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Veröffentlicht am 26.05.2022

Charlie & Nick

Heartstopper Volume 1 (deutsche Hardcover-Ausgabe)
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Charlie ist ein vierzehnjähriger Zehntklässler an einer Jungenschule. Ein Jahr zuvor hat er sich als schwul geoutet, es ist also eine allgemein bekannte Tatsache. Im neuen Schuljahr bekommt er einen neuen ...

Charlie ist ein vierzehnjähriger Zehntklässler an einer Jungenschule. Ein Jahr zuvor hat er sich als schwul geoutet, es ist also eine allgemein bekannte Tatsache. Im neuen Schuljahr bekommt er einen neuen Banknachbarn - den 16jährigen Nick, Rugbystar, sportlich, stark, groß und ganz sicher straight. Oder? Je mehr sie miteinander zu tun haben, desto mehr mögen sie sich, treffen sich in ihrer Freizeit und Charlie wird sogar in die Rugbymannschaft aufgenommen. Es kommt, wie es kommen muss: Charlie verliebt sich in Nick. Aber diese Liebe hat doch so gar keine Chance. Oder? Oder? Oder?

Es ist zweifellos eine megasüße Geschichte um zwei Jungs, bei denen sich der Jüngere seiner sexuellen Orientierung bereits sicher ist, während der Ältere keine Ahnung hat, was genau er fühlen soll, und verwirrt ist. Das wird durch die Zeichnungen auch sehr gut herausgestellt, die zwar einfach, aber durchaus charmant sind. Die Geschichte hat wenig Tiefe. Die meisten Leute sind mega akzeptierend und selbst das Geschwätz ist eher freundlich. Mobbing wird zwar erwähnt, spielt aber weder für die Psyche noch die Geschichte eine ernsthafte Rolle. Ich habe mich auch gefragt, wann die in die Schule kommen, wenn ein 14jähriger schon in der zehnten Klasse ist, und wie es sein kann, dass er plötzlich neben einem Elfklässler sitzt. Es endet quasi mit einem Cliffhanger; macht sich als mutmachende Geschichte für Jugendliche und interessierte Kinder auf alle Fälle gut.

Veröffentlicht am 25.05.2022

Herzschlag

Midnight Stories (Anthologie)
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Mit diesem Buch haben wir eine Anthologie vorliegen, bei der uns Gänsehaut und beschleunigter Herzschlag versprochen wurde. Ausnahmsweise muss ich auch mal das Cover und die Innengestaltung loben, die ...

Mit diesem Buch haben wir eine Anthologie vorliegen, bei der uns Gänsehaut und beschleunigter Herzschlag versprochen wurde. Ausnahmsweise muss ich auch mal das Cover und die Innengestaltung loben, die sieht noch besser aus, als man das bei den Thumbnails erkennen kann.

Aber gut, wurden die Versprechen eingehalten? Wie üblich kann ich sagen: Jein. Es gab tatsächlich ein paar richtig, richtig gute Geschichten, bei denen sich gerade nachts im Bett die feinen Härchen aufstellten, aber es gab auch ein paar, die konnten mich nicht begeistern, leider häuften die sich am Anfang.

Am besten, wir gehen mit ein paar Worten jede Geschichte kurz durch.

1. Das Atelier: Tatsächlich für mich so ziemlich die schlechteste Geschichte, die mich wegen des anstrengenden Schreibstils mit abgehakten Sätzen und unendlichen Wiederholungen so gar nicht packen konnte. Eine unglückliche Wahl für den Einstieg. 2/5

2. Das Dunkle deiner Träume: War mir ein bisschen zu psychedelisch und unspannend; auch hier die Wahl unglücklich, weil diese Geschichte mit der malenden Hauptperson direkt nach der ersten malenden Hauptperson kam. 3/5

3. Der Panther: Einfach nur lahm. Lahme Protagonistin, lahme Geschichte, null Grusel. Immerhin mag die Autorin "Der Panther" von Rilke, für Bonuspunkte reicht das leider nicht. 2/5

4. Die eine Nacht: Da kam endlich Grusel auf! Bei der Vorstellung, allein in der Wohnung zu sein und dann solche Geräusche zu hören, lief es mir wirklich kalt den Rücken herunter. Schade, dass es unbefriedigend endet. 4/5

5. Die falsche Schwester: Auch hier mit Gänsehautfaktor. Nicht wirklich gruselig, aber unheimlich genug, wenn man sich in die Situation versetzt. 4/5

6. Die Ratte: Eine Sci-Fi-Geschichte, die nicht wirklich gruselig war, aber durchaus gänsehauterzeugend, besonders wegen des wissenschaftlichen Faktors. Könnte ich mir gut als Buch vorstellen. 4,5/5 Highlight.

