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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.03.2026

Komplexer und spannender Serienauftakt

Moorland. Die Zwillinge
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„Spuren findest du nicht nur auf dem Boden. Du musst sie auch in den Gedanken der Menschen suchen.“

Der Thriller "Moorland - Die Zwillinge" von Andreas Winkelmann erzählt vom Verschwinden der 18-jährigen ...


„Spuren findest du nicht nur auf dem Boden. Du musst sie auch in den Gedanken der Menschen suchen.“

Der Thriller "Moorland - Die Zwillinge" von Andreas Winkelmann erzählt vom Verschwinden der 18-jährigen Zwillinge Nike und Jana in einer einsamen Moorlandschaft. Die Suche bleibt zunächst erfolglos, bis Kommissarin Malia Gold Hinweise findet, die darauf hindeuten, dass zumindest eine der Schwestern noch leben könnte. Ihre Ermittlungen lassen sie tief in ein undurchsichtiges Geflecht aus Geheimnissen und verdrängten Wahrheiten innerhalb der dörflichen Gemeinschaft in Moorbach eintauchen. Schließlich zeigt sich, dass das Moor nicht nur ein aktueller Tatort, sondern auch der Schlüssel zu einem lange verborgenen Verbrechen ist.

Die Geschichte verlangt anfangs etwas mehr Aufmerksamkeit, weil zunächst doch sehr zahlreiche Figuren und deren Beziehungen zueinander eingeführt werden.
Sobald man sich jedoch innerhalb des Dorfes zurechtfindet, entfalten gerade diese verdeckten Konflikte ihren ganz eigenen Reiz.

Das Miträtseln macht großen Spaß.

Die Spannung entwickelt sich langsam, aber stetig und kontrolliert. Sehr kurze Leseabschnitte, sowie zahlreiche Perspektivwechsel und die nur wenige Tage umspannende Handlung sorgen für ein hohes Tempo und das Gefühl, unmittelbar dabei zu sein. Verdächtige gibt es viele, und jede neue Enthüllung verschiebt die eigene Einschätzung erneut. Besonders gelungen finde ich, dass der Thriller ohne übertriebene Brutalität auskommt und stattdessen psychologische Spannung in den Vordergrund stellt. Die überraschende, zugleich aber stimmige Auflösung rundet das Gesamtbild perfekt ab.

Ein ungewöhnlich (fast) unblutiger, aber atmosphärisch dichter und durchweg fesselnd geschriebener Thriller, der mich nach kurzer Eingewöhnung nicht mehr losgelassen hat.

Schön, dass es sich um einen Serienauftakt handelt: Ich bin schon jetzt sehr gespannt, mehr über Malia und ihre Mutter Ruth zu erfahren.

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Waldmeister im Kopf

Restsommer
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„Mit dem Tod kenne ich mich aus, aber vom Leben habe ich keine Ahnung.“

Der Roman „Restsommer“ spielt nicht in der Gegenwart, und tatsächlich musste ich zunächst rätseln, in welcher Zeit er wohl handeln ...


„Mit dem Tod kenne ich mich aus, aber vom Leben habe ich keine Ahnung.“

Der Roman „Restsommer“ spielt nicht in der Gegenwart, und tatsächlich musste ich zunächst rätseln, in welcher Zeit er wohl handeln könnte. Es gibt nur einige vage Andeutungen: ein Endspiel Deutschland gegen Brasilien, der Film Terminator 3 scheint aktuell zu sein, als Handy ist ein Blackberry ganz weit vorne, und ICQ ist offensichtlich als Social-Media-Plattform total angesagt.
Mit diesen Informationen lässt sich der Zeitraum der Handlung grob eingrenzen – offenbar befinden wir uns Anfang der 2000er-Jahre.
So wird dann auch manche nicht ganz zeitgemäß erscheinende Einstellung eher verständlich. Vielleicht wollte die Autorin die Zeitebene ja ganz bewusst nicht frühzeitig klären. Mir persönlich hätte eine frühere Einordnung den Einstieg und die Orientierung jedoch immens erleichtert.

