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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.01.2019

Zutiefst berührend

Sieben Minuten nach Mitternacht
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Der 13-jährige Conor lebt mit seiner Mutter in einem Vorort Londons. Nachts leidet er unter Albträumen, in der Schule ist er weitestgehend isoliert und allein, sein Vater hat ihn für eine andere Familie ...

Der 13-jährige Conor lebt mit seiner Mutter in einem Vorort Londons. Nachts leidet er unter Albträumen, in der Schule ist er weitestgehend isoliert und allein, sein Vater hat ihn für eine andere Familie verlassen und zu Hause schwebt über all dem familiären Zusammenleben mit seiner Mutter ihre Krankheit, die sie Tag für Tag stärker schwächt. Doch eines Nachts, nachdem er wieder aus seinem altbekannten Albtraum hochschreckt, steht auf einmal ein Monster vor seinem Fenster, erschaffen aus der Eibe hinter ihrem Haus. Dieses Monster nimmt ihn mit auf eine abenteuerliche Reise, indem es ihm drei Geschichten erzählt im Austausch für die einzige Wahrheit, die Conor verzweifelt zu verdrängen versucht, die ihn jedoch endlich erlösen wird...

Da mir der Film bereits bekannt war und damit auch die Handlung der Geschichte, konnte ich das Buch noch einmal anders auf mich wirken lassen. Man wird gleich in die Geschichte reingeworfen, ohne Conor und seine Umstände besser kennenzulernen. Erst nach und nach werden die unschönen Seiten seines jungen Lebens beleuchtet und ich hatte nur noch Mitleid mit ihm. Es ist ein schwierige Situation und keiner weiß so recht mit ihm umzugehen, außer dem Monster. Es fordert und provoziert Conor und das mit einem klaren Ziel. Ich konnte richtig mitfühlen und es hat mir mehr als ein Mal Tränen in die Augen getrieben. Womöglich lag das auch an meinen Vorkenntnissen und die Emotionen, die ich durch den Film erfahren habe. Jede der drei Geschichten hat eine eigene "Moral" oder zumindest einen Erkenntnisgewinn, wenn man so will und Conor lernt Ereignisse und Taten aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Die Illustrationen sind wohl mehr an jüngere Leser gerichtet, boten aber auch für mich eine schöne Abwechslung zum Text und haben die Erzählungen ergänzend abgebildet. Am brutalsten empfand ich die selbst erschaffene Isolation von Conor, wie er sich immer weiter in seinem schicksalhaften Leben bemitleidet und im Schmerz verkriecht. Und das Ende hat es natürlich in sich, aber das war mir bereits bekannt, dennoch hat es mich tief berührt. Trotz der schweren Thematik, konnte die Geschichte mich einnehmen und überzeugen, sodass ich das Buch in Zukunft vermutlich noch einige Male lesen werde.

Ein sehr emotionales, trauriges, in gewisser Weise schockierendes Buch mit einer wichtigen und rührenden Nachricht über den Verlust eines geliebten Menschen.

Veröffentlicht am 28.01.2019

Ein fantastischer historischer Roman über die Rache einer Frau

Die Farben des Feuers
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Im Jahre 1927 stirbt das Oberhaupt des Péricourt Bankenimperiums Marcel Péricourt und damit beginnt eine Reihe von aufsehenerregenden Ereignissen, die die Finanzwelt von Paris nachhaltig beeinflusst. Madeleine, ...

Im Jahre 1927 stirbt das Oberhaupt des Péricourt Bankenimperiums Marcel Péricourt und damit beginnt eine Reihe von aufsehenerregenden Ereignissen, die die Finanzwelt von Paris nachhaltig beeinflusst. Madeleine, die einzige Tochter Péricourts, hat mit dem Bankunternehmen ihres Vaters nichts zu tun und muss sich nach einem Schicksalsschlag um ihren Sohn kümmern. Das ruft gierige und machthungrige Personen auf den Plan die versuchen die Gunst der Stunde zu nutzen und Madeleines Unwissenheit schamlos auszunutzen, um sich zu bereichern. Allerdings haben sie nicht mit der Rache einer Frau gerechnet, die alles opfern würde um ihrem Kind ein stabiles und sicheres Leben zu ermöglichen und bis aufs Äußerste zu gehen. So beginnt ein langjähriger Racheakt, der erst endet, wenn alle ihre gerechte Strafe erhalten haben.

