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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.05.2021

Komplexes Sachbuch

Verloren im Cyberspace. Auf dem Weg zur posthumanen Gesellschaft
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Auf anschauliche und eindringliche Art und Weise beschreibt der Autor in 30 umfangreichen Kapiteln mit passenden Überschriften und einem zusammenfassenden Zitat jedes einzelne Kapitel, welches sich rund ...

Auf anschauliche und eindringliche Art und Weise beschreibt der Autor in 30 umfangreichen Kapiteln mit passenden Überschriften und einem zusammenfassenden Zitat jedes einzelne Kapitel, welches sich rund um die Gefahren, Möglichkeiten und dunklen Abgründe, die sich dahinter verbergen, dreht. Ein zentrales Thema, welches immer wieder aufgeführt wird, ist die Entfremdung des Menschen von sich selbst und dem was einen Menschen menschlich macht hin zu einem "Cybermenschen", der eher wie eine Maschine denkt und vor allem handelt. Dazu führt er eine Reihe von Argumenten an, die seine Thesen stützen, auch wenn hier und da klare Belege fehlen und einige Aussagen eher wie persönliche Vermutungen/Beobachtungen wirken, die unterschiedlich interpretiert werden können.

Besonders aufschlussreich und erschreckend finde ich die massive Sammlung von Daten durch die Unternehmen des Silicon Valley und welch große, ungebrochene Macht diese besitzen. Zwar war mir durchaus bekannt, dass unablässig Informationen gesammelt werden, dass dies allerdings in so großem Stil gemacht wird, war mir nicht bewusst. Wenn man danach ginge, dürfte man ja keine Technik, die einen Zugang zum Internet hat, mehr benutzen, da nicht klar ist wer welche Daten wie sammelt und verwahrt. Nach diesem Kapitel hatte ich schon ein mulmiges Gefühl beim Arbeiten oder einfachem Surfen im Internet.

Insgesamt schildert der Autor die Cyberwelt auf eine recht negative Art und Weise und betrachtet alles was die Cyberwelt in einem schlechten Licht. In einigen Punkten stimme ich im widerspruchslos zu, andere fand ich etwas überzogen und übertrieben dargestellt. Nach einigen Schilderungen des Autors könnte man meinen, dass jeder, der häufig internetfähige Geräte verwendet, ein Internetsüchtiger ist, der ohne nicht lebensfähig wäre. Dem widerspreche ich vehement. Technik kann und wird durchaus mit Augenmaß verwendet, auch wenn es stimmen mag, dass viele Menschen durch die Cyberwelt und damit verbundene Programme, Apps etc. konditioniert werden und beispielsweise sehnsüchtig darauf warten ein Like für einen Post zu bekommen oder gleich zum Handy greifen, wenn dieses klingelt. Ich schätze hier spielt eher die Gewöhnung und das ständige Verwenden dieser Geräte eine große Rolle. Ein leben ohne wäre durchaus möglich. Es kommt wie so oft auf die Einstellung und Haltung, sowie den gemäßigten Konsum an. Damit schließt der Autor seine ausführliche Darlegung zur Cyberwelt auch ab und die eher negative Stimmung, die durch die Kapitel transportiert wird, lockert sich gegen Ende und trifft bei mir auf Zustimmung.



Fazit: Ein durchaus interessantes und lesenswertes Sachbuch, welches mich überzeugen und mir viele neue Inhalte vermitteln konnte. Inhaltlich und sprachlich durchaus anspruchsvoll geschrieben, aber dennoch sehr unterhaltsam.

Veröffentlicht am 22.05.2021

Nicht tiefgründig genug

Deluxe Dreams
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Mittellos reist die junge Sadie mit ihren letzten Ersparnissen durch Europa und landet in Paris, als ein Unbekannter sie überfällt. Plötzlich eilt ihr ein charmanter Fremder zu Hilfe und nimmt sie sogar ...

Mittellos reist die junge Sadie mit ihren letzten Ersparnissen durch Europa und landet in Paris, als ein Unbekannter sie überfällt. Plötzlich eilt ihr ein charmanter Fremder zu Hilfe und nimmt sie sogar kurzfristig bei sich auf, damit sie sich von ihren Verletzungen erholen kann. Doch ahnt Sadie nicht wer ihr Retter ist und in welche dunklen Geheimnisse er hütet...

