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Veröffentlicht am 09.12.2022

Großartig recherchiert und mit Herzblut erzählt

Die Frauen vom Inselsalon
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Zur Sommerfrische und Bäderkur auf die Insel Norderney ist in der höheren Gesellschaft Anfang des 20. Jahrhundert angesagt. Davon profitieren auch die Inselbewohner, teils ehemalige Fischer. Der gesellschaftliche ...

Zur Sommerfrische und Bäderkur auf die Insel Norderney ist in der höheren Gesellschaft Anfang des 20. Jahrhundert angesagt. Davon profitieren auch die Inselbewohner, teils ehemalige Fischer. Der gesellschaftliche Wandel jener Zeit wird in dieser hervorragend recherchierten Erzählung sehr gut wiedergespiegelt.
Während Frieda, eine robuste Insulanerin, der kränklichen Grete, Tochter eines Berliner Unternehmers, hilft sich trotz ihrer Ängste wohl zu fühlen beginnt eine tiefgehende Freundschaft zwischen den etwa gleichaltrigen Mädchen. Über mehrere Jahre hinweg lässt mich die Autorin teilhaben am familiären Geschehen um die Frauen sowie dem allgemeinen Lebensstil auf Norderney.
Zudem tauche ich ein in das Flair der Insel mit ihren Gerüchen und landschaftlichen Reizen. Ich bin fasziniert von Gesprächen und Methoden im Friseursalon und fühle mich durch den zeitgemäßen Schreibstil, die lebendigen und teils im Dialekt verfassten Dialoge mitten im Geschehen. Das Zeitgeschehen jener Tage stehen ebenso im Vordergrund wie der gesellschaftliche Wandel. Die allumfassenden Änderungen der Mode, die fortschreitende Modernisierung und politische Strömungen fließen in die Erzählung ein.
Träume von der großen Liebe, von unerreichbar scheinenden Zielen und überraschende Wendungen des Schicksals darf ich mit Frieda und den vielen unterschiedlichen Charakteren miterleben. Gespannt verfolge ich wie Greta sich Fragen stellt und schließlich ihre eigenen Wünsche erfüllt.
Die authentisch anmutende Geschichte fängt das Flair dieser Tage bestens ein. Ich sehe die Badekarren, höre das Klappern und Wellenrauschen, leide mit Grete und hoffe mit Frieda auf die perfekte Lösung ihres Dilemmas. Besonders interessant finde ich die detaillierten Schilderungen des facettenreichen Friseurhandwerks. Die tiefgründige Erzählung wirkt durch die gewissenhafte Recherche wie selbst erlebt. Manchmal verliere ich den Faden um die starken Frauen etwas durch die zeitgeschichtlichen Ereignisse, aber die Autorin fängt mich durch ihre überzeugende Art immer wieder ein.
Ich freue mich sehr auf ein Wiedersehen mit den Insulanern. Der erste Teil der Saga endet im Jahre 1914 zu Kriegsbeginn. Ich empfehle diesen historisch fundierten Roman um fiktive Personen sehr gerne.

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Veröffentlicht am 04.12.2022

Faszination Amazonas, Brasilien um 1888 erleben

Die Forscherin. Prinzessin Therese und der Ruf des Amazonas
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Prinzessin Therese von Bayern, geb. 1850, ist für ihre Zeit viel zu sehr an Bildung und Wissenschaft interessiert und bleibt obwohl sie sich sehr jung verliebt hat dazu ihr Leben lang unverheiratet. Die ...

