Wien wie es leibt und lebt
Heinz und sein HerrlInmitten all der tausenden deutschsprachigen Neuerscheinungen, die jedes Jahr auf den Markt kommen, sind auch nicht wenige österreichische Publikation – doch sie werden meist übersehen. Nicht so „Heinz ...
Inmitten all der tausenden deutschsprachigen Neuerscheinungen, die jedes Jahr auf den Markt kommen, sind auch nicht wenige österreichische Publikation – doch sie werden meist übersehen. Nicht so „Heinz und sein Herrl“ von Eva Woska-Nimmervoll. Und wie könnte man dieses gloriose Trio auch übersehen? Sie stehen im Mittelpunkt einer Geschichte, die sich wie eine Blume entfaltet – harmlos, unscheinbar aber gleichzeitig hocWhinteressant.
In ihrem ersten Roman nimmt Eva Woska-Nimmervoll mit in die Tiefen von Wien – nicht unbedingt die touristischen Höhepunkte, sondern viel mehr das „echte“ Wien, wie es die Leute, die dort leben, erleben. Heinz und sein Herrl gehören dazu. Ihr Leben im Gemeindebau würde sicher von einigen das Prädikat „eintönig“ erhalten, aber das ist es eigentlich gar nicht, denn ihr Alltag ist abwechslungsreich – und dann ist da auch noch die Sache mit dem Nachbarn. Genau wie der Hund des Herrls heißt der nämlich Heinz, kann aber der Hund Heinz überhaupt nicht leiden und eines Tages kommt eins aufs andere und kurz darauf ist der Nachbar tot. Gemeinsam mit seinen Freunden versucht das Herrl herauszufinden, was wirklich passiert ist und gewährt dabei immer wieder Blicke in seine Vergangenheit. Am Ende gibt es kein Fazit, der Leser kann selbst entscheiden, was wirklich los war, aber das ist auch gar nicht wichtig. Denn „Heinz und sein Herrl“ ist keine Mördersuche sondern vielmehr eine Reise des Herrls zu sich selbst.
Dabei überzeugt Woska-Nimmervoll auf voller Linie. Die Sprache ist abwechslungsreich, auch viel Wienerisches ist dabei, doch dem preußischen Leser wird hinten separat das Vokabular erläutert. Die Charaktere haben alle einen gewissen Charme und man kann gar nicht anders, als sie zu mögen. Und dann ist da noch die Handlung – wunderbar verschroben und definitiv nicht langweilig.
Da man alles aus den Augen des Herrls erlebt bleibt viel Raum für Spekulationen und während im Buch die verschiedensten Hypothesen aufgestellt werden fiebert der Leser fleißig mit. Und durch die relativ kurzen Kapitel kann man auch zwischendurch immer wieder rein lesen.
Insgesamt ist das Buch eine absolute Empfehlung für Liebhaber schräger Geschichten.