Nachdem ich bereits ein historisches Werk von Lemaitre gelesen und geradezu verschlungen habe, habe ich mich umso mehr auf seine neustes Buch gefreut und ich wurde nicht enttäuscht. Die Sprache ist wie immer anspruchsvoll, gehoben und an einigen Stellen philosophisch. Im Gegensatz zu seinen anderen Werken fand ich dieses vom Schreibstil etwas Einfacher gehalten und verständlicher. Man fliegt nur so durch die Seiten, die einen unbeugsamen Sog entwickeln, der mich dazu gebracht hat immer weiter lesen zu müssen. Es wird viel über die ökonomischen und politischen Umbrüche über Frankreich hinaus berichtet, was ich als sehr authentisch empfand, da ich mich trotz geringem Wissen über die damalige Zeit in Frankreich sofort in die Lage hineinversetzen konnte und eine Nähe aufbauen konnte. Dadurch, dass die Geschichte über mehrere Jahre und aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird, können die Entwicklung der Handlung sowie die Beweggründe gut nachvollziehen werden und es bringt eine dynamische Spannung rein, da man manchmal vorausahnen kann welche Folgen eine Handlung haben könnte. Im Zentrum steht Madeleine, die aus verschiedenen Gründen eine schwere Zeit durchstehen muss und versucht das Beste aus ihrem Leben und das ihres Sohnes zu machen. Dabei bedient sie sich unlauterer Methoden, die ich und auch ihre Opfer ihr definitiv nicht zugetraut haben. Subtil und im Geheimen plant sie ihre Rache, die ihr Genugtuung verschafft und schafft es dennoch sich bedeckt zu halten. Einfach nur spannend, aufregend und toll geschrieben. Es konnte mich total mich sich reißen, auch wenn mir die Entwicklung Madeleines am Ende nicht mehr so zugesagt hat und ich anfangs Schwierigkeiten hatte in die Geschichte einzutauchen, da sie doch recht langatmig war.

Brillanter historischer Roman, fundiert recherchiert, sodass ich mich hervorragend in die damalige Zeit hineinversetzen konnte. Absolute Empfehlung!

Veröffentlicht am 27.01.2019

Die Prinzessin aus der Asche gestiegen...

ASH PRINCESS
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Theo hat Schreckliches miterlebt und nachdem alle ihre Angehörigen gestorben sind, lebt sie unter dem eisernen Regime des neuen Königs, der alles tut um sie vor allen zu demütigen und zu unterdrücken. ...

Theo hat Schreckliches miterlebt und nachdem alle ihre Angehörigen gestorben sind, lebt sie unter dem eisernen Regime des neuen Königs, der alles tut um sie vor allen zu demütigen und zu unterdrücken. Fast schafft er es sie zu brechen, doch das unerwartete Auftauchen einiger Personen erweckt ihren Stolz und Mut wieder und so schmiedet sie einen Plan um sich ihren Thron zurückzuerobern, denn eigentlich ist sie die rechtmäßige Königin und sie wird alles tun um sich und ihr Volk aus den Fängen der Feinde zu befreien.

