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Veröffentlicht am 28.08.2022

Dunkelheit im Herzen

Das siebte Mädchen
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Chloe Davis ist eine renommierte Psychologin, die versucht, Jugendlichen mit ihren Problemen zu helfen. Sie weiß ziemlich gut, wie sich diese Mädchen, die da vor ihr sitzen, fühlen. Vor zwanzig Jahren ...

Chloe Davis ist eine renommierte Psychologin, die versucht, Jugendlichen mit ihren Problemen zu helfen. Sie weiß ziemlich gut, wie sich diese Mädchen, die da vor ihr sitzen, fühlen. Vor zwanzig Jahren wurde ihr eigener Vater verhaftet: Er war der Serienmörder von sechs Mädchen, deren Leichen nie gefunden wurden. Als jetzt, zum "20. Jahrestag" wieder Mädchen aus Chloes Umfeld verschwinden, wird sie in ihren Erinnerungen zurückkatapultiert. Ihr fallen Kleinigkeiten ein, die sie vergessen glaubte, und sie muss sich die Frage stellen: Gibt es einen Nachahmungstäter oder wurde der Mörder von vor zwanzig Jahren vielleicht gar nicht gefasst? Und welche Rolle spielt ihr Verlobter dabei, der ständig auf Dienstreisen ist?

Dieses Buch krankt an dem Problem der meisten Thriller: Man muss sich durch 400 Seiten Langeweile kämpfen, bis auf den letzten Seiten endlich was und leider auch noch das passiert, was einem eigentlich schon seit den ersten Seiten klar war. Wer hier warum was gemacht hat, kristallisiert sich so schnell heraus, dass man Chloes Unvermögen, dasselbe zu erkennen, nur auf ihren Medikamentenmissbrauch und Alkoholkonsum schieben kann. Allein diese Eigenschaften machen sie auch nicht sympathischer, sodass man nicht mal dann, wenn es spannend werden könnte, mit ihr mitfühlt. Und leider wurde es auch nicht spannend, es gab keinen Höhepunkt, weil sich die Autorin entschloss, den langweilig verpuffen zu lassen. Ich glaube, die fesselndste Szene war die, als die Heldin und ihr Verlobter Kanu fuhren und einen Alligator sahen. Und das sagt eigentlich schon alles über das Buch aus. 2,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 27.08.2022

Nähen im Norden

Mörderische Masche
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Henri Ketelsen ist eigentlich Feinmechaniker für Uhren. Doch plötzlich stirbt seine Frau Meike durch einen wilden Stier auf der Weide und er erbt ihren Woll-Laden in der kleinen Ortschaft Bökersbrück. ...

Henri Ketelsen ist eigentlich Feinmechaniker für Uhren. Doch plötzlich stirbt seine Frau Meike durch einen wilden Stier auf der Weide und er erbt ihren Woll-Laden in der kleinen Ortschaft Bökersbrück. Jetzt trauert er also nicht nur um seine Frau, sondern muss sich auch noch mit Häkeln und Stricken, Nähen, Stoffen und Wolle auseinandersetzen. Zum Glück gibt es Edda, die langjährige Angestellte, die ihm mit Rat und Tat zur Seite steht, und er lernt auch die Frauen vom Häkelclub "Die Nadel" kennen, die mega stricken/häkeln können, doch auch andere Fähigkeiten besitzen.

An dieser Stelle würde ich gern etwas in der Art schreiben, dass es sich hier um einen Wohlfühlkrimi handelte, einen sogenannten Cosy Crime. Allerdings wäre das gelogen und es reicht schon, wenn der Verlag keine Ahnung hat, wo er dieses Buch einordnen soll. Von Cosy war ja vielleicht noch was zu spüren, wenn man auf Kleinstadtblabla steht, aber wo sich hier der Krimi versteckt hat, weiß ich am Ende des (Hör)Buchs noch immer nicht. Meike ist tot, ja. Aber da wird scheinbar nicht mal von der Polizei aus ermittelt, was völliger Quatsch ist, denn solche Unfälle werden immer untersucht, noch gibt es irgendwas, das Henri oder der Häkelclub tatsächlich zum Tod der Frau beizusteuern. Am Ende ist man so schlau wie vorher. Das Problem ist, dass entweder die Autorin keine Ahnung hatte, welche Art von Buch sie schreiben möchte oder der Verlag unfähig ist, dieses Buch da einzuordnen, wo es hingehört: zu den Heimatromanen. Hier erfährt der geneigte Leser alles über Wolle, Stricken und Gartenarbeit, kann sich mit den privaten Problemen des Uhrmachers, Wirts und Rinderbaron auseinandersetzen, nur eines wird der geneigte oder nicht geneigte Leser finden: einen Krimi. Und schon gar keine Lösung eines solchen. Dass ich hier trotz Genretäuschung noch zwei Punkte vergebe, ist der genialen Leistung des Sprechers zu verdanken, der wirklich noch das Beste an der Geschichte war.

