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Veröffentlicht am 31.03.2019

Tell The Wind And Fire

Golden Darkness. Stadt aus Licht & Schatten
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In einer nahen Zukunft, in der es statt der technischen Revolution eine magische gegeben hat, werden die Menschen strikt danach eingeteilt, was sie sind und wo sie dementsprechend leben. Es gibt die Lichtgestalten ...

In einer nahen Zukunft, in der es statt der technischen Revolution eine magische gegeben hat, werden die Menschen strikt danach eingeteilt, was sie sind und wo sie dementsprechend leben. Es gibt die Lichtgestalten in ihren Lichtstädten, die "helle" Magie wirken, es gibt die dunklen Magier, die sich auch von Tod und Blut ernähren und die eingesperrt sind in die Dunkelstadtghettos. Lucy hat es vor zwei Jahren geschafft, in die Lichtstadt zu wechseln und dort ist sie sogar mit dem Sohn eines der grausamen Politikers zusammen, die dafür verantwortlich sind, dass die Dunkelstädte unterdrückt werden. Doch eines Tages deckt sie ein Geheimnis gerade des Vaters von Ethan, ihres Freundes, auf und nur kurze Zeit später reißt es sie in einen Strudel von Ereignissen, der nicht nur ihr Leben zu zerstören droht.

Wenn man bedenkt, dass ich eigentlich nach dem sechsten Kapitel gar keine Lust mehr hatte, dieses Buch zu lesen und dann meine Bewertung betrachtet, könnte man schon ins Grübeln kommen. Ich hielt es nämlich bis dahin für eine relativ originelle Idee, aber trotzdem für die ausgelutschte Dystopieumsetzung mit dem typischen Dreiecksverhältnis. Tatsächlich konnte mich die Autorin ab dann ernsthaft überraschen, wofür sie allein schon Bonuspunkte verdient hat. Nicht nur, dass sich nichts mehr so entwickelte wie erwartet, zeigt sie etwas auf, das sich die wenigsten Autoren überhaupt trauen. Dass nämlich nicht unbedingt immer diejenigen, die unterdrückt wurden und sich dann erheben, als die besseren Menschen erweisen. Sie geht knallhart über Leichen, nimmt keine Rücksicht auf die möglicherweise zarten Gemüter ihrer LeserInnen und denkt auch nicht daran, Antworten zu geben. Denn Tatsache ist: Es gibt keine wirklichen Antworten auf Dystopien und Happy Ends gehören normalerweise in Märchen. Da kann ich auch ganz gut drüber hinwegsehen, dass einige Protagonisten recht blass blieben; das Ende hat mich fast erschüttert. Lucy jedenfalls ist - mit all ihren Lügen, ihrem Lächeln und ihrer scheinbaren Stille - eine starke Persönlichkeit, die mich beeindruckt hat. Es gäbe Raum für einen zweiten Teil, aber mir wäre es wirklich lieber, wenn das so stehenbliebe, denn so scheint mir der knallharte Abschluss mehr Wucht zu haben. Nicht für Prinzessinnen geeignet, die Keira Cass für die Hardcore-Königin der Dystopien halten.

Veröffentlicht am 29.03.2019

Hey Sherlock! Ich habe ein Rätsel für dich!

Running Girl
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Was tut ein Kerl mit 16, der extrem gut aussieht, hoch intelligent ist und trotzdem keinen Sinn im Leben findet? Richtig, er langweilt sich. Oder hängt mit seinen halbkriminellen Freunden am Kinderspielplatz ...

Was tut ein Kerl mit 16, der extrem gut aussieht, hoch intelligent ist und trotzdem keinen Sinn im Leben findet? Richtig, er langweilt sich. Oder hängt mit seinen halbkriminellen Freunden am Kinderspielplatz ab. Oder beides. Die Schule jedenfalls ist das Letzte, das bei Garvie Smith, dem Protagonisten, eine Rolle spielt.
Seine gelangweilte Routine wird unterbrochen, als eines Tages ein Mädchen ermordet wird, mit dem er einmal für vier Wochen zusammen war. Die Polizei, allen voran der junge Ermittler Singh, machen alles richtig, tappen jedoch trotzdem im Dunkeln. Und Garvie weiß, dass er nicht nur helfen kann, sondern auch muss, und auf seine eigene Art und Weise ermittelt er selbst.

