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Veröffentlicht am 25.03.2025

Vielschichtig

Wo der Wolf lauert
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Nach ihrem Umzug aus Israel haben Lilach und Michael in Kalifornien auf allen Ebenen Erfolg.
Doch dann stirbt ein Mitschüler ihres Sohnes auf einer Party und alles gerät ins Wanken.
Kann es sein, dass ...

Nach ihrem Umzug aus Israel haben Lilach und Michael in Kalifornien auf allen Ebenen Erfolg.
Doch dann stirbt ein Mitschüler ihres Sohnes auf einer Party und alles gerät ins Wanken.
Kann es sein, dass ihr Sohn etwas mit dem Tod zu tun hat?

Mit “Wo der Wolf lauert” deckt Ayelet Gundar-Goshen gleich mehrere Genres ab: Die Handlung ist spannend wie ein Thriller, der Schreibstil gehoben wie Literatur, die Themen vielschichtig und politisch wie ein Gesellschafts-/ Familienroman.
Vom ersten Kapitel an packt einen das Buch und lässt einen nicht mehr los. Die Aufklärung des Mordes rückt beinahe in den Hintergrund - obwohl der tote Junge stets eine wichtige Rolle spielt - vielmehr behandelt die Autorin innerfamiliäre und gesellschaftliche Konflikte: Probleme in Israel vs in den USA, Rassismus und Antisemitismus. Entfremdung von Mutter und Sohn. Wie gut kennt man seine Familienmitglieder wirklich? Und vor allem macht Gundar-Goshen eines deutlich: Der Wolf lauert überall. Überall gibt es Gefahren unterschiedlicher Herkunft, je nach Perspektive ist jede:r sowohl Opfer als auch Täter:in.
Geschickt wird man mit Lilachs Gefühlsleben konfrontiert, bekommt es aufprojiziert und empfindet den Konflikt nach, ihren Sohn Adam sowohl beschützen, gleichzeitig aber die Wahrheit herauszufinden zu wollen; spürt die Verzweiflung, als sie merkt, wie er ihr immer weiter entgleitet.

Das Buch hat mich sehr beeindruckt, der Schreibstil, die Vielschichtigkeit und genaue Analyse der Charaktere, sowie die vielen Themen und die spannende Grundhandlung haben es mich kaum aus der Hand legen lassen. Absolute Leseempfehlung. ⭐️5/5⭐️

*Übersetzt von Ruth Achlama

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Veröffentlicht am 15.03.2025

Liebevolles Kinderbuch rund ums Thema Streit

Wir zwei vertragen uns
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Hase und Igel sind die allerbesten Freunde. Doch als sie eine tolle Wurzel finden, bricht ein Streit aus, denn beide wollen den Schatz für sich behalten.

Im neuesten Band der “Wir zwei”-Reihe geht es ...

Hase und Igel sind die allerbesten Freunde. Doch als sie eine tolle Wurzel finden, bricht ein Streit aus, denn beide wollen den Schatz für sich behalten.

Im neuesten Band der “Wir zwei”-Reihe geht es um das Thema Streit und Versöhnen. Wie schon die Vorgänger eignet es sich für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter.
Die Geschichte ist sehr lebendig geschrieben und viele Adjektive tragen dazu bei, den Wortschatz bei den kleineren Leser*innen zu erweitern (z. B. die “emsige Biene”). Auch die Beschreibungen der Natur finde ich in dieser Reihe immer besonders ansprechend.
Die beiden Protagonisten werden sehr einfühlsam beschrieben und ihre Gedanken und Gefühle finden viel Raum. So hat zum Beispiel jeder der beiden eine ganze Seite, auf der er den Streit reflektiert und erkennen kann, was er daran doof findet. So werden kindliche Emotionen in Worte gefasst und eine Lösung aufgezeigt.
Auch die ausgelassene Stimmung nach der Versöhnung wurde sehr treffend wiedergegeben.
Der Text ist gut verständlich und trotzdem ansprechend formuliert, sodass ihm jüngere Kinder gut folgen können und Erwachsene auch ihre Freude daran haben.

Die wunderschönen Illustrationen von Joëlle Tourlonias ergänzen den Text noch. So kann man auf jeder Seite viele Details entdecken und gut darüber sprechen, was außerdem noch passiert. Rotkehlchen und Maus erzählen dabei wieder ihre eigene kleine Geschichte.

