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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.12.2021

Toxisch

Das Archiv der Träume
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Meine Meinung und Inhalt

Man sagt nur: Warum gingst du nicht / Warum flohst du nicht / Warum sprachst du nicht? (Und: Warum quälst du dich?) Ich will ja, doch ich kann nicht, kann nicht, kann nun ...

Meine Meinung und Inhalt

Man sagt nur: Warum gingst du nicht / Warum flohst du nicht / Warum sprachst du nicht? (Und: Warum quälst du dich?) Ich will ja, doch ich kann nicht, kann nicht, kann nun mal nicht. Was mir bis dato nicht klar war: Zwang ist Gift."(ZITAT)

Das Archiv der Träume ist Carmen Maria Machados ganz persönliche Geschichte und literarische Auseinandersetzung mit toxischen Beziehungen. Aber auch eine Geschichte des Heranwachsens und des sexuellen Erwachens im ländlichen Amerika.

"Mit acht war ich gertenschlank und ängstlich. Ich war die meiste Zeit zu angespannt, um vor mich hin zu träumen, aber dieses Sit-zen im Gras verschaffte mir eine gewisse innere Ruhe." (ZITAT)

Es geht um die Protagonistn Carmen. Diese scheint endlich ihre Traumfrau gefunden zu haben. Die Tage und Nächte mit ihr in ihrem Traumhaus sind unbeschreiblich. Doch ihre Traumfrau hat eine weitere Beziehung. Carmen macht es nichts aus, in einer offenen Dreier-Beziehung zu leben. Mehr und mehr lässt sie sich auf sie ein. Doch ihre Traumfrau hat auch noch andere Seiten. So schön es auch ist – Carmen stellt fest, dass ihre selbstbewussten Forderungen und regelmäßigen Ausfälle sie psychisch und physisch fertig machen. Doch wie herauskommen aus diesem Strudel aus Liebe und Abhängigkeit, psychischen Terror und schließlich sogar handfester Gewalt? Die Geschichte ist spannend, fesselnd, erschreckend, emotional und sehr authentisch und greifbar. Darüber hinaus verbreitet sich eine absolute Hilflosigkeit, die absolut spürbar ist. Intensiv breiten sich im weiteren Verlauf Gefühle wie Angst und Panik aus, da es schier scheinbar kein Entrinnen, kein Zurück gibt aus dieser entsetzlichen Beziehung, die sich immer mehr und mehr als ein auswegloses Gruselkabinett entpuppt.


Die Autorin hat mich mit dem Ende sehr überrascht, was das Buch zusätzlich gut abgerundet hat. Das Cover ist wunderschön und ist absolut passend.
Ein grandioses Werk, das meine absolut Leseempfehlung bekommt!

„Die Entscheidung darüber, was ins Archiv aufgenommen und was ausgelassen wird, ist ein politischer Akt, den die Archivarin und der politische Kontext bestimmen, in dem sie lebt.“ (ZITAT)

Carmen Maria Machado, Autorin, Kritikerin und Essayistin. Ihre Arbeiten erschienen im »The New Yorker« und in zahlreichen weiteren Zeitschriften und Anthologien. Gemeinsam mit ihrer Frau lebt Machado in Philadelphia und ist Abrams Artrist-in-Residence an der University of Pennsylvania.


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Veröffentlicht am 24.11.2021

Albtraumhafte Ereignisse

Der Angstsammler
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Meine Meinung und Inhalt

"Ich schreibe dies, weil ich inzwischen nicht mehr weiß, ob ich in ein schreckliches Geheimnis eingeweiht wurde oder selbst wahnsinnig bin. Letzteres wäre für mich als praktizierender ...

Meine Meinung und Inhalt

"Ich schreibe dies, weil ich inzwischen nicht mehr weiß, ob ich in ein schreckliches Geheimnis eingeweiht wurde oder selbst wahnsinnig bin. Letzteres wäre für mich als praktizierender Psychiater zweifellos in ethischer wie auch in wirtschaftlicher Hinsicht schlecht. Weil ich jedoch nicht glauben kann, dass ich verrückt bin, poste ich diese Geschichte, denn wahrscheinlich seid ihr die einzigen Menschen, die sich überhaupt vorstellen können, dass sie möglicherweise wahr ist." (ZITAT)

Aufgrund des spannenden Klappentextes und des vielversprechenden Covers wurde ich auf dieses Buch aufmerksam. Dieses Debüt von DeWitt hat mir absolut gut gefallen und konnte mich fesseln.