7. Die Seele des Voodoo: Konnte mich nicht wirklich packen, da es zwar schön zu lesen, aber nicht einmal den Hauch von etwas Originellem hatte. 3/5

8. Ferne Ufer: Gar nicht mal wirklich unheimlich, aber in ihrer Düsternis und Hoffnungslosigkeit grausam genug. Schön zu lesen. 4/5

9. Filmriss: Spielt ein bisschen Mindfuck, dafür gibt's einen Bonus, aber auch ein bisschen unlogisch aufgebaut. 3,5/5

10. Irrlichter: Trauriges Thema, auch gut umgesetzt, aber nicht wirklich eine Gänsehautgeschichte. 3,5/5

11. Leandra: Wunderbare Umsetzung der Geschichte innerhalb einer Geschichte mit einem hüsch-hässlichen Mindfuck-Ende. 4,5/5 Highlight.

12. Nacht der Jäger: Richtig gut geschrieben mit all dem authentischen Jagdvokabular und dem Aufbau, allerdings nicht wirklich gruselig. 4/5

13. Proband X: Huuuu. Wieder etwas Wissenschaftliches, dazu so abgefuckt klar und distanziert geschrieben, dass mir da wirklich die Gänse auf dem Rücken herumgetanzt sind. 4,5/5 Highlight.

14. Rache aus dem See: Schön gemacht mit dem Hinweis, wer geholt werden würde und dem leichten Twist dabei. Gefiel mir gut. 4/5

15. Schwarze Erde: Hier hat man ein wunderbares Shortstory-Stephen-King-Feeling bekommen, damals, als der Meister noch was taugte. Eindeutig eine der besten Geschichten. 4,5/5 Highlight.

16. Sturmnacht: Gruselig, wenn auch vorhersehbar, aber durchaus gut geschrieben. 4/5

17. Ursprung der Seele: Auch etwas zu vorhersehbar und nicht ganz so unheimlich, wie man sich das bei dem Setting wünschen würde. 3,5/5

Sehr gut gefallen hat mir auch, dass man erst am Schluss zur Auflösung der AutorInnen kam und von daher völlig vorurteilsfrei an die Geschichten ging. Alles in allem also eine durchaus empfehlenswerte Lektüre für dunkle Nächte in einsamen Häusern ...

Veröffentlicht am 24.05.2022

Der Einhorndieb

Skandar und der Zorn der Einhörner
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Skandar ist dreizehn und lebt mit seinem Vater und seiner Schwester in einer Welt, die der unseren gleicht, in der es jedoch Einhörner gibt. Und zwar nicht diese schnuckeligen, regenbogenliebhabenden Geschöpfe, ...

Skandar ist dreizehn und lebt mit seinem Vater und seiner Schwester in einer Welt, die der unseren gleicht, in der es jedoch Einhörner gibt. Und zwar nicht diese schnuckeligen, regenbogenliebhabenden Geschöpfe, sondern wilde, gefährliche und blutrünstige Kreaturen. Alle Kinder/Jugendlichen träumen davon, zu den Auserwählten zu gehören, die als Einhornreiter ausgewählt werden. Als Skandar jedoch an der Prüfung teilnehmen will, wird sie ihm verwehrt. Dennoch schafft er es zur Insel der Einhörner und erhält dort sein Einhorn. Dumm nur, dass er plötzlich Träger des verbotenen Elements ist und aufpassen muss, nicht damit erwischt zu werden. Zum Glück stehen ihm bald drei gute FreundInnen zur Seite. Und die braucht er auch, denn bald taucht der "Weber" auf - ein furchtbarer Einhorndieb und Welteroberer. Ob ihm hier das verbotene Element sogar helfen kann?

Vorneweg: Ich hatte wirklich Spaß beim Lesen und möchte wissen, wie es mit Skandar und seinen Freunden weitergeht, falls es denn eine Reihe ist. Die Geschichte ist schnell und vor allem, was Einhörner angeht, auch mal anders erzählt. Es werden Probleme von Kindern/Jugendlichen angesprochen, wie Depressionen oder Eltern, die nie für ihre Kinder da sind. Das ist alles positiv zu vermerken. Dennoch haben mich einige, gerade was die Logik betrifft, Sachen gestört. Das fing an mit dem berühmten Leuten, deren Namen jeder kennt und jeder weiß, dass sie tot sind, aber vor unserem Helden fällt niemandem auf, dass sich dieser Name noch in einem seltsamen Tunnel der "Lebenden" befindet. Auch wird von den Erwachsenen nie etwas hinterfragt - ich sage nur die Sache, wie im Gefängnis eingebrochen wird. Oder dass der Weber einfach mal so die kämpfende Elite auslöscht und alle zucken mit den Schultern und sagen quasi: Na ja, passiert eben.