“Wir zwei vertragen uns” hat ein wichtiges und für Kinder gut auf das eigene Leben anwendbares Fazit. Text und Bild erzählen eine liebevolle Geschichte und nicht umsonst zählt alles aus der Feder vom Duo Engler und Tourlonias zu unseren Lieblingen im Kinderbuchregal. ⭐️5/5⭐️

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  • Thema
Veröffentlicht am 14.03.2025

Spannender Ansatz, leider etwas unausgereift

Milchzähne
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Ein abgeschiedenes Dorf mitten im Wald. Die Hitze wird immer drückender.
Die Pflanzen vertrocknen, das Vieh stirbt, die Menschen hungern.
Genau dort findet eine junge Frau ein fremdes Kind, nimmt es bei ...

Ein abgeschiedenes Dorf mitten im Wald. Die Hitze wird immer drückender.
Die Pflanzen vertrocknen, das Vieh stirbt, die Menschen hungern.
Genau dort findet eine junge Frau ein fremdes Kind, nimmt es bei sich auf. Und macht sich damit das gesamte Dorf zum Feind.

“Milchzähne” ist ein dystopischer Roman, in dem sich eine anarchistische Gemeinschaft vollständig von der Außenwelt abgeschottet hat. Trotzdem taucht auf einmal ein Kind auf, welches von Skalde und ihrer Mutter Edith aufgenommen wird. Dieses Kind weckt irrationale Ängste in den Dorfbewohnern, es wird zum Sündenbock für alles und soll schnellstmöglich beseitigt werden.
Helene Bukowski wirft uns mitten in ihre geschaffene Welt, erklärt dabei keine Hintergründe, sondern stellt uns vor vollendete Tatsachen. Die gesamte Geschichte erfahren wir aus Skaldes Sicht. Der Schreibstil ist dabei sehr einfach gehalten, die Sätze sind kurz und wenig ausgeschmückt. Diese Rohheit der Sprache trägt zur düsteren, immer bedrückender werdenden Atmosphäre bei.
Die Autorin zeigt in aller Deutlichkeit auf, wie absurd die Ängste der Bewohner in Bezug auf das Kind sind (Fremdenfeindlichkeit), während ihre Leben durch eine viel realere Gefahr direkt bedroht werden (Klimawandel). Wir finden hier also eine extremere, zugespitzte Version der Realität.
Und trotzdem habe ich die Behandlung der Themen nur als ein Kratzen an der Oberfläche empfunden. Bukowski schafft eine Situation mit so viel Potential, das leider nicht ganz ausgeschöpft wurde. Sie hätte gern mehr in die Tiefe gehen, mehr Emotionen erzeugen dürfen. Auch war mir die ganze Geschichte etwas zu losgelöst und ich hätte mir mehr Hintergrundinfos gewünscht (und damit meine ich nicht das offene Ende, das war sehr stimmig).

Insgesamt überzeugt Bukowski zwar mit ihrem Schreibstil und der spannenden Grundidee, die meiner Meinung nach aber noch nicht ganz ausgereift war. ⭐️3/5⭐️

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Mutiges Werk gegen die Unterdrückung

Menschenwerk
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Gwangju (Südkorea), Mai 1980: Das Militär beendet eine Demonstration auf brutalste Weise.
Hinterbliebene, Verstorbene, Verhaftete berichten von ihrem Schicksal.
Dies ist ein Roman gegen Gewalt und Unterdrückung, ...

Gwangju (Südkorea), Mai 1980: Das Militär beendet eine Demonstration auf brutalste Weise.
Hinterbliebene, Verstorbene, Verhaftete berichten von ihrem Schicksal.
Dies ist ein Roman gegen Gewalt und Unterdrückung, ein Roman der Menschlichkeit.

Durch verschiedene Blickwinkel schafft es Han Kang den Gwangju-Aufstand (bzw. das -Massaker) ganzheitlich darzustellen. Beginnend mit der Perspektive des Jungen Dong-Hos, der die Leiche seines verstorbenen Freundes sucht, wechselt die Autorin zu einer Schwester, einer Mutter, einem Gefolterten und einigen anderen. Dabei bedient sie sich teils an interessanten kreativen Erzählformen, teils an konventionellen.
Jeder erzählt das historische Ereignis von einem anderen Blickpunkt aus und bringt somit noch neue Aspekte ans Licht. Obwohl sich das ganze Massaker “nur” über zehn Tage gestreckt hat, wird hier deutlich gemacht, dass es auch Jahrzehnte später noch Auswirkungen hat und Opfer fordert.
Der Roman konzentriert sich auf die Brutalitäten des Militärs und macht deutlich, dass bewusst keine Rücksicht auf Menschenleben genommen wurde. Hierbei ist es Han Kang gelungen, Worte für das Unaussprechliche zu finden.