Ich habe schon interessante Kritiken zu diesem Buch gelesen. Huh, der Junge kifft! Bei Holmes allerdings ist es cool und Ausdruck seiner gelangweilten Genialität. Huh, der schlechte Stil. Gerade die angeprangerten "Stilbrüche" fand ich mega: Wurden doch gelegentlich wie Polizeiprotokolle gewisse Gespräche geführt und statt dass sie dadurch die Geschichte trockener machten, lockerten sie die auf, besonders wenn man den unterschwelligen Humor dabei beachtet. Tatsächlich ist Garvie vielleicht nicht für jedermann/frau/divers ein Sympathieträger, denn er ist intelligent und er lässt diese Intelligenz raushängen. Auch dass er schwänzt und lieber sinnlos abhängt als fürs Leben zu lernen, mag für viele ein Problem sein. Mir jedoch hat gerade das gefallen, auch die Dynamik zwischen ihm und Inspector Singh - der keineswegs so dämlich ist, wie er im Klappentext dargestellt wird - gefällt mir. Dass ich dann doch einen halben Punkt abziehen muss, liegt an der über-mega-großen Coolheit, die Garvie selbst dann noch an den Tag legt, wenn er halbtot geprügelt und kurz vor seinem schmerzhaften Ende steht. So viel Klasse nehme ich einem 16jährigen, auch einem 60igen, um fair zu bleiben, dann doch nicht ab. Aber was soll's. Hat Spaß gemacht. Will mehr. 4,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 28.03.2019

Des toten Dichters Manuskript

Die Geisterseher
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1805, Weimar. Schiller liegt im Sterben, als er noch Besuch von zwei jungen Männern erhält, Wilhelm und Jakob Grimm. Er übergibt ihnen ein Manuskript, das sie seinem Freund Goethe bringen sollen. Doch ...

1805, Weimar. Schiller liegt im Sterben, als er noch Besuch von zwei jungen Männern erhält, Wilhelm und Jakob Grimm. Er übergibt ihnen ein Manuskript, das sie seinem Freund Goethe bringen sollen. Doch ist Goethe wirklich der Freund, für den er ihn hält? Immerhin starb kurze Zeit vorher bei einem von dessen Theatervorstellungen ein Schauspieler und auch Schiller überlebt nicht mehr lange, nachdem er Medizin von Goethe bekommen hat. Und dann ist da noch das Manuskript, hinter dem seltsame Gestalten her sind und die Gebrüder Grimm auf eine Odyssee jagen, deren Sinn ihnen lange verborgen bleibt.

Ich sollte es langsam einsehen, dass Kai Meyer und ich nicht kompatibel sind. Er hat - laut Klappentext - immer geniale Ideen, auch der Schreibstil passt, doch die Umsetzung ist zäh und langweilig. Dafür, dass es sich um eine Schauergeschichte handeln sollte, hatte ich eindeutig zu viel Gähnen im Programm während des Hörens. Ich hatte das Gefühl, dass hier einfach nur Namedropping betrieben wurde, Szenen aneinandergereiht, abgehakt, weiter. Bis zum Schluss war ich versucht, das wirklich nicht lange Hörbuch abzubrechen, lediglich die sehr guten Sprecher schafften es, mich bei der Stange zu halten.

Veröffentlicht am 26.03.2019

Wie Götter in Frankreich

Gold und Schatten
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Als Diplomatenkind ist es die sechzehnjährige Livia gewohnt, ständig umzuziehen. Jetzt ist sie also in Paris gelandet und fast an ihrem ersten Tag begegnet sie dort dem geheimnisvollen Maél, der sie nicht ...

Als Diplomatenkind ist es die sechzehnjährige Livia gewohnt, ständig umzuziehen. Jetzt ist sie also in Paris gelandet und fast an ihrem ersten Tag begegnet sie dort dem geheimnisvollen Maél, der sie nicht nur in die Katakomben mitnimmt, sondern ihr auch gehörig den Kopf verdreht. Als wäre es damit nicht genug, kann sie seit einiger Zeit hören, wie Pflanzen mit ihr sprechen, ein irrer Bettler prophezeit komische Dinge - und dann wäre da noch die Kleinigkeit, dass sie plötzlich eine Menge griechischer Götter und Halbgötter kennenlernt, die es sich in Paris gutgehen lassen. Und was will eigentlich dieser Badboy Maél von ihr?

