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Veröffentlicht am 03.09.2021

Der Zauber geschriebener Worte

Für immer und ein Wort
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Der Zauber geschriebener Worte

ACHTUNG Diese Rezension enthält einen Spoiler – ohne diesen hätte ich aber meinen Leseeindruck nicht begründen können.

 

Kann man sich in Worte verlieben? Mit diesem Leitsatz ...

Der Zauber geschriebener Worte

ACHTUNG Diese Rezension enthält einen Spoiler – ohne diesen hätte ich aber meinen Leseeindruck nicht begründen können.

 

Kann man sich in Worte verlieben? Mit diesem Leitsatz wirbt der Verlag für den neuen Roman von Anne Sanders. Deren Hauptfigur Annie passiert genau das. Als sie im Dartmoor zufällig ein kleines Büchlein findet, das Gedanken und Gedichte eines Fremden enthält, fühlt sie sich diesen Worten mehr als verbunden – zumal sie selbst den Eindruck hat, in einer ähnlichen Situation zu stecken wie der Schreiber. So, als hätte er diese Worte direkt für sie geschrieben.

 

Für Annie wird es zur fixen Idee, den Schreiber der Zeilen ausfindig zu machen und tatsächlich – sie findet einen Namen und eine Adresse in dem Buch: J. Edwards in London. Kurzentschlossen klingelt Annie an dessen Tür – und ist erschrocken, als der Mann, der ihr öffnet, so gar nicht ihrer Vorstellung von dem wortgewandten, vergeistigten Mann entspricht, die sie sich nach dem Lesen der Zeilen gemacht hat.

Und das kann auch gar nicht funktionieren – denn Jack Edwards ist nicht der Verfasser des Büchleins. Aber: er sagt ihr das nicht. Das wiederum führt zu Verwicklungen, auf denen das gesamte Buch aufbaut, und auch wenn es natürlich letztlich das obligatorische Happy End gibt, haben die beiden Protagonisten viele Missverständnisse und Schwierigkeiten zu bewältigen.

 

Mit meiner Einschätzung des Romans tue ich mich etwas schwer diesmal. Denn einerseits finde ich ihn wunderschön geschrieben und bin förmlich durch die Zeilen geflogen. Da der Text mitunter durch Auszüge aus dem kleinen Tagebüchlein und durch den Nachrichtenaustausch zwischen Annie und Jack aufgelockert wird, hat man nicht das Gefühl, einen „Wälzer“ zu lesen. Es ist nicht nur eine vollgeschriebene Seite nach der anderen, das war wohltuend und gibt dem Roman Spielraum und Zwischentöne.

 

Aber – und das hat mich bewogen, statt 5 „nur“ 4 Sterne zu vergeben: ich bin mit der Ausgangssituation des Buches nicht warm geworden. Alles baut auf der Szene auf, als Annie vor der Tür des Fremden steht und ihm das Buch überreicht (das er noch nie gesehen hat). Aus meiner Sicht hätte ziemlich jeder erstmal gesagt „tut mir leid, junge Frau, das gehört mir nicht und das habe ich auch nicht geschrieben.“ Dass Jack das nicht tut, war für mich kaum zu verstehen, weil es die natürliche Antwort von so ziemlich 99 % der Bevölkerung gewesen wäre. Nur weil Jack sie in dem Glauben lässt, er wäre tatsächlich der Autor dieser Zeilen, nimmt die Geschichte zwischen Annie und Jack dann in der beschriebenen Art ihren Lauf. Und das war zwar schön zu lesen, aber für mich – auch im weiteren Verlauf – nicht immer komplett nachvollziehbar. Es wirkte einfach zu konstruiert auf mich.

 

Ich hätte mir gewünscht, dass Jack Annie an der Tür die Wahrheit sagt und sich dann die Geschichte zwischen ihnen auf andere Art entwickelt (z. B. indem sie – ohne zu viel verraten zu wollen – sich beide gemeinsam auf Spurensuche begeben, wie das Buch zu seinem Fundort kam). Das wäre für mich die nachvollziehbarere Geschichte gewesen.

 

Dennoch möchte ich betonen: das ist meine persönliche Sichtweise und ich will auf keinen Fall jemanden davon abraten, dieses Buch zu lesen. Denn wer auf zeitgenössische Liebesromane steht und vielleicht sogar noch ein Faible für Großbritannien hat, wird diesen Roman sehr genießen! Er ist wirklich wunderbar geschrieben und lohnt sich auf jeden Fall!

