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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.02.2019

Cityrella

Die Pan-Trilogie 1: Das geheime Vermächtnis des Pan
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Felicity Morgan ist 18, trägt Zahnspange und ist angeblich dick. (Bei 1,70 m 70 kg ist dick? Okayyyy ...) Egal, das denkt sie, das denken anscheinend auch alle anderen, besonders Der Club, ein paar elitäre, ...

Felicity Morgan ist 18, trägt Zahnspange und ist angeblich dick. (Bei 1,70 m 70 kg ist dick? Okayyyy ...) Egal, das denkt sie, das denken anscheinend auch alle anderen, besonders Der Club, ein paar elitäre, wunderschöne, mobbende Hungerhaken ihrer Collegestufe. Dann kommt auch noch der wunderschöne, charmante Lee FitzMor zu ihnen, dem scheinbar keiner widerstehen kann. Er versteht sich sowohl mit den Mobbern als auch den Losern und verdreht selbst der Rektorin oder anderen unangenehmen Zeitgenossen den Kopf. Nur Felicity, genannt City, hat andere Probleme. Sie muss ihrer Mutter in dem schlecht laufenden Pub helfen, wird von ihrer Familie als Aschenputtel missbraucht und schreibt trotzdem gute Zensuren. Und warum sucht Lee ständig ihre Nähe? Warum hat sie dauernd Visionen? Sie wird es herausfinden, ob sie will oder nicht.

Der Schreibstil war so locker und lässig, dass man ruckzuck in die Geschichte gezogen wurde. Es war auch ziemlich cool, dass die Protagonistin nicht dauernd in Ohnmacht fällt, wenn der Held ihr mal seine Aufmerksamkeit schenkt oder dass sie nicht den gängigen Schönheitsidealen entspricht. Warum also muss sie ab der Mitte anfangen, ein extremes Make-Over zu erhalten? Schön, dass sie joggen geht, aber wozu braucht sie dazu den Helden, der auch nur mitläuft? Und warum müssen sich plötzlich nicht nur ein oder zwei Helden für sie interessieren, sondern (nach dem Make-Over wohlgemerkt, wozu auch megateure Kleider und Frisuren und was-weiß-ich gehören) mindestens ein halbes Dutzend Kerle? Gibt es den Schauspieler, der ständig erwähnt wird, eigentlich wirklich? Wäre ich er, würde ich es ganz schön uncool finden, in eine Teeniegeschichte geschrieben zu werden mitsamt Anhimmeln und Knutschen. Das waren so Sachen, die mich gestört haben, wobei die Geschichte fast durchweg unterhaltsam blieb und ich vielleicht die Nachfolger lesen werde.

Veröffentlicht am 10.02.2019

On- und Offliner

Der Würfel
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Deutschland, Berlin, nahe Zukunft. Der Würfel, eine künstliche Intelligenz, die Daten sammelt, entscheidet über das Leben aller Menschen. Je höher der Pred-Score - die Berechenbarkeit jedes Einzelnen, ...

Deutschland, Berlin, nahe Zukunft. Der Würfel, eine künstliche Intelligenz, die Daten sammelt, entscheidet über das Leben aller Menschen. Je höher der Pred-Score - die Berechenbarkeit jedes Einzelnen, desto höher ist sein Status. Es gibt zwar ein Grundeinkommen für alle, doch ein höherer Score sorgt für mehr Geld, mehr Luxus, mehr Ansehen. Taso entzieht sich dem Würfel, indem er gaukelt. Selten sagt er die Wahrheit über die Dinge, wie sie sind, oft befragt er eine Münze bei Ja/Nein-Entscheidungen. Sein Pred-Score gehört zu den niedrigsten in ganz Deutschland, worauf er stolz ist. Doch eines Tages ändert sich alles. Zuerst taucht ein Mädchen bei ihm auf, das er schon vor zwei Jahren anziehend fand. Sie, die in einer Sekte gelebt hat, nimmt die Entscheidungen des Würfels mit offenen Armen an. Und dann sind da noch seine Offliner-Freunde, die ihn plötzlich als wichtigen Teil einer Revolution bräuchten - wofür soll er sich entscheiden? Kopf oder Schwa... Zahl?