Oder wie niemand irgendwie mitzubekommen scheint, wenn getrickst wird. Oder dass es sich um eine moderne Welt handelt mit Hubschraubern und Fernsehern, aber wohl niemand in der Lage zu sein scheint, eine Drohne zu bedienen, um wenigstens zu versuchen, den Aufenthaltsort des Webers im Dschungel der Einhörner ausfindig zu machen. Oder oder oder ... Kinderbuch hin oder her, da hätte ich mir schon ein paar Erklärungen gewünscht und finde, ein guter Lektor hätte nachfassen müssen. Nicht einfach alles mit Isso! abhandeln. Die Kür war also ganz spannend, aber die Pflicht, da haperte es an mehreren Ecken und Enden. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 22.05.2022

Mack Attack zum Zweiten

Blood Destiny - Bloodmagic
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Mackenzie Smith hat ihr Rudel und Cornwall hinter sich gelassen, um es nicht weiter durch die Bruderschaft aller Gestaltwandler in Gefahr zu bringen. In Schottland findet sie in einem seltsamen, kleinen ...

Mackenzie Smith hat ihr Rudel und Cornwall hinter sich gelassen, um es nicht weiter durch die Bruderschaft aller Gestaltwandler in Gefahr zu bringen. In Schottland findet sie in einem seltsamen, kleinen Buchladen einen Job. Die Besitzerin, das stellt sie schnell fest, hat schwache magische Kräfte, ist aber eine nette, alte Dame. Lange hat Mack dort jedoch keine Ruhe. Nicht nur bekommt sie Stress mit den Magiern, die nichts Besseres zu tun haben, als die nette alte Dame in eine Art Koma zu versetzen, sondern muss sich auch mit einem anstrengenden Elfen herumärgern. Und natürlich lässt Corrigan, das Oberhaupt der Bruderschaft und seines Zeichens wandelndes Sex on Legs nicht locker, um sie aufzuspüren.

In diesem zweiten Band verliert sich die Spannung aus dem ersten. Es gibt einfach viel zu viele innere Monologe von Mack, in denen sie geradezu gebetsmühlenartig ihre Gründe fürs Verlassen des Rudels herbetet, obwohl der geneigte und auch nicht so geneigte LeserIn das bestimmt schon nach den ersten zehn, zwölf Malen verstanden hat. Auch benimmt sie sich gerade denen gegenüber, die ihr helfen, ziemlich zickig und nimmt viel zu viel als selbstverständlich und gegeben hin. Dank ist auch nicht so ihre Sache. Und wenn mich einer auf ziemlich grobe Art und Weise entführen ließe und mir dann auf die Pelle rückte, würde ich an alles Mögliche denken, nur nicht, ob der Kerl megasexy ist, sondern eher daran, wohin ich ihn am besten trete, damit er am nächsten Tag maximal noch im Knabenchor den Anführer geben kann. Dass gerade der Stress, den die Bruderschaft gemacht hat, viel zu schnell aufgelöst wurde, fand ich eher antiklimaktisch und uncool. Ich glaube, ich brauche mal eine Pause von Mack. 2,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 19.05.2022

Wenn der Falsche der absolut Richtige ist

Sechzehn Wege, eine befestigte Stadt zu verteidigen
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Orhan gehört zwar zum Militär, ist jedoch kein Stratege. Also eigentlich. Denn eigentlich ist er Oberst eines Brückenbautrupps und dazu jemand mit der falschen Hautfarbe und Kultur. Und dennoch ist er ...

Orhan gehört zwar zum Militär, ist jedoch kein Stratege. Also eigentlich. Denn eigentlich ist er Oberst eines Brückenbautrupps und dazu jemand mit der falschen Hautfarbe und Kultur. Und dennoch ist er nach einigen nicht ganz so zufälligen Zufällen plötzlich der Einzige in der Stadt, der diese bei einer Belagerung verteidigen kann. Oder zumindest fähig ist. Und als wie fähig sich dieser Mann bei dieser Aufgabe zeigt, obwohl sich herausstellt, dass der Anführer der Belagerung auch noch sein bester Freund ist ...

Was für eine unglaubliche, witzige, sarkastische Geschichte, bei der einem trotzdem manchmal das Lachen im Hals stecken blieb. Denn so schräg sie erzählt wird, legt der Autor (eigentlich Tom Holt) den Finger eine eine noch immer sehr aktuell blutende Wunde: offenem und verdeckten Rassismus. Ganz nebenbei behandelt er Fragen auf hohem ethischen Niveau (sollte man überhaupt Leute retten wollen, die selbst Rassisten sind und stetig diskriminieren? Spoileralarm: Ich hätte es wahrscheinlich nicht getan!). Doch Orhan, obwohl ein Schlitzohr, erweist sich trotz seiner Lügen und Betrügereien als zutiefst menschlich und das, verbunden mit dem trockenen Witz, dem lässigen Schreibstil und dieser absurden Geschichte, macht aus diesem Buch etwas Besonderes. Großes Kino!