 

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Veröffentlicht am 28.08.2021

Ein Leben für die Liebe – ohne Netz und doppelten Boden

Frau von Goethe
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Christiane Vulpius war eine faszinierende Frau. Was sie für ihr Lebensglück in Kauf genommen hat, kann man gar nicht hoch genug ansehen in der damaligen Zeit. Im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert war ...

Christiane Vulpius war eine faszinierende Frau. Was sie für ihr Lebensglück in Kauf genommen hat, kann man gar nicht hoch genug ansehen in der damaligen Zeit. Im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert war eine Frau nur dann „abgesichert“, wenn sie von einem Mann geheiratet wurde, der die Familie ernähren konnte.

Nun war ihr Geheimrat Goethe, in den sie sich als junge Frau Hals über Kopf verliebte, wahrlich nicht arm. Aber er glaubte nicht an die konventionelle christliche Lehre und somit auch nicht daran, dass eine Ehe nur dann eine Ehe ist, wenn sie mit einer Heiratsurkunde besiegelt ist. Von Anfang an machte er Christiane klar, dass er sie nicht heiraten würde. Und sie akzeptierte das. Das könnte man absolut naiv nennen – oder aber mutig. Denn das, was zwischen Goethe und seiner Christiane war, scheint wirklich echte Liebe gewesen zu sein. Er ließ sie und ihre Verwandten (Tante und Schwester) mit bei sich einziehen, sorgte für ihre Liebsten und bekam mit Christiane auch Kinder. Nur die Heiratsurkunde musste sich Christiane „abschminken“.

Nun war das Leben in „wilder Ehe“ damals wirklich kein Zuckerschlecken für eine Frau. Christiane wurde verunglimpft, verspottet, ihr blieben viele Türen verschlossen. Hinter ihrem Rücken wurde sie beschimpft, aber manche machten sich gar nicht erst die Mühe, dies hinter ihrem Rücken zu tun. Doch Christiane legte sich ein dickes Fell zu und hielt es aus. Das muss damals wirklich echte Liebe gewesen sein, denn die Opfer, die sie dafür brachte, waren groß. Nicht nur das Gerede der Leute – sie war ja auch in keinster Weise abgesichert.

Wenn Goethe etwas passiert wäre, hätte sie mittellos dagestanden. Und ohne Dach über dem Kopf, denn sie hätte ja das Haus am Frauenplan oder das Gartenhaus an der Ilm im Park von Weimar nicht erben können. Zwar versuchte Goethe Vorkehrungen zu treffen, er erkannte auch den gemeinsamen Sohn als legitimes Kind an, aber er war bei diesen „Absicherungen“ immer von der Gnade seines Dienstherrn, des Herzogs, abhängig. Wenn es dort eine Machtverschiebung gegeben hätte – was zu damaliger Zeit doch öfters vorkam, wäre trotz allem guten Willen all dies umsonst gewesen.

Und noch etwas muss man Christiane zugute halten: mit einem Mann wie ihrem „Dichterfürsten“ muss man auch umgehen können… so wie das Buch ihn schildert, scheint er mitunter ein recht sprunghafter Charakter gewesen zu sein – schnell von etwas begeistert, ohne zu durchdenken, was eine Entscheidung auf längere Sicht für Konsequenzen hat. So kaufte er schon mal die eine oder andere Immobilie, die sich im Nachhinein als unnütz herausstellte und war drauf und dran, seinen ganzen (großen) Hausstand umzusiedeln – ob es ihnen nun gefiel oder nicht – weil er sich z. B. einbildete, das Landleben würde ihnen besser bekommen als das in Weimar.

Auch war er mit zunehmendem Alter immer empfindlicher, ließ Christiane öfters allein um in Ruhe arbeiten zu können, zeigte gleichzeitig hypochondrische Züge und war eben „eine Künstlerseele“. Damit muss man erstmal umgehen können – und sich dafür selbst zurücknehmen, obwohl man wenig Gegenleistung dafür erhält – und schon gar keine Heiratsurkunde.

Erst sehr spät, nach einem einschlägigen Erlebnis, heiratet Goethe seine Christiane doch noch. In einer – wie es seinem Naturell entspricht – Nacht- und Nebelaktion.