Ein wirklich interessantes Gedankenexperiment, vor allem eines, das gar nicht mal so absurd scheint, wenn man sich die heutige Entwicklung ansieht. Wer würde nicht für Geld und Ansehen alles von sich preisgeben? Die meisten machen das schließlich für lau heute schon auf den social media. Ich finde vieles von dem, was angesprochen wurde, sehr interessant, besonders auch die Parallelen zur heutigen Zeit. Es gibt Radikale auf beiden Seiten, die auf Biegen und Brechen ihr Konzept umsetzen wollen. Der auf des Würfels Seite hatte sehr große Ähnlichkeit bei seiner Argumentation mit gewissen Politikern einer blau-roten Sekte/Partei, die sich am liebsten ein Hakenkreuz auf die Fahne schreiben würden. Die Radikalen der Gegenseite kamen mir teilweise wie die RAF vor. Schöne Ideen und meistens gelungene Umsetzung! Ein bisschen wenig greifbar erschien mir bis zuletzt Taro selbst und einige Konzepte der Geschichte konnte ich nicht ganz nachvollziehen, doch alles in allem war es ein Buch, das absolut zum Nachdenken anregt und deshalb gelesen werden sollte!


Veröffentlicht am 10.02.2019

Unter Menschen

Die Rabenringe - Fäulnis (2)
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Achtung, Rezension zu Teil 2 der Rabenringe, Spoiler möglich.

Hirka hat es gewagt - den Schritt durch die Steine und ist in der Welt der Odinskinder, der Menschen, gelandet. Alles ist neu und fremd; unser ...

Achtung, Rezension zu Teil 2 der Rabenringe, Spoiler möglich.

Hirka hat es gewagt - den Schritt durch die Steine und ist in der Welt der Odinskinder, der Menschen, gelandet. Alles ist neu und fremd; unser Alltag mit Auto, Industrie, Technik ist für jemanden wie sie unfassbar. Ihr Rabe, Kuro, ist krank und dann passiert alles Schlag auf Schlag. Jemand versucht, sie zu entführen, die Kirche, in der sie lebt, wird angezündet, Menschen sterben. Aus Kuro entsteht jemand. Der, den sie als Lüge entlarvt hat, als Märchen, ist plötzlich existent. Für Hirka beginnt eine Odyssey durch eine unbekannte Welt, verfolgt und begleitet von Fremden. Sie muss sich durchfinden und ihren eigenen Weg gehen. In der Zwischenzeit ist auch Rime nicht untätig und für Hirka und die Ymlinge opfert er alles.

Was für ein Ritt! Es hat mich überrascht, dass Hirka in der modernen Welt gelandet ist, ich dachte, wenn sie durch die Steine geht, gelangt sie in der mittelalterlichen Entsprechung von Ymland. Aber so waren die Entwicklungen natürlich noch viel krasser, die Differenzen größter, die Probleme scheinbar unüberwindlich. Hirka, so jung wie sie ist, beweist Weisheit, schafft es, sich in dieser fremden Welt und unter seltsamen Leuten, die alle ihr eigenes Süppchen kochen, zu behaupten. Ich habe selten so eine originelle, sich entwickelnde, gut geschriebene und fesselnde Geschichte gelesen, besonders wenn man bedenkt, dass es sich hier um den zweiten Teil handelt, der bei Trilogien ja gern mal ein bisschen lahm ist, weil das Verbindungsstück zwischen Auftakt und Finale. Aber hier hat er wirklich eine Berechtigung, er beantwortet alte Fragen, nur um neue aufzuwerfen und heiß auf den dritten und letzten Band zu machen. Großes Kino!

Veröffentlicht am 04.02.2019

Wer zuerst blinzelt

Der Klang der Täuschung
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Sechs Jahre nach den Ereignissen der Chroniken der Verbliebenen: Kazi ist 17 und eine Rahtan der Königin von Venda. Sie und ihre beiden Freundinnen haben einen Auftrag: den Kriegsverbrecher Illarion aus ...