Ich mochte die meisten Leute, die sind echt gut entwickelt worden. Probleme hatte ich ausgerechnet mit Maé, weil er tatsächlich Livia von vorn bis hinten ausnutzt und trotz seiner eigenen Regeln die Finger nicht von ihr lassen kann. Da sträuben sich mir die Nackenhaare und die dümmliche Erklärung, dass er sich wegen ... und ... aus Gründen nicht in sie verlieben darf, macht es nicht besser. Man kann nicht verhindern, sich zu verlieben, besonders, wenn man nicht mal Abstand halten kann. Da haperte es also ein bisschen an der Logik. Allerdings kann ich in dem Fall meistens drüber hinwegsehen, weil ich die meisten Nebenfiguren cool fand, besonders Livias neue Freundinnen und Hephaistos. Und klar, die Riesenmotte. Die nicht zu erwähnen, wäre eine Gemeinheit. Fassen wir also zusammen: Witzig, mit originellen Ansätzen, aber auch extrem viel Klischees und Liebesgedönshin- und her. Ich werde den Nachfolger lesen. 3,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 25.03.2019

Jagd auf magische Artefakte

Land of Stories: Das magische Land – Die Suche nach dem Wunschzauber
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Alex und ihr Zwillingsbruder Conner könnten nicht unterschiedlicher sein. Während sie introvertiert ist und gerne lernt, ist er eher lernfaul, hat dafür Freunde in der Schule. Vor einem Jahr haben sie ...

Alex und ihr Zwillingsbruder Conner könnten nicht unterschiedlicher sein. Während sie introvertiert ist und gerne lernt, ist er eher lernfaul, hat dafür Freunde in der Schule. Vor einem Jahr haben sie ihren Vater verloren, ein Verlust, der bis jetzt nicht verwunden ist. Als ihre Großmutter ihnen zu ihrem 12. Geburtstag ein besonderes Märchenbuch schenkt, passiert das Unfassbare: Sie werden hineingezogen und landen mitten in der Welt von Schneewittchen, Rotkäppchen, Dornröschen und allen, die sie so gut zu kennen glaubten. Um zurückkehren zu können, müssen sie sieben Artefakte finden, doch hinter denen ist auch die Böse Königin mit dem Rudel böser Wölfe her ...

Ich bin kein Coverkäufer, aber wow! Bei dem Cover und der Ausgangslage - kann da was schiefgehen? Es kann. Colfer beweist es. Er schreibt wahnsinnig langweilig, sodass ich mich bis zur Hälfte richtig, richtig gequält habe, um das Buch nicht abzubrechen. Dazu kommt, dass diese Kinder ein Vokabular besitzen, wie ich es selten bei Abiturienten erlebt habe, geschweige denn in der Unterstufe. Die wirklich wichtigen Sachen fallen ihnen - oh, wie märchenhaft - in den Schoß. Das Mädchen kann übrigens nicht normal sprechen, trotz ihrer guten Ausdrucksweise. Da wird geseufzt, gequietscht, gekreischt, geweint, dass man sie schütteln möchte. Der männliche Gegenpart hingegen ist ... männlich. Kurz angebunden, meistens grob, gelegentlich dumm-dreist. Dafür jedoch, dass eigentlich Alex, das Mädchen, als die Intelligente beschrieben wird, ist es immer der Junge, der auf die richtigen Ideen kommt. Der würde übrigens lieber bei den Trollen und Kobolden als Sklave verrecken, als einem gleichaltrigen Trollmädchen einen Kuss zu geben. Ich meine, wir sprechen hier nicht von einem French Kiss, um das klarzustellen, sondern nur einem unschuldigen Kinderküsschen. Stattdessen ekelt er sich demonstrativ und lautstark vor dem armen Kind. Coole Message. Nicht.
Im Übrigen ist die Oma der Kinder das Letzte. Ihre Enkelkinder und Schwiegertochter kämpfen sich Monat für Monat gerade so über die Runden, und sie, die ja eigentlich dafür da ist, allen zu helfen, kriegt das bei ihrer eigenen Familie nicht auf die Reihe? Noch coolere Message. Nicht. Zwischendrin ließ auch die Logik mal zu wünschen übrig, aber das hat dann auch nicht mehr gestört.
Schade. Sämtliches Potenzial verschenkt.