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Veröffentlicht am 27.02.2026

Eine Frau, viele Gesichter

Sie war es. Sie war es nicht.
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Hinweis: Für mich ist dieses Buch kein klassischer Thriller – dafür fehlt die Spannung. Trotzdem hat es mich gepackt. Deshalb lasse ich die Genre-Schublade bei der Bewertung heute einfach mal zu.

Worum ...

Hinweis: Für mich ist dieses Buch kein klassischer Thriller – dafür fehlt die Spannung. Trotzdem hat es mich gepackt. Deshalb lasse ich die Genre-Schublade bei der Bewertung heute einfach mal zu.

Worum geht’s?
Katie Cole steht vor Gericht. Vier prominente Persönlichkeiten sollen durch ihre Hand gestorben sein. Die Öffentlichkeit scheint sich sicher – doch war sie es wirklich? Ihr Vater weigert sich, auch nur einen Moment an ihre Schuld zu glauben. Und Journalist Max spürt, dass hinter diesem Fall mehr steckt als nur eine einfache Schlagzeile.

Meine Meinung:
Schon das Cover und der Buchschnitt von „Sie war es. Sie war es nicht.“ sind ein Statement. Mehrere Gesichter – und doch immer dieselbe Frau. Genau darum geht es. Wer ist Katie wirklich? Und gibt es diese eine Wahrheit überhaupt?

Nicci Cloke spielt meisterhaft mit Perspektiven. Jeder Erzähler hat seine eigene Stimme, seinen eigenen Blick, seine eigene Agenda. Da ist John, der Vater, der seine Tochter noch immer als unschuldiges Kind sieht. Gabe, faszinierend und verstörend zugleich, dessen Welt aus Verschwörungstheorien, Protestbewegungen und seiner fast schon obsessiven Hingabe zu Katie besteht. Max, der Journalist, der Klicks braucht – und doch mehr sucht als Sensation. Tarun, der ehrgeizige Anwalt, kontrolliert und analytisch. Und dann der Ex-Liebhaber, der seine ganz eigene Version von Katie in sich trägt.

Gerade diese Perspektiven haben mich fasziniert. Jede Figur betrachtet Katie durch ihre eigene Brille – geprägt von Gefühlen, Erwartungen, Ängsten. Für den einen ist sie verängstigt, für den anderen nur verunsichert, für den nächsten vielleicht berechnend. Besonders an Max wird deutlich, wie sehr sich der Blick auf einen Menschen verändern kann, wenn neue Informationen ans Licht kommen – und wie schnell Gewissheiten ins Wanken geraten.

Wir erfahren viel über Katies Vergangenheit, ihre Familie, ihren Lebensweg, und nähern uns Stück für Stück der Auflösung. Psychologisch ist das für mich absolut stark konstruiert. Der Einstieg brauchte bei mir etwas Zeit, aber dann hat mich das Buch nicht mehr losgelassen. Und ich habe so gehofft, endlich auch Katies eigene Gedanken lesen zu dürfen – was zum Glück nicht unerfüllt blieb.

Für mich ist das ein psychologischer Roman, der mit Wahrnehmung und unterschiedlichen Sichtweisen spielt wie kaum ein anderes Buch, das ich bisher gelesen habe. Teilweise hätte ich mir noch stärkere Verbindungen gewünscht – aber Menschen sind eben oft komplexer und weniger klar verbunden, als wir es gern hätten. Insgesamt hat mir das Buch sehr gefallen, und ich würde mich über mehr in dieser Richtung freuen.

Fazit:
„Sie war es. Sie war es nicht.“ von Nicci Cloke ist ein psychologisch raffiniert aufgebauter Roman über Wahrnehmung, Schuld und die Frage, wie viele Wahrheiten in einem Menschen sind. Kein reißerischer Thriller, sondern ein vielschichtiges Spiel mit Perspektiven und Projektionen. Wer Spannung nicht nur im Tempo, sondern im Denken sucht, wird hier fündig.

