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Veröffentlicht am 04.12.2025

Passt wunderbar in die Adventszeit und hat einen wahren Kern

Das Schneeflockenmädchen
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Passt wunderbar in die Adventszeit und hat einen wahren Kern

 

Es klingt romantisch, obwohl es sicher nicht besonders komfortabel war: mit einem Zirkuswagen, davor ein Pferd gespannt, von Weihnachtsmarkt ...

Passt wunderbar in die Adventszeit und hat einen wahren Kern

 

Es klingt romantisch, obwohl es sicher nicht besonders komfortabel war: mit einem Zirkuswagen, davor ein Pferd gespannt, von Weihnachtsmarkt zu Weihnachtsmarkt ziehen und als Märchenerzählerin die Kinder erfreuen. Das ist die Ausgangssituation, in der wir im Jahr 1925 Marie begegnen. Marie, die mit wenig zufrieden ist, die selbst ein bisschen wie eine Figur aus einem Märchen wirkt.

 

Und so weiß man bei diesem Buch nie so genau, ob wir hier eher in der Welt der Fantasie oder in einem historischen Roman sind. Umso erstaunter war ich, als ich im (ausführlichen) Nachwort las, dass das Vorbild für Marie ein sehr reales war. Die Kinderbuchautorin Lisa Tetzner zog tatsächlich in den 1920er Jahren als Märchenerzählerin durch die Lande. Diesen Fakt hat Mara Andeck als Ausgangspunkt ihres Romans gewählt. Die Geschichte an sich entspringt aber ihrer Fantasie.

 

Im Buch werden auch eine Menge Sagen und Märchen aus diversen Ländern wiedergegeben - meistens, um damit metaphorisch eine bestimmte Situation zu verdeutlichen. Man sollte also schon einen Hang zu alten Erzählungen und Märchen haben, wenn man zu diesem Buch greift. Doch vordergründig geht es um die Geschichte von Marie und Carl, dem Zuckerwatteverkäufer, dem sie immer wieder begegnet. Natürlich kann eine weihnachtliche Geschichte nur gut ausgehen und das tut sie auch - so gehört sich das schließlich für ein Weihnachtsmärchen. Die Schauplätze des Romans lassen vor dem geistigen Auge eine Winter- bzw.weihnachtliche Landschaft entstehen und zaubern viel festliche Atmosphäre.

 

Ein wenig schade fand ich, dass die Autorin die Geschichte nicht hat in Thüringen spielen lassen (angelehnt an die Gegend, wo Lisa Tetzner tatsächlich mit ihrem Wagen unterwegs war), sondern sie nach Bayern verlegt hat. Thüringen hat - auch heute noch - wunderschöne Weihnachtsmärkte, die weit über ihre Gegend hinaus bekannt sind (Gotha, Weimar, Erfurt - um nur einige wenige zu nennen). Ich hätte mich gefreut, diese tolle Region als Schauplatz eines solchen Romans zu erleben, so dass ihr etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt würde.

 

Fazit:

„Das Schneeflockenmädchen“ ist eine schöne winterliche, unterhaltsame Geschichte mit wahrem Ursprung, mit der man sich gemütlich zuhause einkuscheln kann und die perfekt in die Advents-  bzw. Weihnachtszeit passt.

 

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Veröffentlicht am 30.11.2025

Bookshop Cinderella

Nächte im Savoy -
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Ja, „Bookshop Cinderella“ ist der Originaltitel dieses Romans und er beschreibt meines Erachtens dieses Buch viel besser als der deutsche Untertitel „Die Liebe eines Dukes“ (was, Verzeihung, ziemlich nach ...

Ja, „Bookshop Cinderella“ ist der Originaltitel dieses Romans und er beschreibt meines Erachtens dieses Buch viel besser als der deutsche Untertitel „Die Liebe eines Dukes“ (was, Verzeihung, ziemlich nach Groschenroman klingt…). Schade, dass das Buch (bisher) so wenig Aufmerksamkeit bekommt - denn es ist definitiv besser als man bei diesem Titel annehmen könnnte.

 

In dieser wirklich süßen Historical Romance geht es um Evie, 28, die im London des späten 19. Jahrhunderts einen  Buchladen führt. Und falls sich jemand fragen sollte - durften Frauen das denn damals einfach so? Ja, sie durften - wenn sie unverheiratet waren, d.h. ledig oder Witwe. Es war aber nicht gerade der typische Lebensentwurf von Frauen damals, dennoch finden sich Beispiele für Ladeninhaberinnen um diese Zeit.