Prinzessin Therese von Bayern, geb. 1850, ist für ihre Zeit viel zu sehr an Bildung und Wissenschaft interessiert und bleibt obwohl sie sich sehr jung verliebt hat dazu ihr Leben lang unverheiratet. Die Exotik Brasiliens fasziniert sie bereits als Mädchen und im Juni 1888 ist es endlich soweit – Therese von Bayern reist als Gräfin Elpen getarnt Richtung Amazonas. Ihre Sammelleidenschaft und Neugier bringt sie und ihre Begleiter immer wieder in Gefahr. Begeistert erforscht sie die Pflanzenwelt der Tropen, bringt ihren Reisemarschall zur Verzweiflung und lernt Land und Leute des Regenwaldes kennen.
Das Buch ist in zwei Zeitebenen und abwechselnde Erzählstränge gegliedert. Therese erwartet in ihrer Lindauer Villa ihre ehemalige Reisegefährtin Veronika um zusammen mit ihr Ordnung in gesammelte Errungenschaften zu bringen. Im Laufe des Besuches erfahre ich als Leser neben Reiseerinnerungen auch ein wenig Zeitgeschichte.
Die Rückblicke empfinde ich fesselnder. Die Schilderungen sind authentisch, beugen sich jedoch für mich auch der Erzählung in manchen Punkten. Unterschiedliche Charaktere der Gruppe und abenteuerliche Ereignisse begeistern und überraschen mich immer wieder.
Nach und nach lässt mich Therese an ihren Erinnerungen teilhaben, zeigt wie ungewöhnlich und aufgeschlossen sie ihren Lebensweg beschritten hat. Ihr Mut, ihre Überzeugungen und Abenteuerlust stehen dem Drang der Neugier, dem Wunsch nach Entdeckungen in Nichts nach. Eingeflochten in den Gegenwartsstrang erzählt Therese teils zudem um ihr Wirken in Bayern.
Begeistert verfolge ich die Erinnerungen der Prinzessin, tauche ein in die geheimnisvolle Welt des Amazonas. Die aufsteigenden Bilder, faszinierende Landschaften und wortreich beschriebene Eindrücke versetzen mich gedanklich in den Regenwald. Ein Highlight für mich ist ein Besuch, der Therese mit Hilfe des Doktors ermöglicht wird.
Unter anderem bringt mich Max Humor immer wieder zum Schmunzeln. Therese und ihre Begleiter meistern die Gefahren, stellen sich der Einsamkeit und den Naturgewalten. Diese Reise bringt sie an ihre Grenzen und schleift die Charaktere wie Rohdiamanten zu einem einzigartigen Stein.
Leider wurde ich durch die zwei Zeitebenen teils im Lesefluss unterbrochen. Falls hiermit zusätzliche Spannung beabsichtigt war hat mich das leider mehr gebremst als beflügelt.
In diesem unterhaltsamen und auf jeden Fall lehrreichen Roman wurden historische Ereignisse und schriftlich festgehaltene Beobachtungen von Prinzessin Therese von Bayern mit Fiktivem verwoben Im Nachwort gibt uns Katharina Innig Einblicke in ihre Recherche.

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Veröffentlicht am 14.11.2022

Hoffnungen und Träume

Als der Wind die Wellen rief
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Das Schicksal zwingt Orla zurück in ihren Heimatort. Die Bewohner sind der jungen Frau immer noch vertraut. Die einzigartige Natur mit ihrer zerklüfteten Küste, der samtigen Dunkelheit mit sternenklaren ...