4 Sterne von mir!

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.02.2026

Sannas Vorgeschichte

Krähentochter
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Worum geht’s?
1986 wird Sanna als junge Polizistin in einen kleinen Ort geschickt. Dort wird ein Mädchen vermisst. Bei ihren Nachforschungen stößt Sanna auf Verbindungen zu einem zwei Jahre zurückliegenden ...

Worum geht’s?
1986 wird Sanna als junge Polizistin in einen kleinen Ort geschickt. Dort wird ein Mädchen vermisst. Bei ihren Nachforschungen stößt Sanna auf Verbindungen zu einem zwei Jahre zurückliegenden Mordfall. Ist der damals verurteilte Täter doch nicht der Mörder?

Meine Meinung:
Die Berling-und-Pedersen-Reihe hat mich bislang wirklich überzeugt, also war die Vorfreude auf Band 3, „Krähentochter“ von Maria Grund, entsprechend groß. Und dann katapultiert uns die Autorin einfach mal komplett zurück ins Jahr 1986. Kein langsames Reingleiten, kein behutsamer Übergang. Zack, Vergangenheit. Der Schreibstil ist wie gewohnt atmosphärisch und lebendig. Man spürt die Kälte, die Enge des kleinen Ortes, das Misstrauen, das wie Nebel zwischen den Häusern hängt. Das Buch liest sich schnell, weil man permanent wissen will, was hinter all dem steckt.

Was mich allerdings irritiert hat: Ich habe die ganze Zeit damit gerechnet, dass wir irgendwann in die Gegenwart zurückspringen. Dass sich Vergangenheit und Jetzt verweben. Aber nein. Dieses Buch gehört ganz allein Sanna. Es erzählt ihre Anfänge, ihren Kampf darum, als junge Frau in einer männerdominierten Polizei ernst genommen zu werden. Eir habe ich ehrlich gesagt vermisst. Vor allem die besondere Dynamik zwischen den beiden. Die Verbindung zur eigentlichen Serie ist eher lose, fast wie ein eigenständiger Vorgeschmack auf das, was Sanna für die Zukunft prägt.

Inhaltlich geht es diesmal um verschwundene Jugendliche. Der Mord an Olof Palme wird am Rande erwähnt, bleibt aber eher Hintergrundrauschen. Das fand ich ein wenig schade, weil gerade diese politischen Verflechtungen die ersten beiden Bände für mich so besonders gemacht haben. Was mich dagegen absolut gepackt hat, waren die Ermittlungen mit den Mitteln der 80er. Keine digitalen Datenbanken, keine schnellen Abfragen, kein technischer Luxus. Nur Intuition, Gespräche, Beobachtungen und Hartnäckigkeit. Zu sehen, wie Sanna sich durch ein Geflecht aus Lügen, Schweigen und Halbwahrheiten arbeitet, war richtig stark.

Die Schauplätze sind düster und intensiv beschrieben, fast schon bedrückend. Die Figuren bleiben lange undurchsichtig, jeder scheint etwas zu verbergen. Und gegen Ende zieht das Tempo spürbar an. Die Wendungen kommen dichter, der Druck steigt – und das Finale? Unerwartet, erschreckend und gleichzeitig erschreckend logisch. Genau diese Mischung bleibt hängen. Und jetzt sitze ich hier und denke mir: Gut gespielt, Maria Grund. Wirklich gut gespielt. Gut, dass Band 4 schon vor der Türe steht.

Fazit:
„Krähentochter“ von Maria Grund ist kein klassischer Serienband, sondern eine intensive Reise in Sannas Vergangenheit. Wer eine direkte Fortsetzung der Berling-und-Pedersen-Dynamik erwartet, wird überrascht sein – im positiven wie im irritierenden Sinne. Der Roman punktet mit dichter Atmosphäre, starken Ermittlungsdetails aus den 80ern und einer spannenden Figurenentwicklung. Besonders Sannas Kampf um Anerkennung verleiht der Geschichte emotionale Tiefe. Trotz kleiner Abzüge wegen der losen Serienanbindung ist „Krähentochter“ ein packender, eigenständiger Thriller, der neugierig auf alles macht, was noch kommt.

