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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.02.2026

Überzeugender Serienauftakt

Ungelöst – Die erste Zeugin
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„Wenn die Welt zu laut wird, musst du dorthin, wo sie dich nicht findet.“

„Ungelöst. Die erste Zeugin“ von Arno Strobel ist der Auftakt einer neuen Cold-Case-Serie. Im Mittelpunkt steht die Medizinstudentin ...


„Wenn die Welt zu laut wird, musst du dorthin, wo sie dich nicht findet.“

„Ungelöst. Die erste Zeugin“ von Arno Strobel ist der Auftakt einer neuen Cold-Case-Serie. Im Mittelpunkt steht die Medizinstudentin Luisa Menkhoff: Auf einem Vermisstenflugblatt erkennt sie eine Frau, die sehr eng mit ihrer eigenen Vergangenheit verknüpft ist. Nicole Klement war einst die Partnerin des Mannes, der Luisa als fünfjähriges Mädchen entführt hatte. Aufgrund ihrer besonderen Fähigkeit – sie verfügt über ein fotografisches Gedächtnis – kann Luisa sich noch sehr konkret an jedes einzelne Detail erinnern. Sie wendet sich an die Münchner Polizei und trifft dort auf Hauptkommissar Ramin Brunner. Beeindruckt von Luisas Erinnerungen, holt er sie als Beraterin für den aktuellen Vermisstenfall hinzu.

Strobel startet seinen neuen Thriller eher behutsam und bemüht sich, sein Ermittlerduo zunächst möglichst ausführlich und detailreich einzuführen. Ramin Brunner agiert dabei stets sehr empathisch, und Luisa Menkhoff wirkt vor allem aufgrund ihrer eiditischen Fähigkeit interessant. Eine Identifikation mit den beiden Hauptprotagonisten fällt leicht. Durch die langsame Entwicklung der Charaktere braucht die Handlung zwar etwas Anlaufzeit, doch sobald sie Fahrt aufnimmt, entfaltet sich ein Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Mich hat das Buch von da an bis zur letzten Seite gepackt; die Spannung bleibt permanent auf extrem hohem Niveau.

Mit Bernd Menkhoff, dem Vater von Luisa, begegnet man einer Figur, die Kenner der „Mörderfinder“-Reihe wiedererkennen dürften – doch das ist kein Muss: Der Thriller funktioniert vollständig eigenständig und ist auch ohne Vorkenntnisse problemlos verständlich.

Die Ermittlungen verlaufen alles andere als geradlinig. Zahlreiche Spuren, widersprüchliche Aussagen und offene Fragen stehen im Raum, die sich zunächst nicht zu einem schlüssigen Gesamtbild fügen wollen. Immer wieder glaubt man, der Lösung näherzukommen – nur um kurz darauf erneut eine überraschende Wendung zu erleben. Bis kurz vor Schluss hatte ich keine klare Vorstellung davon, worauf alles hinausläuft. Die letztliche Auflösung empfand ich als schlüssig und gut vorbereitet.

Typisch für Arno Strobel ist der klare, präzise und schnörkellose Schreibstil. Die vielen überschaubar kurzen Kapitel, schnellen Perspektivwechsel und gezielt eingesetzten Cliffhanger sorgen für ein hohes Tempo und machen es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Der Spannungsbogen reißt kaum ab, selbst in ruhigeren Passagen bleibt stets ein unterschwelliger Druck bestehen.

Als Auftaktband erfüllt „Ungelöst. Die erste Zeugin“ genau das, was man sich von einer neuen Reihe wünscht: Der Fall wird konsequent zu Ende erzählt und stimmig abgeschlossen, gleichzeitig weckt das Finale große Neugier auf die weitere Entwicklung der Figuren und des neuen Ermittlerteams.

Fazit: Temporeich, überraschend und hochspannend – für mich klar 5 von 5 Sternen wert.

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Veröffentlicht am 31.01.2026

Großartiges Abenteuer für junge Leser

Die Jagd nach den magischen Münzen
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"Schätze findet man nicht, man wird von ihnen gefunden. Man braucht dafür nur ein offenes Herz."

Eine magische Erzählung, die mich an einen anderen Ort und in eine andere Zeit versetzt hat. London im ...


"Schätze findet man nicht, man wird von ihnen gefunden. Man braucht dafür nur ein offenes Herz."

Eine magische Erzählung, die mich an einen anderen Ort und in eine andere Zeit versetzt hat. London im Jahr 1918:

Die zwölfjährige Bo Delafort findet im Schlamm der Themse eine glänzende Münze. Zusammen mit Billy River vom gegenüberliegenden Flussufer beginnt sie herauszufinden, was es mit dieser Münze auf sich hat, und erfährt von der Existenz einer zweiten. Auf der Suche nach der zweiten Münze müssen Bo und Billy sich gemeinsam durch alte Geheimnisse und Hindernisse kämpfen.

