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Veröffentlicht am 18.01.2026

Wenn Mitbestimmen stärker ist als Brüllen – ein kluges Bilderbuch über Zusammenhalt

Genug gebrüllt, Löwe – jetzt bestimmen wir
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Mit „Genug gebrüllt, Löwe – jetzt bestimmen wir“ gelingt Günther Jakobs ein ebenso humorvolles wie kluges Bilderbuch, das Kindern spielerisch erklärt, was Demokratie bedeutet – ganz ohne trockene Belehrung. ...

Mit „Genug gebrüllt, Löwe – jetzt bestimmen wir“ gelingt Günther Jakobs ein ebenso humorvolles wie kluges Bilderbuch, das Kindern spielerisch erklärt, was Demokratie bedeutet – ganz ohne trockene Belehrung. Im Mittelpunkt steht der Löwe, der in der Savanne gewohnt ist, lautstark zu bestimmen, wo es langgeht. Alle anderen Tiere folgen, ob sie wollen oder nicht. Doch dann verliert der Löwe seine Stimme. Kein Brüllen mehr, keine Befehle – und plötzlich steht alles Kopf.

Ohne den gewohnten „Anführer“ beginnt zunächst das Chaos. Jeder macht, was er will, Regeln gelten nicht mehr, Missverständnisse und Streit nehmen zu. Doch genau in diesem Durcheinander entsteht etwas Neues: Die Tiere merken, dass es so nicht weitergehen kann, und setzen sich zusammen. Sie reden miteinander, hören einander zu und einigen sich auf gemeinsame Absprachen. Schritt für Schritt entsteht eine Ordnung, die nicht auf Angst oder Lautstärke basiert, sondern auf Rücksicht und Zusammenarbeit.

Die Geschichte ist leicht verständlich, witzig erzählt und voller kleiner Situationen, in denen Kinder sich selbst wiederfinden können. Besonders schön ist, dass der Löwe nicht zum Bösewicht gemacht wird, sondern lernen darf, dass Zuhören manchmal wichtiger ist als das Sagenhaben. Die Illustrationen sind farbenfroh, klar und voller liebevoller Details, die zum Entdecken einladen und das Vorlesen lebendig machen.

Neben dem großen Thema Demokratie vermittelt das Buch ganz nebenbei auch, warum Regeln sinnvoll sind, wie Konflikte entstehen und dass man gemeinsam oft bessere Lösungen findet als allein. Es eignet sich hervorragend als Gesprächsanlass – ob zu Hause oder in der Kita – und zeigt, dass Mitbestimmung nichts Abstraktes ist, sondern im Alltag beginnt.

Ein warmherziges, lustiges und zugleich tiefgründiges Bilderbuch, das Kinder ernst nimmt und ihnen Mut macht, ihre Stimme zu nutzen. Ein echtes Vorlese-Highlight, das nicht nur unterhält, sondern auch nachhaltig wirkt.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Zwischen verpassten Wegen und leiser Hoffnung – ein stiller Roman über ein ungelebtes Leben

Tage des Lichts
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Mit „Tage des Lichts“ erzählt Megan Hunter die Geschichte einer Frau, deren Leben nicht in großen dramatischen Bögen, sondern in stillen inneren Verschiebungen verläuft. Im Mittelpunkt steht Ivy, deren ...

Mit „Tage des Lichts“ erzählt Megan Hunter die Geschichte einer Frau, deren Leben nicht in großen dramatischen Bögen, sondern in stillen inneren Verschiebungen verläuft. Im Mittelpunkt steht Ivy, deren Biografie in sechs ausgewählten Tagen nachgezeichnet wird – Momentaufnahmen, die wie Haltestellen eines langen, oft widersprüchlichen Lebens wirken.

Schon Ivys Kindheit ist geprägt von Gegensätzen: ein kreatives, freigeistiges Elternhaus auf der einen Seite, emotionale Unsicherheit und Instabilität auf der anderen. Der frühe Tod ihres Bruders Joseph wird zum alles überschattenden Einschnitt. Von diesem Verlust ausgehend verändern sich Ivys Blick auf die Welt, auf Nähe, Zukunft und auf sich selbst. Was einst möglich schien, wird vorsichtiger, leiser, begrenzter.