Bereits auf den ersten Seiten ist mir die schöne Karte der Ländereien in Ash Princess aufgefallen, was mir persönlich immer sehr gut gefällt, da ich dann immer verfolgen kann wo was genau geschieht, auch wenn sich in diesem Band nicht viel auf der Karte tut. Das Schicksal von Theo ist erschütternd und so grausam und daher konnte ich ihre Unterwürfigkeit vollkommen nachvollziehen, denn ihr bleibt keine andere Wahl, wenn sie am Leben bleiben möchte. Aber sie macht eine Entwicklung durch und setzt gekonnt und überzeugend die Maske des gebrochenen Mädchens auf, während sie im Geheimen Pläne schmiedet. Das sagte mir zu und dadurch fand ich sie auch ziemlich sympathisch. Auch ihre neuen Freunde konnten mich überzeugen und haben das Herz am rechten Fleck. Wenig einnehmen konnte mich die gegnerische Seite, allen voran der König, dem ich tausende Tode gewünscht habe und selbst das wäre nicht annähernd genug. Er selbst versteckt sich hinter seinem Kriegsführer und nutzt seine Macht schamlos aus, die er nicht besäße würden nicht andere seine Schlachten schlagen. Zwiegespalten bin ich bei dem Prinzen, da der hin- und hergerrissen zwischen seinen Pflichten und seinen moralischen Vorstellungen, weswegen ich ihn doch irgendwie liebgewonnen habe und mochte. Was Theos adlige "Freundin" angeht, kann ich nur sagen, so schnell kann aus inniger Freundschaft, bittere Feindschaft werden und ich erwarte da noch viele blutige, grausame und skrupellose Handlungen. Die Idee mit den magischen Steinen und der Magie ist total toll und innovativ und ich stelle es mir aufregend vor solche Kräfte verbunden mit den Steinen zu besitzen. Wenngleich die Geschichte mehr oder weniger vor sich hingleitet, sorgen unvorhersehbare Wendungen für ausreichend Spannung und gerade das Ende verspricht einen verheißungsvollen Verlauf der Geschichte, den ich nur schwer erahnen kann und lasse mich deswegen überraschen. Etwas Schade ist dieser "nationale Stolz" beider Völker, der schnell in Feindschaft, die bereits besteht, umschlägt und den Personen keine Chance gibt sich zu beweisen, da sie nur auf ihre Herkunft reduziert werden. Das erscheint mir wenig Weitsichtig und ich hoffe, dass Theo und ihre Gefolgsleute eines Tages merken, dass es nicht nur weiß und schwarz gibt.

Der magischer Auftakt einer aufregenden Fantasy-Trilogie, die nervenzerreißende Kämpfe, Intrigen, Rache und Verrat verspricht.

Veröffentlicht am 25.01.2019

Subtile Psychologie eines Stalkers

YOU – Du wirst mich lieben
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Ein einziger Augenblick, eine unheilvolle Begegnung und sie sind vom Schicksal füreinander bestimmt, zumindest wenn es nach Joe ginge. Als er die umwerfende Guinevere in seinem Buchladen trifft, ist er ...

Ein einziger Augenblick, eine unheilvolle Begegnung und sie sind vom Schicksal füreinander bestimmt, zumindest wenn es nach Joe ginge. Als er die umwerfende Guinevere in seinem Buchladen trifft, ist er sofort hin und weg und entwickelt eine Obsession. Fortan verfolgt er sie über ihre Social Media Kanäle und stalkt sie auch zu ihrer bis Wohnung, zur Uni, sogar zu den Treffen mit ihren Freundinnen. Geschickt räumt er alle Hindernisse, die zwischen ihnen stehen, aus dem Weg, bis sie sich ihm freiwillig hingibt, doch viel zu schnell wird aus ihrer Beziehung ein tödliches Spiel und sie begreift zu spät wer er ist...