4 Sterne von mir!

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Zwischen Skizzen und Sonnenbrille

Karl Lagerfeld
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Worum geht’s?
Karl Lagerfeld wusste schon immer, was er wollte – und war seiner Zeit meist mehrere Schritte voraus. Als vielseitig interessierter, hochbegabter und unermüdlich arbeitender Mensch hat er ...

Worum geht’s?
Karl Lagerfeld wusste schon immer, was er wollte – und war seiner Zeit meist mehrere Schritte voraus. Als vielseitig interessierter, hochbegabter und unermüdlich arbeitender Mensch hat er nicht nur Mode entworfen, sondern die Modewelt nachhaltig revolutioniert.

Meine Meinung:
Dies war tatsächlich meine erste Graphic Novel – entsprechend neugierig war ich, was mich erwartet. „Karl Lagerfeld“ von Michele Botton, mit Illustrationen von Filippo Beretta, ist ein außergewöhnliches Buch, das mich sofort in seinen Bann gezogen hat. Besonders gelungen fand ich, dass viele Sprechblasen offenbar mit Originalzitaten von Karl arbeiten. Das verleiht der Geschichte Authentizität und bringt seinen scharfzüngigen, pointierten Charakter wunderbar zum Ausdruck.

Die Zeichnungen sind auf den ersten Blick ungewöhnlich und vielleicht sogar etwas gewöhnungsbedürftig. Teilweise wirken sie bewusst skizzenhaft und nicht bis ins Detail ausgearbeitet. Doch genau das passt perfekt zu diesem Werk. Ich fühlte mich stark an die Designentwürfe erinnert, die Karl Lagerfeld selbst geschaffen hat – reduziert, präzise, fokussiert auf das Wesentliche.

Das Buch ist schnell gelesen und dennoch erstaunlich intensiv. Wir wechseln zwischen Kindheit, Jugend und seinem späteren Leben. Wir erfahren, was ihn geprägt und angetrieben hat. Welche Begegnungen ihn formten. Ich hätte beispielsweise nie gedacht, dass er ein so enges Verhältnis zu seiner Schwester hatte. Wir erleben, wie aus Freunden Konkurrenten werden, und erfahren von seiner größten Liebe – und seinem größten Verlust.

Trotz Ruhm, Öffentlichkeit und einem Leben im Rampenlicht wirkte er auf mich oft erstaunlich einsam. Vielleicht geht es euch beim Lesen dieser Graphic Novel ähnlich. Es scheint, als hätte er nur sehr wenige wirkliche Vertraute an seiner Seite gehabt – und natürlich Choupette. Ansonsten dominierte vor allem eines sein Leben: die Arbeit. Sein Ehrgeiz, sein Perfektionismus, sein unbedingter Wille, der Mode immer einen Schritt voraus zu sein. Besonders beeindruckt hat mich seine Zeit bei Chanel und wie er dort Tradition und Moderne miteinander verschmolzen hat. Wie er Bestehendes nicht einfach bewahrte, sondern neu definierte und ihm seine ganz eigene Handschrift verlieh.

Beim Schreiben dieser Rezension wird mir vor allem eines bewusst: Es ist erstaunlich, wie viel eine Graphic Novel transportieren kann. Wie viel Tiefe, Persönlichkeit und Entwicklung sich durch gezielt eingesetzte Bilder und wenige, prägnante Worte vermitteln lassen. Dieses Buch konzentriert sich auf die entscheidenden Stationen seines Lebens – und bringt Karl Lagerfeld als Mensch hinter der Ikone eindrucksvoll zum Vorschein.

Ein Werk, das man nicht nur einmal liest, sondern immer wieder zur Hand nimmt, um erneut durchzublättern und Neues zu entdecken.

Fazit:
„Karl Lagerfeld“ von Michele Botton, illustriert von Filippo Beretta, ist eine außergewöhnliche Graphic Novel, die eindrucksvoll zeigt, wie viel Tiefe in wenigen Bildern und prägnanten Worten stecken kann. Stilvoll, klug und überraschend nahbar wird hier nicht nur die Modeikone, sondern vor allem der Mensch Karl Lagerfeld greifbar gemacht. Eine visuell besondere Biografie, die Lust macht, immer wieder hineinzublättern und neue Details zu entdecken.