Es geht um einen rätselhaften Patienten, welcher den jungen Psychiater Parker H. in seinen Bann zieht.

Seit dem sechsten Lebensjahr wird der mittlerweile 30-jährige Mann, den alle nur „Joe“ nennen, in der düsteren Nervenheilanstalt in Neuengland verwahrt.

Er gilt als nicht therapierbar.

Jeder, der mit ihm spricht, verliert den Verstand oder begeht Selbstmord. Allen Warnungen zum Trotz beschließt der ehrgeizige Parker, „Joe“ in seiner Zelle zu besuchen.

Gleich zu Beginn hat mich der Erzählstil aus Sicht Parkers und der Tagebuchähnliche Aufbau an Bram Stokers Dracula und die Figur des Jonathan Harker erinnert.

Ich kann mir das Buch auch sehr gut verfilmt vorstellen.

„Der Angstsammler“ ist ein packender, atmosphärischer Thriller und ein überaus gelungenes Debüt. Ich bin auf sein nächstes Werk schon sehr gespannt.


Jasper DeWitt ist das Pseudonym eines Journalisten. »Der Angstsammler« ist sein erster Roman. Der Autor lebt in L.A.

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Veröffentlicht am 22.11.2021

Rechte der Arbeiterklasse

Die Tränen der Welt
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Meine Meinung und Inhalt

"In Barcelona war die Geschichte der Arbeiterrevolution eng mit den Frauen und ihren Kindern verknüpft. Oft mahnten sie ihre Männer, sich von gewalttätigen Aktionen fernzuhalten. ...

Meine Meinung und Inhalt

"In Barcelona war die Geschichte der Arbeiterrevolution eng mit den Frauen und ihren Kindern verknüpft. Oft mahnten sie ihre Männer, sich von gewalttätigen Aktionen fernzuhalten. ...Uns so war es auch in diesem Mai des Jahres 1901, als die Arbeiter auf die Straße gingen, nachdem die Straßenbahngesellschaft ihre streikenden Arbeitskräfte entlassen und statt ihnen Streikbrecher eingestellt hatte." (ZITAT)

Mir hat dieses historische Werk von Falcones sehr gut gefallen. Allerdings ist es aufgrund seiner Länge und Informationsflut schwer zu lesen und etwas langatmig. Der Schreibstil des Autors ist jedoch hervorragend und die Story hervorragend ausgearbeitet. Die Wahl der Kulisse rund um Barcelona ist perfekt und detailliert umschrieben, sodass man sich als Leser die Umgebung sehr gut vorstellen kann.

Das Cover ist perfekt gewählt und gefällt mir gut.

Barcelona, 1901. Dalmau ist Fliesenmaler, Künstler und Protestler. Mit seiner Freundin Emma unterstützt er die Arbeiter mit ihren gerechten Forderungen nach mehr Lohn und Mitbestimmung. Die Kirche und die Arbeitgeber haben die Macht und nutzen sie weidlich aus. Mit Militärgewalt wird jeder Protest unterdrückt. Dalmau ist zwischen allen Fronten, er hat einen der wenigen guten Jobs, er unterstützt seine Familie. Gleichzeitig will er sich als Künstler einen Namen machen. Emma ist eine beredete Kämpferin, gleichzeitig leidet sie in einer patriarchalischen Gesellschaft unter ihrem Frausein.

Doch als ein tragisches Unglück geschieht, zerbricht ihre Beziehung. Jeder seiner Versuche, sie zurückzugewinnen, scheitert – bis Emma festgenommen wird. Als die Protestaktionen der Republikaner immer stärker ausarten, muss Dalmau um ihrer beider Leben fürchten und sich entscheiden.


