Profilbild von BUTTERFLY72

BUTTERFLY72

Lesejury Star
offline

BUTTERFLY72 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit BUTTERFLY72 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.02.2026

Viel Potenzial, wenig Abschluss

Schattenmädchen
0

Die 25jährige Studentin Isabelle Karlsson ist spurlos verschwunden. Fredrika Storm und Henry Calment überprüfen den Fall und stellen schnell fest, dass offenbar ein Verbrechen vorliegt. Schließlich entdecken ...

Die 25jährige Studentin Isabelle Karlsson ist spurlos verschwunden. Fredrika Storm und Henry Calment überprüfen den Fall und stellen schnell fest, dass offenbar ein Verbrechen vorliegt. Schließlich entdecken die Ermittler Ähnlichkeiten zu einem sieben Jahre alten Fall.

Dies ist bereits der dritte Fall für Fredrika Storm und ihren Partner Henry Calment.

Fredrika hadert weiterhin mit der Erkenntnis, dass ihre Mutter noch lebt und sich bewusst gegen sie entschieden hat. Dieser innere Konflikt bestimmt ihr Handeln stark. Einerseits sucht sie Hilfe, andererseits lehnt sie konsequent Ratschläge ab. Sie wirkt zwiegespalten, egoistisch und wenig teamfähig. Alles muss nach ihrer Nase gehen. Insgesamt empfand ich sie als sehr anstrengend und durchgehend negativ eingestellt.

Henry bemüht sich zwar, Fredrika beizustehen, doch sie lässt ihn kaum an sich heran. Gleichzeitig trägt er selbst schwer an der Situation mit seiner Exfreundin, die ihm offenbar seine Tochter vorenthalten hat. Auffällig und ehrlich gesagt auch irritierend ist, dass sowohl Fredrika als auch Henry gerne kluge Ratschläge verteilen, diese aber selbst konsequent ignorieren. Beunruhigend fand ich zudem, dass beide als Polizisten andere Menschen stalken. Fredrika ihre Halbschwester, Henry seine Expartnerin. Das wirkte nicht nur unprofessionell, sondern auch verstörend.

Auch der Kriminalfall konnte mich diesmal weniger überzeugen. Es dauert lange, bis man überhaupt ein klares Bild der vermissten Isabelle bekommt, zusätzlich wird noch der alte Fall um Petra eingebracht. Thematisch greift der Roman zwar wichtige und relevante Aspekte auf, darunter Machtmissbrauch, Sexismus und Stalking, doch die Ermittlungen konzentrieren sich meiner Meinung nach viel zu stark auf einen einzelnen Verdächtigen, anstatt mehrere Richtungen ernsthaft zu verfolgen.

Das Ende empfand ich als unbefriedigend, da für mich ein echter Abschluss fehlte. Die zusätzliche Nebengeschichte rund um einen Wolf wirkte auf mich vollkommen unnötig und trug nichts zur Handlung bei. Auch im privaten Umgang mit Konflikten zeigten sich beide Ermittler nicht gerade von ihrer reflektierten Seite. Hier waren sie definitiv nicht die hellsten Kerzen auf der Torte. Positiv hervorzuheben ist weiterhin der Schreibstil der Autorin. Dieser ist flüssig, fesselnd und sehr angenehm zu lesen. Man kommt schnell voran, was das Buch trotz aller Kritik gut lesbar macht.

Fazit: Diesmal hatte ich große Schwierigkeiten mit den Hauptfiguren, insbesondere mit Fredrika. Trotz starker Themen und gutem Stil war "Schattenmädchen" für mich insgesamt enttäuschend und der bisher schwächste Teil der Reihe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.02.2026

Unterhaltsam, aber kein Highlight

Mord & Breakfast
0

Melody Moss verliert ihren Job als Journalistin. Doch um in Selbstmitleid zu zerfliessen, bleibt nicht viel Zeit. Ihre Tante Mable ist tödlich verunglückt und hat ihr ihren Bed & Breakfast hinterlassen. ...

