spektakuläre Idee - außergewöhnliche Charaktere - Gesprächsstoff zum Nachdenken
Die Goldene SchreibmaschineEmily entdeckt in einer geheimen Bibliothek eine magische Schreibmaschine. Mit ihr kann der Verlauf von Geschichten in Büchern verändert werden. Emily ist ganz vorsichtig, aber ihr Lehrer bekommt Wind ...
Emily entdeckt in einer geheimen Bibliothek eine magische Schreibmaschine. Mit ihr kann der Verlauf von Geschichten in Büchern verändert werden. Emily ist ganz vorsichtig, aber ihr Lehrer bekommt Wind von der Sache. Er will die Maschine nutzen, um die Welt nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Wird Emily eine Lösung finden?
Die Idee „die Macht der Worte“ in einem Kinderbuch zu thematisieren, fand ich toll. Emily, eine Hauptperson mit dem Drang alles ordentlich zu haben, erhält die Fähigkeit, Worte in Texten und Erzählungen so umzuschreiben, dass sich die Änderungen auf das reale Leben, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auswirken. Damit wird ihr große Verantwortung übertragen und sie wird vor die Fragen gestellt: „Was wäre wenn?“ sowie „Ist anders wirklich besser?“. Eigentlich hat sie nur Gutes im Sinn, als sie die Maschine dazu benutzt, Dinge „in Ordnung“ zu bringen. Allerdings hat sie die Rechnung ohne ihren Gegenspieler, den grausamen Dr. Dresskau gemacht. Dieser will das Geheimnis natürlich für seinen eigenen Vorteil missbrauchen. Bei der Beschreibung der Auswirkungen verwebt der Autor geschickt Fiction und Realität sowie historische Aspekte. Er übt Gesellschaftskritik und lässt Dr. Dresskau eine Welt erschaffen, die mich an den Nationalsozialismus erinnert hat. Besonders gut gelungen sind die Szenen mit Emilys Opa. Er ist ein wertvoller Gesprächspartner für Emily und unterstützt sie ungemein, obwohl oder gerade weil er dement ist. Schön ist, dass eine harmonische Beschreibung der schwierigen Krankheitssituation gelingt. Bei den anderen Charakteren ist für mich der emotionale Funke allerdings nicht übergesprungen. Die meisten Personen finde ich unnahbar. Die Freundschaft zwischen den Protagonisten wirkt nicht sehr gefühlvoll. Besonders Lehrer Dr. Dresskau ist für mich überzeichnet, eine Karikatur eines Machtmenschen. Auch der Stil des Autors war teilweise schwierig. Vielleicht, weil er bis jetzt Geschichten für Erwachsene geschrieben hat? Zusätzlich sind mir einige Ungereimtheiten aufgefallen. Allerdings ist es auch nicht leicht, Veränderungen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft logisch aufzubauen. Der Text ist nicht ganz rund, aber die Idee ist spektakulär, die Geschichte spannend und regt zum Nachdenken und Diskutieren an.
Diese abenteuerliche Fantasie-Geschichte bietet viel Gesprächsstoff und lässt die junge Leserschaft über Macht reflektieren. Jungen und Mädchen ab 10 Jahren sollten zugreifen, wenn sie packende Stories mit außergewöhnlichen Charakteren mögen und lieber als außenstehender Beobachter am Geschehen teilnehmen wollen.