Wie gesagt – Christiane ist eine faszinierende Frau und es war höchst interessant, hinter die Fassade des Goethe’schen Haushalts zu blicken auf die Frau, die dem großen Dichter zeit ihres Lebens den Rücken freihielt und gleichzeitig den Rücken stärkte. Vielleicht wäre Goethe nie eine solche „Institution“ geworden, wenn er Christiane nicht gehabt hätte – die starke Frau an seiner Seite. Packend geschrieben und emotional erzählt!

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Veröffentlicht am 24.08.2021

Das beste Tennismatch aller Zeiten – eine Farce?

Julius oder die Schönheit des Spiels
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Julius ist ein Sportsmann, ein Kämpfer, aber auch ein guter Verlierer. Julius ist zwar ein fiktionaler Name und Charakter, aber eng angelehnt an den in den 1920er/30er Jahren sehr populären Tennisspieler ...

Julius ist ein Sportsmann, ein Kämpfer, aber auch ein guter Verlierer. Julius ist zwar ein fiktionaler Name und Charakter, aber eng angelehnt an den in den 1920er/30er Jahren sehr populären Tennisspieler Gottfried von Cramm. Cramm war bekannt dafür, äußerst fair mit seinen Gegnern umzugehen und lieber „schönes Tennis“ zu spielen als zu gewinnen. Doch nicht nur auf dem Platz war er ein Ehrenmann. Er unterstützte Freunde völlig unabhängig von Herkunft, Religion oder sexueller Identität und war damit im Nationalsozialismus schnell den Machthabern im Dorn im Auge. Er trat nie in die NSDAP ein und versuchte sich immer aus dem politischen Minenfeld herauszuhalten.

Aus dieser Konstellation – und der Tatsache, dass von Cramm tatsächlich im Jahr 1938 unter merkwürdigen Umständen festgenommen wurde – entwirft Tom Saller ein Szenario, das einerseits fast unglaublich klingt, andererseits so gut zu dem ehrenwerten Sportler passt, dass man versucht ist, es genau so glauben zu wollen. Was, wenn Julius (Gottfried) das „beste Tennismatch aller Zeiten“ gar nicht wirklich verlor? Was, wenn er das Spiel beeinflusste – aufgrund eines ominösen Anrufs, den er kurz vor dem Spiel entgegennahm?

Was in der ersten Hälfte noch wie ein Coming of age- Roman wirkt und mitunter ein wenig träge daherkommt, wird in der zweiten Hälfte immer spannender. Als die Hintergründe des mysteriösen Anrufs schließlich offenbar werden, habe ich nach Luft geschnappt – und konnte Julius plötzlich so gut verstehen. Tom Saller hat vor allem im letzten Drittel ein immens beeindruckendes Buch geschaffen, das mit vielen Aha-Effekten aufwartet.

Ich selbst muss zugeben, dass ich zu blöd war alle Hinweise zu erkennen. Dass es sich bei der in Berlin kennengelernten Freundin Lena um Marlene Dietrich handelte, wurde mir leider erst mit dem Nachwort bewusst. Seinen Freund Erich jedoch habe ich gleich „erkannt“.

Ich ziehe meinen Hut vor der Komposition dieses Buches, das mit vielen historischen Grundlagen, aber doch auch einer ordentlichen Portion Fantasie aus einem interessanten Stück Sportgeschichte eine noch viel spannendere Geschichte mit viel Empathie, Toleranz und Geradlinigkeit zaubert.

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Veröffentlicht am 07.08.2021

Eine wunderschöne Liebeserklärung an Afrika

Löwenherzen
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„Second gear low – go go go!“ Ja, mit so einem alten Landrover muss man eben bestimmte Regeln beachten. Dafür bringt „Ellie“ unsere beiden Afrika-Reisenden aber auch (meist) zuverlässig durch das oft unwegsame ...

„Second gear low – go go go!“ Ja, mit so einem alten Landrover muss man eben bestimmte Regeln beachten. Dafür bringt „Ellie“ unsere beiden Afrika-Reisenden aber auch (meist) zuverlässig durch das oft unwegsame Gelände. Und zwischenzeitlich sind Gesa und ihr Lebenspartner Frank ja auch keine Anfänger mehr – nach ihrer Ausbildung zu Safari-Guides und diversen Zusatzkursen kennen sie sich aus in Afrika und fühlen sie sich gut vorbereitet auf ihre Reise quer durch 3 Staaten – Botswana, Namibia und Sambia.