Melody Moss verliert ihren Job als Journalistin. Doch um in Selbstmitleid zu zerfliessen, bleibt nicht viel Zeit. Ihre Tante Mable ist tödlich verunglückt und hat ihr ihren Bed & Breakfast hinterlassen. Beim Durchsehen von Mables Sachen kommen Melody Zweifel an der Todesursache ihrer Tante.

"Mord & Breakfast" von Anne Gordon ist der Reihenauftakt rund um Melody Moss, B&B-Besitzerin im schönen Schottland.

"Mord & Breakfast" ist ein klassischer Cozy Crime, der sich gut für entspannte Lesestunden zwischendurch eignet, aber keine großen Überraschungen bereithält. Die Protagonistin Melody war mir zu Beginn ehrlich gesagt nicht besonders sympathisch. Sie wirkt sehr von sich überzeugt und begegnet anderen oft herablassend. Gerade deshalb habe ich mich gefragt, warum Mable ausgerechnet ihr das Bed & Breakfast hinterlassen hat. Eine enge oder besonders herzliche Beziehung zwischen den beiden wird jedenfalls nicht wirklich deutlich.

Die Kriminalhandlung selbst bleibt recht geradlinig. Es gibt weder große Wendungen noch echte Überraschungsmomente, vieles ist früh vorhersehbar. Wer also Spannung oder Raffinesse sucht, wird hier eher nicht fündig. Als klassischer Cozy Crime ist die Geschichte bewusst leicht gehalten und nicht sonderlich anspruchsvoll. Trotzdem hat das Buch seinen Charme. Die Atmosphäre ist gemütlich, das Setting passt gut zum Genre, und für Fans von Cozy Crime ist es ein angenehmer, unkomplizierter Zeitvertreib.

Fazit: Ein netter Cozy Crime für zwischendurch, vorhersehbar, aber gemütlich.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.02.2026

Starke Figuren, schwache Geschichte

Unter der Erde Alaskas
0

Die Royal Petroleum Company hat ein großes Drogenproblem und Kate Shugak soll es lösen. Shugak ermittelt bereits in ihrem vierten Fall für die Staatsanwaltschaft in Anchorage, an ihrer Seite Jack Morgan.

Dana ...

Die Royal Petroleum Company hat ein großes Drogenproblem und Kate Shugak soll es lösen. Shugak ermittelt bereits in ihrem vierten Fall für die Staatsanwaltschaft in Anchorage, an ihrer Seite Jack Morgan.

Dana Stabenow ist bekannt für ihre starken Figuren, und auch in "Unter der Erde Alaskas" sind Kate Shugak und Jack wieder das Highlight des Romans. Ihre Dynamik, ihre Eigenheiten und die raue Atmosphäre Alaskas machen es eigentlich leicht, sich auf die Geschichte einzulassen.

Trotzdem bin ich mit diesem Band leider nicht richtig warm geworden. So sehr ich Kate und Jack mag, konnte mich die eigentliche Handlung nicht vollständig überzeugen. Die Geschichte wirkte stellenweise überraschend lieblos erzählt, fast so, als würde sie mehr funktionieren als Pflichtprogramm denn aus echter erzählerischer Leidenschaft heraus. Einige Passagen blieben blass, Spannung baute sich nur punktuell auf, und emotional hat mich der Plot kaum erreicht.

Die Grundidee hätte durchaus Potenzial gehabt, doch die Umsetzung fühlte sich für mich zu distanziert und wenig mitreißend an. Fans der Reihe werden sicher trotzdem ihre Freude an den bekannten Figuren haben, aber im Vergleich zu anderen Romanen der Autorin bleibt dieser Band eher im Mittelfeld.

Fazit: Solide Unterhaltung mit vertrauten Charakteren, aber einer Geschichte, die mich nicht voll abholen konnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.02.2026

Spannende Zeitreise mit Herz, Humor und viktorianischem Flair

Manche Schuld vergeht nie
0

Die Polizistin Allison Dawson arbeitet für eine geheime Einheit in London, die regelmäßig in die Vergangenheit reist, um alte Verbrechen aufzuklären. Doch dieses Mal sitzt sie im Jahr 1850 fest und hofft ...