 

In diesen Buchladen schneien ein paar Herren der gehobenen Gesellschaft, was letztlich zu einer Wette zwischen dem Duke of  Westbourne und den anderen führt: wetten, dass der Duke es nicht schafft, die bürgerliche Evie in die Gesellschaft einzuführen und zur Ballkönigin zu machen?

 

Nun, wir müssen nicht darüber reden wie die Geschichte sich entwickelt oder wie sie ausgeht. Das ist bei dieser Art von Romanen natürlich klar - hier ist eindeutig der Weg das Ziel und die Unterhaltung absolut vorrangig. Und ich muss sagen - hier bekommen die Leser auch, was sie erwarten: Glanz, Glamour, ein selbstbewusstes „Aschenputtel“, das sich hervorragend entwickelt und dabei - das fand ich sehr schön dargestellt - nie gegen ihre eigenen Überzeugungen handelt.

 

Denn hier haben viele Cinderella-Geschichten ihren Knackpunkt. Die Protagonistinnen sind oft jung, naiv und ihre Handlungen mitunter schwer nachzuvollziehen. Nicht so Evie. Sie ist eine Frau, die mitten im Leben steht und für sich einzustehen weiß. Ich habe kaum eine Szene gefunden, in der sie - der Dramatik des Buches zuliebe - unüberlegt oder ahnungslos wirkt. Selbst als das Buch einen gewissen Spice-Faktor entwickelt und Evie naturgemäß nicht mit einem Erfahrungsschatz glänzen kann, macht sie dies auf charmante Art wett und versetzt ihren Herzog in Staunen - das hat mich tatsächlich amüsiert, ohne dass es platt oder beschämend wirkte.

 

Für alle, die sich gern in Bridgerton-Welten träumen, die rauschende Ballnächte und traumhafte Seidenkleider mögen, ist dieser Roman beste Unterhaltung, ohne den Respekt vor seinen Figuren zu verlieren. Ich mochte diesen Reihenauftakt sehr und werde mit Sicherheit auch lesen, welche Abenteuer die Heldinnen der Folgebände im Savoy und in London erleben!

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Veröffentlicht am 23.11.2025

Downton Abbey auf Rädern

Grand Express – Nachtzug in ein neues Leben
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Heutzutage sind lange Bahnreisen (wieder) ein echtes Abenteuer, hab ich mir sagen lassen Aber auch vor 100 Jahren war die Fahrt im Nachtzug ein Erlebnis! Ausgestattet mit Schlaf-, Speise- und Salonwagen, ...

Heutzutage sind lange Bahnreisen (wieder) ein echtes Abenteuer, hab ich mir sagen lassen Aber auch vor 100 Jahren war die Fahrt im Nachtzug ein Erlebnis! Ausgestattet mit Schlaf-, Speise- und Salonwagen, rollten die Luxushotels auf Rädern durch Europa.

 

In diesem Buch begleiten wir sowohl Gäste als auch Angestellte im Nachtzug von Berlin bis nach Nizza. Von der ersten bis zur dritten Klasse gab es deutliche Unterschiede in Komfort und Bedienung - nur die erste Klasse hatte Schlafwagen, alle anderen mussten es sich im Sitzen irgendwie versuchen bequem zu machen.

 

Und die Angestellten hatten - insbesondere in der 1. Klasse - harte Arbeit zu leisten um dem Grundsatz „Luxushotel auf Rädern“ gerecht zu werden. Nicht jeder wusste das zu schätzen, oftmals wurde trotzdem alles als selbstverständlich hingenommen bzw. Einschränkungen, für die kein Angestellter der Welt etwas konnte, wurden sogar noch moniert.

 

Aus dieser Schatztruhe an Möglichkeiten und Beziehungen spinnt die Autorin hier einen interessanten Roman, der einen tief eintauchen lässt in die 1920er Jahre. Und was wäre solch ein Roman ohne ein paar Geheimnisse? Da ist der gutbetuchte Firmenchef, der mit seiner Frau und der 20jährigen Tochter zu einer Sommerfrische nach Nizza reist - doch was steckt wirklich hinter dieser Reise? Da ist das kleine Mädchen, das mit seiner Gouvernante im Zug sitzt, um die Mutter im südländischen Sanatorium zu besuchen - doch auch hier scheint es ein Geheimnis zu geben. Und der Herr aus der zweiten Klasse mit der wertvollen Geige, den alle für einen Baron halten - wieso reist er wirklich in diesem Zug?