5 kreative Sterne von mir!

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Wenn niemand deine Schreie hört

Schattenkind (Ewert Grens ermittelt 5)
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Worum geht’s?
Ewert Grens wird in den Ruhestand versetzt. Eigentlich endgültig. Doch als Piet Hoffmann aus dem Gefängnis heraus um seine Hilfe bittet, weil der Tod eines Kindheitsfreundes ungeklärt bleibt, ...

Worum geht’s?
Ewert Grens wird in den Ruhestand versetzt. Eigentlich endgültig. Doch als Piet Hoffmann aus dem Gefängnis heraus um seine Hilfe bittet, weil der Tod eines Kindheitsfreundes ungeklärt bleibt, kehrt Ewert noch einmal zurück. Ein letzter Fall. Vielleicht.

Meine Meinung:
Ich mag die Krimiserie rund um Ewert Grens einfach. Sie fühlt sich anders an als viele andere Reihen, weil sie unbequeme Themen aufgreift, nachwirkt und unter die Haut geht. Auch im fünften Band, „Schattenkind“, bleibt Anders Roslund dieser Linie treu und schickt uns direkt hinter schwedische Gardinen.

Diesmal steht allerdings nicht Ewert im Mittelpunkt, sondern sein ehemaliger Partner Piet Hoffmann. Jahrelang hat er für Ewert die Unterwelt infiltriert, jetzt sitzt er selbst im Gefängnis. Dort wird er brutal mit seiner eigenen Kindheit konfrontiert, als ein neuer Mitgefangener auftaucht: der kleine Bruder seines besten Freundes, dessen großer Bruder mit nur 15 Jahren im Jugendknast ermordet wurde. Die Figuren sind dabei extrem stark gewählt. Hier wirkt niemand austauschbar, jede Figur bringt Gewicht, Geschichte und emotionale Tiefe mit und macht die Atmosphäre noch greifbarer.

Roslund zieht uns tief hinein in die Gefängniswelt. In den Jugendknast von vor 30 Jahren mit all seiner Willkür, Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Und parallel in die Gegenwart, zu der Angst der Jugendlichen vor der Freiheit, weil sie kaum eine echte Chance haben, auszusteigen. Dazu kommt der Blick auf den Alltag eines Wärters und erwachsener Insassen. Diese beiden Zeitebenen, damals und heute, bilden einen intensiven, ungewöhnlichen Rahmen, auf dem der Fall aufgebaut ist – spannend, dicht und stellenweise fast thrillerhaft.

Ich war komplett gefesselt von den Ermittlungen, die Piet und Ewert anstellen, von den Perspektiven, die sich öffnen, und von den Themen, die mitschwingen: Gewalt, Freundschaft, Hoffnung und Verlust. Für mich ist dieser Band möglicherweise der bislang stärkste der Reihe. Ein echter Pageturner mit authentischen Ermittlungen und einer Lösung, die sich nicht einfach sauber einordnen lässt. Unerwartet und so nicht vorhersehbar. Oder vielleicht doch? Lesen. Herausfinden. Und bitte, lieber Ewert, bleib noch ein bisschen im Dienst.

Fazit:
Anders Roslund liefert mit „Schattenkind“ einen Kriminalroman, der weit über klassische Ermittlungsarbeit hinausgeht. Der Blick in die Gefängniswelt, die starken Figuren und die klug verwobenen Zeitebenen sorgen für eine enorme Sogwirkung. Besonders Piet Hoffmann verleiht der Geschichte emotionale Tiefe und moralische Schärfe. Spannung, Atmosphäre und Nachhall greifen hier perfekt ineinander. Für mich ein herausragender Band der Ewert-Grens-Reihe.

5 fesselnde Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Die Frau hinter der Legende

Kleopatra
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Worum geht’s?
Nach dem Tod ihres Vaters wird die 19-jährige Kleopatra zur Pharaonin gekrönt. Doch zwischen Kriegen, politischen Machtspielen und römischen Intrigen muss sie sich ihren Platz erst erkämpfen. ...

