Ein ironischer Ritterroman vom Feinsten
Die entführte PrinzessinDas Königreich Snögglinduralthorma kann mit so gut wie gar nichts punkten: Es ist kalt, unwirtlich, die Menschen sind bis hin zum König eher urwüchsige Raufbolde, die die langen, trostlosen Winter mit ...
Das Königreich Snögglinduralthorma kann mit so gut wie gar nichts punkten: Es ist kalt, unwirtlich, die Menschen sind bis hin zum König eher urwüchsige Raufbolde, die die langen, trostlosen Winter mit Alkohol und Krieg auflockern. Der einzige Lichtblick ist die schöne Prinzessin Lisvana. Da ihre Mitgift nicht der Rede wert ist, ist sie trotz angepriesenem Goldhaar im Katalog der heiratsfähigen Prinzessinnen nur ein uninteressanter Ladenhüter aus einem unaussprechlichen Land. Ihre trostlosen Zukunftsaussichten ändern sich schlagartig als ein übereifriger Barde ihre Vorzüge derart anpreist, dass sich der Thronfolger eines reichen Landes, Prinz Diego, in sie verliebt und alles daran setzt sie zu heiraten. Da das Leben in der Welt der Ritter ein verwirrendes Geflecht von Ehre, Diplomatie und politischen Interessen ist, findet sich die Prinzessin plötzlich als entführte Braut auf einem fremden Schiff wieder, ist der Grund für einen bevorstehenden Krieg zwischen Ländern, die von ihrer Existenz gar nichts wussten, und hat einen eifrigen Ritter auf ihren Fersen, der alles daran setzen wird die Prinzessin zu retten, ob sie will oder nicht – allerdings ist er sich noch nicht ganz sicher in welche Richtung er reiten muss.
Gleich vorweg: Ich bin mit der etwas falschen Erwartung an dieses Buch herangegangen, dass es sich um einen Fantasyroman handelt. Das ist er nicht. Hier liegt ein waschechter Ritterroman vor, in bester Tradition von Erec, Iwein, dem Rasenden Roland und König Artus. Es gibt hier durchaus Fantasyelemente von Feen, Drachen, magischen Inseln usw. aber alles hochfunktional – damit nicht weniger spannend und da Karen Duve es sich nicht nehmen lässt diese bekannten Elemente nicht nur auszuschöpfen, sondern auch ein bisschen zu verdrehen, etwas zu übertreiben oder sie auch zu ironisieren, kommt es immer wieder zu komischen Szenen. So ist das Feenglöckchen beschädigt und erfüllt die Wünsche nicht gerade wie erwartet, der Drache wird zum tollpatschigen Riesentölpel und der Zauberer driftet ins Kindische.
Besonders interessant ist, was aus dem großen, allgegenwärtigen Thema der Ehre wird, die Ehre von Königen, Rittern, Prinzen, Prinzessinnen und Königreichen – ein Thema, das schon in den bekannten Ritterromanden durchaus mal hinterfragt wird. Hier ist es die treibende Kraft, die Handlung in Gang setzt, ironisiert, den Leser zum Lachen und Nachdenken bringt.
Ein farbenprächtiger Ritterroman voller Märchen und Spannung, großen Helden, starken Prinzessinnen und ironischen Wendungen. Zum Lachen zum Mitfiebern und dabei immer anspruchsvoll. Großartig!