Worum geht es?

Der 16-jährige Dominik wächst bei seinem alleinerziehenden Vater auf, der ein Bestattungsinstitut führt, das Dominik später übernehmen soll. Sein Leben verändert sich abrupt, als er den sehr selbstbewussten Mitschüler Biff kennenlernt. Durch die Freundschaft und die intensiven Gefühle für Biff beginnt Dominik, sein bisheriges Leben und die Erwartungen seines Vaters zu hinterfragen. Der Sommer wird für ihn zu einer Zeit der Selbstfindung, in der er seinen eigenen Weg und seine Identität entdecken muss.

„Restsommer“ erzählt eindringlich vom Erwachsenwerden, von Erwartungen und von dem schwierigen Prozess, den eigenen Weg zu finden. Besonders gelungen ist dabei die ruhige und unaufgeregte Art, mit der Dominiks Entwicklung geschildert wird. Seine Gedanken und Gefühle wirken durchgehend authentisch und nachvollziehbar. Seine Unsicherheit, seine Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben und sein innerer Konflikt sind glaubwürdig dargestellt. Er steht zwischen der Erwartung, den Weg seines Vaters fortzuführen, und dem Wunsch, sich davon zu lösen und eigene Entscheidungen zu treffen. Diese Zerrissenheit belastet nicht nur sein Verhältnis zu seinem Vater, sondern immer stärker auch seine Beziehungen zu seinen Freunden.
Kea von Garnier hat eine unglaublich empathische Art, mit ihren Figuren mitzufühlen.

Vom Gefühl her hat mich „Restsommer“ stark an Coming-of-Age-Romane wie „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf und „Klapper“ von Kurt Prödel erinnert. Wie in diesen Büchern geht es weniger um eine äußere Handlung als um innere Veränderung. Man kommt den Figuren sehr nahe und fühlt sich stellenweise an die eigene Jugend erinnert.
Der Schreibstil ist klar, flüssig und zugleich stimmungsvoll. Die Geschichte wirkt nie zu konstruiert.
Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass manche Entwicklungen wohl bewusst offen bleiben; hier hätte ich mir stellenweise mehr Klarheit und auch mehr Konsequenz gewünscht.

„Restsommer“ ist ein  eindringlicher und authentischer Roman über das Erwachsenwerden und den Mut, einen eigenen Weg zu suchen.

Leseempfehlung: ein toller Debütroman von Kea von Garnier.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Überzeugender Serienauftakt

Ungelöst – Die erste Zeugin
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„Wenn die Welt zu laut wird, musst du dorthin, wo sie dich nicht findet.“

„Ungelöst. Die erste Zeugin“ von Arno Strobel ist der Auftakt einer neuen Cold-Case-Serie. Im Mittelpunkt steht die Medizinstudentin ...


„Wenn die Welt zu laut wird, musst du dorthin, wo sie dich nicht findet.“

„Ungelöst. Die erste Zeugin“ von Arno Strobel ist der Auftakt einer neuen Cold-Case-Serie. Im Mittelpunkt steht die Medizinstudentin Luisa Menkhoff: Auf einem Vermisstenflugblatt erkennt sie eine Frau, die sehr eng mit ihrer eigenen Vergangenheit verknüpft ist. Nicole Klement war einst die Partnerin des Mannes, der Luisa als fünfjähriges Mädchen entführt hatte. Aufgrund ihrer besonderen Fähigkeit – sie verfügt über ein fotografisches Gedächtnis – kann Luisa sich noch sehr konkret an jedes einzelne Detail erinnern. Sie wendet sich an die Münchner Polizei und trifft dort auf Hauptkommissar Ramin Brunner. Beeindruckt von Luisas Erinnerungen, holt er sie als Beraterin für den aktuellen Vermisstenfall hinzu.