Sechs Jahre nach den Ereignissen der Chroniken der Verbliebenen: Kazi ist 17 und eine Rahtan der Königin von Venda. Sie und ihre beiden Freundinnen haben einen Auftrag: den Kriegsverbrecher Illarion aus Höllenrachen zu holen, einer autarken Gegend, die offiziell dem König von Eislandia unterstellt ist, inoffiziell jedoch von den Ballengers kontrolliert und regiert wird. Diese sind ein großer Familienverband, die sich für die ersten Siedler der Welt halten und sich nur ungern etwas sagen oder vorschreiben lassen. Jase Ballenger ist gerade Patrei geworden, das Oberhaupt der Familie, weil sein Vater verschwunden ist. Kazi gerät ausgerechnet mit ihm in eine Intrige und sie müssen sich gemeinsam durchschlagen – doch das ist erst der Anfang. Und irgendwann muss sich Kazi entscheiden, was ihr wichtiger ist: der Auftrag oder Jase Ballenger, der Feind.


Es ist wie Heimkommen in die Welt von Lia, nur dass diese jetzt Königin ist und die Haupthandlung von anderen Personen getragen wird. Tatsächlich gefällt mir dieses Buch sogar besser als die Vorgänger, weil zwar Liebe eine wichtige Rolle spielt, aber schon bald klar ist, wie es steht und nicht dieses ewige Hin und Her und Gezicke viel Raum einnimmt, sondern sich zum großen Teil auf die Handlung konzentriert wird. Der Schreibstil der Autorin ist auch hier wieder außergewöhnlich, fesselnd, mitreißend und abenteuerlich. Es gibt ein paar Sachen, die finde ich im Moment noch fragwürdig, aber die werden sich vielleicht im Finalband klären. Auf den freue ich mich jedenfalls schon.

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Veröffentlicht am 02.02.2019

Zorn

Saligia
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Keira ist die klassische Außenseiterin. Sie interessiert sich nicht für Klamotten, Jungs und das, was junge Mädchen eben so zu interessieren hat, stattdessen lebt sie bei ihrer alleinerziehenden Mutter ...

Keira ist die klassische Außenseiterin. Sie interessiert sich nicht für Klamotten, Jungs und das, was junge Mädchen eben so zu interessieren hat, stattdessen lebt sie bei ihrer alleinerziehenden Mutter und kämpft täglich mit einem Zorn, der so viel größer ist als der aller anderen. Und sie kann diesen Zorn einsetzen, um andere zu manipulieren, was allerdings auch nach hinten losgehen kann. Sie wird von Elliot gefunden, einem "Sucher". Das sind Leute, die personifizierte Todsünden aufspüren und in eine besondere Schule bringen, dorthin, wo die Saligia ausgebildet werden. Keira hat nichts zu verlieren, glaubt sie, also begleitet sie ihn dorthin. Zuerst scheint es, als hätte sie endlich ihren Platz (mitsamt Traumboy) gefunden, doch dann geschieht ein Mord und sie muss sich fragen, ob nicht auch hier alle ihr eigenes Spiel spielen.

Eine coole Idee mit diesen personifizierten Todsünden - oder Gaben, wie sie genannt werden. Sie werden durch die Protagonisten auch ganz gut dargestellt. Ich fand die Hintergründe teilweise nicht ganz greifbar - warum werden die Kids in die Schule geholt und wie funktioniert das überhaupt weltweit? Schließlich gibt es nur drei Sucher und eines der Mädchen kommt sogar aus den USA. Und mich störte das inflationäre Benutzen des Wortes "direkt" - dieses Wort ist an und für sich in einem Fließtext dermaßen überflüssig, und wenn es dann auch noch an den Anfang eines Satzes gestellt wird, tut es nur weh. Richtig gut dagegen fand ich, dass wir als Leser dank des Prologs mehr wissen als die Protagonisten; und das Ende mit Chase und Brooks und Keiras Mutter lässt sehr viel Platz für ein Nachfolgebuch. Man darf also gespannt sein.