Und uns nehmen sie mit! Das ist nicht einfach so dahingesagt, nein, ich meine das wörtlich – denn als Leserin fühlt man sich wirklich mittendrin statt nur dabei! Gesa hat eine wunderbare Art ihre Erlebnisse zu schildern (das war mir schon bei „Frühstück mit Elefanten, ihrem Erstlingswerk, aufgefallen). Und so ist es, als würde man neben ihr am Lagerfeuer sitzen, mit ihr im schmalen Boot das Okavango-Delta erkunden und sich mit ihr zusammen fast in die Hose machen, als sie sich plötzlich von Löwen umzingelt sieht. Und das macht dieses Buch so unheimlich lebendig!

Gesa und Frank bevorzugen die einfache Art, Afrika zu bereisen. Nicht von 5-Sterne-Lodge zu 5-Sterne-Logde, sondern in ihrem alten Landy mit Dachzelt von Campingsite zu Campingsite. Interessante Begegnungen auf zwei und vier Beinen inklusive. Ein wirkliches Abenteuer – aber für die beiden einfach ein Traum, den sie konsequent und trotz gelegentlicher Rückschläge leben.

Die Liebe zum afrikanischen Kontinent und seiner Tierwelt spricht aus jeder Zeile dieses Buches. Gesa betont, wie wichtig ein bewusster und nachhaltiger Umgang mit der Natur ist und klärt nebenbei über die Probleme von Wilderei, unsachgemäßem Safari-Tourismus und die Folgen der Corona-Krise in den Safari-Regionen auf. So entsteht neben einem Reisebericht auch ein Plädoyer für umweltbewusstes Handeln. Gesas Argumente sind nachvollziehbar (etwas anderes hätte ich aber auch nicht erwartet, da sie die Situation vor Ort seit Jahren aus eigener Erfahrung kennt) und so kann sie mit Sicherheit auch ihre Leser
innen zum Nachdenken anregen.

Übrigens, auch Gesa gendert mit * in ihrem Buch – es ist das erste Mal, dass ich sowas über ein längeres Werk hinweg gelesen habe – aber ich muss sagen, man gewöhnt sich sehr schnell dran und mich hat es auch im Lesefluss nicht gestört, zumal sie es nur dort tut, wo es auch hinpasst – nämlich dort, wo verallgemeinert wird. Ein schöner Ansatz, den ich gern öfter in Büchern sehen würde.

Ich könnte noch stundenlang in Lobeshymnen schwelgen, weil ich einfach wieder völlig begeistert und absolut versunken in die Schilderungen war. Aber ich denke, das ist auch im bisherigen Text schon rübergekommen ;) Und so beschränke ich mich darauf, dieses Buch nicht nur wärmstens, sondern heißestens weiterzuempfehlen. Bitte, bitte, bitte lesen! Nicht nur ist es, als wäre man selbst auf Safari, sondern es schärft auch die Sinne für die Probleme in den drei genannten afrikanischen Ländern, ohne belehrend zu wirken. Eine wunderschöne Liebeserklärung an Afrika!

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Veröffentlicht am 04.08.2021

Mehr als ein „Prinzessinnenmärchen“!

Der Prinz an ihrer Seite
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Wer erinnert sich an das berühmte Zitat aus „Notting Hill“, als die berühmte Schauspielerin zu dem unbekannten Buchhändler sagt: „Ich bin doch auch nur ein Mädchen, das vor einem Jungen steht und ihn bittet ...

Wer erinnert sich an das berühmte Zitat aus „Notting Hill“, als die berühmte Schauspielerin zu dem unbekannten Buchhändler sagt: „Ich bin doch auch nur ein Mädchen, das vor einem Jungen steht und ihn bittet es zu lieben.“? Dieser Satz kam mir in den Sinn, als ich diesen Roman zuklappte und meine Gedanken noch einmal zu den beiden Protagonisten wanderten.

Mit einer glamourösen Liebesgeschichte hat die Beziehung zwischen der jungen Thronfolgerin Elizabeth und dem Marineoffizier Philip zunächst wenig zu tun. Zwar ist „Backfisch“ Elizabeth sehr empfänglich für seinen schroffen Charme und ein bisschen in ihn verschossen. Aber ihr ist sehr wohl bewusst, dass von ihr vor allem eine standesgemäße Heirat erwartet wird, die ihrem Land zu Gute kommt. Diese Kriterien erfüllt Philip nur teilweise. Zwar ist er ein Prinz aus höchst adeligen Kreisen, aber seine Familiengeschichte ist nicht gerade dazu geeignet, die britische Krone gut dastehen zu lassen. Die Mutter nach einem Nervenzusammenbruch vor der Welt versteckt in einem griechischen Kloster, die Schwestern verheiratet mit Deutschen – in der Zeit des zweiten Weltkriegs eigentlich ein No go für die Monarchie. Und dann die Manieren dieses Rüpels! Die Eltern von Elizabeth sind alles andere als angetan von der Schwärmerei ihrer Ältesten und hoffen, dass sich die Wogen glätten, wenn sich die jungen Leute nur möglichst wenig treffen.

