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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.09.2023

Spannender Thriller mit einigen Schwächen

Erinnere dich!
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Seit zwanzig Jahren hat Arno nicht mehr an das ungeklärte Verschwinden seiner damaligen Freundin Maja gedacht. Ein Klassentreffen weckt jedoch Erinnerungen. Außerdem sind da die anonymen Anrufe, die Arno ...

Seit zwanzig Jahren hat Arno nicht mehr an das ungeklärte Verschwinden seiner damaligen Freundin Maja gedacht. Ein Klassentreffen weckt jedoch Erinnerungen. Außerdem sind da die anonymen Anrufe, die Arno dazu auffordern, sich zu erinnern:
Hatte er was mit Majas Verschwinden zu tun?

Trotz der vielen negativen Rezensionen zu dem Buch wollte ich ihm eine Chance geben.
Der größte Kritikpunkt war für viele die fehlende Spannung; dies empfand ich anders. Zwar ist "Erinnere dich" kein nervenaufreibender Thriller, der einen auf 300 Seiten den Atem anhalten lässt, dennoch tauchen nach und nach mehr Fragen auf; Was ist damals wirklich passiert? Kann Arno seinen eigenen Erinnerungen trauen? Wer steckt hinter den Anrufen und was hat der eigenbrödlerische Student Wolfsohn eigentlich mit der ganzen Sache zu tun? So musste ich mich keineswegs durch das Buch quälen und war doch gespannt auf die Auflösung des Ganzen.

Leider wurde es im letzten Drittel teils etwas vorhersehbar, konstruiert und unglaubwürdig. Das Ende konnte mich nicht überzeugen.
Außerdem fand ich persönlich den Schreibstil wenig ansprechend. Obwohl er sich sehr flüssig lesen lässt, ist er doch ziemlich simpel, fast plump, und strotzt nur so vor Wortwiederholungen.
Auch mit dem Protagonisten Arno wurde ich nicht richtig warm und konnte ihn bis zum Schluss nicht einschätzen. Er wirkte wenig ausgearbeitet.

Insgesamt hat das Buch also definitiv seine Schwächen, obwohl ich die Grundidee interessant finde, gerade die Frage, inwieweit Erinnerungen manipuliert werden können.

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Veröffentlicht am 16.09.2023

Was ist Richtig oder Falsch?

Der Club
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Hans wird mit fünfzehn Vollwaise, kommt aufs Internat und lernt dort Boxen.
Irgendwann lädt seine Tante Alex ihn auf eine Universität in Cambridge ein: Dort gibt es einen elitären Boxclub, in dem ein Verbrechen ...

Hans wird mit fünfzehn Vollwaise, kommt aufs Internat und lernt dort Boxen.
Irgendwann lädt seine Tante Alex ihn auf eine Universität in Cambridge ein: Dort gibt es einen elitären Boxclub, in dem ein Verbrechen begangen wurde. Unter einem Decknamen soll Hans Mitglied werden und das Rätsel lösen.

Den Einstieg in Takis Würgers Debütroman "Der Club" mochte ich sehr: Er wirkt zugleich schnörkellos und märchenhaft, ich war sofort gebannt.
Dieser nüchterne, präzise Schreibstil zieht sich durch das gesamte Buch, man hat als LeserIn teilweise das Gefühl, man habe eine Enthüllungsreportage vor sich. Im Gegensatz zu "Unschuld" lässt Würger den LeserInnen hier auch deutlich mehr Spielraum für eigene Gedanken und Meinungen.

Insgesamt werden wieder sehr viele wichtige Themen angesprochen, aber keins besonders detailliert ausgearbeitet - bis aufs Boxen. Man bemerkt hier definitiv die eigenen Erfahrungen des Autors. Für mich persönlich hätte dieses spezielle Thema ruhig etwas kürzer, die anderen dafür ausführlicher behandelt werden können.

Obwohl früh klar ist, worin das Verbrechen besteht und wer dafür verantwortlich war, wird der Spannungsbogen bis zum Schluss gehalten. Denn es geht vielmehr um die Frage: Welchen Preis ist Hans bereit zu zahlen, um endlich dazuzugehören? Was ist richtig und falsch? Gibt es verschiedene Wahrheiten?

Am Ende verlief mir wieder alles zu glatt und wurde zu rund aufgelöst. Dennoch hat mir das Buch etwas besser gefallen als "Unschuld".

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Veröffentlicht am 13.09.2023

Kritik an der amerikanischen Gesellschaft

Unschuld
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Noch 35 Tage bis zu Florentin Carvers Hinrichtung. Bis dahin hat seine Tochter Molly Zeit, um herauszufinden, wer der wahre Schuldige ist und warum ihr Vater vor zehn Jahren ein falsches Geständnis abgelegt ...

Noch 35 Tage bis zu Florentin Carvers Hinrichtung. Bis dahin hat seine Tochter Molly Zeit, um herauszufinden, wer der wahre Schuldige ist und warum ihr Vater vor zehn Jahren ein falsches Geständnis abgelegt hat.

Neben diesem kriminalistischen Oberthema geht es in Takis Würgers Roman "Unschuld" vor allem um Kritik an der amerikanischen Gesellschaft: Waffenpolitik, Medikamentenmissbrauch, die Kluft zwischen Arm und Reich, sowie die Todesstrafe kommen zur Sprache und beweisen Würgers präzise Beobachtungsgabe.

Er schreibt nüchtern und schnörkellos, wechselnde Perspektiven und kurze Sätze lassen einem das Buch sehr kurzweilig erscheinen. Großartige Spannung kam allerdings nicht auf, dafür war die Storyline zu geradlinig, das Ende zu vorhersehbar.