Die Polizistin Allison Dawson arbeitet für eine geheime Einheit in London, die regelmäßig in die Vergangenheit reist, um alte Verbrechen aufzuklären. Doch dieses Mal sitzt sie im Jahr 1850 fest und hofft auf baldige Rettung. Inzwischen gerät ihr Sohn Finn im Jahr 2023 unter Mordverdacht.

Zu Beginn hatte ich ehrlich gesagt etwas Mühe, in die Geschichte hineinzufinden. Der Schreibstil fühlte sich für mich anfangs ungewohnt an, und ich kann gar nicht genau sagen, woran es lag. Es war einfach dieses Gefühl, noch keinen richtigen Zugang zur Handlung zu haben. Doch zum Glück hat sich das nach einigen Kapiteln gelegt und ab diesem Punkt hat mich das Buch regelrecht gepackt.

Die Grundidee dieser Reihe, Kriminalfälle mit Zeitreisen zu verbinden, finde ich unglaublich faszinierend. Gerade weil Zeitreisen so viele Möglichkeiten bieten, verschiedene Epochen, Menschen und Schicksale miteinander zu verknüpfen. Man merkt schnell, dass man mit diesem Konzept unendlich viele Geschichten erzählen kann, und genau das macht den Reiz dieses Buches aus.

Besonders ans Herz gewachsen ist mir Ali. Sie ist eine starke, sympathische Figur mit viel Sarkasmus und trockenem Humor, etwas, das mir persönlich sehr gefallen hat. Auch die Beziehung zu ihrem Sohn Finn fand ich berührend. Allein die Vorstellung, in einer fremden Zeit festzusitzen, nicht zu wissen, ob man jemals nach Hause zurückkehren kann, und die Angst, sein eigenes Kind vielleicht nie wiederzusehen, hat mich emotional sehr mitgenommen. Umso beeindruckender fand ich, wie Ali versucht, sich der viktorianischen Zeit anzupassen, trotz aller Hindernisse und Rückschläge. Ich habe bis zum Schluss mit ihr mitgefiebert. Ihre Tierliebe hat sie für mich nur noch sympathischer gemacht, damit kriegt man mich einfach immer. Auch Johns Geschichte hat mich sehr berührt. Er ist ebenfalls eine Figur, die man schnell ins Herz schließt. Ich rechne es ihm hoch an, was er für Ali getan hat, und fand seine Loyalität und Menschlichkeit sehr bewegend.

Ein schönes Extra war für mich die Nebengeschichte mit den Katzen in beiden Zeiten. Sie wirkte nicht aufgesetzt, sondern wie eine kleine, liebevolle Ergänzung zur Hauptgeschichte, die dem Buch zusätzliche Wärme gegeben hat. Besonders spannend und interessant fand ich den Einblick in die viktorianische Zeit um 1850. Diese Epoche wurde nicht nur atmosphärisch dicht dargestellt, sondern war auch emotional greifbar. Das Leben, die gesellschaftlichen Zwänge und die Unterschiede zu unserer heutigen Zeit wurden eindrucksvoll vermittelt. Gleichzeitig war dieser historische Teil sehr informativ, ohne trocken zu wirken. Ich bin sehr gespannt, ob es vielleicht in den Folgebänden ein Wiedersehen mit der einen oder anderen Figur geben wird, auch historisch gesehen. Clara mochte ich sehr.