Sofort ist mir der ungewöhnliche Erzählstil aufgefallen, der ziemlich unspektakulär aus Joes Ich-Perspektive erzählt, doch wird der Leser/die Leserin mit Du angesprochen, als wäre man Guinevere, der er all das beschreibt was geschieht. Solch ein Stil ist mir bisher nicht bekannt gewesen und konnte mich sofort catchen und überzeugen, sodass ich unglaubliche Lust hatte weiterzulesen. Diese Neugier relativiert sich allerdings im Laufe der Geschichte und die daraus resultierende Besonderheit verliert sich zunehmend. Die eigentliche Liebesgeschichte zwischen beiden entwickelt sich ziemlich langsam und es werden viele Beobachtungen, Meinungen und Angesichten von Joe sehr ausführlich beschrieben, sodass sich alles ziemlich in die Länge zieht, worunter leider auch die Spannung leidet und alles zäh wirken lässt. Joe ist in gewisser Weise berechenbar, da er außerordentlich akkurat und gründlich plant wie er die Hindernisse aus dem Weg räumen möchte, in der Praxis allerdings oft spontan reagiert, was seinen Handlungen eine Holprigkeit verleiht. Durch seine Sichtweise kann man seinen Gedankengängen gut folgen und versteht auch wie gewisse Schlüsse zieht und wie er über seine Beziehung zu Guinevere denkt. Das ist ziemlich aufschlussreich auf der anderen Seite aber auch verstörend. Er ist ein Psycho, aber keinesfalls impulsiv oder begeht Taten aus Rache oder anderen solcher niederen Gründe, was ihn mit etwas Sympathisch gemacht hat. Guinevere habe ich als einfältig, dümmlich, naiv, teilweise psychisch labil in Erinnerung. Sie war mir überhaupt nicht sympathisch. Ich weiß wirklich nicht was Joe an ihr gefunden hat. Er erfährt so viele Dinge über sie und will sie trotz allem, begeht daraufhin schlimme Taten, die teils unnötig sind, und sie ändert sich ja doch nicht, bei all dem Verständnis und der Aufrichtigkeit die er ihr entgegenbringt, mal abgesehen von seinen kriminellen Machenschaften. Wie die überhaupt in eine Beziehung geraten sind, ist mir schleierhaft. Sie passen nicht zueinander, meiner Meinung nach. Schon eine außergewöhnliche Geschichte für mich, wenn ich den Killer als sympathisch bezeichne und das eigentliche Opfer nicht leiden kann. Daran mag vermutlich auch die Perspektive seinen Beitrag haben.

Subtiler Psychoterror, der sich erst langsam entwickelt und in einem tödlichen Höhepunkt endet.

Veröffentlicht am 20.01.2019

Die Jagd geht weiter...

Der Verfolger
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Fünf Jahre nach dem Katz-und-Maus-Spiel von Rumpelstilzchen ist endlich wieder Routine in Dr. Starks Leben eingekehrt. Er hat sich in Miami eine neue Praxis aufgebaut und praktiziert wieder als Psychoanalytiker, ...

Fünf Jahre nach dem Katz-und-Maus-Spiel von Rumpelstilzchen ist endlich wieder Routine in Dr. Starks Leben eingekehrt. Er hat sich in Miami eine neue Praxis aufgebaut und praktiziert wieder als Psychoanalytiker, bis eines Tages ein unerwünschte Gast bei ihm auftaucht und ihn dazu zwingt ihm und seinen Geschwistern, die Starks nie wieder sehen wollte, zu helfen. Jemand hast es auf sie abgesehen und droht ihnen. Wieder einmal sind Starks Fähigkeiten gefragt und schon bald wird der Spieß umgedreht und er selbst sieht sich in derselben Position wie damals vor 5 Jahren...

Auch wenn der erste Band schon eine Weile her ist, war ich durch die Rückblenden schnell wieder in der Geschichte, dennoch kann ich verstehen das es verwirrend sein kann, wenn die Vorgeschichte unbekannt ist. Die Spannung baut sich langsam auf, auch wenn die Gefahr der (einstigen) Verfolger allgegenwärtig ist. Stark setzt die Informationen die er erhält langsam zu einem ganzen Bild zusammen und es war faszinierend ihn dabei zu begleiten. Dann plötzlich wendet sich das Blatt und der elementare Fehler wird sowohl ihm als auch dem Leser bekannt und ich habe definitiv nicht mit dieser Wendung gerechnet, die alles zuvor Gewesene auf den Kopf stellt und die Karten neu mischt. Die Auflösung des Falles war dann ganz anders als vermutet, auch wenn ich das Ende nicht ganz so zufriedenstellend fand und Starks mehr aus einer Fügung glücklicher Umstände davongekommen ist und dadurch erledigt sich das Problem, hoffentlich für immer. Im Vergleich zum ersten Band war dieser nicht so aufregend und gefahrvoll, auch wenn die Twistes an strategisch günstigen Stellen gesetzt wurden und den Leser erfolgreich an der Nase herumführen (können).

Ein solider Thriller mit Überraschungsmomenten und einem schicksalhaften Ende.