Worum geht’s?
Nach dem Tod ihres Vaters wird die 19-jährige Kleopatra zur Pharaonin gekrönt. Doch zwischen Kriegen, politischen Machtspielen und römischen Intrigen muss sie sich ihren Platz erst erkämpfen. Ägypten beugt sich nicht allein vor einer Krone. Und während Schwerter gezogen und Bündnisse geschmiedet werden, begegnet sie auch der Liebe.

Meine Meinung:
Schon das Cover zog mich magisch an – und „Kleopatra“ von Saara El-Arifi hielt dieses Versprechen mit jeder einzelnen Seite. Geschichten über Kleopatra gibt es viele. Doch selten habe ich sie so nah erlebt, so roh, so vielschichtig. Dieser Roman nimmt uns nicht mit auf eine Reise durch historische Fakten – er stößt uns mitten hinein in eine Welt aus Hitze, Staub, Gold und Blut.

Die Entscheidung, Kleopatra selbst erzählen zu lassen, ist dabei ein genialer Schachzug. Ihre Stimme ist klug, selbstbewusst, manchmal ironisch, manchmal verletzlich. Sie spricht uns direkt an, nimmt Aussagen zurück, greift der Geschichte vor, reflektiert ihre eigenen Entscheidungen – als würde sie mit uns am Nil sitzen und ihr Leben neu zusammensetzen. Dadurch entsteht eine richtig intensive Nähe zu ihr. Man spürt ihre Zweifel ebenso wie ihren Ehrgeiz. Ihre Einsamkeit ebenso wie ihre Entschlossenheit.

Besonders beeindruckt hat mich, wie Saara El-Arifi es schafft, Machtpolitik und Emotionen miteinander zu verweben. Intrigen sind hier keine bloßen historischen Randnotizen, sondern existenzielle Bedrohungen. Jede Entscheidung kann Leben kosten. Jede Allianz ist brüchig. Und doch bleibt Kleopatra nie nur Herrscherin – sie bleibt Geliebte, Mutter, Freundin. Ihre Beziehung zu Charmion gibt ihr Erdung, ihre Kinder geben ihr Verantwortung, und ihre Begegnungen mit römischen Machtfiguren wie Caesar und Marcus Antonius zeigen eine Frau, die auf Augenhöhe agiert – leidenschaftlich, strategisch, niemals naiv.

Ich mochte besonders, wie viel Raum ihre Wissbegierde einnimmt. Diese Kleopatra will verstehen, heilen, lernen. Sie ist nicht nur Symbolfigur, sondern Denkerin, Beobachterin, Gestalterin ihrer eigenen Legende. Das macht sie so modern. So greifbar. Und gleichzeitig bleibt sie durchzogen von einer fast mythischen Aura. Beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, nicht über Kleopatra zu lesen, sondern mit ihr durch diese Jahrzehnte zu schreiten. Ihre Triumphe fühlen sich verdient an, ihre Verluste treffen. Der Roman ist atmosphärisch dicht, bildgewaltig und zugleich emotional tief. Ein Pageturner, der nicht auf laute Effekte setzt, sondern auf Charakter, Spannung und innere Konflikte. Und genau deshalb war dieses Buch für mich ein echtes Highlight.

Fazit:
„Kleopatra“ von Saara El-Arifi ist weit mehr als eine historische Nacherzählung. Es ist ein atmosphärisches, kraftvolles Porträt einer Frau, die zwischen Macht und Menschlichkeit ihren eigenen Weg geht. Saara El-Arifi schenkt uns eine Kleopatra, die greifbar wird, verletzlich und doch unerschütterlich. Dieser Roman verbindet politische Intrigen mit emotionaler Tiefe und erschafft eine Heldin, die noch lange nach dem letzten Kapitel im Gedächtnis bleibt. Für mich war „Kleopatra“ von Saara El-Arifi ein absolutes Highlight und ein Buch, das ich mit Sicherheit noch einmal lesen werde.

5 königliche Sterne von mir!

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