Dem spanischen Autor Ildefonso Falcones gelang 2006 mit seinem Erstling „Die Kathedrale des Meeres“ auf Anhieb ein internationaler Bestseller. Zu diesem Zeitpunkt blickte, der in Barcelona geborene, Falcones bereits auf eine abwechslungsreiche Karriere zurück: Mit nur 17 Jahren wurde er spanischer Juniormeister im Springreiten und war zugleich aktiver Feldhockey-Spieler. Nach dem frühen Tod seines Vaters gab er seine Sportkarriere auf, um am Jesuitenkolleg San Ignacio Jura und Wirtschaft zu studieren. Bis heute ist Ildefonso Falcones als Rechtsanwalt tätig und leitet seine eigene Anwaltskanzlei in Barcelona. Für seinen Debütroman verbrachte er fünf Jahre mit dem Studium mittelalterlicher Rechtsgeschichte in Barcelona. Das Werk schildert den Bau der realen Kirche Santa Maria del Mar in Barcelona im späten 14. Jahrhundert. Es erschien 2006 in Spanien und ein Jahr später in deutscher Übersetzung als „Die Kathedrale des Meeres“. Seither folgten drei weitere historische Romane: „Die Pfeiler des Glaubens“ (2010) über die andalusischen Morisken, den nach der Reconquista zum Christentum zwangskonvertierten Mauren, und „Das Lied der Freiheit“ (2013), das im Sevilla des 18. Jahrhunderts spielt. Mit „Die Erben der Erde“ veröffentlichte Ildefonso Falcone im Sommer 2018 die lang erwartete Fortsetzung zur „Kathedrale des Meeres“. Sein Buch "Die Tränen der Welt" erschien im Jahr 2021.

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Veröffentlicht am 22.11.2021

ALLEIN

Allein
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Meine Meinung und Inhalt

"Ich glaube, dass es vielen Menschen, die allein leben, so geht. Sobald die ersten Weihnachtsbeleuchtungen auf den Straßen zu sehen sind, kommt es zu einer psychischen Dynamik, ...

Meine Meinung und Inhalt

"Ich glaube, dass es vielen Menschen, die allein leben, so geht. Sobald die ersten Weihnachtsbeleuchtungen auf den Straßen zu sehen sind, kommt es zu einer psychischen Dynamik, der man sich nur schwer entziehen kann. Instinktiv hat man das Gefühl, sich durch eine Welt zu bewegen, die anderen Menschen gehört, den Liebenden, den Müttern und Vätern, den Großeltern." (ZITAT)

Ein Buch der Zeit. Dieses Buch hat mich sehr berührt und hat auch die aktuelle Corona Thematik im Bezug auf das Alleine sein angesprochen, denn zu keiner Zeit haben so viele Menschen allein gelebt, und nie war elementarer zu spüren, wie brutal das selbstbestimmte Leben in Einsamkeit umschlagen kann. Das Cover ist großartig und der Titel prägnant.

"Für die meisten Menschen sorgte das pandemische Geschehen dafür, dass die Welt kleiner wurde. Doch wenn man allein lebte, bedeutete diese Reduzierung der Welt das weitgehende Verschwinden jeglicher Nähe." (ZITAT)

Mich hat dieses Buch an vielen Stellen angesprochen. Schreiber berichtet mit einer offenen Ehrlichkeit, die wirklich authentisch ist.

"Meine dunkle, regelmäßig zum Jahresende wiederkehrende Stimmung beruht zu einem großen Teil darauf, dass mein innerer grausamer Optimismus in sich zusammenfällt, während wir uns als Gesellschaft einer rauschhaften Feier des guten Lebens hingeben. Ich habe das Gefühl, gescheitert zu sein. Weil ich keinen Partner habe,.... " (ZITAT)


Im Rückgriff auf eigene Erfahrungen, philosophische und soziologische Ideen ergründet Daniel Schreiber das Spannungsverhältnis zwischen dem Wunsch nach Rückzug und Freiheit und dem nach Nähe, Liebe und Gemeinschaft. Dabei leuchtet er aus, welche Rolle Freundschaften in diesem Lebensmodell spielen: Können sie eine Antwort auf den Sinnverlust in einer krisenhaften Welt sein? Ein zutiefst erhellendes Buch über die Frage, wie wir leben wollen.




Daniel Schreiber, Kunstkritiker, Essayist und Übersetzer, hat in Berlin und New York studiert. Sein Buch „Susan Sontag. Geist und Glamour“ war die erste Biografie über die bekannte amerikanische Intellektuelle und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Er ist Autor der hochgelobten Essaybände "Nüchtern. Über das Trinken und das Glück" und „Zuhause. Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen“. Schreiber lebt in Berlin.