Obwohl mir Einzelschicksale oft näher gehen als Berichte vom großen Ganzen, hatte ich Probleme, Zugang zu den Figuren zu finden. Es werden mehr Fakten als Emotionen vermittelt, die Wechsel zwischen Zeit und Figuren haben zusätzlich ein hohes Maß an Konzentration verlangt und für eine kurze Orientierungslosigkeit zu Beginn eines neuen Kapitels gesorgt.
Trotz der vielen Fakten erfordert der Roman einiges an Vorwissen und/ oder Recherche, um das Geschehen vollständig zu verstehen.

Vordergründig berichtet Kang über schreckliche Gewalt, die leisen Töne zwischen den Zeilen sprechen aber eine andere Sprache: Sie sprechen sich für Gerechtigkeit aus, dafür, wie viel Menschen bereit sind zu geben, um diese zu bekommen. “Menschenwerk” ist ein mutiges Plädoyer an die Menschlichkeit und gegen die Unterdrückung, welches erschüttert, aber auch Hoffnung schenkt. ⭐️3,5/5⭐️

Übersetzt von Ki-Hyang Lee

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Veröffentlicht am 09.03.2025

Wichtige Themen, etwas triviale Umsetzung

Das Comeback
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Teeniestar Grace Turner ist nur einen Film von ihrem großen Durchbruch entfernt.
Dann verschwindet sie für ein ganzes Jahr aus Hollywood. Niemand weiß, warum oder wohin.
Plötzlich ist sie zurück: Und sie ...

Teeniestar Grace Turner ist nur einen Film von ihrem großen Durchbruch entfernt.
Dann verschwindet sie für ein ganzes Jahr aus Hollywood. Niemand weiß, warum oder wohin.
Plötzlich ist sie zurück: Und sie will endlich selbstbestimmt arbeiten, endlich von dem Mann loskommen, der jahrelang seine Macht missbraucht und sie manipuliert hat.

Ella Berman hat mit “Das Comeback” einen Roman hingelegt, der den Puls der Zeit trifft: Eine junge Hollywood-Schauspielerin, die sich endlich aus den Fesseln ihres manipulativen Produzenten befreien und sie selbst sein will. Berman hatte die Idee schon 2017, kurz bevor die

MeToo-Debatte aufkam und die ganze Welt vom Machtmissbrauch hinter den Kulissen erfolgreicher Produktionen erfuhr.
Sie hat dabei einen simplen Schreibstil, der einen leichten Einstieg und eine gute Lesbarkeit des Buches garantiert und stimmig mit ihrer jungen Protagonistin ist.
Diese Protagonistin, Grace, ist allerdings auch schon mein erster Kritikpunkt: Ich finde sie nicht nahbar, auf über 400 Seiten blieb sie für mich blass wie eine Statistin und ich wurde nicht schlau aus ihr. Ihre Emotionen werden zwar lang und breit aus der Ich-Perspektive geschildert, aber fühlen kann man sie als Leserin nicht. Ihre charakterliche Entwicklung im Laufe des Buches mochte ich allerdings recht gerne.
Auch eine Spannungskurve ist nicht wirklich vorhanden. Einzelne Handlungsstränge plätschern vor sich hin, viele davon unwichtig für die Geschichte und der Höhepunkt, der große Befreiungsschlag Graces, wird künstlich hinausgezögert, sodass sich der Weg dorthin stellenweise sehr zieht.
Da der Roman 2024 erschienen ist und in der Gegenwart spielt, hätte ich mir eine Bezugnahme zu

MeToo gewünscht, auch wenn die Autorin die Idee schon davor hatte. Die Debatte gänzlich außer Acht zu lassen, halte ich für unrealistisch.
Am Ende überschlagen sich die Ereignisse ein wenig und der Schluss kommt nach dem ewigen “Davor” etwas abrupt. Dennoch ist er einigermaßen zufriedenstellend.

Insgesamt spricht “Das Comeback” wichtige Punkte an, allerdings gibt es einige Romane, die gerade das Thema Gaslighting und die damit verbundene Ambivalenz deutlich intensiver und authentischer vermitteln. Auch die Einblicke ins Showbusiness sind eher mau ausgefallen und an einigen Stellen fand ich den Text sehr leidenschaftslos niedergeschrieben. ⭐️3/5⭐️

Übersetzt von Elina Baumbach

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