Veröffentlicht am 27.08.2022

Hexenzeug

Spellbound - Folge 01: Tod eines aufrechten Vampirs
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Emma Hart ist 25 und eine erfolgreiche (!) Anwältin, die auf dem Weg zu einer Klientin ist und sich dabei verfährt. Als sie an einem idyllischen See vorbeikommt, glaubt sie, einen Selbstmörder zu sehen ...

Emma Hart ist 25 und eine erfolgreiche (!) Anwältin, die auf dem Weg zu einer Klientin ist und sich dabei verfährt. Als sie an einem idyllischen See vorbeikommt, glaubt sie, einen Selbstmörder zu sehen und will ihn vom Suizid abhalten. Dabei geht nicht nur ihr Auto baden (im wahrsten Sinne des Wortes), sondern sie ist plötzlich innerhalb einer magischen Gemeinde gefangen, in der es von (gefallenen) Engeln, Vampiren, Hexen und anderen Wesen nur so wimmelt. Sie selbst ist plötzlich eine Hexe und kann Spellbound - so der Name des Ortes - nicht mehr verlassen. Wie praktisch, dass der einzige andere Anwalt soeben ermordet wurde und sie sowohl seine Praxis, sein Haus als auch seinen Kater übernehmen kann/muss.

Eigentlich klingt das gar nicht so verkehrt und man hätte richtig großes Kino draus machen können. Schade nur, dass hier scheinbar jemand in die Fußstapfen von Helen Harper treten wollte, für den diese Schuhgröße mehrere Nummern zu groß waren. Emma erweist sich meistens als eher zickig als witzig, ist mit ihren gerade mal 25 Jahren natürlich schon eine Top-Anwältin, aber scheinbar zu dumm, ihr Handy aufzuladen oder wenigstens eine Handbremse zu betätigen oder wenigstens einen Gang einzulegen, wenn sie schon unbedingt aus dem Auto steigen muss. Sie betrachtet die meisten ihrer neuen Nachbarn ziemlich von oben herab, außer natürlich sämtlichen megaheißen Typen, die natürlich auch sofort megaheiß auf sie sind. Sie tappt ständig im Dunkeln und die Lösung des Falles wird ihr auf einem an den Haaren herbeigezogenen Silbertablett serviert und ist abgesehen davon dermaßen unlogisch, dass man vor Augenrollen zu schielen anfängt. Dazu behauptet sie ständig, dass sie an Angstzuständen leidet, hat aber niemals Angst, vor einfach gar nichts. Nicht mal dann, wenn vernunftbegabte Wesen Angst hätten ohne Zustände. Dass so eine "Schwäche" der ansonsten natürlich makellosen und perfekten Neuhexe angedichtet wurde, ist schon mal ein Schlag ins Gesicht aller Menschen/Hexen/Wesen, die tatsächlich unter Angstzuständen leiden. Alles in allem: ein Schlag ins Wasser, nicht nur fürs Auto. Dafür hat die Sprecherin ihren Job wirklich gut gemacht, keine Kritik an ihr.

Veröffentlicht am 25.08.2022

Europareise für gehobene Damen

Die wilde Jagd nach der Monströsen Dame
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Nach den Ereignissen in Whitechapel, in denen Mary Jekyll nicht nur (unter anderem Sherlock Holmes) half, die Morde aufzuklären, kehrt für sie und die anderen jungen Frauen Alltag ein. Doch der hält sich ...