Das Schicksal zwingt Orla zurück in ihren Heimatort. Die Bewohner sind der jungen Frau immer noch vertraut. Die einzigartige Natur mit ihrer zerklüfteten Küste, der samtigen Dunkelheit mit sternenklaren Nächten sowie das Rauschen von Wellen, Erinnerungen mischen sich mit der Gegenwart. Unerfüllte Träume und beängstigende Gefühle, nie wieder wollte Orla zurückkehren an diesen faszinierenden und zugleich mit traurigen Momenten verknüpften Ort.
Immer wieder läuft ihr Sean über den Weg. Als sich herausstellt das der alte Leuchtturm durch ihn in neuem Glanz erstrahlen wird bietet Orla dem charmanten Fremden ihre Hilfe an. Aus Neugierde wird Zuneigung, doch halt, in Dublin wartet ein Mann auf sie. Soll sie alle Brücken abbrechen und einen Neuanfang wagen? Zumal sich ein eigenartiges Gefühl der jungen Frau bemächtigt. Ungelöste Fragen, rätselhafte Zufälle, oder gibt es eine Verbindung?
Die Autorin fesselt mich geschickt durch Perspektivenwechsel und zwei Zeitebenen. Einerseits erlebe ich mit Orla ihre Rückkehr voller aufwühlender Erinnerungen. Ihre Suche nach innerer Stärke, der richtigen Entscheidung . Gleichzeitig manövriert sich ihr Bruder Kieran in große Schwierigkeiten. Orla gibt ihr Bestes ihm beizustehen.
Andererseits geht es zurück ins Jahr 1997. Rosie nimmt mich mit in ihre Kindheit. Lachen, Wut und Tränchen, rasante Radtouren und geheime Treffen.
Durch diese Erzählform finden sich im Laufe der Handlung Verknüpfungspunkte. Ich bin gespannt wie sich die verworrenen, losen Fäden verknüpfen. Dank der bildhaften Schilderungen sehe ich die wilde Schönheit der irischen Küstenlandschaft vor mir. Emotional bewegt durch die einfühlsame Schreibweise spüre ich Hoffnungen und Ängste, gebe mich Träumen hin und genieße den Zauber der Freiheit. Typisch irische Ausdrücke sorgen zudem für authentisches Flair.
Die im Vorwort gegebenen Erklärungen zu integrierten Themen wie Autismus und Irish Travellers finde ich hilfreich.
Der ergreifende Roman überrascht mich mit einem unvorhergesehenen Ende, das mich nachdenklich zurücklässt. Einerseits bin ich zufrieden, andererseits verunsichert. Vielleicht ist genau diese Lösung die Richtige? Begib dich am besten selbst auf die stimmungs- und bildstarke Reise nach Irland um es herauszufinden.

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Veröffentlicht am 09.11.2022

Faszination Liebe, zuckersüß und gefährlich giftig zugleich

Queen of the Wicked 1: Die giftige Königin
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Die Gärten von Alnwick sind Belladonnas Zuhause, insbesondere der Poison Garden mit seinen unzähligen Giftpflanzen. Doch schlagartig verändert sich alles für die Gifthexe Belladonna. Magick durchflutet ...

Die Gärten von Alnwick sind Belladonnas Zuhause, insbesondere der Poison Garden mit seinen unzähligen Giftpflanzen. Doch schlagartig verändert sich alles für die Gifthexe Belladonna. Magick durchflutet die Nacht, plötzlich findet sich Belladonna im Schloss wieder, sie ist die neue Hexenkönigin! Flucht ist ihr erster Gedanke.
Doch nicht nur die Beraterin der ehemaligen Königin beeinflusst ihr neues Leben, nein, der Verlobte der Verstorbenen umgarnt Belladonna. Immer wieder überrascht der verhasste Dämon die junge Herrscherin.
Zwischen Abneigung und Hass entstehen neue Gefühle. Ängste und Hoffnungen, Schrecken und gierige Lust. Wem kann Belladonna trauen? Welche Weggefährten sind ebenso treu wie ihre vielgeliebten Giftpflanzen? Und reicht ihre Magie überhaupt aus um das mächtige Hexenvolk vor Schaden zu bewahren?
Der fesselnde Schreibstil lässt mich schnell in die Geschichte eintauchen. Vor meinem Auge entstehen sich windende Ranken und entfesselte Mächte der Finsternis jagen einander. Ich verfolge gespannt wie aus der jungen Hexe Belladonna eine mutige Königin wird. Mit welchen dämonischen Schachzüge Blake seiner Königin ein Lächeln entlockt. Wie sich die Geschichte ineinander fügt.
Mein Leseerlebnis wurde hin und wieder durch unlogische Szenen unterbrochen, welche ich der überbordenden magischen Energie zuschreibe. Nicht alles war für mich trotz Romantasy nachvollziehbar. Aber insgesamt konnte mich die Autorin mit ihrer Erzählung zauberhaft unterhalten. Viele magische Augenblicke und Einblicke in die Anderswelt haben mein Kopfkino in Schwung gebracht. Beeindruckt hat mich zudem wie flüssig die Autorin Wissen um pflanzliche Gifte in die Erzählung integriert hat.
Die im Anschluss angebrachten Content Warnings decken sich mit der Geschichte. Gewalt, Tod, Blut und etliche mehr sind unweigerlich mit einer faszinierenden Hexen – Dämonen Romantasy verbunden.