Fazit: Rückblickend kann ich sagen, dass mir "Manche Schuld vergeht nie" unheimlich viel Spaß gemacht hat. Trotz kleiner Startschwierigkeiten hat sich die Geschichte zu einem fesselnden, emotionalen und spannenden Leseerlebnis entwickelt. Ich bin froh, drangeblieben zu sein, und werde die Reihe definitiv weiterverfolgen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.02.2026

Wenn einen die Vergangenheit bis nach Portugal verfolgt

Die Tote von Nazaré
0

Hauptkommissarin Maren Berger ist in den portugiesischen Küstenort Nazaré gereist,  um sich von einer schlimmen Schussverletzung zu erholen. Dann findet sie während eines Spaziergangs eine tote Frau. Als ...

Hauptkommissarin Maren Berger ist in den portugiesischen Küstenort Nazaré gereist,  um sich von einer schlimmen Schussverletzung zu erholen. Dann findet sie während eines Spaziergangs eine tote Frau. Als sie der Polizei die Leiche zeigen möchte, ist diese allerdings spurlos verschwunden.

"Die Tote von Nazaré" hat mich von Anfang an mitgenommen und das nicht nur wegen des spannenden Falls, sondern vor allem wegen der emotionalen Tiefe und der Hauptfigur. Im Mittelpunkt steht Maren Berger, Hauptkommissarin aus Köln, die im portugiesischen Küstenort Nazaré eigentlich Ruhe und Erholung sucht. Schnell wird klar, dass sie diese dringend braucht. Maren ist noch immer stark traumatisiert und kämpft mit den Nachwirkungen einer schweren Schussverletzung, vor allem mit ihren Erinnerungslücken. Ihre Unsicherheit, ihre Selbstzweifel und ihr ständiges Hinterfragen der eigenen Wahrnehmung wirkten auf mich sehr realistisch. Ich habe beim Lesen durchgehend mit ihr mitgefiebert und mitgefühlt.

Was mir besonders gefallen hat, war, wie greifbar Marens Misstrauen dargestellt wird, sowohl gegenüber anderen als auch gegenüber sich selbst. Sie ist keine unerschütterliche Ermittlerin, sondern eine verletzliche, zweifelnde Frau, die versucht, langsam wieder Kontrolle über ihr Leben zu gewinnen. Gerade diese Verletzlichkeit hat sie für mich unglaublich authentisch gemacht.

João Ferreira habe ich sofort gemocht. Er ist sympathisch, aufmerksam und begegnet Maren mit Respekt. Zwischen den beiden habe ich von Anfang an eine gute Chemie gespürt, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Besonders schön fand ich, dass João echtes Interesse an Marens Geschichte zeigt. Die Dynamik zwischen den beiden hat für mich viel zur Atmosphäre des Buches beigetragen.

Ein großes Highlight für mich war das Setting in Portugal. Nazaré ist nicht nur Kulisse, sondern fühlt sich lebendig und präsent an. Das Meer, die Küste, die besondere Atmosphäre des Ortes. All das bildet einen starken Kontrast zu Marens innerer Unruhe und verleiht der Geschichte eine ganz eigene Stimmung. Ich konnte mir die Schauplätze sehr gut vorstellen und hatte beim Lesen immer wieder das Gefühl, selbst dort zu sein. Das portugiesische Setting hebt den Krimi für mich deutlich von vielen anderen ab.

Der Kriminalfall ist spannend aufgebaut und entwickelt sich stetig weiter. Als eine weitere Leiche auftaucht und João Maren um Hilfe bittet, nimmt die Geschichte deutlich an Fahrt auf. Der Moment, in dem klar wird, dass der zweite Tote ein Kollege aus Köln ist, war für mich ein echter Schock. Schon früh hatte ich das Gefühl, dass Maren der Fall bis nach Portugal gefolgt ist und genau dieses Gefühl hat mich bis zum Schluss begleitet.

Der Schreibstil von Miguel Silva ist fesselnd, flüssig und sehr gut verständlich. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen, ohne dass die Tiefe der Figuren oder die Atmosphäre verloren gegangen wären.

Fazit: Für mich ist "Die Tote von Nazaré" ein Krimi, der Spannung, Emotionen und ein außergewöhnliches Setting perfekt miteinander verbindet. Ich hoffe auf eine Fortsetzung. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere