beschäftigt sich mit dem realen Fall des Kaspar Hausers’ und verbindet wahre Begebenheiten mit fiktiven Rätseln und Lösungen.

Die Idee einen wahren, mysteriösen Fall in eine fiktive Geschichte umzugestalten hat mir sehr imponiert, vor allem weil mir Kaspar Hauser bis dato nicht geläufig war und ich mir im Nachgang noch einiges, interessantes anlesen konnte. Die Einbindung der wahren Begebenheiten finde ich sehr gut gelungen und die Abweichungen sind natürlich dem Kriminalfall geschuldet, unter dessen Deckmantel die Geschichte entsteht. Dieser Fall findet im Buch seinen Abschluss, das Rätsel um Kaspar Hausers Herkunft wird aber auch hier nicht gelöst, was ich sehr passend finde.

Der Schreibstil passt zu einem Detektivroman und ist eher etwas unterkühlt, weswegen auch die Charaktere unnahbar bleiben. Ich hätte mir gerne ein paar Szenen mehr mit Kaspar Hauser gewünscht, um seinen Charakter etwas besser auszuarbeiten, so wurde viel von ihm gesprochen, aber selbst wenig von/mit ihm erlebt.
Greta Grimaldi wirkte auf mich nicht ganz stimmig, während sie in der Vergangenheit als cleveres Mädchen beschrieben wurde, fällt sie hier doch eher durch undurchdachte Aktionen auf und auch die Ermittlungen laufen eher beiläufig, wohingegen anderen Dingen ein größerer Fokus gegeben wird. Diese sind zwar ein Teil der Lösung, nehmen für mich dennoch etwas zu viel Platz ein.

Das Ende selbst war für mich dann leider eine kleinere Enttäuschung. Nicht weil man die Lösung relativ schnell erahnen kann, das finde ich - auch im Anbetracht der Zielgruppe - nicht weiter tragisch, allerdings wirkt der Grund absurd und sehr konstruiert.

Veröffentlicht am 23.09.2025

Geheimnisvolle Schule

Secret Forest Academy. Avas Bestimmung
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Avas Eltern sind spurlos verschwunden und seitdem passieren auch Ava seltsame Dinge. Immer wieder wacht sie mitten im Wald auf, wo vorher noch ihr Bett war, liegt sie nun auf dem Ast eines Baums. Eines ...

Avas Eltern sind spurlos verschwunden und seitdem passieren auch Ava seltsame Dinge. Immer wieder wacht sie mitten im Wald auf, wo vorher noch ihr Bett war, liegt sie nun auf dem Ast eines Baums. Eines Tages taucht Charon auf, der behauptet mehr über Ava und ihre Eltern zu wissen. Ava traut ihm nicht und wird prompt von ihm angegriffen, doch zum Glück kommt ihr Urs zur Rettung. Urs ist ein Schwarzbär der nicht nur verfressen ist, sondern auch mit Ava sprechen kann. Und Urs möchte Ava an eine ganz besondere Akademie bringen. Die Secret Forest Academy ist voll von magischen Wesen und magischen Mitschüler:innen, eine Welt von der Ava bis zu diesem Tage nichts gewusst hat und von der sie hofft, dass sie dort das Geheimnis um das Verschwinden ihrer Eltern lösen kann.

Avas Bestimmung ist der erste Band der Secret Forest Academy-Reihe von Tina Stein. Der Auftakt der fantastischen Reihe wird Leser:innen ab 10 Jahren empfohlen. Der Schreibstil war für mich (im Vergleich zu anderen Büchern in der Altersklasse) noch sehr kindlich, vor allem die Dialoge zu Beginn der Geschichte wirkten teilweise so, als wären sie an eine jüngere Leserschaft gerichtet. Dieses Gefühl wird durch sagenhafte 79 Kapitel auf 288 erhöht. Ich schätze kurze Kapitel sehr, aber im Schnitt keine vier Seiten für ein Kapitel, finde ich dann doch zu wenig.

Das Setting hat uns sehr gut gefallen, die Akademie klingt nach einer grünen Wohlfühloase mit spannenden Eigenheiten. Die Charaktere waren gut ausgewählt, Ava ist als Protagonistin nahbar und man kann sich in sie und ihre Gefühle gut hineinversetzen. Vor allem der ungewöhnliche Einstieg lässt einen als Leser:in ebenso hilflos zurück wie Ava, sodass nicht nur Ava unbedingt mehr über die Akademie und ihre Fähigkeit wissen möchte, sondern auch wir Leser:innen. Avas Seelentier Urs ist emphatisch, einfühlsam und lustig. Avas Mitschüler:innen bieten eine gute Mischung aus Sympathie und Antipathie. An ein paar Stellen wurde es uns mit den vielen Wesen etwas zu viel und es war schwierig den Durchblick zu bewahren, gleichzeitig fehlten den Nebenfiguren etwas die Tiefe.

Das Ende konnte uns leider gar nicht überzeugen. Ein Reihenauftakt verspricht natürlich immer einen kleinen Cliffhanger und offene Fragen, aber das Ende kam uns viel zu abrupt und lässt ein guten Abschluss vermissen, weswegen Avas Bestimmung uns insgesamt leider nicht richtig abholen konnte.