Nach den Ereignissen in Whitechapel, in denen Mary Jekyll nicht nur (unter anderem Sherlock Holmes) half, die Morde aufzuklären, kehrt für sie und die anderen jungen Frauen Alltag ein. Doch der hält sich nicht lange. Sie erhalten einen Hilferuf aus Budapest, von Marys ehemaligen Kindermädchen Mina. Deren Freundin Lucinda van Helsing ist verschwunden, und sie ist die Tochter eines Alchimisten. Ganz klar, dass Mary, Cat, Bea, Diana und Justine nicht lange zögern und sich auf die gefährliche Reise quer durch Europa begeben, um einer der ihren zu helfen. Dass sie dabei auf unzählige Gefahren wie Vampire, Entführer und angehende Welteroberer stoßen, versteht sich fast von selbst ...

Man sollte auf jeden Fall den ersten Teil dieser Reihe gelesen haben, um sich richtig in diese Geschichte fallen lassen zu können. An jeder Ecke stößt man auf Klassiker der Literatur des 19. Jahrhunderts: Es macht Spaß, diese Eastereggs zu erkennen, wenn man sich ein wenig mit dieser Literatur befasst hat, das ist aber keine Notwendigkeit. Die jungen Frauen vom Athena-Club mögen monströse Herkünfte haben, sind aber von humanistischem Gemüt und tun immer ihr Bestes, um Ungerechtigkeit zu bekämpfen. Sie sind wunderbar beschrieben, genauso wie ihre Verbündeten und Gegner. Teilweise wurde es in diesem Buch ein bisschen übertrieben mit den Beschreibungen - es hätte nicht geschadet, die Geschichte an manchen Stellen einfach zu straffen. Dennoch ist diese Reihe eine wahre Wohltat im Einerleibrei der Fantasie und ich kann es nicht erwarten herauszufinden, wie alles in Band 3 endet. 4,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 21.08.2022

Gut & Böse

The School for Good and Evil, Band 1 - Es kann nur eine geben. Filmausgabe zur Netflix-Verfilmung
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In dem kleinen Dorf Gavaldon werden alle vier Jahre zwei Kinder gestohlen, ein "gutes" und ein "böses". Was auch immer die Dorfbewohner unternehmen, wie sehr sie ihre Kinder auch verstecken oder bewachen, ...

In dem kleinen Dorf Gavaldon werden alle vier Jahre zwei Kinder gestohlen, ein "gutes" und ein "böses". Was auch immer die Dorfbewohner unternehmen, wie sehr sie ihre Kinder auch verstecken oder bewachen, es passiert, und niemand sieht, wie genau. Die wunderschöne Sophie jedoch möchte entführt werden, denn sie ist überzeugt davon, dass sie ihrem Traumprinzen begegnen wird, genauso wie sie sicher ist, dass ihre abgrundtief hässliche Freundin Agatha entführt wird, um eine böse Hexe zu werden.

Sie hat auch Recht, beide Mädchen werden gekidnappt, doch dann ist auch schon Schluss mit Sophies Tagträumereien. Denn statt dass sie die schöne, gute Prinzessin mit einem Happy End wird, ist es Agatha, die in der Schule der Guten abgeliefert wird, während hingegen sie in die Schule der Bösen kommt. Es scheint, jemand schaut nicht nur auf das Äußere eines Menschen, sondern auch auf den Charakter.

Eigentlich ist das eine tolle Voraussetzung für eine mitreißende Märchenumsetzung, doch genau daran hapert's gewaltig. Am mitreißend. Tatsächlich scheint sich der Autor an richtigen Märchen zu orientieren, die ja auch eher nach dem Schema ablaufen: erst passierte das, dann das und dann das, einfach so runtererzählt, ohne dass irgendwie Spannung aufgebaut wurde. Nach dem ersten, netten, wenn auch vorhersehbaren Twist mit Sophie passierte nichts mehr, das überraschen konnte und weder Schreibstil noch die Personen konnten großartig überzeugen. Der Schluss hat mich ratlos zurückgelassen, bis ich gesehen habe, dass es einen zweiten Teil geben wird. Also dann, aber eher ohne mich. Ciao, Sophie und Agatha.