 

Gleichzeitig versuchen der Kondukteur (im Grunde der „Chef-Butler“) und seine Kolleg*innen alles zu tun um den Reisenden ihre Zeit so angenehm wie möglich zu machen - was sich oft als große Herausforderung darstellt und einiges an Improvisationstalent erfordert.

 

Und so wird diese Reise für den einen oder die andere zum Wegweiser seiner oder ihrer Zukunft - und zwar ganz anders als geplant. Wie in der Erfolgsserie Downton Abbey werden hier Bedienstete genauso in den Mittelpunkt gestellt wie diejenigen, die bedient werden. Alle haben ihre Sorgen und Probleme, aber auch ihre Träume und Wünsche. In einem flott zu lesenden historischen Schmöker bereitet Paula Nicolai ein interessantes Panorama der damaligen Gesellschaftsschichten vor den Lesern aus und entführt sowohl in die mondäne, gut betuchte Oberschicht als auch in die Welt der Arbeiterklasse.

 

Ich habe mich mit diesem Roman gut unterhalten gefühlt und mitgefiebert, um allen Beteiligten nach und nach ihre Geheimnisse zu entlocken. Ein schöner Schmöker für alle, die historische Romane mögen, die sich beim Lesen gut unterhalten wollen und einfach komplett in einer vergangenen Zeit versinken wollen. Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 20.11.2025

Eine Rückkehr zur eigenen Identität

Die Rückkehr der Rentiere
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Ann-Helen Laestadius hat sich mittlerweile als die wohl wichtigste (und auch bekannteste) literarische Stimme der Sámi-Kultur etabliert. Ihr neuestes Werk, „Die Rückkehr der Rentiere“ legt den Fokus auf ...

Ann-Helen Laestadius hat sich mittlerweile als die wohl wichtigste (und auch bekannteste) literarische Stimme der Sámi-Kultur etabliert. Ihr neuestes Werk, „Die Rückkehr der Rentiere“ legt den Fokus auf eine sehr persönliche Reise - die Suche nach der eigenen Identität. Das wunderschöne Cover hat mich in seinen Bann gezogen - allerdings auch einige Assoziationen geweckt, die ich im Buch so nicht wiedergefunden habe.

​Im Zentrum des Romans steht die 29-jährige Marina. Sie war Hals über Kopf aus ihrer Heimatstadt Kiruna im hohen Norden Schwedens nach Stockholm gezogen und hat sich in die Anonymität der Großstadt geflüchtet. Doch sie kommt dort mental nie wirklich an, deshalb geht sie zurück nach Kiruna. Nach ihrer Rückkehr muss sie sich ihrer Vergangenheit stellen.

Der Roman beschäftigt sich mit der Zerrissenheit zwischen traditionellen Werten und moderner Gesellschaft. Doch an dieser Stelle hat es mir das Buch etwas schwer gemacht. Da dies mein erstes Buch der Autorin war, war ich mit den Problemen/Werten/Lebensweise der "klassischen" Sami-Kultur noch nicht vertraut. Im Buch habe ich erlebt, wie diese von Marinas Eltern bereits verleugnet werden, aber hatte dazu wenig Hintergrundwissen. Das machte es mir recht schwer, manches einzuordnen und zu verstehen.

Dazu kam leider, dass ich mit Marina nicht richtig warm geworden bin. Wir sind hier sehr viel in ihrer Gedanken- und Gefühlswelt - wenn man sich da schwertut mit dem Hauptcharakter, hat man es insgesamt schwer mit dem Buch. Das ist ganz natürlich, denke ich. Ich hatte mir eher eine handlungsgetriebene Geschichte erhofft, das hat mein Interesse im Laufe des Romans etwas abflauen lassen, obwohl ich den Schreibstil der Autorin grundsätzlich als sehr einnehmend empfand. Das Cover weckte in mir Assoziationen zu Nature Writing und einem ländlich-traditionellem Setting, das war jedoch nicht in dem Maße der Fall wie erhofft.

Ich hatte mir irgendwie vorgestellt, dass es mehr um das traditionelle Leben der Sami gehen würde - aber da sollte ich wohl doch erst einmal zu ihrem ersten Buch "Das Leuchten der Rentiere" greifen. Ich denke, dass mich das mehr begeistern würde.

​Fazit
​„Die Rückkehr der Rentiere“ ist ein Roman über Identität und Gesellschaft im Schweden der 1970er bis 1990er Jahre. Ich würde jedoch empfehlen, ihn nicht ohne einige Vorkenntnisse zur Sami-Kultur zu lesen bzw. nicht direkt vom Cover auf den Inhalt zu schließen.