Der Anfang hat mich sofort fesseln können und der Reiz bestand für mich darin, dass Sadie eine Zeitlang völlig ahnungslos ist und Olivier ihr auch nichts Konkretes zu sich sagt. Dadurch waren beide vollkommen unbefangen im Umgang miteinander und es bestand eine Leichtigkeit zwischen ihnen, die mir Freude beim Lesen bereitet hat. Leider legte sich die Spannung und dieses locker-leichte Gefühl schnell und es wurde ziemlich erotisch, womit ich in Büchern kein Problem habe. Hier ging mir aber alles zu schnell und beschränkte sich nur auf das Äußerliche der beiden. Sie finden sich optisch anziehend, kennen sich kaum und trotzdem kommen sie sich sehr schnell näher und ab da handeln viele Szenen von Sex. Für mich war das überhaupt nicht nachvollziehbar und die tiefen Gefühle zwischen beiden fehlte mir komplett, sodass ich kaum noch einen Anreiz hatte weiterzulesen. Gegen Ende wurde es noch etwas fesselnder, als Oliviers Familie auftaucht und ihre Beziehung zu zerstören versucht. Die Gefahr und die Bedrohung haben eine andere Dynamik in die Geschichte gebracht und den Spannungsbogen wieder angehoben. Einige Stränge sind noch offen und werden sich vermutlich in den Folgebänden klären. Für mich ist aber hier Schluss und ich werde die anderen Bände wohl nicht lesen.

Fazit: Eine super Start zwischen Sadie und Olivier, der leider nach und nach zu oberflächlich wurde und sich stark auf sexuelle Handlungen beschränkte. Tiefgründige Emotionen haben mir hier komplett gefehlt.

Veröffentlicht am 20.05.2021

Eher ein Roman als ein Thriller

Girl A
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Girl A ist die einzige, die einen Fluchtversuch gewagt hat. Damit hat sie alles riskiert und (fast) alles gewonnen. Endlich kann sie das verkommene, trostlose Zuhause und ihren wahnsinnigen Vater mit seinem ...

Girl A ist die einzige, die einen Fluchtversuch gewagt hat. Damit hat sie alles riskiert und (fast) alles gewonnen. Endlich kann sie das verkommene, trostlose Zuhause und ihren wahnsinnigen Vater mit seinem irrationalem Glauben und den abstrusen Regeln hinter sich lassen und ein neues Leben beginnen. Viele Jahre später, als sie sich in Sicherheit wähnt, bricht ihre Vergangenheit über sie ein und alles kommt wieder hoch...


Bei dem unglaublichen Klappentext hatte ich die Erwartung mit einem Thriller konfrontiert zu werden, was sich während des Lesens schnell als Trugschluss herausstellte. Sowohl Schreibstil als auch Tempo der Erzählungen wirkten auf mich wie in einem Roman, der Geschehenes darstellt. Allerdings fehlten mich oftmals Spannung und die klassischen Thriller-Elemente, die ich erwartet hatte. Vielmehr plätschert die Handlung so vor sich hin und folgt einem roten Faden. Nur konnte mich diese Erzählweise nur teilweise überzeugen.

Die Geschichte wird aus Alexandras (Girl A ) Perspektive geschildert und sie beschreibt ihre Geschwister und wie ihre gemeinsame Kindheit ausgesehen hat sowie die aktuelle Beziehung mit ihnen. Ein Teil der Handlung spielt sich in der Gegenwart ab, ein Teil in der Vergangenheit. Stück für Stück rekonstruiert Alexandra die damaligen Geschehnisse im "Horrorhaus" auf Basis ihrer Erinnerungen und teilt dem Leser dadurch alle relevanten Informationen mit, um die Geschehnisse besser verstehen zu lassen.

Der Einstieg fiel mit schwer, da es recht schleppend voran ging und der Schreibstil mich einfach nicht fesseln konnte. Doch nach den ersten 50 Seiten wurde ich zunehmend besser unterhalten und konnte über das Fehlen einer Spannungskurve hinwegsehen und mich auf die Geschichte einlassen.

Schade fand ich, dass die Handlungen, vor allem die aus der Vergangenheit, mich kaum berühren und schockieren konnten. Teilweise sind das wirklich harte Taten, die sich dort abgespielt haben, aber emotional erfassen konnten sie mich gar nicht. Nur die Offenbarung am Ende hat mich zu Tränen gerührt, ansonsten habe ich es aber weitestgehend neutral gelesen, obwohl ich mir gerade auf emotionaler Ebene mehr gewünscht habe. Durch die Distanz zu den Charakteren konnte ich mich ebenfalls nicht mit ihnen identifizieren - zugegeben bei diesen Erfahrungen schwierig - und keine Sympathien für sie aufbringen.