Elizabeth wiederum ist bewusst, dass Philip ihr keine glühende Liebe entgegen bringt, sondern „nur“ ihre überlegte und zurückhaltende Art schätzt. Aber sie weiß auch, dass eine Hochzeit mit ihr für Philip immense Vorteile bringen würde – sie ist nüchtern betrachtet einfach das Beste, was ihm passieren könnte. Und so tut sie bereits in sehr jungen Jahren das, was wir bis heute von der Queen kennen und an ihr schätzen: sie trifft eine wohlüberlegte Entscheidung und schlägt Philip eine Vernunftehe vor – als Partner, wenn schon nicht als Liebende. Für Philip ein immenser Aufstieg in seiner Position, für sie ein Mann, der sie als einziger nicht als (künftige) Königin sieht, sondern einfach nur als Elizabeth. Philip zögert, denn er weiß, dass er sich nur schwer in die Hofetikette einfinden wird. Das wird dann sein Leben sein – ob er das wirklich auf Dauer durchhalten würde?

Aber er wagt es (auch mit sanftem Druck seines Onkels Lord Mountbatten, der den gesellschaftlichen Aufstieg kaum erwarten kann). Nun gilt es vor allem Elizabeths Eltern davon zu überzeugen, dass diese Ehe Bestand haben kann. Philip gibt sich alle Mühe – und scheitert doch des Öfteren am strengen Protokoll. Wie wir alle wissen, heirateten die beiden schließlich tatsächlich und die Ehe hielt über 70 Jahre bis zu Philips Tod.

Die Ehe von Königin Elizabeth und Philip wird in der Öffentlichkeit sehr unterschiedlich bewertet. Von Prestigeheirat bis Liebesglück sind alle Sichtweisen vertreten. Flora Harding schreibt im Nachwort selbst, sie habe versucht, die wahrscheinlichste Geschichte dieser Beziehung zu rekonstruieren. Da es sehr viele Aufzeichnungen zu Elizabeth und Philip in jungen Jahren gibt, begann sich früh eine Version herauszukristallisieren, die den Hergang bis zur Hochzeit ziemlich glaubhaft wiedergibt. Es ist nicht wirklich ein „Prinzessinnenmärchen“, aber Flora Hardings warmherzige Darstellung von Elizabeth sorgt dafür, dass sie sehr menschlich und nahbar wirkt. Hier ist sie nur ein Mädchen, das gern den Jungen heiraten möchte, bei dem ihr Herz höher schlägt. Von ihrer Seite waren definitiv von Anfang an Gefühle im Spiel. Und dieses eine Mal lässt sie sich von ihren Eltern nicht einschüchtern oder mit der Mahnung abspeisen, sie müsse zu allererst an ihr Land denken. Denn Elizabeth weiß, dass sie eine bessere Königin sein würde mit einem Mann an ihrer Seite, der ihr Herz berührt.

Als Fan von Queen Elizabeth habe ich diesen Roman unheimlich genossen, mich aber auch des Öfteren über geschilderte Situationen mit Philip amüsiert. Denn sein unangepasstes Wesen, das er sich bis zum Schluss im Königshaus bewahrt hat und für das er von seinen Fans immer wieder gefeiert wurde, kommt hier an vielen Stellen zum Ausdruck. Man ahnt, wie schwer es ihm gefallen sein muss, sich dem königlichen Protokoll anzupassen und umso lieber verzeiht man ihm seine zahlreichen „Ausrutscher“, die ja gern in der Presse verbreitet wurden. Er war und blieb ein Rebell im Königshaus und ich glaube, das schätzte Elizabeth trotz aller Schwierigkeiten, die sich dadurch ergaben, an ihm.

Wer eine glaubwürdige Version der Kennenlern-Geschichte eines der bekanntesten Paare des 20. Jahrhunderts lesen möchte, liegt mit diesem Roman goldrichtig!




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