Im Erwachsenenalter findet man Ivy in einem Leben wieder, das mehr funktioniert als erfüllt. Sie ist Ehefrau und Mutter, eingebettet in Routinen, die Sicherheit bieten, aber kaum Raum für Sehnsucht lassen. Man spürt zwischen den Zeilen eine tiefe Müdigkeit, ein ständiges „Was wäre wenn“, das nie laut ausgesprochen wird. Erst die Begegnung mit Frances, einer alten Weggefährtin ihres Bruders, reißt alte Gefühle auf. Aus vorsichtiger Annäherung entwickelt sich eine Beziehung, die Ivy zwingt, ihre bisherigen Entscheidungen zu hinterfragen – und sich zum ersten Mal ernsthaft mit dem eigenen, unterdrückten Wunsch nach Selbstbestimmung auseinanderzusetzen.

Megan Hunter erzählt diese Geschichte mit großer Zurückhaltung. Die Sprache ist ruhig, poetisch und von feiner Melancholie getragen. Vieles bleibt unausgesprochen, liegt zwischen den Sätzen, in kleinen Gesten und Gedanken. Wer einen spannungsreichen, handlungsgetriebenen Roman erwartet, wird hier nicht fündig. Stattdessen entfaltet sich ein stilles, eindringliches Porträt eines Lebens, das von Verlust, Anpassung und vorsichtigen Neuanfängen geprägt ist.

Gerade diese Zurückhaltung macht die Stärke des Buches aus. „Tage des Lichts“ ist kein lauter Roman, sondern einer, der lange nachhallt. Er stellt unbequeme Fragen: Wie sehr formen frühe Verluste unsere späteren Entscheidungen? Wann ist ein Leben wirklich selbst gewählt? Und wie viel Mut braucht es, noch einmal neu anzufangen?

Ein leises, kluges und emotional tiefgehendes Buch über die Zwischentöne des Daseins, über verpasste Chancen – und über das fragile, aber beharrliche Hoffen auf ein anderes, freieres Morgen.

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Veröffentlicht am 15.01.2026

Kleiner Bauernhof, großer Spielspaß – ein Stickerbuch, das lange begeistert

Mein Immer-wieder-Stickerbuch: Auf dem Bauernhof
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Mein Immer-wieder-Stickerbuch: Auf dem Bauernhof ist ein liebevoll gestaltetes Mitmachbuch, das kleine Kinder lange beschäftigt. Die bunten Bauernhofszenen mit Tieren, Fahrzeugen und Menschen laden sofort ...

Mein Immer-wieder-Stickerbuch: Auf dem Bauernhof ist ein liebevoll gestaltetes Mitmachbuch, das kleine Kinder lange beschäftigt. Die bunten Bauernhofszenen mit Tieren, Fahrzeugen und Menschen laden sofort zum Entdecken und Gestalten ein.

Besonders praktisch sind die über 270 wiederablösbaren Sticker, die sich hinten im Buch befinden und herausgetrennt werden können. So lässt sich bequem spielen, ohne ständig umblättern zu müssen. Die Sticker sind recht dünn und können bei sehr jungen Kindern auch mal einreißen, halten dafür aber besser als viele andere Stickerbücher und lassen sich mehrfach verwenden.

Schön ist auch die stabile Verarbeitung: Das Buch ist genäht statt getackert und dadurch sicherer für kleine Hände. Kleine Aufgaben auf einigen Seiten geben Anregungen, lassen aber genug Raum für freies Spielen und eigene Ideen. Lediglich der Platz auf manchen Seiten könnte etwas großzügiger sein.

Insgesamt ist es ein vielseitiges, kreatives und alltagstaugliches Stickerbuch, das sich ideal für zu Hause und unterwegs eignet.

Fazit: Ein durchdachtes Stickerbuch mit hohem Wiederspielwert für kleine Bauernhoffans.

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Veröffentlicht am 15.01.2026

Freundschaft zum Einkuscheln

Wir zwei - Geschichten zum Einkuscheln
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Mit Wir zwei – Geschichten zum Einkuscheln hat Michael Engler einen warmherzigen Sammelband geschaffen, der kleine und große Leser sofort in eine ruhige, geborgene Welt entführt. Im Mittelpunkt stehen ...

Mit Wir zwei – Geschichten zum Einkuscheln hat Michael Engler einen warmherzigen Sammelband geschaffen, der kleine und große Leser sofort in eine ruhige, geborgene Welt entführt. Im Mittelpunkt stehen erneut Hase und Igel, deren besondere Freundschaft in mehreren kurzen Geschichten erzählt wird.