Am Ende steht die Frage, ob die beiden das Wertvollste wiederfinden können, was sie je verloren haben.

Schon die Haptik und Optik des Buches können überzeugen: Das Hardcover ist hochwertig gebunden, der Farbschnitt ein echter Blickfang, insgesamt wirkt das Buch liebevoll gestaltet.

Die Geschichte selbst ist magisch und geheimnisvoll: Das historische London bietet einen starken Schauplatz, und ist weit mehr als bloße Kulisse.
Neben Magie und Rätseln geht es auch um Verlust, Trauer und darum, wie Kinder damit umgehen.

Bo und Billy funktionieren hervorragend als Team, ihre Freundschaft wirkt tief ehrlich und gewachsen. Muncaster ist klar als Gegenspieler und klassischer Bösewicht angelegt, ohne aber jemals zur überzogenen Karikatur zu werden. Insgesamt sind die Figuren alle warm gezeichnet, glaubwürdig und wirken nicht überladen. Der Schreibstil ist ruhig, bildhaft und bleibt gleichzeitig zugänglich. Die zahlreichen kurzen Kapitel tragen zügig durch die Geschichte, ohne zu hetzen.
Besonders schön ist, wie es der Autorin Jessie Burton immer wieder gelingt, unaufdringlich emotionale Themen einzubauen.

Die Ereignisse gipfeln zum Ende auf recht wundersame Weise in einer überraschenden aber glaubwürdigen Auflösung: "Was man liebt, kann man nicht verlieren.

Ein Buch über ehrliche Freundschaft, Familienbande und Verluste, aber auch über die unbändige Kraft menschlicher Nächstenliebe.
Magisch, zeitlos, mit einem großartigen Setting und viel Atmosphäre.

Leseempfehlung für alle Abenteuerer ab etwa zehn Jahren, die bereit sind in das London von 1918 zu reisen um ein großes Rätsel zu lösen.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Gelungener Thriller

Das Signal
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„Vielleicht ist es unklug, die nächste Frage zu stellen – ich tue es trotzdem.“

Nachdem mich "Die Burg" nicht vollends überzeugen konnte, begegnete ich der Ankündigung von Droemer Knaur, Ursula Poznanskis ...


„Vielleicht ist es unklug, die nächste Frage zu stellen – ich tue es trotzdem.“

Nachdem mich "Die Burg" nicht vollends überzeugen konnte, begegnete ich der Ankündigung von Droemer Knaur, Ursula Poznanskis neuen Roman "Das Signal" aktiv als „Psychothriller in der Nachfolge der Burg“ zu bewerben, zunächst mit einiger Zurückhaltung. Diese Skepsis erweist sich jedoch rasch als unbegründet.

Ein tragischer Unfall stellt das Leben von Viola Decker vollständig auf den Kopf. Körperlich stark eingeschränkt, ist sie zunehmend auf die Unterstützung anderer angewiesen. Als sie bemerkt, dass in ihrem Umfeld Gegenstände verschwinden und Abläufe gezielt manipuliert werden, beginnt sie, ihre Umgebung heimlich zu überwachen. Was als Versuch entsteht, Kontrolle und Sicherheit zurückzugewinnen, entwickelt sich immer mehr zu einem gefährlichen Spiel aus Misstrauen und Macht.

Die Handlung ist wohl durchdacht und sorgfältig konstruiert, technische Details sind fundiert recherchiert. Zahlreiche Storywendungen sorgen dafür, dass man als Leser immer wieder auf falsche Fährten geführt wird.
Poznanski schreibt sehr packend und bildhaft, sie verbindet dabei geschickt Spannung und Emotionen. Die Figuren wirken durchweg glaubwürdig, allen voran die komplex gezeichnete Viola. Auch mehrere eher undurchsichtige Nebenfiguren können überzeugen.
Ich mag Benno!

Zur Mitte des Romans erscheinen mir Violas Schlussfolgerungen allerdings stellenweise ungewöhnlich zögerlich und zunehmend träge. Als Leser denkt man da tatsächlich schon viel schneller viel weiter. Unverständlicherweise zieht sich hier die Geschichte etwas.
Zudem auch wenig nachvollziehbar: die Handlung basiert wesentlich auf einem Gedächtnisverlust, der selbst von Viola aber kaum hinterfragt wird und auch erstaunlich wenig Gewicht erhält.

Trotz dieser Schwächen bleibt "Das Signal" eine klare Leseempfehlung: insgesamt ein gelungener Thriller.

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Veröffentlicht am 26.12.2025

Wenig Horror, mäßig spannend

Verbrenn das Negativ
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"Es hat wieder angefangen, denkt sie. Diesmal ist Laura entschlossen, den Fluch ein für alle Mal zu brechen."

Die Idee hinter "Verbrenn das Negativ" klingt recht stark: ein Kindheits-Trauma vom Dreh ...

