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Veröffentlicht am 17.03.2022

Eine Nacht mit Frau Slimani

Der Duft der Blumen bei Nacht
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Du bist Teil eines Kunstprojekts und darfst eine Nacht in einem Museum verbringen. Allein. Was tust Du? Schläfst Du einfach und träumst Dich in die Kunstwelt oder verbringst Du intensive Zeit, Deine Lieblingsexponate ...

Du bist Teil eines Kunstprojekts und darfst eine Nacht in einem Museum verbringen. Allein. Was tust Du? Schläfst Du einfach und träumst Dich in die Kunstwelt oder verbringst Du intensive Zeit, Deine Lieblingsexponate genau zu studieren, ihre Nähe und einen persönlichen Bezug zu finden?

Die Autorin befindet sich mitten im Schaffensprozess für ihr neues Buch. Eine sensible Zeit, die keine Störungen von außen, Ablenkungen oder Zerstreuung verträgt. Dessen ungeachtet wird ihr angeboten, eine Nacht im Museum Museo Punta della Dogana in Venedig zu verbringen. Verlockend, nicht abzulehnen.

Leïla Slimani nimmt mich mit in diese besondere Nacht des Eingesperrtseins, lässt mich an ihren Erinnerungen, spontanen Gefühlen und ihrem täglichen Leben als Mutter, Schriftstellerin und „Reisende zwischen den Welten“ teilhaben.

Nach „Das Land der Anderen“ habe ich ein völlig anderes Buch erwartet, werde jedoch nicht enttäuscht von der Qualität dieser Schriftstellerin, eile von Seite zu Seite, wandle durch das nächtliche Museum und strebe vorwärts, diese Nacht ein wenig nachzuempfinden. Viel zu schnell sind die Nacht und das Buch vorüber. Was mich ein wenig stört, sind die vielen Zitate in diesem Buch, aber evtl. fehlt mir an dieser Stelle das Verständnis, dass eigene Worte evtl. nicht ausreichen könnten, um Kunst und / oder Literatur zu beschreiben.

Ein begeisterndes Buch, obwohl ich gar nicht greifen kann, woran genau dies liegt.


Leïla Slimani, Der Duft der Blumen bei Nacht, Roman, eBook, Luchterhand Literaturverlag, 15,99 €, 160 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin 28.02.2022

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Veröffentlicht am 05.03.2022

Eine außergewöhnliche Frau

Manifesto. Warum ich niemals aufgebe. Ein inspirierendes Buch über den Lebensweg der ersten Schwarzen Booker-Prize-Gewinnerin und Bestseller-Autorin von »Mädchen, Frau etc.«
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Bernadine Evaristo ist eine außergewöhnliche Frau mit einem entsprechend beeindruckenden Lebenslauf. 1959 in London als Kind einer englischen Mutter und eines nigerianischen Vaters zur Welt gekommen, hat ...

Bernadine Evaristo ist eine außergewöhnliche Frau mit einem entsprechend beeindruckenden Lebenslauf. 1959 in London als Kind einer englischen Mutter und eines nigerianischen Vaters zur Welt gekommen, hat sie die ganze Bandbreite von Vorurteilen und Ausgrenzung der damaligen Zeit und bis heute hin durchleben müssen. Trotzdem hat sie ein Selbstverständnis als Britin sowie einen Drang zur Grenzüberschreitung von Kindesbeinen an. Es gab Phasen der Anpassung, aber die Abschnitte von Selbstbestimmtheit in allen Bereichen überwiegen in ihrer Biografie.

Das Buch hat mich durch die Fotografie einer besonderen Frau und seine Farbgestaltung angesprochen. Auch der Untertitel „Warum ich niemals aufgebe“ hat mich neugierig gemacht. Bislang war mir die Autorin unbekannt, welche in vielen künstlerisch-gestalterischen Bereichen unterwegs ist.

Leider kann mich „Manifesto“ nicht begeistern, mitziehen, das Lesen ist mühsam, ich erreichen keinen „Fluss“. Vielleicht ist mir die Welt von Bernadine viel zu fremd bis teilweise befremdlich. Eventuell liegt es am Stil, wie das Buch aufgebaut ist und welche Sprache, teilweise mit mir völlig unbekannten Begriffen gespickt, verwendet wird. Ihr Leben wird nicht chronologisch aufgerollt, sondern findet in thematisch begrenzten Kapiteln statt, so dass Themen z. B. indirekt wieder auftauchen oder der Fortgang des Buches sich auf weit zurück liegende Zeit bezieht. Manche Dinge tauchen hingegen auf, ohne dass sich mir erschließt, warum sie z. B. „plötzlich“ ein abgeschlossenes Studium hat und ein Theater eröffnet.