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Veröffentlicht am 24.10.2022

Eintauchen in vergangene Zeiten

Fräulein Wünsche und die Wunder ihrer Zeit
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Aufgeben? Nein, Familie Wünsche kämpft. Eine kleine Bretterbude ist der Anfang ihrer neuen Buchhandlung in Frankfurt. Die Kontakte aus der ehemaligen Zeit in Leipzig bestehen zum Teil noch. Dennoch ist ...

Aufgeben? Nein, Familie Wünsche kämpft. Eine kleine Bretterbude ist der Anfang ihrer neuen Buchhandlung in Frankfurt. Die Kontakte aus der ehemaligen Zeit in Leipzig bestehen zum Teil noch. Dennoch ist der Neubeginn zwischen den Überresten der ehemals wunderschönen Altstadt, unter dem Druck der alteingesessenen Bürger nicht einfach. Als die 20-jährige Karin unverhofft einem lesebegeisterten GI begegnet ahnt sie noch nicht wie dieser Afroamerikaner ihr Leben verändern wird. Ein wunderschöner Sommer endet abrupt als Billy nach Amerika zurückkehrt. Ihr Schmerz über den Verlust wird abgelöst vom Schock. Schwanger! Sie ist schwanger. Verzweiflung und Kampfgeist, Ängste und Hoffnung wirbeln in Karin. Sie gibt nicht auf. Mutig geht sie ihren Weg. Findet Beistand und Hilfe. Wird beschimpft und kämpft gegen Vorurteile. Doch über allem schwebt ihre Liebe zur kleinen Line.
Der authentische Schreibstil ist durch sprachliche Anpassung, detaillierte Schilderungen von Kleidung und Zeitgeist sowie verwobenen politischen Ereignissen geprägt. Die Erzählung lässt mich eintauchen in die Zeit um 1950. Ich bin gefesselt von der Lebensfreude und Aufbruchsstimmung nach all dem Leid des Krieges. Die unterschiedlichen Mentalitäten und Gesellschaftsschichten, Rebellion gegen althergebrachte Zwänge sowie noch vorhandenes Gedankengut schüren Vorurteile und Missgunst. Kriegsverletzungen, ob sichtbar oder seelisch, traumatisieren noch immer. Sprachbarrieren sind zu überwinden und damalige Rechte sind heutzutage teils undenkbar.
Doch mutig und mit vereinten Kräften gelingen Erfolge, werden Rückschläge überwunden und Siege errungen. Zeitgemäße Buchtitel fließen ebenso in die Handlung ein wie der Zauber von Büchern oder der verborgene Alltag im Packraum.
Ich habe die Geschichte anfangs verschlungen und bin immer noch ergriffen. Auf spannende Ereignisse folgen ruhigere Momente, die jedoch sehr aufschlussreich in Sachen Zeitgeist jener Nachkriegszeit gestaltet sind. Die ausgiebige Recherche der Autorin spiegelt sich in jedem Kapitel wieder. Eine Begegnung, ein Schicksalsschlag. Einerseits überrascht mich die Autorin, andererseits hatte ich eine Ahnung. Wie gerne würde ich Karin und Vera, ihre Schwester, Line und all die anderen noch weiter begleiten.
Zitat: Das Herz aller Dinge, schoss ihr durch den Kopf. Das war sie, ihre Tochter. Das Herz aller Dinge.
Lesespaß der bildet, Unterhaltung die berührt und im Gedächtnis bleibt.

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