Der Band enthält zwölf Vorlesegeschichten, die sich gut einzeln lesen lassen, aber auch gemeinsam ein stimmiges Ganzes ergeben. Im Vergleich zu den Einzelbänden geht es hier weniger dramatisch zu. Statt großer Konflikte stehen Nähe, Verständnis und kleine Alltagsmomente im Vordergrund. Neben den beiden Hauptfiguren tauchen weitere tierische Freunde auf, die die Geschichten abwechslungsreich und lebendig machen.

Besonders gelungen ist der einfühlsame Umgang mit Gefühlen. Themen wie Unsicherheit, Angst oder Traurigkeit werden behutsam angesprochen, ohne zu belasten. Der Ton bleibt durchgehend ruhig und tröstlich, sodass sich das Buch sowohl für gemütliche Nachmittage als auch für das abendliche Vorlesen eignet.

Die Illustrationen von Joëlle Tourlonias tragen viel zur Atmosphäre bei. Mit ihren weichen Farben und liebevollen Details schaffen sie eine warme Stimmung, die perfekt zum Titel passt. Auch die hochwertige Gestaltung mit Lesebändchen macht das Buch zu einem schönen Begleiter im Kinderzimmer.

Fazit: Ein sanftes, liebevolles Vorlesebuch über Freundschaft und Zusammenhalt, das zum Kuscheln, Nachdenken und gemeinsamen Lesen einlädt.

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Veröffentlicht am 10.01.2026

Vergessen, was man nie wissen durfte – Ein verstörend kluger Ausflug in die Antimemetik

Wir haben keine Antimemetik-Abteilung
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Mit Wir haben keine Antimemetik-Abteilung legt Sam Hughes ein Buch vor, das sich jeder gewohnten Leseerwartung widersetzt. Schon nach wenigen Seiten wird klar: Diese Geschichte funktioniert nicht nach ...

Mit Wir haben keine Antimemetik-Abteilung legt Sam Hughes ein Buch vor, das sich jeder gewohnten Leseerwartung widersetzt. Schon nach wenigen Seiten wird klar: Diese Geschichte funktioniert nicht nach klassischen Regeln von Zeit, Erinnerung und Wahrnehmung. Kein Wunder also, dass viele Leser zunächst ein wenig Orientierung verlieren – mir ging es genauso. Doch genau darin liegt auch der Reiz dieses außergewöhnlichen Romans.

Die Handlung kreist um Phänomene und Bedrohungen, die sich dem menschlichen Gedächtnis entziehen: Dinge, die vergessen werden, sobald man sie wahrnimmt, Ereignisse, die geschehen, ohne dass jemand sich später daran erinnern kann, und ganze Abteilungen, deren Existenz ständig aus dem Bewusstsein gelöscht wird. Was zunächst wie ein verwirrendes Gedankenspiel wirkt, entfaltet nach und nach eine beklemmende innere Logik. Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass mir bewusst Informationen fehlen – und genau dieses Gefühl scheint vom Autor beabsichtigt zu sein.

Besonders herausfordernd sind die häufigen Perspektiv- und Szenenwechsel. Man wird ohne Vorwarnung in neue Situationen geworfen, muss sich Details mühsam zusammensetzen und akzeptieren, dass nicht alles sofort verständlich ist. Das kann anstrengend sein, zeitweise sogar frustrierend. Gleichzeitig erzeugt es aber eine intensive Atmosphäre von Unsicherheit und Kontrollverlust, die hervorragend zum Thema des Buches passt.

Inhaltlich wirft der Roman spannende Fragen auf: Wie zuverlässig ist unsere Erinnerung? Wie sehr bestimmt sie unsere Identität? Und was passiert, wenn Wissen selbst zur Gefahr wird? Diese philosophische Ebene verleiht der Geschichte eine Tiefe, die weit über klassischen Horror oder Science-Fiction hinausgeht.

Rückblickend ist dieses Buch weniger eine lineare Erzählung als ein Puzzle, das man Stück für Stück zusammensetzt – und bei dem vermutlich kein Leser beim ersten Durchgang alle Teile erkennt. Ich kann mir gut vorstellen, es irgendwann erneut zu lesen, um Zusammenhänge klarer zu sehen und verborgene Details bewusster wahrzunehmen.

Fazit: Wir haben keine Antimemetik-Abteilung ist fordernd, ungewöhnlich und stellenweise verwirrend, aber gerade deshalb faszinierend. Wer bereit ist, sich auf ein experimentelles, gedanklich herausforderndes Leseerlebnis einzulassen, wird hier mit einer einzigartigen Geschichte belohnt.

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