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"Es hat wieder angefangen, denkt sie. Diesmal ist Laura entschlossen, den Fluch ein für alle Mal zu brechen."

Die Idee hinter "Verbrenn das Negativ" klingt recht stark: ein Kindheits-Trauma vom Dreh eines Horrorfilms, der vor 30 Jahren von tödlichen Zwischenfällen überschattet wurde.
Das anstehende Remake dieses Films, bei dem sich wieder beunruhigende Vorfälle häufen, die verdächtig an die früheren Ereignisse erinnern. Am Ende bleibt die Frage, ob man der eigenen Vergangenheit je wirklich entkommen kann.

Leider hält die Umsetzung nicht, was die Idee verspricht:

Der Spannungsaufbau gestaltet sich zu oft zu zäh, viele Wendungen sind vorhersehbar. Dazu leidet der Mittelteil des Romans dann auch noch unter deutlichen Längen. Zwar bleibt das zentrale Rätsel der Geschichte lange interessant, doch echtes Mitfiebern wollte sich bei mir nicht einstellen.

Laura als Protagonistin konnte mich überzeugen: sie wirkt verletzlich, misstrauisch und innerlich zerrissen. Alle anderen Nebenfiguren bleiben dagegen blass, und der Gegenspieler (der mysteriöse „Needle Man“) wirkt eher harmlos als bedrohlich und so gar nicht furchterregend.

Spannung und Grusel bleiben über weite Strecken viel zu zahm, einige der Geschehnisse haben mich tatsächlich eher irritiert als überzeugt - deutlich zu wenig für einen Horrorroman.

Positiv hervorzuheben sind die zwischen den einzelnen Kapiteln eingestreuten Zeitungsartikel, Social-Media-Posts und Drehbuchauszüge, die der Geschichte eine gewisse pseudo-dokumentarische Struktur verleihen.

Der Schreibstil ist flüssig, die kurzen Kapitel lassen sich zügig lesen. Die Auflösung und das Ende haben mich wieder gar nicht überzeugt, die letzten etwa fünfzig Seiten empfand ich als extrem mühsam.

Fazit: Starke Idee, schwache Wirkung. Viele Längen, blasse Charaktere und ein seltsam harmlos wirkender "Needle Man". Insgesamt hat mich der Thriller nicht abgeholt, vielleicht ist das Genre Horror-Literatur auch einfach nicht meins.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Berührend warmherzig

Der Tag, an dem Barbara starb
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"Etwas rattert in meinem Gehirn wie eine verspätete Eisenbahn."

Als Margarets Nachbarin Barbara tot in ihrem Haus aufgefunden wird, ahnt die 89-Jährige, dass weit mehr hinter dem Vorfall steckt, denn ...


"Etwas rattert in meinem Gehirn wie eine verspätete Eisenbahn."

Als Margarets Nachbarin Barbara tot in ihrem Haus aufgefunden wird, ahnt die 89-Jährige, dass weit mehr hinter dem Vorfall steckt, denn kurz zuvor hatte Barbara ihr etwas Wichtiges anvertraut. Nur: Margaret kann sich nicht daran erinnern, was. Fest entschlossen, den Mord aufzuklären, verbündet sie sich mit ihrem 15-jährigen Enkel James. Während die Polizei kaum vorankommt, bilden die beiden ein ungewöhnliches Ermittlerduo. Gemeinsam versuchen sie, das Rätsel zu lösen und Barbaras Tod aufzuklären. Dabei rücken immer mehr Margarets Vergangenheit und ihre Erinnerungslücken in den Fokus:
Was passiert, wenn die eigene Lebens-Geschichte langsam, aber zunehmend im Nebel verloren geht?

„Der Tag, an dem Barbara starb“ ist ein warmherziger, typisch britischer Wohlfühlkrimi, der weniger auf Action als auf Atmosphäre setzt. Zwischen Vergesslichkeit, Familienbanden und uralten Geheimnissen entfaltet sich eine feinfühlige Geschichte über die eigene Wahrheit und das Altern. Die warmherzige Erzählweise und die sanft ironische Sprache machen das Lesen zum Vergnügen. Man muss Margaret einfach mögen: sie ist keine klassische Ermittlerin, verfügt aber über einen messerscharfen Verstand und eine außergewöhnliche Beobachtungsgabe.

Ein Wermutstropfen: Das Ende der Kriminalgeschichte wirkt, für meinen persönlichen Geschmack, etwas zu dick aufgetragen und konstruiert. Dafür ziehe ich einen Punkt ab.

Fazit: „Der Tag, an dem Barbara starb“ ist ein unterhaltsamer und kluger Krimi, der mehr mit Charakter statt mit Action überzeugt. Ein liebevoll erzählter, very britischer Wohlfühlkrimi mit Herz und Humor.

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