Strobel startet seinen neuen Thriller eher behutsam und bemüht sich, sein Ermittlerduo zunächst möglichst ausführlich und detailreich einzuführen. Ramin Brunner agiert dabei stets sehr empathisch, und Luisa Menkhoff wirkt vor allem aufgrund ihrer eiditischen Fähigkeit interessant. Eine Identifikation mit den beiden Hauptprotagonisten fällt leicht. Durch die langsame Entwicklung der Charaktere braucht die Handlung zwar etwas Anlaufzeit, doch sobald sie Fahrt aufnimmt, entfaltet sich ein Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Mich hat das Buch von da an bis zur letzten Seite gepackt; die Spannung bleibt permanent auf extrem hohem Niveau.

Mit Bernd Menkhoff, dem Vater von Luisa, begegnet man einer Figur, die Kenner der „Mörderfinder“-Reihe wiedererkennen dürften – doch das ist kein Muss: Der Thriller funktioniert vollständig eigenständig und ist auch ohne Vorkenntnisse problemlos verständlich.

Die Ermittlungen verlaufen alles andere als geradlinig. Zahlreiche Spuren, widersprüchliche Aussagen und offene Fragen stehen im Raum, die sich zunächst nicht zu einem schlüssigen Gesamtbild fügen wollen. Immer wieder glaubt man, der Lösung näherzukommen – nur um kurz darauf erneut eine überraschende Wendung zu erleben. Bis kurz vor Schluss hatte ich keine klare Vorstellung davon, worauf alles hinausläuft. Die letztliche Auflösung empfand ich als schlüssig und gut vorbereitet.

Typisch für Arno Strobel ist der klare, präzise und schnörkellose Schreibstil. Die vielen überschaubar kurzen Kapitel, schnellen Perspektivwechsel und gezielt eingesetzten Cliffhanger sorgen für ein hohes Tempo und machen es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Der Spannungsbogen reißt kaum ab, selbst in ruhigeren Passagen bleibt stets ein unterschwelliger Druck bestehen.

Als Auftaktband erfüllt „Ungelöst. Die erste Zeugin“ genau das, was man sich von einer neuen Reihe wünscht: Der Fall wird konsequent zu Ende erzählt und stimmig abgeschlossen, gleichzeitig weckt das Finale große Neugier auf die weitere Entwicklung der Figuren und des neuen Ermittlerteams.

Fazit: Temporeich, überraschend und hochspannend – für mich klar 5 von 5 Sternen wert.

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Veröffentlicht am 31.01.2026

Großartiges Abenteuer für junge Leser

Die Jagd nach den magischen Münzen
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"Schätze findet man nicht, man wird von ihnen gefunden. Man braucht dafür nur ein offenes Herz."

Eine magische Erzählung, die mich an einen anderen Ort und in eine andere Zeit versetzt hat. London im ...


"Schätze findet man nicht, man wird von ihnen gefunden. Man braucht dafür nur ein offenes Herz."

Eine magische Erzählung, die mich an einen anderen Ort und in eine andere Zeit versetzt hat. London im Jahr 1918:

Die zwölfjährige Bo Delafort findet im Schlamm der Themse eine glänzende Münze. Zusammen mit Billy River vom gegenüberliegenden Flussufer beginnt sie herauszufinden, was es mit dieser Münze auf sich hat, und erfährt von der Existenz einer zweiten. Auf der Suche nach der zweiten Münze müssen Bo und Billy sich gemeinsam durch alte Geheimnisse und Hindernisse kämpfen.

Am Ende steht die Frage, ob die beiden das Wertvollste wiederfinden können, was sie je verloren haben.

Schon die Haptik und Optik des Buches können überzeugen: Das Hardcover ist hochwertig gebunden, der Farbschnitt ein echter Blickfang, insgesamt wirkt das Buch liebevoll gestaltet.

Die Geschichte selbst ist magisch und geheimnisvoll: Das historische London bietet einen starken Schauplatz, und ist weit mehr als bloße Kulisse.
Neben Magie und Rätseln geht es auch um Verlust, Trauer und darum, wie Kinder damit umgehen.