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Veröffentlicht am 15.11.2021

Erschreckendes Szenario

Probe 12
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Meine Meinung und Inhalt

"»Ich neige sonst eher dazu, vorsichtig zu formulieren«, erklärte Dr. Heinemann, »aber bei Ihnen würde ich gern ganz offen sein. Was wir hier bei Ihrer Tochter haben, ist ...

Meine Meinung und Inhalt

"»Ich neige sonst eher dazu, vorsichtig zu formulieren«, erklärte Dr. Heinemann, »aber bei Ihnen würde ich gern ganz offen sein. Was wir hier bei Ihrer Tochter haben, ist der mikrobiologische Super-GAU.«" (ZITAT)


"Probe 12" hat mich vor allem aufgrund des Klappentextes und des Covers neugierig gemacht. Dies war mein erstes Buch der Autorinnen.

Der Einstieg ins Buch konnte mich sofort überzeuge und fesseln. Gut gefallen hat mir die Aktualität des Buches (Pandemie, Demonstrationen, Pandemic Fighters...), was das erschreckende Szenario noch realistischer gemacht hat.

"»Das ist ein Erreger, der gegenüber allen gängigen Antibiotika resistent ist. Wir sind so gut wie machtlos dagegen." (ZITAT)

Als die Wissenschaftsjournalistin Nina Falkenberg ihren ehemaligen Mentor Anasias in Georgien besucht, gerät sie mitten in einen tödlichen Angriff auf ihn. Zuvor kann er Nina jedoch verraten, dass es ihm gelungen ist, ein Medikament gegen die gefährlichsten multiresistenten Keime der Welt zu finden. Musste er deswegen sterben? Zusammen mit dem Foodhunter Tom Morell, dessen Tochter an einem dieser Keime erkrankt ist, versucht Nina, die Forschungsergebnisse nachzuvollziehen. Aber Nina und Tom sind nicht die Einzigen, die hinter Anasias‘ Forschung her sind, und ihre Gegner schrecken weder vor Entführung und Erpressung noch vor Mord zurück.

Lange / Thiele gelingt gleich bei der ersten Zusammenarbeit ein packender und brisanter Wissenschaftsthriller, der mich fesseln konnte. Der Thriller besitzt einen temporeichen und kurzweiligen Plot, viel Aktion und mit Nina und Tom zwei starke und authentische Protagonisten.

Wer von Viren /Bakterien / Pandemie-Themen noch nicht genug hat, der sollte sich ebenfalls den spannenden Unterhaltungsroman des Autorenduos zu Gemüte führen.


Kathrin Lange wurde 1969 in Goslar am Harz geboren. Obwohl sie sich beruflich der Hundestaffel der Polizei anschließen wollte, siegte am Ende ihre Liebe zu Büchern, und sie wurde zuerst Buchhändlerin und dann Schriftstellerin. Heute ist sie Mitglied beim PEN und bei den International Thriller Writers und schreibt erfolgreich Romane für Erwachsene und Jugendliche. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in einem kleinen Dorf in Niedersachsen, wo sie sich für Leseförderung und die Integration von Geflüchteten engagiert.


Susanne Thiele, geboren 1970 in Bernburg, ist Mikrobiologin und Wissenschaftsautorin.Im Jahre 2014 erschien ihr erstes Sachbuch “Sex macht Spaß, aber viel Mühe” im Orell Füssli-Verlag als Koautorin im Autorenteam mit Steffen Münzberg und Vladimir Kochergyn. Im Jahre 2017 wurde das sehr gut rezensierte Sachbuch nochmals als Taschenbuch im Dumont Sachbuchverlag unter dem Titel “Warum wir es tun, wie wir es tun” publiziert. Ihr Sachbuch “Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Türklinke” erschien am 11. Februar 2019 im Heyne-Verlag. Wenn sie keine Sachbücher schreibt, leitet Susanne Thiele die PR-Abteilung des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig, schreibt für Zeitungen und Journale oder auf ihrem Blog »Mikrobenzirkus«. Im Jahre 2021 erschien ihr erster Science-Thriller "Probe 12" zum Thema Antibiotikaresistenzen und multiresistente Keime im Autorinnen Duo mit Kathrin Lange. Susanne Thiele lebt mit ihrer Familie in Braunschweig.



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