Ich habe das Lesen des Buches abgebrochen. Ich weiß noch nicht, ob ich die Biografie noch einmal zur Hand nehmen werde, um ein evtl. vollständiges Bild zu erhalten.

Nichtsdestotrotz ziehe ich meinen imaginären Hut vor Frau Evaristo und ihrer bisherigen Lebensleistung.

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Veröffentlicht am 28.02.2022

Gefährliche Idylle

Vom Gehen und Bleiben
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Anhand der Buchbeschreibung war ich mir nicht sicher, ob dies ein Buch für mich sein könnte. Was sich ein wenig liest wie ein mittelmäßiger Heimatfilm, entpuppt sich jedoch als ein wunderbares Buch. Der ...

Anhand der Buchbeschreibung war ich mir nicht sicher, ob dies ein Buch für mich sein könnte. Was sich ein wenig liest wie ein mittelmäßiger Heimatfilm, entpuppt sich jedoch als ein wunderbares Buch. Der Autorin gelingt es, mich direkt für die von ihr beschriebene Landschaft, ihre Erzählung und ihre gezeichneten Protagonisten einzunehmen.

Es bereitet mir Freude, die schmalen Gassen entlangzulaufen, mit der Familie Blom die Nachbarschaft kennenzulernen und das unbeschreibliche Panorama zu genießen. Besonders gefallen mir die schrullige Mathilda, Vermieterin der Bloms, und Ria, die einen Biobauernhof bewirtschaftet. Wie in jedem Dorf gibt es Seilschaften sowie die „alten Geschichten“. In den Familien findet der Alltag statt mit seinen Höhen und Tiefen. Soweit alles wunderbar…

Der Berg, an den sich das Dorf schmiegt, ist jedoch in Bewegung. In den regelmäßigen Gemeindeversammlungen wurde die Dorfgemeinschaft über die mögliche Tragweite der Bergbewegungen und evtl. Gegenmaßnahmen regelmäßig informiert. Dieses Mal jedoch scheinen die Bewohner gezwungen, gemeinsam und einstimmig zu entscheiden, ob das Dorf aufgegeben werden soll…

Petra Hucke bringt mir „Heimat“ näher und stellt – ganz aktuell – die Frage, in welcher Welt wir leben möchten. Was sind wir bereit, für eine lebenswerte Zukunft zu tun, notfalls sogar aufzugeben?

Für mich ein lesenswertes, schönes Buch, welches auch Gefühl und Dramatik beinhaltet.


Dieses eBook habe ich im Rahmen einer jellybooks-Leseaktion vorab lesen dürfen.


Petra Hucke, Vom Gehen und Bleiben, Roman, eBook, Fischer E-Books, 4,99 €, 432 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin 30.03.2022

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Veröffentlicht am 18.02.2022

Serienauftakt

Winterland
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Kopenhagen. Weihnachtsmarkt. Eine Bombe explodiert. Signe Kristiansen begibt sich mit ihrem Team auf Spurensuche.
Sandstedt. Ein brutaler Mord. Eine unaufgeklärte Vergewaltigung. Ein Attentat auf eine ...

Kopenhagen. Weihnachtsmarkt. Eine Bombe explodiert. Signe Kristiansen begibt sich mit ihrem Team auf Spurensuche.
Sandstedt. Ein brutaler Mord. Eine unaufgeklärte Vergewaltigung. Ein Attentat auf eine Flüchtlingsunterkunft. Martin Juncker, Leiter der neu errichteten Polizeidienststelle, lenkt die Ermittlungen in seinem kleinen, unerfahrenen Team.

Abgesehen von der früheren Zusammenarbeit der beiden erfahrenen Polizeiermittler gibt es zunächst keine Zusammenarbeit und / oder Verbindung zwischen dem Attentat in Kopenhagen und dem Mord in Sandstedt. Im Zuge der Ermittlungen und nach weiteren Verbrechen in der Provinzstadt ist Juncker auf Unterstützung aus der Hauptstadt angewiesen. Im weiteren Verlauf ergeben sich Verdachtsmomente, die auf einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den Geschehnissen in Sandstedt und Kopenhagen schließen lassen.