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Veröffentlicht am 12.11.2025

Winter Wonderland? Nicht bei Simon Beckett...

Knochenkälte
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Die verschneiten Berge Cumbrias bilden das Setting des neuesten David-Hunter-Krimis, auf den Fans mehrere Jahre warten mussten. Und hat sich das Warten gelohnt? In meinem Fall… ja, schon irgendwie, aber… ...

Die verschneiten Berge Cumbrias bilden das Setting des neuesten David-Hunter-Krimis, auf den Fans mehrere Jahre warten mussten. Und hat sich das Warten gelohnt? In meinem Fall… ja, schon irgendwie, aber…


Mit einem wohligen Schaudern denke ich dran zurück, wie ich atemlos auf der Couch saß und völlig versunken war in den Fall, in dem er auf der Hebrideninsel Runa ermittelte oder als er in den USA auf der sogenannten „Body Farm“ unterwegs war - Fälle (und Bücher), die Maßstäbe gesetzt haben für eine ganze Generation von Thrillerautoren. Gemessen daran muss ich leider sagen, dass der neue Fall an diese außergewöhnlichen Thriller nicht heranreicht (zumindest in meinen Augen).

 

Was aber immer noch heißt, dass „Knochenkälte“ ein echt gutes Buch ist! Der Ton, das Setting und die Verwicklungen sind gut ausgearbeitet und beschrieben, so dass man wie immer in Becketts Büchern mittendrin ist und einem der eisige Wind förmlich um die Ohren pfeift, wenn man mit David Hunter in der winterlichen Fichtenplantage mitten im Nirgendwo unterwegs ist. Auch der Fundort der Skelette in den Wurzeln der Bäume ist eine neue Perspektive, die ich so noch nicht gelesen habe. Und sind wir mal ehrlich - wie schwer ist es für Thrillerautoren, immer wieder neue Ideen zu entwickeln, möglichst spektakulärer als bisher und die Leser immer wieder zu überraschen?

 

Am meisten hat mich Simon Beckett diesmal ehrlich gesagt mit dem Anfang der Geschichte überrascht - ich sag nur: das Schaf ohne Beine. Das war für seine Verhältnisse ein ziemlich amüsanter Einstieg in den Roman, der dann aber schnell zur gewohnten Ernsthaftigkeit fand.

 

Aus irgendwelchen Gründen konnte mich dieser Fall jedoch nicht so fesseln wie die vorherigen. Ich bin mit den Figuren nicht so richtig warm geworden (die einzige Ausnahme war Max - aber wer könnte einem jungen Labrador auch widerstehen?). Selbst bei Nisha hatte ich immer ein kleines Distanzgefühl (vielleicht hatte ich auch unterschwellig immer den Verdacht, dass keiner der Protagonisten am Ende so ist, wie er/sie am Anfang wirkt…) und auch Hunter selbst war für mich  diesmal etwas „blass“. Eine wirklich neue Entwicklung in seiner Person habe ich in diesem Buch nicht gesehen und das hat mich irgendwie ein wenig enttäuscht.

 

Aber letztendlich muss man sagen - das ist Jammern auf ziemlich hohem Niveau, denn der Fall um die in den Baumwurzeln eingewachsenen Knochen ist spannend, clever konstruiert und atmosphärisch geschildert. Natürlich schrammt Hunter auch diesmal wieder knapp am sicheren Tod vorbei und vollbringt schier Übermenschliches, um die Personen um sich herum zu retten. Genau so, wie es seine Fans lesen wollen.

 

Deshalb empfinde ich diesen 7. Band der Reihe als routiniert geschriebene Fortsetzung, die diesmal durch das winterliche, abgeschottete Setting in einem kleinen Dorf in den Bergen Cumbrias besticht. Punkten kann der Autor bei mir mit einem cleveren und komplexen Plot, der am Ende viele Fäden zusammenlaufen lässt und einigen Anflügen von Humor, die mir in seinen früheren Romanen nicht so aufgefallen sind. Mit der Charakterentwicklung des Protagonisten war ich jedoch nicht so zufrieden, da hätte ich mir mehr Dynamik erhofft.

 

Alles in allem ist der Roman für mich eine gute, aber keine herausragende Fortsetzung der Reihe. Im nächsten Band wünsche ich mir da mehr - oder aber einen würdigen Abschluss, denn vielleicht wäre es auch an der Zeit, neue Wege zu gehen und David Hunter zu verabschieden, wenn seine Geschichte nahezu auserzählt ist.

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