Bo und Billy funktionieren hervorragend als Team, ihre Freundschaft wirkt tief ehrlich und gewachsen. Muncaster ist klar als Gegenspieler und klassischer Bösewicht angelegt, ohne aber jemals zur überzogenen Karikatur zu werden. Insgesamt sind die Figuren alle warm gezeichnet, glaubwürdig und wirken nicht überladen. Der Schreibstil ist ruhig, bildhaft und bleibt gleichzeitig zugänglich. Die zahlreichen kurzen Kapitel tragen zügig durch die Geschichte, ohne zu hetzen.
Besonders schön ist, wie es der Autorin Jessie Burton immer wieder gelingt, unaufdringlich emotionale Themen einzubauen.

Die Ereignisse gipfeln zum Ende auf recht wundersame Weise in einer überraschenden aber glaubwürdigen Auflösung: "Was man liebt, kann man nicht verlieren.

Ein Buch über ehrliche Freundschaft, Familienbande und Verluste, aber auch über die unbändige Kraft menschlicher Nächstenliebe.
Magisch, zeitlos, mit einem großartigen Setting und viel Atmosphäre.

Leseempfehlung für alle Abenteuerer ab etwa zehn Jahren, die bereit sind in das London von 1918 zu reisen um ein großes Rätsel zu lösen.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Gelungener Thriller

Das Signal
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„Vielleicht ist es unklug, die nächste Frage zu stellen – ich tue es trotzdem.“

Nachdem mich "Die Burg" nicht vollends überzeugen konnte, begegnete ich der Ankündigung von Droemer Knaur, Ursula Poznanskis ...


„Vielleicht ist es unklug, die nächste Frage zu stellen – ich tue es trotzdem.“

Nachdem mich "Die Burg" nicht vollends überzeugen konnte, begegnete ich der Ankündigung von Droemer Knaur, Ursula Poznanskis neuen Roman "Das Signal" aktiv als „Psychothriller in der Nachfolge der Burg“ zu bewerben, zunächst mit einiger Zurückhaltung. Diese Skepsis erweist sich jedoch rasch als unbegründet.

Ein tragischer Unfall stellt das Leben von Viola Decker vollständig auf den Kopf. Körperlich stark eingeschränkt, ist sie zunehmend auf die Unterstützung anderer angewiesen. Als sie bemerkt, dass in ihrem Umfeld Gegenstände verschwinden und Abläufe gezielt manipuliert werden, beginnt sie, ihre Umgebung heimlich zu überwachen. Was als Versuch entsteht, Kontrolle und Sicherheit zurückzugewinnen, entwickelt sich immer mehr zu einem gefährlichen Spiel aus Misstrauen und Macht.

Die Handlung ist wohl durchdacht und sorgfältig konstruiert, technische Details sind fundiert recherchiert. Zahlreiche Storywendungen sorgen dafür, dass man als Leser immer wieder auf falsche Fährten geführt wird.
Poznanski schreibt sehr packend und bildhaft, sie verbindet dabei geschickt Spannung und Emotionen. Die Figuren wirken durchweg glaubwürdig, allen voran die komplex gezeichnete Viola. Auch mehrere eher undurchsichtige Nebenfiguren können überzeugen.
Ich mag Benno!

Zur Mitte des Romans erscheinen mir Violas Schlussfolgerungen allerdings stellenweise ungewöhnlich zögerlich und zunehmend träge. Als Leser denkt man da tatsächlich schon viel schneller viel weiter. Unverständlicherweise zieht sich hier die Geschichte etwas.
Zudem auch wenig nachvollziehbar: die Handlung basiert wesentlich auf einem Gedächtnisverlust, der selbst von Viola aber kaum hinterfragt wird und auch erstaunlich wenig Gewicht erhält.

Trotz dieser Schwächen bleibt "Das Signal" eine klare Leseempfehlung: insgesamt ein gelungener Thriller.

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