„Winterland“ ist der erste Band einer neuen Krimireihe um das dänische Ermittlerduo. So erfahre ich über die kriminalistischen Untersuchungen hinaus einige Details aus dem Privatleben von Kristiansen und Juncker; ein erstes Kennenlernen. Eine von mir erwartete Zusammenarbeit der beiden Polizisten findet nicht wirklich statt. Das Buch hat einige Längen und benötigt etwas Durchhaltevermögen, bis ich im letzten Drittel mit etwas angezogenem Tempo und Spannung belohnt werde.

Es gibt solide Ermittlungsarbeit, menschliche Schwächen und Unzulänglichkeiten, etwas füllendes Nebenschauplatzgeplänkel, aber m. E. wurden die Möglichkeiten des zugrunde liegenden Plotts leider nicht ausgeschöpft. Ich kann das Buch am Ende zufrieden beiseitelegen, habe jedoch kein gesteigertes Interesse, die beiden angekündigten Folgebände ebenfalls zu lesen.

Dieses Buch wird auf der Innenklappe des schönen, winterlich romantisch anmutenden Covers sehr hoch gelobt. Es mag „einer der besten Debütroman Dänemarks“ sein, rangiert für mich jedoch höchstens im Mittelmaß des Krimigenres. Schön finde ich, dass die Klappen des Covers dem Motiv im Schnitt angepasst wurden; macht den Wald etwas „greifbarer“.

Fazit: Solider Krimi mit gewissen Längen.


Kim Faber, Janni Pedersen, Winterland, Kriminalroman, Paperback, Blanvalet Verlag, 15,00 €, 624 Seiten, Erscheinungstermin 04.10.2021

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Veröffentlicht am 10.02.2022

Gelöscht

Lost
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Ein Bombenanschlag bei einem militärischen Galaball. Dein Freund ist unter den Verletzten. Er wird mit einem Krankenwagen abtransportiert. Seine Spur verliert sich. Endlich, nach Tagen der Suche voller ...

Ein Bombenanschlag bei einem militärischen Galaball. Dein Freund ist unter den Verletzten. Er wird mit einem Krankenwagen abtransportiert. Seine Spur verliert sich. Endlich, nach Tagen der Suche voller Sorge, taucht er in einem entlegenen Krankenhaus auf. Du bist erleichtert. Aber: Captain Harry Peterson fehlen 4 Jahre seiner Erinnerung.

Die Profilerin Augusta Bloom wird schon früh von ihrer alten Freundin Karene in die Suche eingebunden. Gemeinsam mit ihrem Team und früherem Mitarbeiter Marcus Jameson begibt sie sich auf Spurensuche und entdeckt Unglaubliches. An was darf Harry sich nicht erinnern? Wer scheint ihn zu schützen, wer will ihn tot sehen?!?

Leona Deakin hat einen soliden Psychothriller verfasst, welcher den Leser in ein Wechselbad der Gefühle mitnimmt. Die Protagonisten sind gut gezeichnet und ich erfahre auch etwas über ihre Vergangenheit, was die Beziehungen im Buch nicht vereinfacht. Ich tauche tief in die Handlung hinein, die Seiten fliegen nur so dahin und doch muss ich mich in Geduld üben, verbirgt sich die Wahrheit bis zum Schluss vor meinen Augen und meiner Fantasie. Gelungener Plot.

„Lost“ ist der zweite Teil um Augusta Bloom. Den ersten Teil der Reihe habe ich noch nicht gelesen, was jedoch kein Problem für das Verständnis des vorliegenden Bandes darstellt. Die Autorin taucht tief in die Vorgehensweise des Militärs ein. Darüber hinaus lerne ich passend zur Handlung die Arbeitsweise eines Gehirns und etwaige Störungen kennen. Dies lässt auf umfangreiche, solide Recherche schließen. Dies rückt die teilweise fantasievolle Story auf die Ebene des Möglichen.

Das Cover ist ansprechend und zeigt eine Person, welche in der Spiegelung eines Sees verloren zu sein scheint. Ein Bezug zum Inhalt des Buches ließe sich über eine Interpretation des Gelesenen herstellen.


Dieses eBook habe ich im Rahmen des Angebots von PenguinRandomhouse-Testleser vorab lesen dürfen.


Leona Deakin, Lost, Psychothriller, eBook, Goldmann Verlag, 9,99 €, ca. 464 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin 14.02.2022

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