Fazit: Ein eher mittelmäßiger Roman, der mich teilweise gut unterhalten konnte, aber in seiner Gänze aufgrund des Fehlens der Nähe zu den Protagonisten und ihrer Vergangenheit nicht begeistern konnte.

Veröffentlicht am 09.05.2021

Wer ist Geiger?

Geiger
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Das Festnetz-Telefon klingelt, als sie am Fenster steht und ihren Enkelkindern zum Abschied winkt. Agneta hebt den Hörer ab. "Geiger", sagt jemand und legt auf. Agneta weiß, was das bedeutet. Sie geht ...

Das Festnetz-Telefon klingelt, als sie am Fenster steht und ihren Enkelkindern zum Abschied winkt. Agneta hebt den Hörer ab. "Geiger", sagt jemand und legt auf. Agneta weiß, was das bedeutet. Sie geht zu dem Versteck, entnimmt eine Waffe mit Schalldämpfer und tritt an ihren Mann heran, der im Wohnzimmer sitzt und Musik hört. Sie setzt den Lauf an seine Schläfe - und drückt ab.

Als Kommissarin Sara Nowak von diesem kaltblütigen Mord hört, ist sie alarmiert. Sie kennt die Familie seit ihrer Kindheit ..



Mir fiel der Einstieg etwas schwer. Ich kam sowohl mit den Charakteren als auch mit der Geschichte nicht so klar. Anfangs wird der Spannungsbogen aufgebaut, indem Agneta einen mysteriösen Anruf erhält und eine ungeheuerliche Tat begeht. Allein das reichte mir aus, um mich zu fesseln und neugierig auf die Geschichte zu machen. Doch schnell wird aus einem rasant beginnenden Thriller etwas Romanartiges. Die Charaktere blieben mit weitestgehend fremd und unnahbar. Zudem fand ich niemanden wirklich sympathisch. Vor allem Agnetas Kinder und die Ermittlerin Sara scheinen eine schwierige Beziehung zu haben und durch ihre Haltungen waren sie mir schnell unsympathisch, wobei ich Sara noch am besten fand.

Die Hintergründe der Tat und die vergangenen Ereignisse werden interessant von hinten aufgerollt und schlüssig dargestellt. Dabei lässt der Autor den Leser lange im Dunkeln bezüglich der Intentionen der Tat, was die Spannung aufrecht erhält. Dennoch zieht sich die ganze Handlung ziemlich in die Länge und konnte mich auf Dauer leider nicht überzeugen und fesseln. Irgendwann wurde es dann auch zu abstrus und seltsam. Zwar konnte das Ende mich doch noch überraschen, aber die ganze Geschichte wirkte auf mich zu konstruiert und komisch.

Fazit: Eine mittelmäßiger Thriller, der mich nur in Teilen von sich überzeugen konnte.

Veröffentlicht am 12.04.2021

Zwischen den Fronten

Teufelsberg (Wolf Heller ermittelt 2)
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Westberlin, Ende der Sechzigerjahre: Die Frau eines Richters wird brutal erwürgt. Berlin ist in Aufruhr. Denn die Tote war Jüdin, und der Richter erhielt Morddrohungen von der radikalen Linken um Dieter ...

Westberlin, Ende der Sechzigerjahre: Die Frau eines Richters wird brutal erwürgt. Berlin ist in Aufruhr. Denn die Tote war Jüdin, und der Richter erhielt Morddrohungen von der radikalen Linken um Dieter Kunzelmann. Aber war es wirklich ein politisch motivierter Mord? Kommissar Wolf Heller arbeitet eng mit der Nichte der Toten zusammen, der smarten Amerikanerin Louise Mackenzie. Es verdichten sich die Hinweise, dass ein Attentat auf die jüdische Gemeinde geplant ist. Kann Heller die Täter fangen, bevor es dazu kommt?

Die Atmosphäre, die Ende der Sechzigerjahre in Westberlin herrschte, ist allgegenwärtig greifbar in der Geschichte. Sowohl die politischen als auch die historischen Ereignisse und Haltungen der Menschen sind authentisch und überzeugend dargestellt. Auch wenn es weniger spannend für einen Thriller ist, konnte mich die einzigartige Stimmung fesseln. Zwar waren mir die ganzen persönlichen Verstrickungen zuvor nicht bekannt, aber durch kurze Rückblicke wird erkenntlich wie die Personen zueinander stehen. Die politischen Hintergründe der Tat und die Motivation dahinter fand ich sehr aufregend dargestellt und ich fühlte mich durchgehend unterhalten.