Dennoch war es interessant, durch die verschiedenen Themen geführt zu werden und sich darüber Gedanken zu machen (obwohl Würger die Meinung klar vorgibt und nicht viel Gedankenfreiraum lässt). Positiv zu erwähnen sind außerdem die gut ausgearbeiteten Charaktere, allen voran die dreiundzwanzigjährige Protagonistin Molly. Durch ihr Stottern und ihre Ängste wirkt sie auf den ersten Blick gar nicht nach einer Heldin, beweist aber im Laufe der Geschichte Mut und wächst über sich hinaus.

Für mich war es kein Highlight, dem großen Hype zu diesem Buch kann ich mich nicht anschließen. Dennoch wurde ich gut und kurzweilig unterhalten, daher gibt es ⭐️3,5/5.⭐️

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Veröffentlicht am 09.09.2023

Außergewöhnliche Neuinterpretation

Tell
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Joachim B. Schmidt erzählt die Geschichte des Schweizer Freiheitskämpfers Wilhelm Tell neu - und wirft ein ganz anderes Bild auf den Sagenhelden.

Er macht aus ihm einen Menschen, der auf den ersten Blick ...

Joachim B. Schmidt erzählt die Geschichte des Schweizer Freiheitskämpfers Wilhelm Tell neu - und wirft ein ganz anderes Bild auf den Sagenhelden.

Er macht aus ihm einen Menschen, der auf den ersten Blick gar nicht so sympathisch wirkt. Interessant ist hierbei, dass Schmidt Tell selbst erst ganz zum Schluss zu Wort kommen lässt; das restliche Buch über formen nur die Gedanken anderer ein Bild des Mannes. Es wird schnell klar: Niemand kann den eigenbrödlerischen Bauern besonders gut leiden.
Die berühmte Apfelszene (in der der Autor übrigens zur schriftstellerischen Hochform auffährt) stellt dann einen wichtigen Wendepunkt dar: Tell wird verletzlich, ein Mann mit Vergangenheit und auf einmal sieht man doch auch Positives in ihm. Kurz gesagt: Schmidt holt ihn von seinem Helden-Sockel runter und macht einen ganz normalen Menschen aus ihm.

Das Buch besteht aus vielen kurzen Sequenzen, in denen je aus der Perspektive einer anderen Figur berichtet wird. Dies hat nicht nur eine unglaubliche Dynamik zur Folge, sondern unterstreicht auch die Kernaussage des Buches: Tell ist nur einer von vielen Individuen oder um es mit Schmidts Worten zu sagen: "Sie sind alle Tell."

Schiller hat seinerzeit Figuren mit bestimmten Charaktereigenschaften geschaffen, Schmidt hingegen haucht jeder dieser Figuren Leben ein und macht aus ihnen authentische, menschliche Personen mit Ängsten, Träumen, einer Vergangenheit.
Selbst mit dem Habsburger Landvogt Gessler kann man mitfühlen; es wird deutlich, dass es den stereotypen Prota- und Antagonisten nicht gibt.

Ich bin wirklich begeistert von dieser Neuinterpretation der Tell-Sage, Schmidt hat hier großes schriftstellerisches Können bewiesen und ein spannendes und zugleich emotionales Werk mit Tiefe geschrieben, welches ich nur wärmstens empfehlen kann. Für mich definitiv eines meiner Jahreshighlights.

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Veröffentlicht am 03.09.2023

Zu überladen an Witzen

Elternabend
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Sascha Nebel ist gerade dabei, ein Auto zu stehlen, als eine wütende Frau beginnt, dieses mit ihrem Baseballschläger zu demolieren. Als die Polizei auftaucht, machen die beiden sich aus dem Staub und landen ...

Sascha Nebel ist gerade dabei, ein Auto zu stehlen, als eine wütende Frau beginnt, dieses mit ihrem Baseballschläger zu demolieren. Als die Polizei auftaucht, machen die beiden sich aus dem Staub und landen auf dem Elternabend einer fünften Klasse. Um nicht aufzufallen, geben sie sich als das Ehepaar Schmolke aus, das bis dahin noch keine Schulveranstaltung ihres Sohnes besucht hat.

Der Klappentext klang für mich nach einer witzigen, absurden Geschichte und da ich von Fitzek bisher selten enttäuscht wurde, griff ich zu diesem Kein-Thriller.
Leider fand ich den Schreibstil diesmal ziemlich anstrengend. Es gibt kaum einen Satz ohne Witz, wodurch der Humor sehr erzwungen wirkt (ähnlich wie in "Schreib oder Stirb"). Es war einfach zu viel und ich hätte mir gerne ein paar mehr Passagen ohne Klischees, Flachwitze, alte Kalauer oder Stereotype gewünscht, denn die Grundidee ist so absurd, dass sie auch ohne diese hohe Dichte an Witzen gut funktioniert hätte.
Positiv anmerken muss ich hingegen den Umgang mit ernsten Themen, welche ab dem zweiten Drittel vorkommen (Achtung, Triggerwarnung am Anfang des Buches beachten). So haben die Charaktere doch etwas Tiefe bekommen und die Story war nicht mehr ganz so flach. Obwohl mir die Dialoge auch hier teilweise zu lehrbuchmäßig und dadurch unauthentisch waren.

Ich bin glaube ich einfach nicht die richtige Zielgruppe. Wer offensichtlichen, albernen Humor dem unterschwelligen vorzieht, hat hier sicherlich seinen Spaß. Das Buch lässt sich wie von Fitzek gewohnt flüssig und in einem Rutsch durchlesen. Ich freue mich jetzt einfach auf seinen nächsten Thriller im Herbst und lasse in Zukunft die Finger von seinen anderen Werken.

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